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Caligula und Trump
Seit dem Aufstieg von Donald Trump taucht ein Vergleich immer wieder in Kommentaren und Essays auf: der römische Kaiser Caligula. Was zunächst wie eine polemische Übertreibung wirkt, weil sie an Caligulas Wahn knüpft, ist tatsächlich Gegenstand ernsthafter Debatten. Historiker, Politikwissenschaftler und Kommentatoren haben versucht, strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen beiden Figuren herauszuarbeiten: von populistischen Machtstrategien über spektakuläre Selbstdarstellung bis hin zur bewussten Demütigung politischer Eliten. Der Vergleich ist nicht unumstritten, doch gerade deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Parallelen und die Grenzen dieser historischen Analogie.
Operation Alice: Wie Ermittler ein gigantisches pädokriminelles Darknet-Netzwerk zerschlugen
Mehr als 373.000 Darknet-Seiten, hunderte identifizierte Nutzer und ein weltumspannendes Ermittlungsnetz: Mit der Operation Alice ist Strafverfolgern einer der größten Schläge gegen pädokriminelle Strukturen im Internet gelungen. Hinter dem Netzwerk verbarg sich offenbar ein einziger Betreiber – und ein perfides System aus Fake-Shops, Kryptowährungen und globaler Anonymität. Der Fall zeigt, wie das Darknet funktioniert, wo seine Schwächen liegen – und welche Lehren Polizei und Justiz aus der Operation ziehen.
Beschädigt Julia Klöckner das Amt der Bundestagspräsidentin? – Neutralität, Social-Media-Strategie und die TikTok-Debatte
Das Amt der Bundestagspräsidentin gilt traditionell als eines der stilleren Machtzentren der deutschen Politik. Wer es innehat, soll über den Parteien stehen, parlamentarische Würde wahren und die Integrität des Hauses schützen. Doch seit dem Amtsantritt von Julia Klöckner wird zunehmend diskutiert, ob sich dieses Rollenverständnis verändert. Kritiker werfen ihr vor, das Amt stärker zu personalisieren, politische Positionen offensiver zu vertreten und nun sogar eine hochdotierte Social-Media-Stelle – speziell für TikTok – einzurichten, während im Bundestag gleichzeitig ein Sparkurs gilt. Die Kontroverse berührt grundsätzliche Fragen: Wie politisch darf das zweithöchste Staatsamt sein? Wo verläuft die Grenze zwischen moderner Kommunikation und persönlicher Profilierung? Und beschädigt die aktuelle Debatte tatsächlich das Amt – oder zeigt sie nur den Wandel politischer Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter?
„Virtuelle Vergewaltigung“: Der Fall Collien Fernandes gegen Christian Ulmen und was Spaniens Strafrecht dazu sagt
Der Vorwurf ist ungewöhnlich – und juristisch komplex. Die Schauspielerin Collien Fernandes hat gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen in Spanien Strafanzeige erstattet und spricht von „virtueller Vergewaltigung“. Nach ihren Angaben soll über Jahre hinweg ihre Identität im Internet missbraucht worden sein: Fake-Profile, sexuelle Chats mit fremden Männern und pornografische Inhalte, die sie darstellen sollten. Der Fall wirft grundlegende Fragen auf: Was bedeutet „virtuelle Vergewaltigung“ überhaupt? Und vor allem: Kann ein solcher Vorwurf nach spanischem Strafrecht tatsächlich als Sexualdelikt verfolgt werden? Ein Blick in das spanische Rechtssystem zeigt: Die juristische Antwort ist komplizierter, als der Begriff vermuten lässt.
Devisen gegen Gemälde: Wie die DDR Kunst raubte und damit ihre Staatsfinanzen stützte
Als die DDR wirtschaftlich immer stärker unter Druck geriet, griff der Staat zu ungewöhnlichen Mitteln, um an harte Währung zu gelangen. Neben Waffenexporten, politischem Handel und geheimen Finanzgeschäften spielte auch Kunst eine Rolle. Gemälde, Antiquitäten, Möbel, Porzellan oder ganze Sammlungen verschwanden aus Privatwohnungen, Schlössern und Depots – beschlagnahmt durch Behörden oder verkauft durch staatliche Tarnfirmen. Hinter dem scheinbar legalen Kunsthandel stand ein System aus Enteignung, politischem Druck und internationalem Verkauf geraubter Kulturgüter. Erst Jahrzehnte nach dem Ende der DDR beginnen Historiker und Provenienzforscher zu verstehen, wie groß das Ausmaß dieses staatlich organisierten Kunstraubs tatsächlich war.
Wie bleibt Deutschland handlungsfähig, wenn es angegriffen wird? – GG-Kommentare zum Verteidigungsfall von Christoph Klang
Der Verteidigungsfall gehört zu den selten diskutierten, aber verfassungsrechtlich hochsensiblen Bereichen des Grundgesetzes. Was geschieht, wenn Deutschland tatsächlich angegriffen wird? Der Autor Christoph Klang hat sich dieser Frage gewidmet und den gesamten Abschnitt des Grundgesetzes zum Verteidigungsfall kommentiert. Seine Beiträge bieten einen seltenen offenen Zugang zu einem Bereich des Verfassungsrechts, der sonst meist nur in umfangreichen und kostenpflichtigen Großkommentaren behandelt wird.
Wie Botnetze derzeit das Urheberrecht global aushebeln
KI-Scraper beuten derzeit das offene Web aus. Millionen Websites veröffentlichen täglich Texte, Bilder und Daten – oft mit klaren Nutzungsbedingungen und urheberrechtlichem Schutz. Doch im Schatten der KI-Revolution hat sich eine neue technische Praxis etabliert: gigantische Netzwerke automatisierter Bots durchsuchen das Internet, kopieren Inhalte und sammeln sie für Trainingsdaten künstlicher Intelligenz. Häufig geschieht das über weltweit verteilte IP-Adressen, getarnte Browser und sogar gefälschte „Googlebot“-Identitäten. Für viele Betreiber wirkt es wie ein digitaler Raubzug: Inhalte werden massenhaft kopiert, ohne Zustimmung, ohne Vergütung und oft unter Umgehung technischer Schutzmaßnahmen.
Staatsanwaltschaft fordert über 2000 Jahre Haft für Erdoğan-Gegner Ekrem İmamoğlu
Der Prozess gegen den Istanbuler Oppositionspolitiker Ekrem İmamoğlu entwickelt sich zu einem der politisch brisantesten Gerichtsverfahren der modernen Türkei. Die Staatsanwaltschaft fordert für den wichtigsten Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine Haftstrafe von mehr als 2000 Jahren. Kritiker sehen darin einen Versuch, einen potenziellen Präsidentschaftskandidaten juristisch auszuschalten. Der Prozess betrifft hunderte Angeklagte, eine tausendseitige Anklageschrift und Vorwürfe von Korruption bis zur Bildung einer kriminellen Organisation – doch im Hintergrund steht vor allem eine größere Frage: der Zustand der Demokratie in der Türkei.
Sind Polymarket und Kalshi in Wirklichkeit Plattformen für Insiderhandel?
Sogenannte Prediction Markets galten lange als faszinierendes Experiment: Wenn viele Menschen Geld auf zukünftige Ereignisse setzen, entsteht daraus angeblich eine besonders präzise Prognose der Realität. Plattformen wie Polymarket und Kalshi versprechen genau das – einen Markt für Wahrheit. Doch seit Wetten auf geopolitische Krisen, militärische Angriffe und politische Entscheidungen Milliarden bewegen, wächst der Verdacht: Was, wenn manche Teilnehmer mehr wissen als andere? Und was bedeutet es, wenn politische Netzwerke – bis hinein in die Familie des US-Präsidenten Donald Trump – finanziell mit solchen Plattformen verbunden sind?
Epstein, Weinstein und die Lektionen für Frauen
Die Namen Jeffrey Epstein und Harvey Weinstein stehen heute für zwei der größten Sex- und Machtmissbrauchsskandale der modernen Geschichte. Beide Fälle erschütterten nicht nur die Medienwelt und Hollywood, sondern offenbarten auch ein System aus Einfluss, Schweigen und struktureller Macht. Viele Opfer berichteten erst Jahre später von dem, was geschehen war – oft aus Angst, niemand würde ihnen glauben oder ihre Karriere wäre zerstört. Doch aus diesen Fällen lassen sich wichtige Lehren ziehen. Sie betreffen Machtverhältnisse, Manipulation, institutionelles Versagen und die Strategien von Tätern. Der folgende Beitrag untersucht, welche Erkenntnisse Frauen – und letztlich auch die Gesellschaft – aus diesen Skandalen ziehen können.
