Legal Tech

Künstliche Intelligenz in der Rechtsbranche – Interview mit Kilian Springer

Legal Tech Verzeichnis - 26.05.2026

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Gastgeber Dr. Daniel Halft (AnwaltsCampus) spricht mit Kilian Springer zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Rechtsbranche“. Kilian Springer ist KI-Experte, Head of Legal bei Distart, Buchautor („KI in der Rechtspraxis“) und Dozent. Neben dem Einsatz von großen Sprachmodellen in der Rechtsbranche wird speziell auch über KI-Agenten diskutiert. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:

1. KI-Agenten sind die nächste Entwicklungsstufe nach Chatbots
Der zentrale Unterschied zu klassischen Chatbots besteht darin, dass KI-Agenten nicht nur Antworten generieren, sondern eigenständig handeln können. Sie erhalten Werkzeuge („Tools“) wie Kalenderzugriff, E-Mail-Zugriff oder Dokumentenmanagement und erledigen Aufgaben autonom. Die Rolle des Menschen verschiebt sich dabei vom Ausführenden zum Koordinator und Qualitätskontrolleur.

2. Der Rechtsmarkt ist technisch noch nicht ausreichend vorbereitet
Obwohl KI enorme Fortschritte macht, hinkt die juristische Praxis hinterher. Viele Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen zwar einzelne Tools wie ChatGPT oder Copilot, verfügen aber häufig weder über eine klare KI-Strategie noch über standardisierte Prozesse oder Verantwortlichkeiten für Einführung und Weiterentwicklung. Besonders problematisch sind uneinheitliche Datenstrukturen und fehlende Digitalisierungsvorarbeit.

3. KI wird juristische Arbeit verändern, aber nicht ersetzen
Die Gesprächspartner gehen nicht davon aus, dass Anwälte durch KI arbeitslos werden. Stattdessen verschiebt sich der Fokus stärker auf menschliche Beratung, Vertrauen, strategische Entscheidungen und komplexe juristische Bewertungen. Standardisierte Routinearbeiten — etwa Vertragsentwürfe, Recherche oder Dokumentenvorbereitung — werden zunehmend automatisiert.

4. Die größten Herausforderungen sind Organisation und Kompetenzaufbau
Das Hauptproblem ist weniger die Technologie selbst als die fehlende Zeit und Expertise in Kanzleien („too busy to care“). Erfolgreicher KI-Einsatz erfordert Lernbereitschaft, praktische Erfahrung und neue Rollen wie Legal Operations oder Legal Engineering. Gleichzeitig betonen die Sprecher, dass Juristen selbst aktiv verstehen müssen, wie KI funktioniert, um Ergebnisse kontrollieren und verantworten zu können.

5. Agentische KI wird sehr kurzfristig marktrelevant werden
Beide Gesprächspartner erwarten, dass innerhalb der nächsten 12 Monate erste ernstzunehmende agentische Lösungen speziell für den Legal-Bereich entstehen. Jura gilt als besonders geeignet für KI-Agenten, weil der Kern juristischer Arbeit stark textbasiert ist: Lesen, Analysieren, Strukturieren und Erstellen von Dokumenten. Der Markt befindet sich nach ihrer Einschätzung unmittelbar vor einem größeren Umbruch.

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Codex for Legal – OpenAI könnte gezielt in den Legal Tech Markt vorstoßen

Legal Tech Verzeichnis - 24.05.2026

OpenAI arbeitet offenbar an einer juristischen Spezialversion seines auf Basis von ChatGPT arbeitenden KI-Systems Codex. Das berichtet das britische Fachmedium Artificial Lawyer unter Berufung auf mehrere Quellen aus dem Legal Tech Umfeld. Demnach könnte das Produkt unter dem Namen „Codex for Legal“ erscheinen und gezielt für Kanzleien und Rechtsabteilungen entwickelt werden.

Laut dem Bericht plant OpenAI dafür gezielte Einstellungen aus der Legal Tech Branche. Artificial Lawyer sieht darin einen strategischen Schritt hin zu stärker vertikalisierten KI-Produkten für einzelne Industrien. Der Ansatz würde OpenAI direkter in Konkurrenz zu spezialisierten Legal Tech Anbietern sowie zu Anthropic bringen, das bereits mit „Claude for Legal“ Lösungen für juristische Anwendungen positioniert.

Codex for Legal

Im Mittelpunkt der Einschätzungen steht die Annahme, dass „Codex for Legal“ nicht nur klassische Rechercheaufgaben übernehmen soll. Vielmehr könnte das System auf komplexe juristische Workflows ausgerichtet werden, etwa Dokumentenanalyse, Vertragsprüfung oder die Integration in bestehende Kanzlei-Software. Artificial Lawyer verweist dabei auf die zuletzt erweiterten Funktionen des Codex-Ökosystems von OpenAI, das zunehmend als umfassende Agentenplattform verstanden werde. Der Legal Tech Bereich wäre hier auch nur ein Feld neben anderen, wie z.B. Vertrieb oder Finance, für die spezielle Lösungen entwickelt werden.

Der Bericht betont zugleich, dass bislang keine offizielle Produktankündigung von OpenAI vorliegt. Die Informationen beruhen auf Insiderangaben, Personalbewegungen und Marktbeobachtungen. Entsprechend handelt es sich derzeit um Hinweise auf eine mögliche strategische Entwicklung, nicht um ein bestätigtes Produkt.

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Intelligenz braucht Architektur: Warum KI in Kanzleien ohne Fundament scheitert

Legal Tech Verzeichnis - 21.05.2026

Die Phase der bloßen Neugier auf Künstliche Intelligenz ist längst vorbei. Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Im rasanten Wettlauf der großen Sprachmodelle von Anthropic, OpenAI und Google verändert sich mit jedem Update, welches Tool gerade die Nase vorn hat. Und doch stellen sich viele Kanzleien im Alltag eine unbequeme Frage: Warum bekommen wir trotz all der neuen Möglichkeiten nicht die Ergebnisse, die wir uns erhofft haben?

Seien wir ehrlich: KI kann Bemerkenswertes leisten. Sie kann rund um die Uhr arbeiten, repetitive Aufgaben übernehmen und Freiraum schaffen für die eigentliche juristische Arbeit. Aber der Glaube, KI allein sei der Hebel für die Transformation zur modernen Kanzlei, ist eine Illusion. KI entwickelt keine Kanzleiprozesse. Sie spiegelt sie lediglich und legt deren Inkonsistenzen offen. Wer chaotische Abläufe mit KI automatisiert, bekommt am Ende nur poliertes Chaos zurück. Schneller und überzeugender als jeder Mensch, aber eben immer noch Chaos.

Bevor es um Tools geht, geht es um Klarheit

Die richtige Frage lautet nicht: „Welches KI-Tool ist das beste?“ Die richtige Frage lautet: „Wo liegen die Engpässe in unseren Abläufen und wie lösen wir sie?“ Denn in den meisten Kanzleien kann niemand einen einzigen Prozess von Anfang bis Ende beschreiben, ohne dass jemand sagt: „Das machen wir je nach Fall unterschiedlich.“ Genau da liegt das Problem. Nicht bei der Software, sondern bei der fehlenden Struktur darunter.

Hier verändert sich aktuell ein ganzes Berufsbild. Wer eine Kanzlei zukunftsfähig aufstellen will, wird vom klassischen Kanzleimanager zunehmend zum Prozessgestalter. Das bedeutet, Abläufe bewusst zu entwerfen und Systeme intelligent zu verbinden. Für diesen Wandel braucht es keine langwierigen, sechsstelligen IT-Projekte. Dafür ist die technologische Entwicklung viel zu rasant. Was es stattdessen braucht, ist eine Infrastruktur, die mitwächst.

Nicht smartere KI. Smartere Infrastruktur.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Software-Lösungen in Kanzleien enorm gestiegen. Deutlich mehr als zehn verschiedene Anwendungen sind in der Praxis keine Seltenheit. Das Problem: Diese Fragmentierung treibt die wahren Kosten. Die Systeme sprechen nicht miteinander, Datenbestände variieren und der ständige Wechsel zwischen den Programmen kostet Fokus und Zeit.

Wenn KI-Tools für juristische Textarbeit auf diese lückenhaften Daten treffen, verpufft ihr Potenzial. Denn guter, vollständiger Kontext aus der Akte ist der wichtigste Faktor für gute KI-Ergebnisse.

Was es braucht, ist ein Fundament. Eine zentrale Plattform, die alle Werkzeuge synchronisiert und Abläufe systemübergreifend steuert. Wir bei Actaport sehen die Kanzleisoftware genau in dieser Rolle. Aber dafür muss sie sich verändern. Eine Kanzleisoftware darf kein starres Korsett mehr sein, das für einen Anwendungsfall gebaut wurde und von allen gleich benutzt werden muss. Sie muss zum technologisch offenen Dreh- und Angelpunkt werden, der sich den individuellen Abläufen der Kanzlei anpasst. Nicht umgekehrt. Die Daten sind in der Kanzleisoftware bereits vorhanden. Wenn man sie verbinden kann, entsteht echte Wirkung. Aber wie man verbindet, ist nicht nur eine technische Frage. Es ist eine fundamentale Entscheidung: Wie will ich meine Kanzlei aufbauen?

Eine konsequent offene Architektur per REST-API ist dafür die Grundvoraussetzung. Sie schützt vor Vendor-Lock-in und ermöglicht es Kanzleien, ihre eigenen Prozesse zu designen und unabhängig zu bleiben. Wenn die Kanzleisoftware nahtlos mit No-Code-Plattformen wie n8n oder Zapier kommuniziert, fließen Daten exakt dorthin, wo sie gebraucht werden. Die Kanzlei kann wechseln, erweitern oder anpassen, ohne von vorne anfangen zu müssen.

Das unterschätzte Potenzial: Automatisierung in drei Stufen

Während sich der aktuelle Hype fast ausschließlich auf KI für das Legal Drafting konzentriert, bleiben zwei riesige Felder unbeachtet: das Kanzleimanagement und das Backoffice. Die stillen Momentum-Killer, die niemand auf dem Radar hat, weil sie so selbstverständlich geworden sind. Hier liegt das größte Potenzial für echte Automatisierung.

Wir empfehlen, einfach zu starten. Aus über 1.000 Projekten mit Anwaltskanzleien haben sich bei Actaport drei klassische Stufen ergeben: die einfache Automatisierung, Prozessorchestrierung und KI-gestützte Workflows.

Stufe 1, einfache Automatisierung: Eine neue Akte wird angelegt; im Hintergrund wird automatisch die passende RVG-Gebühr hinterlegt. Kein Skript, kein Entwickler nötig. Es funktioniert ab Tag eins und verhindert manuelle Fehlerquellen.

Stufe 2, Orchestrierung: Der Workflow wird intelligenter. Bei der Aktenanlage erkennt das System das Rechtsgebiet, baut selbstständig die passende Ordnerstruktur auf, generiert ein Erstdokument mit den Mandantendaten und weist dem zuständigen Anwalt eine Aufgabe zu, sobald alles bereit ist. Mehrere Systeme, eine übergreifende Logik.

Stufe 3, KI-gestützte Workflows: Erst jetzt kommt die KI ins Spiel. Aber eingebettet. Ein KI-Agent analysiert die neu eingereichten Mandantendokumente anhand vordefinierter Prompts, fasst den Sachverhalt zusammen und legt das Ergebnis strukturiert in der Akte ab. Die KI arbeitet nicht isoliert, sondern innerhalb der Architektur, die in Stufe 1 und 2 geschaffen wurde. Genau das macht den Unterschied.

Eine aktuelle Studie von Anthropic, dem Unternehmen hinter der KI Claude, unterstreicht diese Denkrichtung. Auf die Frage, was sich über 80.000 Befragte von KI wünschen, nannten 19 Prozent „Professional Excellence“ als wichtigstes Ziel. Routine abgeben, um sich auf wertschöpfende Arbeit zu konzentrieren. Genau das ermöglichen diese drei Stufen. Wenn das Fundament stimmt.

Jenseits der Illusion

Die Transformation einer Kanzlei ist kein reines Technikproblem. Es ist ein Strukturproblem. Kanzleien, die KI als eigenständige Fähigkeit betrachten statt als Baustein eines strukturierten Systems, werden von den Resultaten enttäuscht bleiben. Diejenigen, die in klare Prozesse, saubere Daten und eine offene Software-Infrastruktur investieren, werden das wahre Potenzial dieser neuen Ära heben. Intelligenz ohne Architektur ist bloßes Rauschen.

Brauchen wir die Kanzleisoftware im Zeitalter der KI also überhaupt noch? Ja, mehr denn je. Als offenes, digitales Betriebssystem der Kanzlei. Wir freuen uns auf den Austausch.

Autor: Conrad Pollack ist im Bereich Growth bei Actaport tätig. Zudem beschäftigt er sich mit der Prozessoptimierung und dem Change-Management in Anwaltskanzleien.

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Zero Legacy: Warum meine digitale Kanzleigründung beim Senken der Einstiegshürden begann

Legal Tech Verzeichnis - 20.05.2026

„Ich finde und behebe rechtliche Bugs im System. Ich kombiniere juristische Exzellenz mit technologischer Präzision, um die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant radikal zu vereinfachen.“

Mit dieser Vision startete ich Anfang des Jahres die debug Rechtsanwälte GmbH. Doch wer glaubt, eine digitale Kanzlei zu gründen bedeute nur, die richtige Software zu abonnieren, irrt gewaltig. Der Weg vom ersten Entwurf des Businessplans bis zum produktiven Start im zweiten Monat war für mich eine Reise durch administrative Hürden, tiefgreifende Compliance-Abwägungen und vor allem die Erkenntnis: Technologische Brillanz ist wertlos, wenn sie zur Hürde für den Rechtszugang wird.

Der gescheiterte Funnel: Legal Design Thinking in der harten Praxis

Mein Ansatz für das Verkehrsrecht war anfangs stark von technischer Euphorie geprägt. In der Vorbereitungsphase nutzte ich Claude Code, um einen eigenen, visuell ansprechenden Mandatierungs-Funnel zu bauen. Mein Anspruch war hoch: Ich wollte von Beginn an alle Daten strukturiert erfassen, um den perfekten digitalen Onboarding-Prozess zu haben. Ich dachte, die visuelle Aufbereitung allein sei schon der entscheidende Vorteil.

Doch im Austausch mit Sachverständigen wurde mir ein kritischer Denkfehler bewusst. Es ging nicht um die technische Schönheit meines Tools, sondern um die Einstiegshürde für den Geschädigten. Jede zusätzliche Abfrage und jede Komplexität vor Ort am Fahrzeug birgt das Risiko, dass der Unfallgeschädigte den Prozess abbricht. Das ist fatal, denn gerade im Verkehrsrecht ist juristischer Beistand bitter nötig. Die Versicherungen kürzen massiv, oft sogar beim Gutachterhonorar. Werden die Hürden zu hoch, verzichten Geschädigte aus Überforderung auf ihre Rechte, obwohl sie kaum in der Lage sind, diese gegenüber den Versicherungen alleine durchzusetzen.

Ich hörte von den Gutachtern immer wieder: „Das dauert zu lange, das sind zu viele Hürden. Wir müssen es den Leuten einfacher machen.“ Die Konsequenz für mich war klar: Ich habe meinen „perfekten“ Funnel radikal entschlackt. Echtes Legal Tech bedeutet hier, den Widerstand zu minimieren, damit der Weg zum Recht überhaupt angetreten wird.

Kommunikation ohne Barrieren: WhatsApp und der Schnitt der Gesellschaft

Dieser Fokus auf niedrige Schwellen prägt auch meine Kommunikation. Ich nutze WhatsApp. Das ist eine Entscheidung, die in der Anwaltschaft oft skeptisch gesehen wird, aber für mich eine Frage der Realität ist. Mandanten im Verkehrsrecht sind ein Querschnitt der Gesellschaft. Und dieser Querschnitt ist nun einmal bei WhatsApp unterwegs.

Besonders wertvoll ist dieser Kanal bei Sprachbarrieren. Ich habe bereits mehrfach erlebt, dass eine telefonische Verständigung kaum möglich war und auch E-Mails an ihre Grenzen stießen. Über WhatsApp konnten diese Mandanten die Nachrichten in ihrer eigenen Geschwindigkeit übersetzen oder Sprachnachrichten nutzen. Sogar die Übersetzung von Nachrichten direkt im Chat ermöglichte uns eine schnelle und präzise Kommunikation. Es war genial zu sehen, wie ein einfaches Tool plötzlich den Zugang zum Recht für Menschen öffnete, die sonst vielleicht an der Sprachbarriere gescheitert wären.

Gleichzeitig dient WhatsApp als B2B-Beziehungsschutz: Kurze Status-Updates beruhigen den Mandanten und verhindern, dass dieser genervt beim Gutachter anruft und dort wertvolle Zeit blockiert. Natürlich war dies kein „Schuss aus der Hüfte“. Ich habe viel Zeit investiert, um die berufsrechtlichen Anforderungen (§ 203 StGB, DSGVO) zu prüfen und eine wasserdichte Compliance-Architektur aufzubauen. Ich kann jedem nur dazu raten: Selbst wenn Sie sich im Datenschutz und Berufsrecht gut auskennen, ziehen Sie für solche Entscheidungen einen Dritten zurate. Ich habe mir ganz bewusst die objektive Meinung einer spezialisierten Kollegin eingeholt, denn gerade bei so kritischen Themen ist ein neutraler Blick von außen durch nichts zu ersetzen. Transparente Aufklärung und aktive Einwilligung sind das Fundament, auf dem dieser pragmatische Weg steht.

Build vs. Buy: Datenarchitektur als Investment

Um diese Flexibilität zu bewahren, habe ich mich gegen Anwaltssoftware von der Stange entschieden. Die meisten Systeme sind starre Monolithe, die in Textfeldern denken. Ich brauchte jedoch eine relationale Datenstruktur. Deshalb konfiguriere ich mein System auf Basis offener Plattformen selbst. Ich arbeite mit frei definierbaren Properties: Jede Versicherung, jede Kürzungsquote und jede Werkstatt wird als trackbarer Datenpunkt erfasst.

Dieses mühsame Strukturieren von Daten ab Tag eins ist meine Versicherung für die Zukunft. Nur so kann ich später KI-Prognosen erstellen, die über vage Schätzungen hinausgehen. Ich baue kein digitales Archiv, sondern ein Data-Warehouse, das mir zeigt, wie das Regulierungsverhalten einer Versicherung in Echtzeit aussieht.

Skalierung neu gedacht: Systeme statt Sachbearbeiter

Wenn die Einstiegshürden gesenkt sind und die Datenstruktur steht, stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Wachstum. Genau deshalb war die Entscheidung, direkt als GmbH zu gründen, von Anfang an so zentral für mich. Ich wollte ein Vehikel schaffen, das auf Wachstum ausgelegt ist, ohne später im laufenden Betrieb durch komplexe Umfirmierungen ausgebremst zu werden.

Doch Skalierung bedeutet für mich nicht, dem klassischen Kanzlei-Reflex zu verfallen. In traditionellen Kanzleien bedeuten mehr Mandate fast automatisch die Einstellung von mehr Associates oder Assistenzkräften. Man wirft gewissermaßen Personal auf ein Prozessproblem. Mein Ansatz ist ein anderer: Bevor ich einen Menschen für eine repetitive administrative Aufgabe einstelle, baue ich einen automatisierten Workflow oder nutze KI-Tools (wie beispielsweise BRYTER). Das Ziel ist es, die klassische Datenerfassung und Standardkommunikation vollständig an die Systeme auszulagern.

Wenn ich in Zukunft mein Team erweitere, suche ich keine reinen Akten-Abarbeiter. Ich suche juristische Fachkräfte, die Lust auf Prozess-Logik und Systemarchitektur haben. Mitarbeiter:innen, die nicht nur das Gesetz anwenden, sondern unsere internen Abläufe verstehen und weiterentwickeln wollen. Die Software übernimmt das juristische Fließband, der Mensch die empathische Mandantenführung und die strategische Rechtsdurchsetzung. Das verändert nicht nur die Kostenstruktur der Kanzlei enorm, sondern macht den Beruf für uns alle wieder kreativer und erfüllender.

Fazit: Der „Debug“-Modus als Dauerzustand

Die ersten Monate meiner Gründung haben mir gezeigt: Perfekt ist es nie. Man muss bereit sein, Konzepte über Bord zu werfen, Feedback von den Beteiligten ernst zu nehmen und flexibel zu bleiben. Der Schritt in die GmbH-Gründung und die Entscheidung für ein eigenes System waren mit großem Respekt und auch der Angst vor Fehlern verbunden. Aber es war der richtige Weg, um agil auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren zu können.

Letztlich ist das auch die Essenz hinter meinem Kanzleinamen: to debug bedeutet in der Softwareentwicklung, Fehler im System präzise zu finden und nachhaltig zu lösen. Genau das tue ich für die rechtlichen Probleme meiner Mandanten, indem ich Jura und Technologie zu einem reibungslosen Workflow verschmelze. Und dieser Prozess des „Debugging“ hört nie auf – er ist der Kern meiner täglichen Arbeit.

Autorin: Melissa Nagel, LL.M., ist Rechtsanwältin und Gründerin der debug Rechtsanwälte GmbH in Köln. Zuvor war sie seit 2021 als Rechtsanwältin für verschiedene mittelständische Kanzleien mit Verbraucherfokus tätig. Heute verbindet sie juristische Expertise mit tiefem technischem Prozessverständnis und ist spezialisiert auf prozessgesteuerte Rechtsberatung unter anderem im Verkehrsrecht. Sie ist zudem Vorstandsmitglied im Legal Tech Lab Cologne e.V.

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Wolters Kluwer integriert Libra und Kleos für nahtlose, KI-gestützte juristische Workflows

Legal Tech Verzeichnis - 20.05.2026

Wolters Kluwer Legal & Regulatory hat die Integration von Libra, dem Legal AI Workspace des Unternehmens, mit Kleos, seiner cloudbasierten KanzleimanagementLösung für Anwaltskanzleien, bekannt gegeben. Die Integration unterstützt nahtlose juristische Workflows und ermöglicht es Juristinnen und Juristen, einfacher von Recherche und Analyse zur täglichen Mandats und Fallbearbeitung überzugehen, indem Kanzleimanagement und KIgestützte Funktionen kombiniert werden.

Die Einführung erfolgt zunächst in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Durch die Verbindung von Kleos und Libra vereint Wolters Kluwer KIgestützte Funktionen, operatives Kanzleimanagement und Recherche in einem integrierten Arbeitsumfeld zusammen. Aufgaben, die bislang einen Wechsel zwischen verschiedenen Systemen erforderten, können nun innerhalb eines durchgängigen Workflows erledigt werden. Dies reduziert manuelle Übergaben und Fragmentierung und Medienbrüche .

Martin O’Malley, CEO von Wolters Kluwer Legal & Regulatory, sagte: „Juristische Arbeit findet nicht in isolierten Schritten oder einzelnen Tools statt. Durch die Integration von Kleos und Libra richten wir Technologie stärker daran aus, wie Juristinnen und Juristen tatsächlich arbeiten: entlang von Fällen, Mandaten und Fristen, während. Recherche und Umsetzung bleiben eng miteinander verbunden, während KI dabei unterstützt, zusätzlichenMehrwert für unsere Kunden zu schaffen.“

Von der Recherche zur Fallbearbeitung – ohne Unterbrechung

Durch die Integration können in Libra erzeugte Ergebnisse, etwa Rechercheergebnisse, Analysen oder Entwürfe, direkt in die Mandats und Fallstrukturen von Kleos übernommen werden. Dadurch können Juristinnen und Juristen Erkenntnisse aus der Recherche unmittelbar in ihrer operativen Arbeit nutzen, ohne doppelte Arbeit oder erneute Dateneingaben.

Zusätzlich können Anwenderinnen und Anwender direkt aus ihren LibraWorkflows auf ihre in Kleos gespeicherten Dokumente zugreifen. Infolge der Integration wird auch die juristische Recherche Teil des laufenden Workflows, ermöglicht durch die Contentintegration von Libra, statt eines vorgelagerten, getrennten Arbeitsschritts.

Die Integration soll konsistentere Prozesse unterstützen und Expertinnen und Experten dabei helfen, den fachlichen Kontext über den gesamten Arbeitsprozess hinweg zu bewahren – von der Analyse eines Sachverhalts bis zur Umsetzung.

KI-Unterstützung auf Basis professioneller Kontrolle

Libra by Wolters Kluwer ist ein integrierter Legal AI Workspace, der Recherche, Analyse und Texterstellung in einer gemeinsamen Umgebung unterstützt.

Die KI-Funktionen sind darauf ausgerichtet, professionelle Entscheidungsfindung zu unterstützen, mit klarem Fokus auf Transparenz, Governance und den Einsatz autoritativer, von Expertinnen und Experten erstellter Inhalte.

Kleos ist die führende europäische cloudbasierte Kanzleimanagement-Technologie, die von über 30.000 Juristinnen und Juristen genutzt wird, um eine differenzierte Mandantenbetreuung zu bieten und wirtschaftlich erfolgreiche, zukunftsfähige Kanzleien aufzubauen.

Mit der Integration von Kleos und Libra unternimmt Wolters Kluwer einen praktischen Schritt zur Reduzierung der Komplexität juristischer Arbeit und unterstützt reibungslosere Workflows, bessere Kontinuität sowie eine engere Verzahnung von Recherche, Kanzleimanagement und Umsetzung.

Wolters Kluwer Legal & Regulatory unterstützt Expertinnen und Experten in Recht und Compliance dabei, Produktivität und Arbeitsqualität zu steigern, Risiken zu minimieren und komplexe Aufgaben sicher und überzeugt zu lösen. Die spezialisierten Lösungen vereinen tiefes Fachwissen mit modernster Technologie, Analysen und Services, um bessere Ergebnisse für Kundinnen und Kunden zu erzielen.

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Berliner Legal Tech Firma LawX sammelt 7,5 Millionen Euro

Legal Tech Verzeichnis - 19.05.2026

Der Rechtsmarkt steht vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Die steigende Nachfrage nach juristischer Beratung trifft auf einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften im administrativen Bereich. Was häufig übersehen wird: Etwa die Hälfte der Kanzleitätigkeiten sind administrativer Natur – bei gleichzeitig ineffizienten, oft noch aus den 1990er-Jahren stammenden Software-Systemen.

Kanzleien und Notariate verlieren täglich viele Stunden ihrer wertvollen Arbeitszeit durch manuelle Abläufe bei Aktenanlage, Kontakt- und Kalendermanagement, Dokumentenverwaltung und Abrechnung. Gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf weiter, wodurch der Druck auf bestehende Strukturen kontinuierlich steigt.

Diese Entwicklung verschärft sich aktuell, da es bislang an ganzheitlichen, KI-gestützten Systemen fehlt. Während bereits existierende KI-Lösungen vor allem Anwältinnen und Anwälte bei der Recherche und der juristischen Textarbeit unterstützen, bleibt die operative Organisation im Backoffice weitgehend manuell.

Genau hier entsteht mit KI ein neuer Markt: Moderne Betriebssysteme, welche insbesondere die operativen Prozesse von Kanzleien intelligent strukturieren und Teams entlasten.

Das Berliner Unternehmen LawX positioniert sich in diesem Umfeld als innovativer Anbieter eines KI-gestützten Betriebssystems für operative Kanzleiprozesse. Als ganzheitliche Plattform integriert LawX zentrale Abläufe wie Aktenführung, Workflows, Kontakt- und Kalendermanagement, Dokumentenverarbeitung und Abrechnung in einem System. Dabei werden wiederkehrende administrative Tätigkeiten automatisiert.

„Der Rechtsmarkt rutscht in eine strukturelle Krise, weil zentrale Prozesse weiterhin manuell organisiert sind und gleichzeitig die personellen Ressourcen fehlen“, sagt Dr. Norman Koschmieder, Gründer und CEO von LawX. „Wir bauen die technologische Infrastruktur, um diese Prozesse erstmals durchgängig zu automatisieren und damit die Arbeitsfähigkeit von Kanzleien langfristig zu sichern.“

LawX wurde von einem Team gegründet, das juristische Erfahrung aus führenden Wirtschaftskanzleien wie Hengeler Mueller und McDermott Will & Schulte mit Skalierungskompetenz aus der Berliner Tech-Szene verbindet. Das Unternehmen hat bislang über sieben Millionen Euro Kapital aufgenommen. Die aktuelle Seed-Runde wird von Motive Partners angeführt, weitere Investoren sind unter anderem WENVEST Capital, xdeck und SIVentures. Neben institutionellen Investoren beteiligen sich auch bekannte Angel-Investoren aus der Tech- und Legal-Szene, darunter der Flink-Gründer Christoph Cordes sowie der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Ralph Müller.

Im nächsten Schritt plant LawX, seine Produktpalette ab diesem Sommer auf Anwaltskanzleien auszuweiten. Rund 75 Prozent der Notare sind Anwaltsnotare, d.h. sie haben zusätzlich eine Zulassung als Rechtsanwalt, wodurch sich ein direkter Zugang zum Kanzleimarkt ergibt. Zahlreiche Kanzleien haben sich bereits für die Warteliste registriert. Das neue Kapital soll insbesondere in die dahingehende Produktentwicklung, Pflege des Bestandsystems sowie den Ausbau von Vertrieb und Kundenbetreuung fließen.

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KI in der Kanzlei – was Associates wirklich brauchen

Legal Tech Verzeichnis - 19.05.2026

Als Partner einer Großkanzlei ist für mich absehbar, wie der Einsatz von KI zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen wird. Ich sehe es in meinem eigenen Team. Ich höre es von Kolleginnen und Kollegen anderer Kanzleien. Ich beobachte es in Gesprächen mit Mandanten, die selbst KI einsetzen – oder es versuchen.

Und ich sehe zwei Welten. Komplett unterschiedlich. Obwohl alle dieselbe Technologie nutzen. Denn die KI ist nicht entscheidend – es werden die Associates und ihre Einbindung und Schulung sein.

Szenario 1: Die Enttäuschung

Der Associate wurde nie richtig eingearbeitet. Er kennt den Mandanten vom Namen her, vielleicht noch die Branche. Aber was der Mandant wirklich erreichen will? Welche Strategie dahintersteckt? Welches Arbeitsergebnis am Ende stehen soll? Keine Ahnung.

Er hat auch nie gelernt, wie man mit Mandanten kommuniziert. Wie man komplexe Sachverhalte strukturiert. Wie man priorisiert, wenn alles gleichzeitig brennt.

Jetzt soll er KI nutzen. Also tippt er irgendeinen Prompt ein. „Schreib mir ein Gutachten zu XY.“ Oder: „Fasse diesen Vertrag zusammen.“

Die KI liefert. Der Associate kopiert. Schickt ab.

Die Partnerin liest es. Korrigiert die Hälfte. Schreibt den Rest um. Ärgert sich über die verlorene Zeit.

Ihre Schlussfolgerung: „KI bringt ja gar nichts. Alles nur Hype. Hab ich doch gleich gesagt.“

Und dann erzählt sie das beim nächsten Partnerlunch. Und alle nicken. Weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Szenario 2: Die Begeisterung

Der Associate wurde bewusst ins Team eingebaut. Er kennt den Mandanten. War bei Gesprächen dabei. Versteht, was der Mandant erreichen will – geschäftlich, nicht nur rechtlich. Er weiß, welches Arbeitsergebnis erwartet wird und warum.

Er hat gelernt, wie man kommuniziert. Wie man strukturiert. Wie man mitdenkt statt nur abarbeitet.

Jetzt nutzt er KI. Aber anders.

Er gibt der KI Kontext. Erklärt, was er braucht. Formuliert präzise Prompts, weil er weiß, was am Ende rauskommen soll.

Die KI liefert einen ersten Entwurf. Der Associate liest ihn kritisch. Prüft die Argumente. Ergänzt, was fehlt. Streicht, was nicht passt. Verbessert den Output.

Das Ergebnis: besser und schneller als ohne KI.

Er berichtet der Partnerin begeistert. Die liest das Ergebnis. Ist überrascht. Denkt sich: „Wow. Das bringt uns wirklich weiter.“

Und dann erzählt sie das beim nächsten Partnerlunch. Und alle werden hellhörig.

Dieselbe Technologie. Zwei Welten.

Das ist keine Übertreibung. Das ist Alltag. Ich sehe beide Szenarien. Manchmal in derselben Kanzlei. Manchmal im selben Team.

Der Unterschied ist nicht die KI. Der Unterschied ist der Mensch davor. KI ist ein Verstärker. Nicht mehr, nicht weniger. Bei gut trainierten Associates verstärkt sie Kompetenz und Effizienz. Sie beschleunigt gute Arbeit. Bei schlecht trainierten Associates verstärkt sie Oberflächlichkeit und Kontextlosigkeit. Sie macht schlechte Arbeit sichtbarer.

Oder, um es mathematisch auszudrücken: Null mal irgendwas ist immer noch null.

Das Missverständnis

Viele Kanzleien glauben, KI sei ein Shortcut. Man kauft ein Tool, rollt es aus, macht vielleicht noch ein zweistündiges Training – und dann läuft das. „So’n Zeug wie ChatGPT oder das andere, hier, Maurice oder so“ – ich höre solche Sätze öfter, als mir lieb ist.

Die Erwartung: Die Technologie macht die Arbeit. Die Associates müssen nur noch prompten.
Die Realität: Die Technologie macht gar nichts von alleine. Sie braucht jemanden, der weiß, was er will.

Der Kontext geben kann. Der Ergebnisse einordnen kann. Der kritisch prüft statt blind kopiert. Wer glaubt, man kann KI einführen und sich die Ausbildung sparen – viel Spaß. Die Enttäuschung kommt. Garantiert.

Was gute KI-Nutzung voraussetzt

Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht, was Associates brauchen, um KI sinnvoll zu nutzen. Es sind keine technischen Skills. Es sind die Basics, die schon immer wichtig waren:

1. Mandantenverständnis

Wer den Mandanten nicht kennt, kann der KI keinen Kontext geben. Und ohne Kontext liefert jede KI generischen Output. Der Associate muss wissen: Was will der Mandant erreichen? Welche Risiken sind relevant? Welche Sprache spricht er?

2. Strategisches Denken

KI kann Texte produzieren. Aber sie kann nicht entscheiden, welcher Ansatz der richtige ist. Das muss der Mensch. Wer nie gelernt hat, strategisch zu denken, wird auch mit KI keine strategisch guten Ergebnisse liefern.

3. Kritische Prüfung

KI halluziniert. KI macht Fehler. KI produziert manchmal überzeugend klingenden Unsinn. Wer das nicht erkennt, weil ihm das fachliche Fundament fehlt, wird Fehler durchwinken. Und die landen dann beim Mandanten.

4. Kommunikationsfähigkeit

Das beste KI-Ergebnis nützt nichts, wenn der Associate es nicht in eine Form bringen kann, die für den Mandanten verständlich und für die Partnerin verwertbar ist. Kommunikation bleibt Handwerk – mit oder ohne KI.

Partnerinnen und Partner sind gefordert

Wenn die Associates mit KI Mist abliefern, ist die KI nicht das Problem. Es sind die Partnerinnen und Partner. Sie müssen sich fragen: Haben wir sie richtig ausgebildet? Kennen sie die Mandanten? Verstehen sie die Strategie? Haben sie gelernt, kritisch zu prüfen?

Wenn die Antwort „nein“ ist, dann ist das Tool nicht schuld. Dann hat die Kanzlei ein Ausbildungsproblem, das durch KI nur sichtbarer wird. KI ersetzt keine Führung. Sie ersetzt kein Training. Sie ersetzt keine Einarbeitung. Sie multipliziert nur, was schon da ist.

Was die Associates leisten müssen

Vor allem die Erkenntnis: KI macht euch nicht klüger. Sie macht euch schneller. Das ist ein wichtiger Unterschied. Schneller zu sein ist gut – wenn ihr wisst, was ihr tut. Wenn ihr den Mandanten versteht. Wenn ihr die Ergebnisse einordnen könnt. Wenn ihr kritisch prüft.

Schneller zu sein ist gefährlich – wenn ihr keine Ahnung habt, was eigentlich rauskommen soll. Dann produziert ihr nur schneller Müll.

Klüger werdet ihr nicht durch bessere Prompts. Klüger werdet ihr durch Arbeit am Mandanten. Durch Feedback. Durch Erfahrung. Durch die Bereitschaft, zu lernen. KI ist ein Werkzeug. Nicht mehr. Behandelt sie auch so.

Die eigentliche Frage

Die Frage ist nicht: Bringt KI etwas? Die Frage ist: Bringt ihr etwas mit, das KI verstärken kann? Kontext. Strategie. Urteilsvermögen. Kommunikation.

Wer das mitbringt, wird KI lieben. Weil sie die eigene Arbeit besser und schneller macht. Wer das nicht mitbringt, wird KI hassen. Weil sie die eigenen Schwächen gnadenlos offenlegt.

Die Technologie ist neutral. Der Unterschied seid ihr.

Autor: Dennis Hillemann ist Partner bei ADVANT Beiten am Standort Hamburg. Er berät Unternehmen und Steuerberater in komplexen verwaltungsrechtlichen Verfahren – aktuell insbesondere bei der Rückforderung von Corona-Überbrückungshilfen, wo er mit seinem Team mehrere hundert Mandanten vertritt. Dennis beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Kanzleien KI sinnvoll einsetzen können, und teilt seine Erfahrungen regelmäßig auf LinkedIn. Sein Fokus liegt dabei weniger auf der Technologie selbst als auf der Frage, was gute juristische Arbeit ausmacht – mit oder ohne KI.

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Ex-Latham-Anwalt startet kostenlose Open Source KI „Mike“ als Herausforderer für Harvey und Legora

Legal Tech Verzeichnis - 18.05.2026

Der frühere Latham-&-Watkins-Anwalt Will Chen hat mit „Mike“ eine kostenlose Open-Source-Plattform für juristische KI vorgestellt, die etablierte Anbieter wie Harvey und Legora herausfordern soll.

Kostenlose Alternative zu milliardenschweren Legal KI Anbietern

„Mike“ positioniert sich als vollständig offene Alternative zu kommerziellen Legal KI Plattformen. Die Software bietet Funktionen für Vertragsprüfung, juristische Recherche, Dokumentenanalyse sowie automatisierte Entwurfs- und Bearbeitungsprozesse.

Laut Will Chen sei das Ziel gewesen, eine Lösung zu schaffen, die Kanzleien selbst hosten und mit eigenen KI-Modellen oder API-Schlüsseln betreiben können. Dadurch sollen sensible Mandantendaten nicht zwangsläufig an externe Anbieter übertragen werden müssen.

Chen erklärte im Interview mit Artificial Lawyer, dass sich innerhalb kurzer Zeit Juristen und Kanzleien aus aller Welt gemeldet hätten. Er beschrieb die Resonanz als deutlich größer als erwartet.

Entwicklung innerhalb weniger Wochen

Mehrere Berichte beschreiben „Mike“ als Projekt, das Chen innerhalb von rund zwei Wochen entwickelt habe. Die Plattform gewann innerhalb weniger Tage erhebliche Aufmerksamkeit in der Legal-Tech-Community und sammelte tausende Sterne auf GitHub.

Der Name „Mike“ gilt als Anspielung auf die Figur Mike Ross aus der Anwaltsserie „Suits“. „OSS“ steht für Open Source Software.

Wettbewerb im Markt für juristische KI verschärft sich

Der Start von „Mike“ erfolgt in einer Phase zunehmender Investitionen in juristische KI-Systeme. Anbieter wie Harvey, Legora, und Thomson Reuters bauen ihre Produkte derzeit massiv aus. Gleichzeitig testen Kanzleien weltweit generative KI für Vertragsarbeit, Wissensmanagement und juristische Recherche.

Chen positioniert „Mike“ dabei bewusst als Gegenmodell zu proprietären Plattformen. Gegenüber Legal Cheek sagte er, dass Open Source langfristig helfen könne, den Zugang zu juristischer KI breiter und kostengünstiger zu machen.

Open Source könnte Preisdruck erzeugen

Branchenbeobachter sehen in Projekten wie „Mike“ potenziellen Druck auf die Preisgestaltung etablierter Anbieter. Während große Legal KI Plattformen häufig hohe monatliche Gebühren pro Arbeitsplatz verlangen, steht „Mike“ kostenlos zur Verfügung. Allerdings benötigt es auch Hilfe bei der Installation und regelmäßigen Pflege von IT-Profis, denn Anwälte sind hier in der Regel überfordert.

Nur dann sind auch bei Open Source Lösungen dieselben Standards bei Sicherheit, Compliance und Support gegeben wie kommerzielle Enterprise-Produkte. Gerade internationale Großkanzleien legen weiterhin hohen Wert auf Datenschutz, Haftungssicherheit und professionelle Betreuung.

Diskussion über Risiken juristischer KI hält an

Parallel zur wachsenden Verbreitung juristischer KI hält die Debatte über Fehleranfälligkeit und Haftungsfragen an. Gerichte und Aufsichtsbehörden weisen weiterhin darauf hin, dass KI-generierte Inhalte durch Anwälte überprüft werden müssen.

Auch Chen betont in mehreren Interviews, dass „Mike“ juristische Arbeit unterstützen und nicht ersetzen kann. Die Entwicklung zeigt jedoch, wie schnell sich der Markt für Legal KI verändert und dass Open Source Modelle zunehmend als ernsthafte Alternative zu milliardenschweren Legal Tech Unternehmen wahrgenommen werden.

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Wolters Kluwer bringt sichere digitale Sitzungsverwaltung für Vorstände und Aufsichtsräte nach Deutschland

Legal Tech Verzeichnis - 17.05.2026

Wolters Kluwer Legal & Regulatory gibt die Einführung von Legisway Meetings in Deutschland bekannt. Legisway Meetings unterstützt Vorstände, Aufsichtsräte und Sekretariate bei der sicheren und strukturierten Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation von Sitzungen. Die Lösung ist abgestimmt auf die steigenden Anforderungen an Governance, Verantwortung und Compliance in deutschen Organisationen.

Legisway Meetings ist Teil der Legisway Suite, der Legal Management Plattform von Wolters Kluwer für Unternehmensrechtsabteilungen, unterstützt durch Expert AI.

Deutsche Führungsgremien agieren in einem zunehmend komplexen Umfeld. Dieses ist geprägt von verschärfter regulatorischer Aufsicht, gestiegener persönlicher Verantwortung für Entscheidungen sowie wachsenden Anforderungen an Datenschutz, Cybersicherheit und remote beziehungsweise hybride Zusammenarbeit. Unternehmen setzen daher verstärkt auf Automatisierung und digitale Werkzeuge, um papierbasierte Prozesse zu reduzieren, Transparenz zu erhöhen und Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten. Dies wirkt sich positiv auf Effizienz und Kosten aus.

Vor diesem Hintergrund ist die Qualität der Gremienprozesse zu einem zentralen Governance Thema geworden. Legisway Meetings unterstützt Führungsgremien dabei, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Lösung ermöglicht strukturierte, governance kritische Sitzungen und eine klare, nachvollziehbare Entscheidungsdokumentation.

„Führungsgremien in Deutschland stehen zunehmend unter Druck, gut begründete und sorgfältig dokumentierte Entscheidungen nachzuweisen“, sagt Sergio Liscia, Vice President Legal Software bei Wolters Kluwer Legal & Regulatory. „Legisway Meetings unterstützt eine strukturierte Gremienarbeit durch sichere Governance Prozesse und fundierte Entscheidungsfindung.“

Legisway Meetings nutzt die Expert AI Technologie von Wolters Kluwer zur Unterstützung ausgewählter Governance Aufgaben. Dazu zählen unter anderem die Erstellung von Sitzungsprotokollen und gezielten Zusammenfassungen. Verantwortung und Entscheidungshoheit verbleiben vollständig bei Gremium und Sekretariat.

Sicherheit und Datenschutz stehen im Mittelpunkt der Lösung. Legisway Meetings erfüllt unternehmensgerechte Sicherheitsstandards und nutzt europäisches Daten Hosting, das an den Erwartungen des deutschen Marktes ausgerichtet ist.

-> Weitere Informationen finden Sie unter www.wolterskluwer.com/de-de/solutions/legisway-meetings

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Anthropic greift mit „Claude for Legal“ nach dem Kernmarkt der Rechtsberatung

Legal Tech Verzeichnis - 13.05.2026

Anthropic hat mit Claude for Legal seinen bislang deutlichsten Vorstoß in den Rechtsmarkt unternommen. Das Angebot verbindet mehr als 20 neue MCP Konnektoren mit zwölf fachbezogenen Plugins für juristische Arbeitsfelder. Damit soll Claude nicht mehr nur ein allgemeiner KI Assistent sein, sondern eine Arbeitsumgebung für Kanzleien, Rechtsabteilungen, Legal Operations Teams und juristische Ausbildungsstätten.

Der Schritt ist strategisch erheblich. Bisher liefen viele juristische KI Anwendungen auf Modellen von großen Anbietern wie Anthropic oder OpenAI. Nun bewegt sich der Modellanbieter selbst in die Anwendungsebene hinein. Claude wird damit nicht nur Infrastruktur, sondern potentiell der Ort, an dem Vertragsprüfung, Recherche, E Discovery, Dokumentenmanagement, Transaktionsarbeit und interne Wissensbestände möglich sind.

Vom Plugin zur juristischen Arbeitsumgebung

Claude for Legal baut auf einem im Februar veröffentlichten Legal Plugin für Claude Cowork auf. Nach Angaben von Anthropic wurden Juristen seitdem zur aktivsten Nutzergruppe unter den Wissensarbeitern in Cowork. Diese Nachfrage dürfte den Ausbau beschleunigt haben.

Neu ist nicht nur der Umfang, sondern die komplette Architektur. MCP Konnektoren bringen Daten aus vorhandenen Systemen in Claude. Practice Area Plugins bündeln wiederkehrende juristische Arbeitsabläufe. Hinzu kommt ein offenes Ökosystem, in dem Kanzleien, Rechtsabteilungen und Anbieter eigene Skills, Playbooks und Arbeitsstandards einbinden können.

Die zwölf Plugins decken unter anderem Commercial Legal, Corporate Legal, Employment Legal, Privacy Legal, Product Legal, Regulatory Legal, AI Governance Legal, IP Legal und Litigation Legal ab. Hinzu kommen Angebote für Studenten der Rechtswissenschaft, Legal Clinics und ein Legal Builder Hub. Jedes Plugin beginnt mit einem Setup-Interview, das Playbooks, Eskalationswege, Risikokalibrierung und Kanzlei oder Unternehmensstil erfassen soll.

Die Claude for Legal Partnerliste

Die neuen Konnektoren reichen tief in die bestehende juristische Softwarelandschaft. Für Vertrags- und Dokumentenarbeit werden unter anderem Definely, DocuSign, Ironclad, iManage und NetDocuments genannt. Für Streitverfahren und eDiscovery kommen Relativity, Everlaw und Consilio hinzu. Im Transaktionsgeschäft bindet Anthropic unter anderem Box und Datasite ein.

Besonders bemerkenswert ist die Integration von Thomson Reuters. CoCounsel Legal ist auf Anthropic Technologie neu aufgebaut worden und kann nun wiederum aus Claude heraus aufgerufen werden. Damit entsteht ein zirkuläres Verhältnis: Das Basismodell trägt die Fachanwendung, während die Fachanwendung ihrerseits als Werkzeug in die Modellumgebung zurückkehrt.

Auch Harvey, Solve Intelligence, Legal Data Hunter, Midpage und Trellis sind Teil des Ökosystems. Legal Data Hunter wird mit einem Bestand von mehr als 31 Millionen Dokumenten aus mehr als 160 Jurisdiktionen beschrieben. Für Patentarbeit nennt Anthropic Solve Intelligence.

Microsoft Office als juristische Oberfläche

Anthropic positioniert Claude dort, wo Juristen ohnehin arbeiten: Word, Outlook, Excel und PowerPoint. Ein Redline in Word soll seinen Kontext in eine Begleitmail in Outlook, eine Closing Checklist in Excel oder eine Board Summary in PowerPoint mitnehmen können.

Das ist für Kanzleien und Rechtsabteilungen von erheblicher Bedeutung. Die KI verlässt damit die isolierte Chat-Oberfläche und rückt in den Dokumentenfluss selbst. In Word soll Claude Entwürfe redigieren, Klauseln mit Playbooks abgleichen, Änderungen nachverfolgen und Begründungen liefern. In Outlook soll Claude Anfragen triagieren, Antwortentwürfe erstellen und Wiedervorlagen anlegen. In Cowork sollen länger laufende Vorgänge wie Vertragsstapel, Produktfreigaben oder regulatorische Lageberichte bearbeitet werden.

Meinungen im Rechtsmarkt

Die große Frage wird lauten, ob Legal Tech Anbieter in Zukunft eigenständige Systeme bleiben oder zu spezialisierten Bausteinen der großen KI-Plattformen werden. Legal IT Insider beschreibt Claude for Legal als Orchestrierungsebene, über die Recherche, Dokumentenmanagement, Vertragsplattformen und spezialisierte KI Produkte aus einer Oberfläche heraus erreichbar werden.

Für etablierte Anbieter ist das ambivalent. Wer integriert wird, erhält Zugang zu einem wachsenden Arbeitskontext. Wer austauschbare Standardfunktionen anbietet, gerät unter Druck. LawSites erinnert daran, dass schon das erste Claude Legal Plugin im Februar die Aktien von RELX, Thomson Reuters und Wolters Kluwer belastet habe. Die jetzige Veröffentlichung sei erheblich breiter und betreffe nahezu jeden Bereich juristischer Software.

Winston Weinberg (CEO Harvey) sieht den Schritt als Bestätigung der eigenen Strategie und betont, man habe seit Jahren damit gerechnet, langfristig mit Modellanbietern zu konkurrieren. Joel Hron (CTO Thomson Reuters) legt den Akzent anders: Entscheidend sei nicht, wo Arbeit beginne, sondern ob das Ergebnis auf autoritativen Quellen beruhe, überprüfbar und verteidigungsfähig sei.

Patrick Prior (Geschäftsführer Legal Tech Verzeichnis) sagt: „Legal Tech Software die lediglich ein Wrapper für große KI Sprachmodelle ist, wird es schwer haben. In der KI Welt ist es schon oft vorgekommen, dass die großen Anbieter Lösungen von KI StartUps einfach übernommen haben und diese dann überflüssig werden liessen. Nach wie vor gilt auf dem deutschen Rechtsmarkt: Content is king. Sind entscheidende Inhalte hinter Paywalls, kommen auch Claude & Co. nicht an diese ran. Hier würden nur Kooperationen mit Verlagen helfen, es sieht aber aktuell nicht danach aus, als ob diese gewünscht sind, da eher auf eigene Systeme oder Kooperationen mit Legal Tech Anbietern gesetzt wird. Noch jedenfalls. Ein weiterer Punkt der Legal Tech Anbieter vor einer Aushebelung durch Claude & Co. schützt, ist der Weg von Palantir: Man muss seine Software so schnell wie möglich so tief wie möglich in die bestehende IT und Datenstruktur von Kanzleien und Rechtsabteilungen verankern, so dass man sich quasi unersetzbar macht.“

Access to Justice – Zugang zum Recht

Anthropic verbindet den kommerziellen Vorstoß mit einer Access to Justice Komponente. Genannt werden Partnerschaften mit Free Law Project, Justice Technology Association und weiteren Organisationen. Courtroom5 soll Menschen unterstützen, die ohne anwaltliche Vertretung vor Zivilgerichten auftreten. BoardWise richtet sich an lizenzierte Berufsangehörige in berufsrechtlichen Verfahren. Qualifizierte Legal Aid Organisationen, Public Defender und gemeinnützige Rechtsdienstleister sollen über Claude for Nonprofits vergünstigten Zugang erhalten.

Das ändert nichts daran, dass Claude for Legal zunächst ein Enterprise Produkt ist. Es zeigt aber, dass Anthropic den Rechtsmarkt nicht nur als Kanzlei und Konzernmarkt adressiert, sondern auch als politisch sensiblen Raum, in dem Effizienzversprechen stets mit Fragen nach Verantwortung, Kontrolle und Zugang verbunden sind.

Fazit

Claude for Legal ist weniger ein einzelnes Produkt als ein Positionswechsel. Anthropic will nicht mehr bloß Modelllieferant für juristische Anwendungen sein. Das Unternehmen will die Schicht kontrollieren, in der juristische Arbeit geplant, ausgeführt, dokumentiert und überprüft wird.

Für Juristen folgt daraus eine nüchterne Konsequenz: Die relevante Frage lautet nicht mehr, ob generative KI im Rechtsmarkt angekommen ist, sondern wer künftig die professionelle Kontrolle über Quellen, Daten, Workflows, Mandatsgeheimnisse und Qualitätsstandards behält.

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Juristisches Urteilsvermögen ist der USP der KI-Ära – Legal Engineers sind diejenigen, die es in Systeme überführen

Legal Tech Verzeichnis - 13.05.2026

KI ist im Rechtsbereich angekommen. In Kanzleien, Rechtsabteilungen, bei Legal-Tech-Anbietern – überall wird gebaut, pilotiert, ausgerollt. Und überall stellt sich dieselbe Frage, meist erst dann, wenn es zu spät ist: Wer versteht eigentlich beides gut genug, um das Richtige zu tun?

Die Antwort, die die Branche zunehmend gibt, lautet: Legal Engineers. Aber was damit gemeint ist, bleibt oft unscharf. Zu oft wird die Rolle beschrieben als Hybrid, als Übersetzer, als jemand der zwischen Juristen und Entwicklern vermittelt. Das ist nicht falsch – aber es greift zu kurz. Denn was gerade entsteht, ist keine Schnittmenge zweier bestehender Berufe. Es ist eine eigenständige Disziplin. Mit eigener Methodik, eigenem Qualitätsmaßstab, eigenem Risikobewusstsein.

Dieser Artikel beschreibt, was diese Disziplin ausmacht – und warum die Branche sie gerade jetzt ernst nehmen muss.

Erstens: Destillieren – juristisches Urteilsvermögen in Systeme überführen

Das Besondere an juristischer Arbeit ist nicht das Wissen um Normen, sondern vielmehr das Urteilsvermögen – die Fähigkeit, im Einzelfall zu bewerten, zu gewichten, zu entscheiden. Was ist marktüblich? Was ist vertretbar? Wo beginnt das Risiko, das einen Mandanten wirklich gefährdet – und welche Optionen gibt es, es zu begrenzen, ohne den Deal zu gefährden?

Genau dieses Urteilsvermögen ist der USP, den KI nicht ersetzen kann – aber den sie skalierbar machen kann. Vorausgesetzt, jemand überführt es sorgfältig in Systeme. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ein KI-System, das einen M&A-Kaufvertrag analysiert, muss zwischen deterministischen Kriterien – Tatbestandsvoraussetzungen, die stets vorliegen müssen – und wertender Einzelfallbetrachtung, die auf BGH-Rechtsprechung und Praxiserfahrung beruht, unterscheiden. Es muss wissen, welche Klauseln Marktstandard sind, welche Schutzmechanismen in welcher Branche anerkannt sind, welche Risikostufen operativ verwertbar sind.

Dieses Wissen ist nicht in Gesetzbüchern kodifiziert. Es entsteht durch Ausbildung, in der Praxis und dem tiefen Verständnis dafür, wie eine Practice Group tatsächlich denkt und arbeitet. Wer es nicht besitzt, kann es nicht in ein System überführen. Und wer es nur halb versteht, baut Systeme, die juristisch korrekt klingen – aber im Ernstfall versagen.

Legal Engineers sind diejenigen, die diesen Destillationsprozess leisten. Nicht als Befehlsempfänger, die Anforderungen von A nach B transportieren – sondern als diejenigen, die aktiv entscheiden: Was davon ist systemisch abbildbar? Was muss zwingend menschlich bleiben? Wo brauchen wir Human-in-the-Loop, weil Haftungsrisiken das autonome Handeln des Systems begrenzen?

Zweitens: Filtern – im Datenmeer das Relevante erkennen

KI-Systeme verarbeiten Daten. Aber Daten im juristischen Kontext sind selten sauber. Sie sind veraltet, widersprüchlich, überfrachtet – manchmal bewusst, etwa wenn eine Gegenseite im Vertragsverhandlungsprozess durch schiere Masse verwirrt. Die Fähigkeit, in diesem Rauschen schnell das Wesentliche zu destillieren, ist eine der zentralen Kompetenzen juristischer Arbeit. Und sie wird in einer KI-gestützten Welt noch kritischer.

Denn ein System, das auf veralteten oder falschen Daten trainiert wurde, liefert veraltete oder falsche Ergebnisse – formuliert mit einer sprachlichen Überzeugungskraft, die Fehler unsichtbar macht, und skaliert sie still in nachgelagerte Prozesse und künftige Fälle weiter. Legal Engineers müssen deshalb nicht nur verstehen, wie ein System gebaut wird. Sie müssen verstehen, mit welchen Daten es gefüttert wird, welche davon wann aussortiert werden müssen, und wie man Guardrails setzt, die False Negatives – also übersehene Risiken – auf ein haftungsrechtlich vertretbares Minimum reduzieren.

Das ist keine technische Frage allein. Es ist eine juristische Designentscheidung. Und sie sollte getroffen werden, bevor das System in Betrieb geht – nicht als nachträgliche Qualitätskontrolle.

Drittens: Vermitteln – Innovation trägt nur, wenn Menschen sie tragen

Das beste System nützt nichts, wenn die Menschen, die es nutzen sollen, es nicht verstehen, ihm nicht vertrauen oder es nicht wollen. Die Legal Market Economics-Studie des Bucerius Legal Innovation Hub (März 2026) zeigt: 65 % der Befragten aus Kanzleien und Rechtsabteilungen sehen fehlende Technologiekompetenz als zentrale Hürde – und Change Management wird zur eigentlichen Baustelle, je größer die Organisation. Legal-Tech-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass Adoption als Trainings- und Kommunikationsaufgabe systematisch unterschätzt wird.

Was hier zählt, ist die Fähigkeit, juristisch zu denken und gleichzeitig in der Sprache der Praxis zu erklären, was ein System tut – und was nicht. Wenn ein KI-System eine Haftungsklausel als „marktüblich“ bewertet, ohne dass das zugrunde liegende Modell jemals mit aktueller M&A-Transaktionspraxis aus der relevanten Branche gefüttert wurde – wer trägt die Verantwortung, wenn diese Einschätzung falsch ist? Wenn ein System eine Risikoeinstufung liefert, die sprachlich überzeugend klingt, aber keine nachvollziehbare Grundlage hat, ist das Problem nicht der Output. Es entscheidet sich schon in der Prompterstellung, worauf das System seine Einschätzung stützen wird. Genau das ist die Aufgabe des Legal Engineers: Fehler vorhersehen und verhindern, bevor sie unbemerkt in Entscheidungen einfließen.

Innovation ist nur so stark und so präsent wie die Offenheit der Menschen, die sie in eine Organisation hineintragen. Legal Engineers schaffen diese Offenheit durch Klarheit und die Fähigkeit, Komplexität so herunterzubrechen, dass sie handlungsfähig macht statt lähmt.

Viertens: Verantworten – Compliance und Risiko als Designprinzip

KI ist überall. Das ist keine Übertreibung mehr – es ist der Befund, mit dem juristische Teams heute täglich konfrontiert sind. Und mit dieser Allgegenwart kommen Fragen, die bisher selten explizit gestellt wurden: Welche Risiken birgt der Einsatz dieser Technologie? Welche Haftungsszenarien entstehen, wenn ein KI-System eine falsche Einschätzung liefert, die ein Anwalt ungeprüft übernimmt? Welche regulatorischen Anforderungen gelten – und wer stellt sicher, dass sie eingehalten werden?

Juristische Arbeit hat immer mit Sprache, Regeln und Logik zu tun. Genau deshalb ist sie besonders anfällig für die spezifischen Schwächen generativer KI: Halluzinationen, Kontextverlust, scheinbar plausible, aber inhaltlich falsche Ausgaben. Wer verlässliche Ergebnisse liefern will – und muss, denn juristische Arbeit ist Haftungsarbeit – braucht Prozesse, die standhalten. Nicht als Bremse, sondern als Fundament.

Dass 47 % der Befragten in der Legal Market Economics-Studie des Bucerius Legal Innovation Hub (März 2026) Compliance-Anforderungen als zentrale Hürde beim KI-Einsatz nennen, liegt primär daran, dass im Rechtsbereich Trial-and-Error strukturell nicht tolerierbar ist und ein Risikobewusstsein von Anfang an mitgedacht und verankert werden muss und nicht erst über eine nachgelagerte Prüfung erfolgen darf.

Legal Engineers sind diejenigen, die Compliance nicht als nachgelagerte Prüfung verstehen, sondern als Designprinzip. Die die richtigen Weichen stellen, bevor ein System ausgerollt wird. Die wissen, wo ein Prozess zwingend menschliche Kontrolle braucht – und wo er sie nicht braucht, weil das System sauber gebaut und sauber begrenzt wurde.

Eine Disziplin entsteht – und sie wird gebraucht

Legal Engineering existiert heute in vielen Varianten. Bei Technologieanbietern, die juristische Produkte bauen. In Kanzleien, die ihre eigene Digitalisierung vorantreiben und Mandanten dabei begleiten. In Legal Departments, die KI nicht nur einsetzen, sondern zunehmend als Governance-Instanz für den unternehmensweiten Einsatz autonomer Systeme fungieren. Die Bandbreite ist groß – aber der Kern ist überall derselbe: destillieren, filtern, vermitteln, verantworten.

Was fehlt, ist die institutionelle Anerkennung dieser Disziplin. Ausbildungswege sind nicht etabliert, Karrierepfade oft unklar, Vergütungsmodelle noch nicht auf die Doppelqualifikation ausgerichtet, die diese Rolle wirklich erfordert. Das sind keine Kleinigkeiten – es sind strukturelle Signale dafür, dass die Branche noch nicht verstanden hat, was hier gerade entsteht.

Dabei ist die Dringlichkeit real. Je autonomer KI-Systeme werden, desto mehr kommt es darauf an, dass die Menschen, die sie konzipieren und verantworten, das juristische Urteilsvermögen wirklich besitzen – nicht als Zusatzqualifikation, sondern als Kern ihrer Arbeit.

Wer heute die Systemprompts, Workflows und Guardrails für den eigenen Einsatz von Legal-AI-Tools entwickelt, entscheidet darüber, ob diese Tools echten juristischen Mehrwert liefern – oder juristische Arbeit mit neuen Risiken belasten, ohne sie wirklich zu entlasten. Die Einführung neuer Tools und Prozesse kostet Zeit, Energie und Überzeugungsarbeit. Das lohnt sich nur, wenn es strategisch, ganzheitlich und kollaborativ angegangen wird. Wer das gut macht, schreibt die Standards von morgen.

Juristisches Urteilsvermögen ist der USP der KI-Ära. Aber es sitzt in Köpfen – nicht in Systemen. Es muss aktiv herausgearbeitet, neu eingebettet und vermittelt werden – in Prozesse und Teams, die den Anforderungen einer KI-gestützten Rechtspraxis wirklich gewachsen sind. Die Mandanten fragen längst nicht mehr, ob ihre Kanzlei KI einsetzt, sondern ob sie es richtig macht.

Autorin: Claudia Jandek ist Volljuristin und beschäftigt sich seit 2022 ganzheitlich mit dem Einsatz von KI im Rechtsmarkt – von der Tool-Evaluation und Use-Case-Entwicklung über Prompt Engineering bis zur Vermittlung juristischer KI-Kompetenz.

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Neue Berufsbilder an der Schnittstelle von Jura und Technologie

Legal Tech Verzeichnis - 12.05.2026

Unternehmen investieren verstärkt in Legal Tech, generative KI-Modelle halten Einzug in den juristischen Arbeitsalltag, und der regulatorische Rahmen erhöht den Bedarf an Fachleuten, die technische Entwicklungen rechtlich einordnen und verantwortungsvoll steuern können. Neben klassischen Juristinnen- und Juristenstellen entstehen somit neue spezialisierte Rollen.

Legal Engineer und Legal Tech Engineer

Als Legal Engineer bezeichnet man Fachleute, die juristische Anforderungen in technische Lösungen übersetzen. Zu den typischen Tätigkeitsfeldern gehören die Konzeption und Implementierung von Contract-Lifecycle-Management-Systemen, die Automatisierung dokumentenbasierter Prozesse, die Konfiguration von No-Code- und Low-Code-Werkzeugen sowie die Evaluation und das Training von KI-Modellen für juristische Anwendungen. Eine Anwaltszulassung ist für diese Rolle nicht erforderlich, wohl aber ein belastbares Verständnis juristischer Logiken, Vertragsstrukturen und Compliance-Anforderungen.

Der Begriff Legal Tech Engineer wird häufig synonym verwendet, betont jedoch stärker den technischen Umsetzungsaspekt. Typische Qualifikationsanforderungen umfassen unter anderem ein Verständnis für API-Schnittstellen und Erfahrung mit Low-Code-Plattformen wie zum Beispiel Microsoft Power Automate oder Zapier.

Legal Operations Manager und Legal Technologist

Der Legal Operations Manager ist eine Rolle, die aus dem US-amerikanischen Rechtsmarkt in den deutschsprachigen Raum übertragen wurde. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Steuerung und Optimierung des operativen Betriebs einer Rechtsabteilung. Dazu gehören die Auswahl und Verwaltung von Legal Tech Lösungen, das Controlling externer Rechtskosten, die Einführung von KPI-Systemen für juristische Leistungen sowie das Projektmanagement bei Digitalisierungsvorhaben. In Großunternehmen ist die Position häufig direkt dem General Counsel unterstellt und arbeitet eng mit IT- und Finanzabteilung zusammen.

Davon zu unterscheiden ist der Legal Technologist, dessen Rolle stärker auf die Einführung und Begleitung konkreter Softwarelösungen ausgerichtet ist. Legal Technologists evaluieren neue Tools, koordinieren Rollouts, schulen Nutzerinnen und Nutzer und pflegen den technischen Tool-Stack einer Rechtsabteilung. Das Profil ist besonders in mittelgroßen Rechtsabteilungen gefragt, die ihren Digitalisierungsgrad erhöhen wollen, ohne eigene Softwareentwicklung zu betreiben.

KI Spezialist und Legal AI Engineer

Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI-Modelle hat sich eine weitere Spezialisierungsrichtung herausgebildet. Legal AI Spezialistinnen und -Spezialisten verantworten den Aufbau und die Pflege KI-gestützter juristischer Workflows, die Entwicklung von Prompting-Strategien für Anwendungsfälle wie Vertragsanalyse oder Due Diligence, die systematische Evaluation von Modelloutputs sowie die Erstellung von Governance-Dokumentation.

Der EU AI Act macht diese Funktion in vielen Organisationen zur regulatorischen Notwendigkeit. Für Systeme, die juristische Entscheidungen vorbereiten oder unterstützen, gelten verbindliche Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht. Legal AI Spezialistinnen und -Spezialisten stellen sicher, dass KI-gestützte Prozesse diesen Anforderungen entsprechen, und fungieren als Schnittstelle zwischen technischer Umsetzung, rechtlicher Bewertung und Compliance.

Legal Engineering als externe Leistung

Nicht jede Organisation verfügt über die Kapazität, spezialisierte Legal Engineering Stellen dauerhaft zu besetzen. Für diesen Bedarf hat sich das Modell des Legal Engineering on Demand etabliert. Es beschreibt die projektbasierte Bereitstellung von Legal Engineering-Expertise durch externe Dienstleister. Diese stellen Kanzleien und Rechtsabteilungen auf Projektbasis Legal Engineers zur Verfügung, die einen konkreten Automatisierungsbedarf analysieren, eine Lösung konzipieren, implementieren und schließlich an das interne Team übergeben.

Das Modell folgt dem etablierten Muster spezialisierter IT-Beratung und überträgt es auf den juristischen Bereich. Für mittlere und kleinere Organisationen, die Digitalisierungsbedarf haben, aber keine dauerhafte Fachstelle einrichten wollen, bietet es einen niedrigschwelligen Einstieg in Legal Engineering.

In welchen Unternehmen diese Rollen vorkommen

Die Nachfrage nach den beschriebenen Profilen konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Organisationstypen. Große Wirtschaftskanzleien haben eigene Legal Engineering Teams aufgebaut, um mandatsbezogene Automatisierungen abzuwickeln und Legal Tech Produkte für Mandanten zu entwickeln. Konzerne und international tätige Mittelständler besetzen Legal Operations- und Legal Technologist-Stellen in ihren Inhouse-Rechtsabteilungen. Legal Tech Softwareanbieter schließlich beschäftigen Legal Engineers in der Produktentwicklung, um sicherzustellen, dass ihre Lösungen juristische Anforderungen korrekt abbilden.

Wie man den Einstieg in diese Berufsfelder findet

Spezialisierte Studiengänge und Weiterbildungsformate reagieren auf diesen Bedarf, schließen die Lücke jedoch bislang nur teilweise. Viele finden den Berufseinstieg als Quereinsteiger mit juristischem oder technischem Ausbildungshintergrund. Wichtig sind vor allem eine Affinität für Technologien, ein Verständnis für effiziente Prozesse, Projektmanagement-Skills und eine Aufgeschlossenheit für innovative und disruptive Ideen.

Wer den Einstieg in diese oder ähnliche Berufe finden möchte, kann sich zunächst gezielt mit aktuellen Stellenausschreibungen auseinandersetzen. Häufig fokussieren diese auf Soft Skills, die sich in unterschiedlichen Kontexten aneignen lassen. Nur selten wird erwartet, dass Bewerberinnen und Bewerber programmieren können. Auch die möglicherweise noch unbekannten, technischeren Aspekte sollten Interessierte nicht von einer Bewerbung abschrecken. In einigen Unternehmen werden sie in der Onboarding-Phase vermittelt. In viele Themenbereiche können sich Interessierte zudem eigenständig einarbeiten.

Viele dieser neuen Berufsbilder sind noch im Entstehen. Darin liegt eine Chance. Perfekte Lebensläufe und lückenlose Anforderungs-Checks gibt es hier selten. Viel wichtiger als jede einzelne Qualifikation ist die Bereitschaft, dazuzulernen, Verantwortung zu übernehmen und sich in unbekannte Themen vorzutasten. Wer wartet, bis er jedes Stichwort einer Stellenanzeige abhaken kann, verpasst oft den richtigen Moment. Wer sich grundsätzlich für Technologie begeistert, juristische Zusammenhänge versteht und Lust auf Veränderung hat, bringt bereits eine starke Basis mit. Den Rest lernt man Schritt für Schritt im Alltag. Statt also lange zu zögern, kann der entscheidende Unterschied darin liegen, es einfach auszuprobieren.

Autorin Noha Klose ist Legal Engineer bei der KREMER LEGAL TECH & OPERATIONS GmbH (KLTO). KLTO unterstützt Rechts-, Compliance- und Datenschutzabteilungen sowie Kanzleien dabei, juristische Prozesse durch den gezielten Einsatz von Technologie effizienter und zukunftssicher zu gestalten. Noha Klose ist zudem Head of People im Legal Tech Lab Cologne.

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Das neue Online-Verfahren in Japan und Deutschland

Legal Tech Verzeichnis - 11.05.2026

Die deutsche und die japanische Rechtstradition sind eng miteinander verbunden, insbesondere durch die starke Rezeption des deutschen Rechts im Japan der Meiji-Zeit. Japanische Gesetze orientierten sich maßgeblich an deutschen Vorbildern, was bis heute zu strukturellen Ähnlichkeiten führt. Aktuell gibt es in Japan und Deutschland ähnliche Digitalisierungsinitiativen im Zivilprozess – nahezu zeitgleich wird ein Online-Verfahren eingeführt, das im Details jedoch Unterschiede aufweist.

Zivilgerichtliches Online-Verfahren (ZOV) in Deutschland

Das neue zivilgerichtliche Online-Verfahren (§§ 1121 ff. ZPO) basiert wesentlich auf der Nutzung sogenannter digitaler Eingabesysteme. Als technische Weiterentwicklung „klassischer“ Formulare zeichnen sich digitale Eingabesysteme durch dynamische, interaktive, modulare und iterativ anpassbare Masken aus. In diesen Systemen können komplexe Logiken eingebaut werden. Klagen, Anträge und sonstige Prozesserklärungen können strukturiert elektronisch erstellt und bei Gericht eingereicht werden.

Die digitalen Eingabesysteme werden bundeseinheitlich bereitgestellt; zugleich können die Länder eigene Systeme entwickeln, sofern sie kompatibel sind. Insbesondere zielt das Verfahren darauf ab, standardisierbare Massenverfahren effizienter, barrierefrei und vollständig digital abzuwickeln. Das Online-Verfahren ist bereits an den Amtsgerichten Mannheim und Nürtingen, Nürnberg, Schöneberg, Bremen, Hamburg (Mitte), Frankfurt am Main und Leipzig pilotiert.

Zugleich wurde mit dem Gesetz zur Entwicklung und Erprobung eines Online-Verfahrens in der Zivilgerichtsbarkeit der rechtliche Rahmen geschaffen, um Prozesse über eine Kommunikationsplattform zu führen. Eine solche Plattform befindet sich derzeit in der Entwicklung.


Quelle: https://service.justiz.de/geld-einklagen/formular/gericht-pruefen/klagende-person/vertrag

Die Online-Plattform MINTS in Japan

Das neue japanische Online-Zivilverfahren „MINTS“ (Minji Saiban IT System) verfolgt einen ähnlichen Digitalisierungsansatz, weist jedoch einige verfahrensspezifische Besonderheiten auf. „MINTS“ ermöglicht die elektronische Einreichung von Klagen und Schriftsätzen sowie die digitale Kommunikation zwischen Gericht und Verfahrensbeteiligten über eine zentrale Plattform, die eng in die gerichtlichen Arbeitsabläufe integriert ist. Ziel ist es, den gesamten Zivilprozess – von der Klageerhebung bis zum Urteil – online abzuwickeln. Dabei wird besonderer Wert auf Benutzerfreundlichkeit und eine schrittweise Einführung digitaler Elemente gelegt, etwa durch die Kombination von synchronen und asynchronen Kommunikationsformen.

Im Unterschied zum stärker formalisierten deutschen Ansatz sind die Eingabesysteme im japanischen Verfahren weniger strikt strukturiert. Dies erlaubt eine flexiblere Handhabung, stellt aber zugleich höhere Anforderungen an die individuelle Verfahrensgestaltung. Insgesamt dient auch MINTS der Beschleunigung und Effizienzsteigerung zivilgerichtlicher Verfahren.


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=yuylKel6BnY (dort finden sich aktuell zwölf Erklärvideos zu MINTS)

Autor: Dr. Christian Schlicht, Richter am Landgericht

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Die Illusion der Legal KI: Warum das Modell oft gar nicht der Unterschied ist

Legal Tech Verzeichnis - 07.05.2026

Legal KI erlebt einen beispiellosen Hype: Milliardenbewertungen, aggressive Preisstrukturen und ein Markt, der sich schneller entwickelt als viele ihn verstehen. Doch hinter der Dynamik steht eine unbequeme Frage: Wofür zahlen Kanzleien und Rechtsabteilungen eigentlich mehrere hundert Euro pro Nutzer und Monat?

Erst kürzlich hat der Legal KI Anbieter Legora eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen US Dollar verkündet und damit eine Bewertung von über 5 Milliarden erreicht. Der amerikanische Konkurrent Harvey liegt bereits bei rund 11 Milliarden. Entsprechend groß ist in vielen Kanzleien die Sorge, den Anschluss zu verpassen, und entsprechend weitreichend sind die Investitionsentscheidungen, die unter Unsicherheit getroffen werden. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zwischen den Lösungen in der praktischen Anwendung oft überraschend schwer greifbar.

Die Antwort liegt dabei oft dort, wo viele nicht hinschauen: weniger im Modell selbst, sondern darin, wie diese Systeme in konkrete juristische Arbeitsprozesse eingebettet werden, und ob überhaupt klar ist, welches Problem sie lösen sollen.

Der Unterschied liegt selten im Modell

Spezialisierte Legal KI Lösungen kosten oft mehrere hundert Euro pro Nutzer und Monat. Die meisten Anbieter, darunter Harvey, Legora oder Libra, entwickeln jedoch keine eigenen KI-Modelle, sondern bauen auf sogenannten Foundation Models auf, also vortrainierten Basismodellen wie ChatGPT oder Claude. Der direkte Zugang zu diesen Modellen beginnt dagegen bei deutlich niedrigeren monatlichen Kosten.

Viele Juristen werden an dieser Stelle einwenden, dass ChatGPT, Claude und vergleichbare Modelle weder DSGVO-konform noch berufsrechtlich zulässig sind. Doch auch dafür gibt es Lösungen: Anbieter wie Logicc oder Langdock stellen diese Modelle in einer sicheren, unternehmensgeeigneten Infrastruktur bereit, und das zu einem Bruchteil der Kosten spezialisierter Lösungen.

Der Preisunterschied lässt sich daher nicht allein mit dem Modell erklären. Wenn spezialisierte Legal KI Mehrwert schafft, dann entsteht dieser vor allem oberhalb des Modells: in der Art, wie Kontext aufbereitet, Datenquellen angebunden und Ergebnisse in juristische Arbeitsabläufe übersetzt werden.

Der Denkfehler: Tools statt Probleme

In vielen Organisationen beginnt die Auseinandersetzung mit KI mit der Frage, welches Tool eingeführt werden sollte. Die entscheidendere Frage wird seltener gestellt: Welche Probleme sollen überhaupt gelöst werden? Ohne diese Vorarbeit wird jede Tool-Entscheidung letztlich zu einer teuren Wette. Dabei wird übersehen, dass es nicht die eine beste Lösung gibt, sondern dass ihr Wert vom jeweiligen Einsatz abhängt.

Drei Arten von Lösungen

Der Markt lässt sich vereinfacht in drei Kategorien einteilen, die jeweils eine klare Nischenführerschaft beanspruchen. Erstens: Analyse-Plattformen wie Legora oder Harvey. Ihre Stärke liegt in der strukturierten Auswertung großer Datenmengen, insbesondere in komplexen Mandaten. Zwar bieten sie auch zahlreiche weitere Funktionen, etwa die Prüfung von Verträgen anhand von Playbooks – diese sind jedoch nicht das, was sie vom Markt abhebt. Zweitens: Recherche-Plattformen wie Noxtua oder Libra, die durch den Zugriff auf kuratierte juristische Inhalte der Verlage C.H. Beck oder Dr. Otto Schmidt bei der Recherche und juristischen Einordnung die Nase vorn haben. Drittens: Basis-Modelle wie ChatGPT oder Claude, die über Plattformen wie Logicc oder Langdock in einer sicheren Umgebung nutzbar gemacht werden und bei Kosten und Flexibilität kaum zu schlagen sind.

Wer regelmäßig große Datenräume in M&A-Transaktionen auswertet oder umfangreiche Ermittlungsakten strukturieren muss, kommt an Plattformen wie Legora oder Harvey kaum vorbei. Wer hingegen vor allem juristische Recherche betreibt, profitiert eher von Lösungen wie Noxtua oder Libra. Und für standardisierte Aufgaben wie das Zusammenfassen von Dokumenten, die sprachliche Überarbeitung eines Schriftsatzes oder die Mandantenkommunikation reichen ChatGPT oder Claude oft bereits aus. In der Praxis kommt häufig eine Kombination dieser Lösungen zum Einsatz.

Wo der Mehrwert wirklich entsteht

Entscheidend ist nicht nur, welches Modell genutzt wird, sondern wie es in juristische Arbeit übersetzt wird. Leistungsfähige Systeme zerlegen Inhalte, ordnen sie rechtlich relevanten Fragestellungen zu und führen die Ergebnisse strukturiert zusammen.

Ein 200-seitiger Unternehmenskaufvertrag wird etwa nicht als Ganzes analysiert, sondern in einzelne Klauseln aufgeteilt, gezielt auf Risiken oder Abweichungen geprüft und anschließend in einer Übersicht verdichtet. Dabei können relevante Informationen aus internen Dokumenten oder externen Datenbanken eingebunden werden, statt sich allein auf das allgemeine Wissen des Modells zu verlassen. Wenn Analyse, Recherche oder Textüberarbeitung zudem direkt in Word oder Outlook stattfinden, sinkt die Hürde für die tägliche Nutzung erheblich. Nicht das Modell allein macht den Unterschied, sondern die Systemarchitektur, die es für juristische Arbeit nutzbar macht.

Warum der Vorsprung schrumpft

Der Vorteil spezialisierter Legal KI liegt heute vor allem in der Anwendungsschicht: in der Aufbereitung von Kontext, der Strukturierung juristischer Inhalte und der Einbettung in bestehende Workflows. Genau dieser Vorsprung ist jedoch nicht statisch.

Mit der rasanten Weiterentwicklung der Foundation Models verschiebt sich die Grenze dessen, was ohne spezialisierte Anwendungsschicht möglich ist. Größere Kontextfenster und bessere Reasoning-Fähigkeiten erlauben es zunehmend, komplexe Dokumente direkt zu verarbeiten. Gleichzeitig verlieren Integrationen an Exklusivität: Funktionen wie die Einbindung in Word oder Outlook werden mit Lösungen wie Microsoft Copilot oder neuen Add-ins von Claude zunehmend zum Standard.

Braucht es überhaupt Legal KI?

Für sehr datenintensive Anwendungen oder spezialisierte Recherchen bleibt Legal KI relevant. Für die allermeisten alltäglichen Aufgaben reicht jedoch ein Foundation Model wie ChatGPT oder Claude, sofern es in einer berufsrechtskonformen Umgebung genutzt wird.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, welches Tool eingesetzt wird. Sondern ob die zugrunde liegenden Prozesse überhaupt verstanden und klar definiert sind. Denn nur wer weiß, welches Problem er löst, kann beurteilen, ob eine spezialisierte Lösung ihren Preis tatsächlich rechtfertigt.

Wer seine Prozesse nicht versteht, zahlt für einen Ferrari – und fährt ihn am Ende nur im ersten Gang.

Autor: Florian Weiser ist Partner der Technologieberatung KlareProzesse, mit der er gemeinsam mit seinem Team mehr als 60 Kanzleien und Rechtsabteilungen begleitet. Als Informatiker arbeitet er an der Schnittstelle von Technologie und juristischer Praxis und befasst sich mit der Frage, wie sich Künstliche Intelligenz sinnvoll in bestehende Arbeitsprozesse integrieren lässt.

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Diese Faktoren lassen Kanzleien erfolgreich wirtschaften

Legal Tech Verzeichnis - 06.05.2026

Der STAR-Bericht 2025 der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) zeichnet ein aktuelles Bild der Wirtschaftlichkeit deutscher Rechtsanwaltskanzleien. Die Zusammenhänge zwischen Kanzleigröße, Umsatz, Kostenstruktur und Mandatsaufkommen zeigen, welche fünf Faktoren die Wirtschaftlichkeit einer Kanzlei am meisten beeinflussen.

1. Kanzleistruktur: Einzelkanzleien dominieren
Einzelkanzleien sind weiterhin das Rückgrat des Marktes. Gleichzeitig gilt, dass mit der Größe einer Kanzlei der Umsatz deutlich steigt. Kurz gesagt: Mehr Berufsträger bedeuten mehr Erlöse, sodass große Einheiten wirtschaftlich klar im Vorteil sind.

2. Kostenstruktur: Personal treibt die KostenIn den Kanzleien liegt der Personalkostenanteil bei rund 52 Prozent des Umsatzes. Einzelkanzleien tragen in Relation gesehen höhere Sachkosten. Insgesamt ist die Kostenstruktur stabil, auch wenn das Personal den größten Anteil ausmacht.

3. Mandate: Wachstum durch Größe und Erfahrung
Ältere Kanzleien bearbeiten im Schnitt deutlich mehr Mandate (544 vs. 217) als jüngere. Die Größe und Dauer der Marktpräsenz zahlen direkt auf das Mandatsvolumen ein.

4. Standort: Mehr Umsatz, nicht automatisch mehr Gewinn
Kanzleien in Großstädten erwirtschaften höhere Umsätze, haben aber auch höhere Kosten. Da jedoch nicht der Umsatz allein entscheidend ist, sondern der Überschuss, können auch ländliche Standorte hier mithalten.

5. Rechtsgebiete: Klare wirtschaftliche Unterschiede
Wirtschaftsnahe Rechtsgebiete generieren mehr Mandate und höhere Erträge; das
Handels- und Gesellschaftsrecht ist besonders profitabel – das Sozialrecht fällt dahinter zurück.
Folglich sind das Mandatsvolumen und die Rentabilität ungleich verteilt.

FazitDer STAR-Bericht 2025 zeigt, dass Einzelkanzleien zahlenmäßig dominieren, der Umsatz mit der Kanzleigröße und Mitarbeiterzahl steigt und Personalkosten der zentrale Kostenfaktor sind. Zudem wächst das Mandatsaufkommen mit dem Alter und der Größe einer Kanzlei und zwischen den verschiedenen Rechtsgebieten bestehen messbare Unterschiede beim Mandatsvolumen und der Rentabilität.

Mehr dazu unter > STAR 2025 im Überblick: Welche Faktoren Kanzleien wirtschaftlich erfolgreich machen

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Das Legal Tech Verzeichnis Magazin 01/26 „Die moderne Kanzlei“

Legal Tech Verzeichnis - 05.05.2026

Die Ausgabe 01/2026 des Legal Tech Verzeichnis Magazins hat den Schwerpunkt „Die moderne Kanzlei“ mit Fachartikeln von Stephanie Beyrich (Rechtsanwältin), Daina Böther-Schultze (McDermott Will & Schulte), Conrad Pollack (Actaport), Tobias Voßberg (Fachanwalt), Mark Schneider (Beck-Noxtua), Dr. Franka Becker (PyleHound), Sven Hallwirth (S-Management Services), Annika Niemann (JUN Legal), Florian Riedel (Septeo, ex. stp.one), Allan Böhner (Rechtsanwalt), Björn Frommer (JUNE), Astrid Kohlmeier (AK Legal Design), Dr. Florian Skupin (Bucerius Law School), Robin Schmeisser (Fabasoft Contracts), Schweitzer Zukunftsforum, Larissa Schmitz, Patrick Wenzek (Regulint), Anna-Janina Stöhr (Digital Justice Summit) und Martin Kurtz von MaraDocs im Legal Tech Steckbrief.

Mit einem Vorwort vom ehem. Bundesjustizminister Dr. Marco Buschmann und Christian M. Theissen (White & Case).

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8. Schweitzer Zukunftsforum – Legal Tech

Legal Tech Verzeichnis - 04.05.2026

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in Kanzleien spürbar: Sie automatisiert Routineaufgaben, unterstützt bei Recherche und Dokumentenerstellung und schafft Freiräume für hochwertige Beratung. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Welche Lösungen sind wirklich praxistauglich – und wie gelingt ihr sicherer Einsatz? Antworten liefert das 8. Schweitzer Zukunftsforum Legal Tech am 16. und 17. Juni 2026.

Ihre Vorteile auf einen Blick:

  • Klarer Überblick über den aktuellen Stand von KI in der Branche
  • Praxiserprobte Tools und Workflows für den direkten Einsatz
  • Best Practices für den effektiven und sicheren Umgang mit generativer KI
  • Mehr Effizienz durch Automatisierung – mehr Zeit für Beratung
  • Einblick in zukünftige Entwicklungen und strategische Chancen

Wer KI richtig einsetzt, steigert nicht nur Effizienz, sondern auch die Qualität der Beratung. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen.

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ZDF WISO Beitrag: Werden Anwälte bald durch KI ersetzt?

Legal Tech Verzeichnis - 03.05.2026

Ein aktueller Beitrag des ZDF WISO Magazins mit dem Titel „Trübe Aussichten für Anwälte – werden sie bald von der KI ersetzt?“ zeigt, wie künstliche Intelligenz die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten verändern könnte. Im Mittelpunkt stehen zwei Juristen: Flora aus der Mietrechtsberatung und Ali aus dem Baurecht. Beide lassen ihren Berufsalltag von einer KI analysieren und bekommen eine Einschätzung dazu, welche Teile ihrer Arbeit künftig von KI übernommen werden könnten.

Werden Anwälte bald durch KI ersetzt?
Laut WISO wird nicht der ganze Beruf des Anwalts ersetzt, aber viele Standardaufgaben könnten stark automatisiert werden. Dazu zählen vor allem Schreiben, Recherchieren, Sortieren von Informationen, Entwürfe von Schriftsätzen und einfache rechtliche Einordnungen. Gerade in Bereichen mit vielen wiederkehrenden Fällen kann KI viel Zeit sparen.

Gleichzeitig macht der Beitrag aber auch deutlich, dass KI klare Grenzen hat. Sie kann Fehler machen, Urteile halluzinieren, veraltete Informationen verwenden oder falsche Quellen nennen. Deshalb bleibt juristische Verantwortung beim Menschen. Vor allem bei komplexen Fällen, Gesprächen mit Mandanten, Verhandlungen, Gerichtsterminen oder schwierigen Einzelfallentscheidungen bleibt der Anwalt unverzichtbar.

Als praktische Lösung zeigt der Beitrag, dass Anwälte KI nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug nutzen sollten. Genannt werden zum Beispiel Vorlagen, digitale Fragebögen, Unterstützung bei Standardtexten und interne Systeme, die mit eigenen Mustern arbeiten. Wichtig ist dabei, klein anzufangen, echte Anwendungsfälle zu testen und auf Datenschutz sowie Kontrolle zu achten.

Fazit
Aus dem WISO Beitrag lässt sich ableiten, dass Anwälte künftig stärker mit KI arbeiten müssen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Wer KI sinnvoll einsetzt, kann Routinearbeit beschleunigen und mehr Zeit für Beratung, Strategie und schwierige Fälle gewinnen. Wer sie gar nicht nutzt, könnte auf Dauer langsamer und teurer wirken. Der Beitrag kommt aber nicht zu dem Ergebnis, dass Anwälte überflüssig werden. Vielmehr zeigt es, dass sich ihr Beruf verändern wird: weg von mehr Standardarbeit, hin zu mehr Prüfung, Verantwortung, Taktik und menschlicher Beratung. Die Zeit wird zeigen, inwieweit WISO hier Recht behält.

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Leegle erweitert Advisory Board und gewinnt Ex-Minister Christian Lindner als Investor

Legal Tech Verzeichnis - 29.04.2026

Das Münchner Legaltech Unternehmen Leegle erweitert sein Advisory Board um Christian Lindner. Parallel beteiligt sich Lindner als Investor an einer Pre Seed Finanzierungsrunde im sechsstelligen Bereich. Die genaue Höhe des Investments wurde nicht veröffentlicht. Neben Lindner gehören auch Peter Mertens und Leon Szeli dem Beratungsgremium an. Auch der CDTM Venture Fund ist investiert.

Ex-Finanzminister Lindner soll das Gründerteam künftig insbesondere bei Strategie, Geschäftsentwicklung und Vertrieb unterstützen. Seine Rolle geht damit über ein rein finanzielles Engagement hinaus. Gründerin Anne Greul betont den operativen Mehrwert seiner Beratung. Lindner selbst begründet sein Engagement mit der wachsenden regulatorischen Komplexität für Unternehmen und erklärt: „Unternehmen brauchen dringend bessere Tools, um mit der Komplexität umzugehen.“

Fokus auf regulatorische Risiken und operative Umsetzung

Leegle entwickelt eine KI basierte Plattform für Regulatory Compliance. Die Lösung analysiert nach Unternehmensangaben rund 200.000 Regularien, aktualisiert diese täglich und verknüpft regulatorische Anforderungen automatisiert mit konkreten Produktmerkmalen. Unternehmen können so bestehende Compliance Risiken bewerten, neue gesetzliche Anforderungen überwachen und länderspezifische Vorgaben bei Marktexpansion frühzeitig identifizieren.

Adressiert werden insbesondere Unternehmen mit komplexen Produktportfolios und hoher regulatorischer Exponierung. Zu den bereits genannten Kunden zählen Obi, Sennheiser und WMF. Das Geschäftsmodell basiert auf wiederkehrenden Lizenzumsätzen über ein Abonnementmodell, ergänzt um optionale Erweiterungsmodule.

Vom Web3 Pivot zum Compliance Anbieter

Das Unternehmen entstand 2024 aus einem strategischen Neustart des früheren Web3 Projekts Moonblock. Die Gründer Anne Greul, Patrick Tu und Sebastian Wagner hatten zuvor eine Plattform für NFT Kampagnen entwickelt und nach veränderten Marktbedingungen das Geschäftsmodell auf KI gestützte Compliance Lösungen ausgerichtet. Diese Transformation bildet heute die Basis für die Positionierung von Leegle im wachsenden Markt für regulatorische Technologie.

Signalwirkung für Governance und Wachstum

Mit Lindners Einstieg verbindet Leegle nicht nur Kapital, sondern zusätzliche Glaubwürdigkeit in Governance Fragen und strategische Unterstützung für weiteres Wachstum. Das Unternehmen positioniert sich damit stärker an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Regulierung und Enterprise Software.

Für Lindner ist das Engagement Teil eines breiteren wirtschaftlichen Portfolios nach seinem Rückzug aus der Politik. Leegle zählt nach seinen Angaben zu seinen ersten Beteiligungen in der Start up Szene.

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StruKI: Justizministerium Baden-Württemberg entwickelt KI-Werkzeug zur Aktenstrukturierung

Legal Tech Verzeichnis - 27.04.2026

Das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg entwickelt ein KI-Werkzeug zur Aktenstrukturierung, genannt StruKI. Konkret handelt es sich um eine Assistenzanwendung, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Justizverfahrensakten zusammenfasst und strukturiert. Dazu heisst es in der Presseerklärung des Ministeriums:

Die Arbeit der Richter und Staatsanwälte wird maßgeblich durch das Lesen und Auswerten von Akten bestimmt, was einen sehr großen Anteil ihrer Arbeitszeit in Anspruch nimmt. StruKI wird Akteninhalte übersichtlich aufbereiten, um einen besseren und schnelleren Zugriff auf die wesentlichen Informationen zu ermöglichen. Dies soll nicht nur die Arbeit der Justizangehörigen erleichtern, sondern auch die Dauer vieler Verfahren verkürzen und somit letztendlich den Bürgern zugutekommen.

Dazu die Ministerin der Justiz und für Migration Marion Gentges: „Mit StruKI möchten wir den Justizangehörigen ein effektives Instrument zur Verfügung stellen, um ihre Arbeit zu optimieren und die Verfahrensführung zu beschleunigen. Dann können sie sich noch besser auf ihre Kernkompetenzen fokussieren: den persönlichen Kontakt mit den Rechtssuchenden, die Kommunikation mit den Verfahrensbeteiligten und die fundierte juristische Entscheidungsfindung.“

Das Projekt ist Teil der Digitalisierungsinitiative für die Justiz und wird mit Entwicklern der IBM Deutschland GmbH, der CODEFY GmbH sowie der Materna Information & Communications SE durchgeführt. Bund und Länder haben Baden-Württemberg mit der Projektdurchführung beauftragt; die Projektinitiative stammt ebenfalls aus Baden-Württemberg.

StruKI soll perspektivisch in allen Gerichtsbarkeiten eingesetzt werden, das heißt bei Zivil- und Strafgerichten, Verwaltungsgerichten, Sozialgerichten, Finanzgerichten und Arbeitsgerichten in Bund und Ländern. Auch die Staatsanwaltschaften werden StruKI nutzen können.

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