Aktuelle Nachrichten
LG Frankfurt am Main zu Korruptionsskandal um Oberstaatsanwalt: Hessen scheitert mit Millionenklage gegen Geschäftspartner
Ausgerechnet ein Korruptionsermittler und ein befreundeter Unternehmer verschafften sich jahrelang illegale Einnahmen. Sie wurden zu Haftstrafen verurteilt. Schadensersatz muss der Geschäftspartner aber nicht zahlen, so das LG Frankfurt.
21/6183: Kleine Anfrage Zur Rente für besonders langjährig Versicherte (PDF)
21/6182: Kleine Anfrage Forschungs-, Technologie- und Transferstand beim autonomen Fahren in Deutschland (PDF)
21/6181: Kleine Anfrage Steuerung und Erfolgskontrolle externer Beratungs- und Unterstützungsleistungen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (PDF)
21/6179: Kleine Anfrage Nutzung von Liegenschaften und Verkehrswegen durch die Bundeswehr in Hamburg (PDF)
21/6178: Gesetzentwurf Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (PDF)
AfD fragt nach Kindern als Täter
Klimarat: Deutschland verfehlt Klimaziele bis 2030
AfD fragt nach Zentrum für Migrationsforschung
Zu wenig Kapazitäten bei Fachkräften in der Pflege
AfD fragt nach "Demokratie leben!"-Programm
Schattenwirtschaft weiter gewachsen
Keine öffentlichen Angaben zur Visumsversagung
AfD fragt nach Straftaten
Übersicht zur Umsetzung von EU-Regeln im Steuerbereich
Norton Rose Fulbright advises Bluefield Solar Income Fund on £548 million recommended cash offer by Drax
Von der Pyramide zur modifizierten Rechtsmarkt-Rakete
Wie sieht der (digitalisierte) Rechtsmarkt der Zukunft aus? Die neue Studie „Legal Market Economics“ des Bucerius Legal Innovation Hub liefert Antworten. Der Beitrag stellt die für die moderne Rechtsorganisationen wesentlichen Erkenntnisse vor.
Die 44-seitige Studie „Legal Market Economics” analysiert mit einem Mixed-Methods-Ansatz die Leistungsfähigkeit des deutschen Rechtsmarkts. Für die Studie wurden unter anderem 610 Mitarbeitende aus Rechtsorganisationen (Kanzleien und Rechtsabteilungen) sowie Studierende befragt sowie Interviews mit HR-Verantwortlichen aus Rechtsorganisationen geführt.
1. Leistungsgap auf dem Rechtsmarkt
Mittels Legal Data Science weist die Studie nach, dass die Komplexität von Recht kontinuierlich zunimmt. So ist der Normumfang an deutschem Bundesrecht in den letzten zehn Jahren um mehr als 20% gestiegen. Gleichzeitig fehlt es an juristischem Nachwuchs: Das Funnel-Modell des juristischen Nachwuchses zeigt einen künftigen Rückgang von Nachwuchsjuristen. Gleichzeitig steht der Anwaltsmarkt vor einer Ruhestandswelle: Rund 17,5 % der Rechtsanwält:innen werden bis 2029 das ruhestandsfähige Alter erreichen. Folge dessen ist ein Leistungsgap auf dem Rechtsmarkt.
Mögliche Auswege aus dem Leistungsgap liegen insbesondere in einer Erhöhung der Effizienz der juristischen Leistungserbringung durch Arbeitsteilung und Technologie. Das Leistungsgap trifft dabei vor allem die Breite der Gesellschaft – können große Rechtsorganisationen ihre Organisationsstrukturen umstellen und profitieren mittelständische Kanzleien von einem Zuwachs an hochwertigen Bewerbungen, gestaltet sich insbesondere die Besetzung wirtschaftlich weniger attraktiver oder ländlicher gelegener Positionen zunehmend schwieriger.
2. Künstliche Intelligenz als Differenzierungs-Booster auf dem Rechtsmarkt
Die Verfügbarkeit von KI-Anwendungen führt zu einem Differenzierungsbooster auf dem Rechtsmarkt. Wirtschaftskanzleien überdenken Geschäfts- und Pricingmodelle und passen in der Folge ihre Organisationsstruktur und Rollenprofile an. Die ursprünglich pyramidenartige Organisationsstruktur auf dem Rechtsmarkt hat sich zu einer – nunmehr KI-modifizierten – Rechtsmarkt-Rakete entwickelt.
Wirtschaftskanzleien werden dabei leaner und dynamischer. Die Basis ist eine prozessorientierte Business-Plattform und ein agiles Business Professional Team. Schmaler wird indes der Senioritätsstreckenkanal für klassische Berufsträger: Legal Connectors (interdisziplinäre Rollenprofile auf dem Rechtsmarkt, z.B. Legal Engineers oder Legal Innovation Manager) und Technologie sind die Booster und unterstützen Berufsträger bei der Leistungserbringung. Damit ändert sich auch das juristische Hiring: Weg vom Gießkannenprinzip wird es spezifischer und erlaubt weniger Verluste auf dem Weg in die Partnerschaft. Bei „Qualität statt Quantität“ wird Personalbindung zunehmend bedeutender.
3. Wachsende Bedeutung von Legal Connectors
Legal Connectors stellen mit ihrem interdisziplinären Rollenzuschnitt und im Wege von Arbeitsteilung die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Rechtsorganisationen sicher. Die Studienergebnisse zeigen, dass insbesondere größere Rechtsorganisationen Legal Connectors beschäftigen – letztlich auch eine Finanzfrage. In großen Kanzleien sind insbesondere Legal Tech Specialists und Softwareentwickler:innen gefragt, wobei Legal Data Analysts und Legal Change Manager verstärkt in das Hiring-Radar geraten. Insbesondere Letztere zeigen eindrucksvoll, dass KI-Adaption nicht nur Tech-, sondern auch Organisations- und Kulturthema in Kanzleien ist. Wermutstropfen sind ein Stück weit die eigene Einbindung und Karriereperspektiven von Legal Connectors. Wenn Interviewergebnisse zeigen, dass Legal Connectors zwar häufig Träger des so wichtigen Schnittstellenwissens sind, sich auf dem Peak (!) ihrer Karriere aktuell allerdings auf einem Gehaltsniveau wie First Year Associates befinden, müssen sich Rechtsorganisationen die Frage stellen, welche Karrierepfade für Legal Connectors bestehen und wie eine langfristige Bindung an die eigene Rechtsorganisation erfolgen kann.
4. Vom Schutzschild zum Navigator – Rollen von Rechtsabteilungen ändern sich
Früher war die Rechtsabteilung anlassbezogener Schutzschild mit Jurist:innen als Engpass. Durch KI-automatisierte Routineprozesse im Hintergrund ändert sich die Rolle: Inhouse-Jurist:innen sind die Navigatoren in unsicheren Zeiten, die dank technischer Monitoring- und Risikosysteme frühzeitig strategisch eingreifen können. Für Kanzleien stellt sich damit verbunden die Frage, welche Tätigkeiten zukünftig zunehmend inhouse erledigt werden und welche Auswirkungen dies auf das eigene Geschäft hat.
5. Mindset- und Marktspezifika der Rechtsbranche als Adaptions-Herausforderung
Nach den Studienergebnissen liegen die größten (inhaltlichen) Herausforderungen von Technologie im Rechtskontext in der Qualität von Tools, fehlender Technologiekompetenz sowie Compliance-Anforderungen.
Damit verbunden sind vier strukturelle Hürden des Rechtsmarkts bei der erfolgreichen KI-Adaption: nicht dürfen, nicht wissen, nicht müssen und nicht wollen. Hinsichtlich „Nicht dürfen“ ist der Rechtsbereich berufsrechtlich besonders sensibel und erschwert daher Trial-and-Error-Mechanismen. Regulatory Sandboxes könnten hier ein Instrument innovativer Regulierungsausgestaltung und regulatorischen Lernens sein. Der Bereich „Nicht wissen“ geht eng einher mit fehlender Technologiekompetenz – für 65 % der Mitarbeitenden in Kanzleien und Rechtsabteilungen stellt fehlende Technologiekompetenz eine zentrale Hürde dar. „Nicht müssen“ beschreibt ein Phänomen, dass kleine Einheiten noch keine unmittelbaren Effekte Künstlicher Intelligenz auf ihre Pricing-Strukturen sehen – die Frage ist nur: Wie lange bleibt dies noch so? „Nicht wollen“ ist indes ein Change-Management-Thema. Hier gilt es, Sorgen, Nöte und Ängste im Zusammenhang mit dem Thema KI und möglichen Verschiebungen der eigenen Rollenprofile zu adressieren, was Führungsaufgabe ist.
6. Verfestigung einer Zweiklassengesellschaft auf dem Rechtsmarkt
Schließlich zeigen die Studienergebnisse, dass KI im Rechtsbereich die Zweiklassengesellschaft auf dem Rechtsmarkt verfestigt. Große Kanzleien nutzen KI-Tools signifikant intensiver als kleinere. Ferner haben große Kanzleien zu einem signifikant höheren Anteil eine KI-Strategie für ihre Rechtsorganisation und nutzen – wenngleich ebenfalls noch auf einem geringen Niveau – KPIs zur Messung des KI-Einsatzes. Schließlich profitieren große Kanzleien durch Legal Connectors von interdisziplinären Teams und Inhouse-Lösungen, während kleinere Einheiten auf die Implementierung günstiger Off-the-Shelf Produkte angewiesen sind.
-> STUDIEN-DOWNLOAD: Die vollständige Studie „Legal Market Economics“ kann unter buceri.us/legal-market-economics kostenfrei heruntergeladen werden.
Autor: Dr. Florian Skupin, M.A. ist Executive Director Legal Technology an der Bucerius Law School, leitet den Bucerius Legal Innovation Hub und ist zugelassener Rechtsanwalt. Er verantwortet die Studie „Legal Market Economics“.
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