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Warum die ersten 30 Tage über den Erfolg einer Softwareeinführung entscheiden

19.08.2026

Die Entscheidung für einen Softwarewechsel ist eine der wichtigsten Softwarentscheidungen in Kanzleien – und wird so häufig nur auf die technische Umstellung reduziert. Die Praxis zeigt ein anderes Bild: Über den Erfolg einer Einführung entscheidet nicht die allein die technische Einrichtung, sondern das, was nach einer erfolgreichen Einrichtung in den Wochen danach im Büro passiert.

Die technische Seite ist im Vorfeld planbar. Daten migrieren, Berechtigungen erteilen, eine SharePoint-Seite anlegen, Postfächer verbinden – das ist bei sorgfältiger Vorbereitung in kurzer Zeit erledigt. Die Umstellung der täglichen Abläufe im Büro beginnt erst nach der technischen Umstellung. Und sie entscheidet darüber, ob ein System im Alltag ankommt oder ob das Team unter Zeitdruck zum Gewohnten zurückkehrt.

Genau hier setzt LawX Care an, die Einführungsbegleitung von LawX für Kanzleien und Notariate. LawX Care als neuartiges Konzept für den Kundenservice umfasst die persönliche Begleitung vor und nach dem Start: persönliches Onboarding, benannte Ansprechpartner und regelmäßige Check-ins statt eines anonymen Ticketsystems.

Technik, Tagesgeschäft, Team

Drei Ebenen entscheiden über eine gelungene Umstellung:

  • Technik umfasst die Einrichtung der IT und der Cloud, Berechtigungen, Schnittstellen und die Übernahme der Daten aus dem Bestandssystem.
  • Tagesgeschäft meint die tatsächlichen operativen Abläufe: Posteingang, Fallanlage, Urkunden- und Schriftsatzentwürfe, Fristen.
  • Team sind die Menschen, die die Umstellung tragen: Berufsträgerinnen und Berufsträger, Fachangestellte und häufig die eine Person, an der im Büro organisatorisch alles hängt. Es meint auch die KI-Kompetenz, die im Team aufgebaut wird.

Investiert wird in den meisten Einführungsprojekten fast ausschließlich in die erste technische Ebene. Der nachhaltig wichtigste Aspekt ist allerdings dritte Ebene: das Team. Hier liegt der langfristige Fokus von LawX Care.

Michael Becker von Fuhrmann Wallenfels bringt es auf den Punkt, wenn er über seine Erfahrung mit dem Kundenservice von LawX spricht:

„Zwei Dinge machen für mich den Unterschied: Die automatische Datenerfassung nimmt mir die manuelle Eingabe ab, und das Team ist erreichbar und engagiert wie bei kaum einem anderen Anbieter.“
Michael Becker, LL.M. – Rechtsanwalt & Notar, Fuhrmann Wallenfels

Was eine Softwareeinführung erfolgreich macht

Eine Begleitung, die etwas verändert, ist keine einseitige Dienstleistung. LawX bereitet vor dem Start die eigenen Muster der Kunden im System auf, verbindet die E-Mail-Umgebung und setzt die Datenmigration um. Das Büro benennt Projektverantwortliche, stellt seine Muster bereit und nimmt an den Terminen teil. Beides steht mit Aufgaben und Fristen in einem gemeinsamen Plan.

Das zeitliche Investment und der fokussierte Einstieg lohnen sich: Gelungene Einführungen erkennt man daran, dass nach 30 Tagen niemand mehr über die Software spricht, sondern über den Fall, der damit bearbeitet wird. Bis dahin braucht es klare Anwendungsfälle, ein festes Umstellungsdatum und mehrere Personen im Team, die die neue Arbeitsweise tragen.

Auch für Teams ohne Vorerfahrung mit KI gilt: Prozesse und Entwürfe entstehen KI-gestützt und werden von den Fachangestellten geprüft. Abtippen entfällt. Diese Arbeitsweise muss eingeführt werden, sie entsteht nicht von selbst. Genau das unterscheidet ein Büro, das KI eingeführt hat, von einem, das sie auch wirklich nutzt.

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Autor: Torben Rabe, COO bei LawX

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KI-gestützte juristische Recherche – Interview mit Paul Permantier

18.08.2026

Hier die Podcast-Folge hören bei …
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Interview mit Paul Permantier, Gründer von LexGraph, zum Thema „KI-gestützte juristische Recherche“. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:

1. KI braucht hochwertigen juristischen Kontext
Allgemeine Sprachmodelle sind für komplexe Fragen des deutschen Rechts allein nicht zuverlässig genug. Deshalb werden sie gezielt mit Informationen aus Urteilen, Gesetzen und anderen juristischen Primärquellen versorgt.

2. Ein Wissensgraph vernetzt juristische Informationen
Aus über einer Million Urteilen werden relevante Definitionen, Auslegungen und Argumente extrahiert und mit anderen Urteilen und Rechtsnormen verbunden. So kann die KI rechtliche Zusammenhänge besser erkennen.

3. Der größte Nutzen liegt in Zeitersparnis und höherer Verlässlichkeit
Statt zahlreiche Entscheidungen selbst zu suchen und auszuwerten, übernimmt die KI einen großen Teil der Recherche. Die Verknüpfung mit Primärquellen soll außerdem Halluzinationen reduzieren und Ergebnisse nachvollziehbarer machen.

4. Die Qualität juristischer KI lässt sich messen
Lexgraph untersucht beispielsweise, ob eine KI die relevanten Normen und juristischen Informationen tatsächlich findet. Im Podcast wird für einen Benchmark mit Gemini 3.1 Pro von einer Reduktion der Fehlerrate um 60 Prozent durch den zusätzlichen juristischen Kontext berichtet.

5. KI wird Anwälte eher verändern als ersetzen
Die These des Podcasts ist, dass deutlich mehr juristische Arbeit automatisiert wird, während menschliche Beratung, Einschätzung und Vertrauen wichtig bleiben. Die zugespitzte Prognose lautet: Die Kanzlei von morgen wird zunehmend ein Legal-Tech-Unternehmen sein.

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FutureLaw 2026: Digitalisierungsschub durch strukturierte Daten? Die Realität der prädiktiven Justiz

17.08.2026

Die Digitalisierung des europäischen Justizsystems schreitet rasant voran, angetrieben durch regulatorische Rahmenbedingungen wie den EU AI Act und die wachsende Notwendigkeit zur Effizienzsteigerung in Zivilverfahren und der unternehmerischen Compliance. Der Einsatz von Predictive Analytics und automatisierten Entscheidungsunterstützungssystemen in der Justiz und in Anwaltskanzleien wird jedoch durch einen eklatanten Mangel an strukturierten, zugänglichen Daten erheblich eingeschränkt. Das Fundament der „Predictive Justice“ kann nicht auf proprietären Silos oder fragmentierten, undurchsuchbaren PDF-Archiven aufgebaut werden.

Das zentrale Spannungsfeld dreht sich um Transparenz, Datensouveränität und die ethischen Implikationen algorithmischer Rechtsprechung. Während Rechtssysteme vom rein menschlichen Ermessen zur Einbeziehung statistischer Inferenzen übergehen, wird die Herkunft der Trainingsdaten zu einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse und regulatorischer Prüfung.

Auf dem FutureLaw-Kongress 2026 war die Schnittstelle zwischen Open Law und prädiktiver Analytik Gegenstand intensiver Debatten, insbesondere im Hinblick darauf, wie unterschiedliche rechtliche Verfahren unterschiedliche Ebenen der menschlichen Aufsicht erfordern. Die Tragweite dieser Entwicklung ist enorm.

Peteris Zilgalvis, Richter am Gericht der Europaeischen Union (EuG), fasste die historische Bedeutung dieses Wandels zusammen: „This is perhaps the most transformational technology that we have seen artificial intelligence, because for the first time, it’s addressing and perhaps doing better that which we do the best compared to other animals in the world“.

Damien Riehl wies auf die strukturellen Ungleichheiten in den derzeitigen Systemen hin: „If you ask the judges, whose data is it, the judges will say, what do you mean to protect our judicial opinions from these nasty data brokers that are trying to do evil things with our data… but of course, yes, there are those nasty data brokers, but there are also people that are trying to get access to justice“.

Der fehlende offene, maschinenlesbare Zugang zu Gerichtsentscheidungen verhindert die Entwicklung gerechter prädiktiver Werkzeuge und konzentriert strategische Vorteile in stark kapitalisierten Großkanzleien.

Darüber hinaus muss die Anwendung von Künstlicher Intelligenz innerhalb der Justiz strikt nach der Art des Rechtsstreits segmentiert werden. Dr. Benedikt Quarch schlug einen pragmatischen Ansatz vor: „My approach would be distinguished between the areas of law and the types of claims, and in certain claims, at least I’m saying AI could play also the central [role], of course, always with the human oversight“. Er merkte an, dass in stark repetitiven Zivilverfahren, wie etwa bei massenhaften Fluggastentschädigungen, automatisierte Systeme die Gerichte drastisch entlasten könnten.

Für europäische Rechtsinstitutionen ist der Auftrag klar: Bevor komplexe, agentenbasierte Workflows sicher eingesetzt werden können, müssen die zugrundeliegenden juristischen Daten strukturiert, anonymisiert und unter Einhaltung strengster Datenschutzstandards zugänglich gemacht werden. Der Weg aus der „Black Box“ erfordert nicht nur erklärbare Algorithmen, sondern eine grundlegende Restrukturierung der Archivierung und Distribution juristischer Daten.

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Wie KI und moderne Legal-Tech-Lösungen juristische Workflows revolutionieren

13.08.2026

Viele Unternehmen nutzen bereits Contract-Lifecycle-Management-Lösungen (CLM), kämpfen jedoch nach wie vor mit langsamen Freigabeprozessen, fehlender Transparenz oder verpassten Fristen. Denn der Erfolg eines CLM hängt nicht allein von der eingesetzten Software ab, sondern auch von klar definierten Prozessen, einer strukturierten Datenbasis sowie der konsequenten Nutzung der Lösung durch alle Beteiligten.

Inzwischen gibt es Legal-Suiten, die verschiedene juristische Prozesse miteinander verbinden, zentral abbilden und deren Steuerung deutlich erleichtern. Die Legal Suite von Septeo geht dabei noch einen Schritt weiter: Sie verbindet Künstliche Intelligenz (KI) mit juristischer Expertise, sodass rechtliche Aufgaben schneller, sicherer und effizienter ausgeführt werden können. Anwender müssen lediglich die gewünschte Aufgabenstellung formulieren – die KI übernimmt anschließend die Bearbeitung gemäß den definierten Standards und Regeln. Darüber hinaus hilft sie, Risiken und kritische Sachverhalte frühzeitig zu erkennen. Automatisch erstellte Zusammenfassungen, Handlungsempfehlungen und Analysen unterstützen fundierte Entscheidungen und beschleunigen den gesamten Bearbeitungsprozess.

Moderne Legal-Suiten decken zahlreiche Aufgaben ab, die in Rechtsabteilungen oder Kanzleien anfallen, etwa das Vertragsmanagement: Mit standardisierten Vorlagen, transparenten Genehmigungsprozessen, einer zentralen Vertragsablage sowie einem zuverlässigen Fristen-Tracking sorgen sie für durchgängig effiziente und rechtssichere Abläufe. Contract Insights von Septeo analysiert beispielsweise Verträge innerhalb weniger Minuten. Dafür muss der Vertrag lediglich auf die Plattform hochgeladen werden. Anschließend liefert die KI eine strukturierte Auswertung mit potenziellen Risiken, Redlines, Handlungsempfehlungen sowie relevanter Rechtsprechung – und das für aktuell 12 europäische Jurisdiktionen. Darüber hinaus lassen sich juristische Vorgänge strukturiert überwachen und steuern, Rechtskosten, Bankvollmachten und Corporate-Governance-Prozesse zentral verwalten.

Moderne Plattformen können zudem mit anderen IT-Systemen verknüpft werden, sodass sich der positive Impact auf weitere Unternehmensprozesse auswirkt. Organisationen, die auf ein solides Fundament aus klaren Prozessen, hochwertigen Daten und intelligenten Technologien setzen, profitieren gleich mehrfach: Sie können nicht nur ihr Vertragsmanagement oder andere Aufgaben optimieren, sondern schaffen zugleich die Grundlage für den skalierbaren und produktiven Einsatz von KI – einer Technologie, die das juristische Arbeiten bereits heute verändert und künftig noch weitreichender prägen wird.

-> Hier finden Sie weitere Informationen zur Legal Suite und zu Contract Insights von Septeo.

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ChatGPT-Skandal im Gerichtssaal: Hessischer Verwaltungsgerichtshof verweist auf falsche Quellen

11.08.2026

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat bei einem Beschluss offenbar ChatGPT für Recherchen eingesetzt. Sichtbar wurde dies durch mehrere Internetadressen in der veröffentlichten Entscheidung, die den Zusatz „source=chatgpt.com“ enthielten. Problematisch ist vor allem, dass einzelne dieser Quellen die Angaben im Beschluss nicht belegten. Inhaltlich soll die Entscheidung dennoch korrekt sein.

ChatGPT Spuren in einem Gerichtsbeschluss

Der Fall betrifft einen Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 24. Juni 2026 mit dem Aktenzeichen 3 A 2624/25. Darin legt das Gericht dem Europäischen Gerichtshof Fragen zum Aufenthaltsrecht ukrainischer Flüchtlinge vor. Konkret geht es darum, ob Ukrainer ein Aufenthaltsrecht in der Europäischen Union haben, wenn sie zunächst nach Georgien und erst Jahre später nach Deutschland geflohen sind.

In der veröffentlichten Entscheidung finden sich mehrfach Links mit dem Zusatz „source=chatgpt.com“. Dies deutet darauf hin, dass ChatGPT bei der Recherche nach Quellen verwendet wurde.

Verlinkte Quellen belegen Angaben teilweise nicht

Besonders auffällig sind mehrere fehlerhafte Quellenangaben. Ein Link führte zu einem Artikel aus dem Jahr 2025, obwohl im Beschluss damit ein georgisches Regierungsdekret aus dem Jahr 2026 belegt werden sollte. An anderer Stelle verwies das Gericht im Zusammenhang mit einer Regelung aus dem Jahr 2015 auf eine Änderungsvorschrift aus dem Jahr 2025.

Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zumindest einen solchen Fehler. „Soweit auf das Regierungsdekret vom 24. Februar 2026 Bezug genommen wird, findet dies keinen Beleg in der Fundstelle“, erklärte das Gericht.

Gericht hält KI Recherche grundsätzlich für zulässig

Grundsätzlich verteidigt der Hessische Verwaltungsgerichtshof den Einsatz künstlicher Intelligenz für Recherchen. Besonders bei schwer zugänglichen ausländischen Quellen könne die Technik hilfreich sein. Allerdings müssten die von einer KI gelieferten Informationen sorgfältig überprüft werden.

Ob Hinweise wie „source=chatgpt.com“ künftig aus veröffentlichten Links entfernt werden, ließ das Gericht offen. Die konkrete Zitierweise und das Abfassen von Entscheidungsgründen seien Teil der richterlichen Unabhängigkeit. In diesem Rahmen könnten Richter auch Werkzeuge wie ChatGPT für Recherchezwecke einsetzen.

Der Fall zeigt damit weniger einen inhaltlichen Fehler der Gerichtsentscheidung als ein Problem bei der Quellenprüfung. Gerade wenn KI Systeme für juristische Recherchen eingesetzt werden, müssen die gefundenen Belege vor ihrer Verwendung immer gründlich überprüft werden.

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Legal Tech in der juristischen Ausbildung: Wo steht der Nachwuchs?

10.08.2026

Kanzleien investieren zunehmend in digitale Arbeitsprozesse, KI-gestützte Recherche und automatisierte Dokumentenerstellung. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis ein wiederkehrendes Problem: Der juristische Nachwuchs bringt zwar Motivation und Interesse mit, häufig jedoch keine formale Ausbildung im Umgang mit Legal-Tech-Tools. Die Frage, woher Legal-Tech-affine Juristen kommen sollen, stellt sich daher für viele Kanzleien zunehmend dringlicher.

Der Status quo der juristischen Ausbildung

Die juristische Ausbildung in Deutschland folgt nach wie vor einem stark traditionellen Modell. Das Studium der Rechtswissenschaft ist im Kern auf das Staatsexamen ausgerichtet. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf den klassischen Rechtsgebieten – Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht – sowie deren methodischer Anwendung. Digitale Kompetenzen oder technologische Grundlagen sind hingegen kein verpflichtender Bestandteil des Curriculums.

Gleichwohl ist Bewegung erkennbar. Einzelne Universitäten haben begonnen, Digitalisierungsthemen in ihre Studienangebote zu integrieren. So existieren beispielsweise Schwerpunktbereiche oder Zertifikatsprogramme zu „Recht der Digitalisierung“ oder „Informationsrecht & Legal Tech“. Darüber hinaus entstehen vereinzelt interdisziplinäre Studiengänge an der Schnittstelle von Recht und Technologie. Ein Beispiel ist der Bachelorstudiengang „Legal Tech“ an der Universität Passau, der juristische Inhalte mit Wirtschaftsinformatik und digitalen Kompetenzen verbindet. Auch weitere Hochschulen – etwa in Berlin, Regensburg oder Wismar – bieten mittlerweile Studienprogramme mit explizitem Legal-Tech-Bezug an.

Dennoch bleibt diese Entwicklung bislang eine Ergänzung zum klassischen Studium und nicht dessen Kern.

Das Henne-Ei-Problem des Legal-Tech-Nachwuchses

In der Praxis entsteht daraus ein strukturelles Spannungsverhältnis. Viele Studierende interessieren sich für Legal Tech und beschäftigen sich außerstudentisch mit entsprechenden Themen. Gleichzeitig fehlt ihnen häufig die Möglichkeit, diese Kenntnisse im Rahmen des Studiums systematisch zu erwerben oder nachzuweisen.

Ein zentrales Hindernis besteht darin, dass Universitäten in der Regel keinen Zugang zu professionellen Tools bieten. Lizenzkosten, technische Infrastruktur und organisatorische Fragen erschweren eine Integration solcher Systeme in die Lehre. Die Folge ist ein paradoxes Ergebnis: Studierende verfügen über Interesse und Motivation, können ihre Kompetenzen jedoch kaum praktisch entwickeln.

Auf Seiten der Kanzleien zeigt sich gleichzeitig ein steigender Bedarf an genau diesen Fähigkeiten. Dokumentenautomatisierung, Legal-Operations-Prozesse oder KI-gestützte Recherche gehören zunehmend zum Arbeitsalltag moderner Kanzleien. Bewerber mit entsprechender Erfahrung sind daher gefragt, aber selten.

Ein weiteres Phänomen verschärft diese Situation. Viele junge Juristen gelten zwar als „Digital Natives“, sind jedoch nicht automatisch technikaffin im beruflichen Sinne. Der alltägliche Umgang mit intuitiven Apps ersetzt nicht die Fähigkeit, komplexe Fachsoftware systematisch zu erlernen und produktiv einzusetzen. Ohne entsprechende Schulung besteht daher die Gefahr, dass vorhandene Tools ungenutzt bleiben oder falsch eingesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund gilt Praxiserfahrung derzeit als die eigentliche „Währung“ im Legal-Tech-Umfeld. Studierende, die an Hackathons teilnehmen, in Legal-Tech-Vereinen mitarbeiten oder im Rahmen eines Praktikums mit entsprechenden Tools arbeiten konnten, heben sich deutlich von anderen Bewerbenden ab. Solche Erfahrungen entstehen jedoch meist außerhalb des regulären Studiums.

Welche Herausforderungen sich daraus für Kanzleien ergeben

Für Kanzleien bedeutet diese Situation vor allem eines: Sie können sich nicht darauf verlassen, dass der Arbeitsmarkt fertige Legal-Tech-Experten hervorbringt.

Stattdessen treffen sie häufig auf hochqualifizierte Juristen, deren Ausbildung stark dogmatisch geprägt ist, während praktische Technologiekompetenz erst im Berufsalltag entwickelt werden muss. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck, digitale Prozesse effizient zu nutzen und technologische Innovationen in die eigene Arbeitsorganisation zu integrieren.

Die zentrale Herausforderung besteht daher darin, juristische Fachkompetenz mit technologischem Verständnis zu verbinden. Diese Kombination entsteht derzeit selten automatisch durch die Ausbildung.

Was Kanzleien konkret tun können

Ein erster Ansatz besteht darin, Legal-Tech-Schulungen bereits in das Onboarding neuer Mitarbeitender zu integrieren. Seminare zu eingesetzten Tools, KI-gestützter Recherche oder Dokumentenautomatisierung können dazu beitragen, technologische Kompetenzen frühzeitig aufzubauen. Besonders effektiv sind dabei praxisorientierte Formate, in denen neue Mitarbeitende mit realistischen Testfällen oder in sogenannten Sandbox-Umgebungen arbeiten können.

Darüber hinaus spielt die Zusammenarbeit zwischen juristischen und technischen Teams eine zentrale Rolle. Während IT-Spezialisten technische Zusammenhänge erklären, bringen Juristen das fachliche Verständnis der rechtlichen Prozesse ein. Diese Zusammenarbeit ermöglicht nicht nur eine effizientere Nutzung der vorhandenen Tools, sondern fördert auch ein grundlegendes Verständnis für technologische Arbeitsweisen.

Ein weiterer wichtiger Faktor liegt im Recruiting. Stellenausschreibungen sind für viele junge Juristen ein erstes Signal dafür, wie innovationsorientiert eine Kanzlei arbeitet. Die explizite Erwähnung von Legal Tech, digitalen Arbeitsprozessen oder internen Weiterbildungsprogrammen kann daher ein entscheidender Attraktivitätsfaktor sein. Entscheidend ist dabei jedoch die Glaubwürdigkeit: Versprochene Technologien und Trainingsprogramme müssen auch tatsächlich Teil des Arbeitsalltags sein.

Schließlich können Kanzleien gezielt Veranstaltungen und Programme entwickeln, um frühzeitig Kontakt zu technikaffinem Nachwuchs aufzubauen. Hackathons, Workshops oder Praktikumsprogramme mit praktischem Tool-Zugang ermöglichen Studierenden erste Erfahrungen, die sie im Studium häufig nicht erwerben können. Solche Formate schließen die Lücke zwischen akademischer Ausbildung und beruflicher Praxis.

Fazit

Die juristische Ausbildung in Deutschland befindet sich im Wandel, bleibt jedoch in ihrem Kern weiterhin stark traditionell geprägt. Legal Tech ist an einigen Hochschulen sichtbar geworden, spielt im regulären Jurastudium bislang jedoch nur eine begrenzte Rolle. Für Kanzleien bedeutet dies, dass sie die Ausbildung von Legal-Tech-Kompetenzen zunehmend selbst übernehmen müssen. Wer juristischen Nachwuchs langfristig gewinnen und entwickeln möchte, sollte technologische Weiterbildung, praktische Lernformate und transparente Innovationskultur aktiv fördern.

Die gute Nachricht ist dabei: Das Interesse auf Seiten des Nachwuchses ist vorhanden. Es fehlt weniger an Motivation als an Strukturen, die dieses Potenzial systematisch fördern. Genau hier liegt die Chance für Kanzleien, sich als moderne und zukunftsorientierte Arbeitgeber zu positionieren.

Autorin: Larissa Schmitz studiert Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Steuer- und Bilanzrecht an der Universität zu Köln und arbeitet als Werkstudentin in einer Steuerkanzlei. Neben dem Studium verbindet sie ihr Interesse auch mit Legal Tech. Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich für das LTLC und CTRL Magazin und teilt ihr Fachwissen regelmäßig durch Beiträge.

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Fünf Lehren aus zwei Monaten Content-Betrieb einer Kanzlei

06.08.2026

Zur Einordnung: Das System, um das es hier geht, stammt von mir, Ilia Isakov. Ich habe es gebaut und bin auch für den laufenden Betrieb verantwortlich. Neutral ist dieser Bericht daher nicht. Dafür stammen alle Zahlen live aus dem laufenden Betrieb (Stand 28. Juli 2026) und sind auf Nachfrage belegbar.

Der Fall: Eine mittelständische Kanzlei mit elf Anwältinnen und Anwälten hat ihre Social-Media-Produktion von Handarbeit auf einen automatisierten, aber redaktionell kontrollierten Ablauf umgestellt. Das System schlägt jeder Person Themen aus ihrem Fachgebiet vor, erstellt Entwurf und Grafik und legt beides im Microsoft-Teams-Chat zur Entscheidung vor. Freigeben oder ablehnen, beides ein Klick, ohne menschliche Freigabe erscheint kein einziger Beitrag. Seit dem 21. Mai sind so 18 Beiträge erschienen; 33 Vorschläge wurden abgelehnt, drei verfielen ohne Reaktion.

Aus diesen gut zwei Monaten fünf Lehren, die sich auf andere Kanzleien übertragen lassen:

Lehre 1: Die Freigabe gehört zur Person, nicht in eine Sammelstelle

Der Reflex bei elf Berufsträgern ist eine zentrale Redaktionsinstanz, die für alle prüft. Genau das erzeugt den Flaschenhals, an dem solche Vorhaben ersticken: Eine Person wird zur Mahnstelle für zehn andere. Hier entscheidet jede Anwältin und jeder Anwalt nur über die eigenen Beiträge, im eigenen Chat, ohne Redaktionssitzung. Deshalb skaliert der Ablauf; fällt eine Person aus, arbeiten die anderen zehn einfach weiter. Neun der elf haben in zwei Monaten eigene Beiträge veröffentlicht, der aktivste fünf.

Wie sich das im Alltag anfühlt

Aus Sicht einer Anwältin besteht der gesamte Aufwand aus zwei Momenten. Erstens: Im Teams-Chat erscheint eine Nachricht mit drei Themenvorschlägen aus ihrem Fachgebiet, teils mit Bezug auf aktuelle Entscheidungen; sie tippt auf eines oder gibt weiter, wenn es gerade nicht passt. Zweitens: Kurz darauf liegt der fertige Entwurf samt Grafik im selben Chat, sie liest ihn und entscheidet mit einem Klick. Wer ablehnt, kann in einem Satz sagen warum, und bekommt eine überarbeitete Fassung. Termine, Ausspielung, Fehlerbehandlung und Nachplanung bei Abwesenheiten laufen im Hintergrund. Es gibt keine Redaktionskonferenz, keine Content-Tabelle und kein weiteres Werkzeug, in das sich jemand einloggen muss; der Kanal ist der Chat, der ohnehin den ganzen Tag offen ist. Pro Beitrag bleiben auf Kanzleiseite wenige Minuten.

Lehre 2: Die Ablehnungen sind wertvoller als die Freigaben

33 abgelehnte gegen 18 freigegebene Vorschläge klingt nach einem schlechten System. Es ist das Gegenteil: Der Beleg, dass die Kontrolle echt ist und keine Abnick-Formalie. Juristinnen und Juristen lehnen ab, wenn der Ton nicht zu ihnen passt, das Thema gerade heikel liegt oder eine Formulierung werberechtlich zu forsch wäre. Jede Ablehnung mit Begründung fließt in die nächste Runde ein. Kein Auftakt-Workshop der Welt ersetzt diese Rückmeldungen: Was zu einer Kanzlei passt, lernt ein System erst an dem, was ihre Leute verwerfen. Wer ein solches System einführt, sollte die frühe Ablehnungsquote deshalb einplanen statt sie als Scheitern zu lesen.

Lehre 3: Nicht der Entwurf ist das Problem, sondern der Dauerbetrieb

Sprachmodelle liefern heute in Sekunden einen brauchbaren Textentwurf, das kann jede Kanzlei selbst. Die eigentliche Arbeit steckt in dem Teil danach: je Person das passende Thema finden, Freigaben einsammeln, ohne zur Mahnstelle zu werden, den Ausspieltermin halten, Störungen erkennen, ehe sie sichtbar werden, und umplanen, sobald jemand ausfällt. Keines dieser Glieder erledigt sich von allein, und jedes einzelne kann die Strecke stilllegen. In zwei Monaten Betrieb gab es geänderte Schnittstellen, verschobene Termine und Abwesenheiten; nichts davon hat die Kanzlei bemerkt, und genau das ist der Maßstab. Wer nur das Schreiben automatisiert, hat das kleinste der Probleme gelöst.

Lehre 4: Reichweite ehrlich messen, auch wenn die Zahlen klein sind

Die 18 Beiträge liefen je einmal auf Facebook und Instagram, zusammen 36 Ausspielungen. Auf Instagram stehen dafür 2.746 erreichte Konten und 199 Likes zu Buche. Für Facebook stellt Meta seit einiger Zeit gar keine Reichweitenzahl je Beitrag mehr bereit; messbar bleiben dort nur Reaktionen, geteilte Beiträge und Klicks. Diese Größenordnung ist für eine einzelne Kanzlei normal; mit den Zahlen von Medienhäusern hat organische Kanzleireichweite nichts zu tun. Ob daraus Mandate entstanden sind, lässt sich nicht sagen, solange im Erstkontakt niemand fragt, worüber ein Mandant aufmerksam wurde. Diese Frage gehört in den Intake, sonst bleibt jede Wirkungsdebatte Spekulation, in beide Richtungen.

Lehre 5: Es rechnet sich nicht für jede Kanzlei

Bei ein, zwei Beiträgen im Quartal ist Handarbeit mit einer sauberen Vorlage schlicht günstiger. Lohnend wird der Ansatz, sobald viele Personen verlässlich sichtbar sein sollen und das bisher davon abhing, dass eine einzelne engagierte Person es neben dem Mandat herschleppt, bis sie es irgendwann nicht mehr tut. Dazu kommt ein laufender Posten, der in Wirtschaftlichkeitsrechnungen gern fehlt: Jede automatisierte Strecke braucht jemanden, der sie repariert, wenn ein Netzwerk seine Regeln ändert. Wer das nicht einpreist, betreibt sein System genau bis zum ersten Vorfall.

Warum die Kanzlei anonym bleibt

Eine Freigabe zur Namensnennung gibt es nicht, und der Grund dahinter ist selbst aufschlussreich: Kaum eine Kanzlei möchte derzeit öffentlich machen, dass ihre Beiträge aus einem ausgelagerten Betrieb kommen. Wer mit Kanzleien arbeitet, behandelt das wie ein Mandatsverhältnis und nennt keine Namen ohne Erlaubnis. Die Zahlen sind dadurch nicht weniger prüfbar; sie stammen aus dem laufenden System und lassen sich der Redaktion auf Nachfrage belegen.

Autor: Ilia Isakov ist Gründer von Fudaut. Fudaut baut und betreibt individuelle Automatisierung für Kanzleien und den Mittelstand: einmal sauber gebaut, danach dauerhaft betrieben, mit Überwachung, Wartung und klarer Zuständigkeit.

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KI-gestützte Rechtsrecherche und die Verschiebung juristischer Quellenlogik

04.08.2026

KI-basierte juristische Recherchetools prägen zunehmend die juristische Informationsbeschaffung. Da ihre Trainingsdaten überwiegend aus frei zugänglichen Gerichtsentscheidungen bestehen, fördern sie eine rechtsprechungszentrierte Recherchepraxis und verändern damit die Gewichtung juristischer Quellen im kontinentaleuropäischen Recht.

Das Zusammenspiel juristischer Argumentationsgrundlagen

Juristische Argumentation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie speist sich aus einem Geflecht unterschiedlicher Elemente, etwa Gesetz, Rechtsprechung und wissenschaftlicher Literatur. Wer bei der Recherche überwiegend Rechtsprechung heranzieht, nimmt andere Perspektiven, insbesondere aus der Literatur, häufig gar nicht erst in den Blick. Eine solche rechtsprechungszentrierte Perspektive zeigt sich auch bei vielen KI-gestützten Recherchetools, deren Antworten sich häufig maßgeblich auf gerichtliche Entscheidungen stützen. Der Grund liegt weniger in der Technik selbst als in ihrer Datenbasis. Viele derzeit verfügbare Systeme greifen überwiegend auf frei zugängliche Internetquellen zurück, die im juristischen Bereich in besonderem Maße durch veröffentlichte Gerichtsentscheidungen geprägt sind.

Gesetzliche Regelungen finden sich zwar ebenfalls in vielen Systemen wieder, LLMs legen Normen teils sogar aus und argumentieren mit ihnen. Wissenschaftliche Literatur bildet jedoch nur einen kleinen Teil der Datenbasis. Juristische Fachpublikationen wie Fachaufsätze und Kommentare sind häufig nur über kostenpflichtige Datenbanken zugänglich und stehen vielen Systemen daher nicht ohne Weiteres als Trainingsdaten zur Verfügung. KI-Systeme, die auf lizenzierte juristische Datenbanken zugreifen, bilden hier eine Ausnahme. Sie können den Dreiklang aus Gesetz, Rechtsprechung und Literatur deutlich vollständiger abbilden.

Zwar finden sich im Output allgemeiner KI-Tools regelmäßig auch Verweise auf Literatur. Häufig handelt es sich dabei jedoch um Sekundärzitate, deren Ursprung und Kontext nicht ohne Weiteres nachvollziehbar sind und die daher die Gefahr bergen, dass sich Ungenauigkeiten oder Fehlzitate fortsetzen.

Unterschiedliche Quellenlogiken von Common Law und Civil Law

Die strukturelle Dominanz gerichtlicher Entscheidungen in vielen KI-gestützten Recherchetools steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur traditionellen Methodik kontinentaleuropäischer Rechtssysteme.

Im angloamerikanischen Rechtsraum bildet die Orientierung an Präzedenzfällen ein zentrales Strukturmerkmal der Rechtsanwendung. Juristische Argumentation knüpft dort maßgeblich an frühere Entscheidungen an, deren Bindungswirkung für spätere Fälle ein zentrales Charakteristikum des Common Law bildet.

Demgegenüber ist das kontinentaleuropäische Civil Law stärker durch kodifizierte Normen und eine ausgeprägte rechtswissenschaftliche Dogmatik geprägt. Neben der Rechtsprechung kommt insbesondere der juristischen Literatur eine wichtige Rolle zu. Sie trägt zur systematischen Auslegung und zur dogmatischen Fortentwicklung des Rechts bei.

Auswirkungen auf die juristische Argumentationspraxis

Für die juristische Praxis liegt die eigentliche Bedeutung dieser Entwicklung weniger in der Technologie selbst als in ihrer Wirkung auf die Recherche. Recherchetools beeinflussen nicht nur, wie schnell Informationen gefunden werden, sondern auch, welche Quellen im Rechercheprozess überhaupt sichtbar werden.

Damit prägen sie häufig bereits den Ausgangspunkt juristischer Argumentation. Was in den Rechercheergebnissen nicht erscheint, wird in der weiteren Bearbeitung eines Falles oft auch nicht berücksichtigt. Die technische Struktur der Recherche kann so den Rahmen setzen, innerhalb dessen juristische Argumentation stattfindet.

Die strukturelle Wirkung juristischer Suchsysteme

Suchsysteme sind jedoch nie vollständig neutrale Vermittler von Informationen. Jede Form technischer Recherche beruht auf Auswahl- und Gewichtungsmechanismen, die bestimmen, welche Inhalte bevorzugt sichtbar werden und welche im Hintergrund bleiben. Was als „relevant“ erscheint, ist daher nicht allein eine Eigenschaft der juristischen Materialien selbst, sondern auch Ergebnis der technischen Struktur des jeweiligen Recherchewerkzeugs.

Dieses Phänomen ist allerdings nicht erst mit KI entstanden. Schon klassische juristische Datenbanken und Suchmaschinen strukturieren den Zugang zu juristischen Materialien durch Suchalgorithmen und Filtermechanismen. Sie entscheiden damit zumindest mittelbar darüber, welche Entscheidungen, Kommentare oder Aufsätze im Rechercheprozess besonders präsent sind.

Gerade bei KI-gestützten Systemen kann sich diese strukturelle Vorauswahl jedoch weiter verstärken. An die Stelle einer Liste einzelner Treffer tritt häufig eine bereits synthetisierte Darstellung. Das ist ein echter Mehrwert: Statt Fundstellen selbst durchzuarbeiten, erhält man eine konkrete Antwort auf die konkrete Frage. Dadurch wird die Auswahl aber auch weniger transparent nachvollziehbar. Wo die Datenbasis selbst bereits eine starke Dominanz gerichtlicher Entscheidungen aufweist, wirken strukturelle Vorauswahl der Technik und Zusammensetzung der Trainingsdaten zusammen und können eine rechtsprechungszentrierte Perspektive zusätzlich verstärken.

KI-Recherche als Werkzeug und ein Blick nach vorn

Der Einsatz solcher Systeme erfordert daher vor allem ein entsprechendes Problembewusstsein. KI-gestützte Recherchetools ersetzen keine juristische Methodik, sondern bleiben Werkzeuge der Informationsbeschaffung. Wer ihre Quellenbasis reflektiert einordnet, kann ihre Vorteile nutzen, ohne strukturelle Verzerrungen unbemerkt in die eigene Argumentation zu übernehmen.

Die längerfristige Entwicklung könnte jedoch noch weitergehen. Agentische KI-Systeme, in denen spezialisierte Teilagenten parallel Gesetze, Rechtsprechung und Literatur durchsuchen und die Ergebnisse zu einem quellenbasierten, nachvollziehbaren Gesamtergebnis zusammenführen, könnten den beschriebenen Strukturproblemen gezielt entgegenwirken und wären damit die technische Grundlage für eine methodisch ausgewogenere KI-Recherche.

Die juristische Methodik im digitalen Rechercheumfeld

KI-gestützte Recherche wird den Zugang zu juristischen Materialien dauerhaft verändern. Die Grundlagen juristischer Argumentation bleiben dabei dieselben – gerade deshalb bleibt es eine zentrale Aufgabe juristischer Arbeit, die unterschiedlichen Grundlagen der Rechtsfindung bewusst einzuordnen und miteinander in Beziehung zu setzen. Die juristische Methode darf daher im digitalen Zeitalter nicht an Bedeutung verlieren.

Autorin: Annika Niemann ist Rechtsanwältin bei der JUN Legal GmbH, einer auf IT- und Wirtschaftsrecht spezialisierten Kanzlei, und berät Unternehmen zu Compliance-Fragen, insbesondere im Bereich lizenzkonformer Integration von freier und Open Source Software, Cybersicherheit, Datenrecht und KI. Sie ist u.a. Mitautorin des Praxishandbuchs „Generative KI in der Rechtsberatung – Erkenntnisse zur Anwendung von Large Language Models“.

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Legal Tech Day 2026

03.08.2026

Am 16./17. September veranstaltet der Legal Tech Verband Deutschland bereits zum fünften Mal den Legal Tech Day und die Legal Tech Night in Berlin.

Die Teilnehmenden erwarten am 17. September hochkarätige Impulse, praxisnahe Einblicke und Diskussionen rund um Legal Tech und die Digitalisierung des Rechtsmarkts. Den Auftakt bildet am Vorabend die Legal Tech Night. Erwartet werden über 400 Personen aus Kanzleien, Rechtsabteilungen, Politik, Tech-Anbietern und mehr.

Wer beim zentralen Treffen der Legal-Tech-Community in Deutschland dabei sein möchte, sollte sich jetzt ein Ticket sichern. Im letzten Jahr war die Veranstaltung vorzeitig ausverkauft.

Jetzt Ticket für den Legal Tech Day kaufen!

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Erste KI Kanzlei „Garfield AI“ gewinnt Gerichtsverfahren in Großbritannien

30.07.2026

Die KI gestützte Kanzlei Garfield AI hat erstmals ein Gerichtsverfahren in Großbritannien erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen gilt als die weltweit erste von der britischen Aufsichtsbehörde zugelassene KI Kanzlei und erreichte den Erfolg in einem Verfahren vor dem County Court in Wandsworth. Der Fall betraf offene Honorarforderungen einer freiberuflichen Personalberaterin in Höhe von 7.000 Pfund. Das Gericht entschied zugunsten der Klägerin und wies zugleich eine Gegenforderung der Gegenseite zurück. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den ersten bekannten Gerichtsprozess weltweit, der mit Unterstützung einer regulierten KI Kanzlei gewonnen wurde.

KI übernimmt die juristische Vorbereitung

Garfield AI erstellte sämtliche rechtlichen Unterlagen für das Verfahren. Dazu gehörten das anwaltliche Aufforderungsschreiben, die Klageeinreichung, mehrere Zeugenaussagen sowie die vollständigen Prozessunterlagen. Vor Gericht trat jedoch kein KI System auf. Die Vertretung übernahm ein menschlicher Barrister, wie es das britische Recht vorsieht. Dieser betonte anschließend, dass die Prozessführung im Gerichtssaal weiterhin eine Aufgabe bleibe, die menschliche Erfahrung und juristische Argumentation erfordere.

Geringere Kosten für kleinere Forderungen

Die Klägerin zahlte für die Leistungen von Garfield AI rund 400 Pfund. Nach Angaben des Unternehmens wären vergleichbare Verfahren mit klassischen Anwaltskanzleien häufig deutlich teurer. Garfield AI konzentriert sich auf Forderungen zwischen 30 und 10.000 Pfund und möchte insbesondere kleinen Unternehmen sowie Selbstständigen den Zugang zum Recht erleichtern. Viele verzichten bislang auf die Durchsetzung berechtigter Ansprüche, weil die Prozesskosten den möglichen Ertrag übersteigen.

Mitgründer Philip Young bezeichnete den Ausgang des Verfahrens als einen „Meilenstein für den Zugang zum Recht“. Die erfolgreiche Klage könnte nach Einschätzung von Beobachtern ein wichtiges Signal für den künftigen Einsatz von KI im Rechtswesen sein. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass KI derzeit vor allem die Vorbereitung juristischer Arbeit unterstützt, während die eigentliche Vertretung vor Gericht weiterhin in den Händen von Rechtsanwälten bleibt.

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Hauptstadt Berlin wird zur neuen Heimat der Legal Revolution !

29.07.2026

Die Landschaft der rechtlichen Innovationen entwickelt sich stetig weiter. Mit ihrer 7. Auflage wird die LEGAL REVOLUTION ihren langfristigen Standort in Berlin haben, wo die Veranstaltung dieses Jahr vom 21. bis 22. September 2026 im Estrel Berlin stattfinden wird.

Dieser Schritt ist ein strategischer Move in Richtung einer stärkeren Internationalisierung und spiegelt die wachsende Nachfrage nach einer europäischen Plattform wider, die Jurist:innen, Legal Tech, KI, Compliance und Innovation miteinander verbindet.

Die ersten Referenten stehen bereits fest. Die Keynote wird dieses Jahr vor Ort von der Legal Tech Koryphäe Prof. Richard Susskind gehalten.

KI, Regulierung, geopolitischer Druck und Transformation verändern die Rolle des General Counsel – die Legal Revolution 2026 bringt führende internationale GC-Stimmen zu einer der mit größter Spannung erwarteten Diskussionen der Veranstaltung zusammen, moderiert von Prof. Dr. Volker Römermann, mit Damien Atkins (Chief Legal Officer, Beast Industries), Volkhard Pfaff (General Counsel, Panasonic Europe), Caroline Gilles (SVP Legal & Compliance, Miele) und Dr. Florian Koemm (GC Legal & Compliance Operations, Siemens Energy).

Die LEGAL REVOLUTION 2026 bietet ein internationales, englischsprachiges Kongressprogramm sowie eine Ausstellung, die sich auf die Technologien und Ideen konzentriert, die die Zukunft der Rechtsdienstleistungen prägen.

Seien Sie mit dabei und melden Sie sich jetzt hier an:
https://www.legal-revolution.com

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Die KI-fähige Kanzlei: Warum erfolgreiche KI-Nutzung vor allem eine organisatorische Aufgabe ist

28.07.2026

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den juristischen Arbeitsalltag. Laut der Future Ready Lawyer Studie nutzen bereits 92 Prozent aller Kanzleien und Rechtsabteilungen mindestens ein KI-Tool in ihrem Arbeitsalltag. Sie experimentieren mit neuen Werkzeugen für Recherche, Vertragsgestaltung, Dokumentenprüfung und Wissensmanagement. Die Diskussion dreht sich dabei häufig um Technologie: Welche Lösungen setzen sich durch? Welche Anwendungsfälle versprechen den größten Nutzen? Wie viel Effizienz lässt sich gewinnen?

Doch die entscheidendere Frage lautet nicht, welche KI eingesetzt wird. Die entscheidendere Frage lautet, wie sich juristische Organisationen verändern müssen, um ihr Potenzial tatsächlich zu nutzen.

KI ist weit mehr als ein weiteres Legal-Tech-Werkzeug. Sie verändert die Art und Weise, wie juristische Arbeit organisiert wird, wie Expertise entsteht und wie zukünftige Generationen von Juristinnen und Juristen ausgebildet werden. Wer KI ausschließlich als Produktivitätsinstrument betrachtet, wird Verbesserungen erzielen. Wer sie als Anlass nimmt, die eigene Organisation weiterzuentwickeln, kann deutlich mehr erreichen.

Von individueller Expertise zu skalierbarem Wissen

Die juristische Praxis war lange Zeit stark von individueller Erfahrung geprägt. Wissen entstand durch Ausbildung, Mandatsarbeit und persönliche Expertise. Viele Entscheidungen basierten auf dem Erfahrungswissen einzelner Partnerinnen, Partner oder erfahrener Anwältinnen und Anwälte. KI stellt dieses Modell nicht infrage – sie erweitert es.

Denn viele juristische Fragestellungen folgen wiederkehrenden Mustern. Ähnliche Sachverhalte werden analysiert, vergleichbare Vertragsklauseln verhandelt und bekannte Risiken bewertet. KI schafft die Möglichkeit, dieses Wissen systematischer zu erfassen und organisationsweit verfügbar zu machen.

Damit verschiebt sich der Fokus von der individuellen Leistung auf die organisatorische Fähigkeit, Wissen nutzbar zu machen. Die erfolgreichsten Kanzleien werden künftig nicht nur über exzellente Juristinnen und Juristen verfügen. Sie werden in der Lage sein, deren Wissen strukturiert in Prozesse, Workflows und Arbeitsweisen einzubetten.

Warum Legal Operations wichtiger wird

Mit der Verbreitung von KI gewinnt die operative Gestaltung juristischer Arbeit an Bedeutung. Viele Kanzleien haben ihre Arbeitsweise historisch eher organisch entwickelt. Prozesse, Wissensmanagement und Zusammenarbeit standen häufig nicht im Mittelpunkt. In einer KI-gestützten Arbeitswelt wird genau das zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Erfolgreiche Organisationen werden ihre Abläufe bewusst gestalten: Wie entsteht Arbeit? Wie wird Wissen geteilt? Wo entstehen Reibungsverluste? Welche Aufgaben lassen sich standardisieren, ohne die Qualität zu beeinträchtigen? Der entscheidende Wettbewerbsvorteil wird nicht allein aus besserer Technologie entstehen, sondern aus besseren Betriebsmodellen.

Die Rolle des Anwalts verändert sich

Gleichzeitig verändert sich der Charakter juristischer Arbeit. KI kann bereits heute Recherche unterstützen, erste Entwürfe erstellen, Dokumente analysieren und Informationen strukturieren. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt menschlicher Arbeit.

Mandanten bezahlen Anwältinnen und Anwälte nicht für die Erstellung eines Dokuments. Sie bezahlen für Urteilsvermögen. Je mehr Routineaufgaben automatisiert werden, desto wichtiger werden Fähigkeiten wie strategisches Denken, Risikobewertung, Verhandlungsgeschick, Beratungskompetenz und die Fähigkeit, komplexe Situationen einzuordnen.

Die Zukunft gehört daher nicht Juristinnen und Juristen, die besonders schnell Informationen finden können. Sie gehört denjenigen, die Informationen richtig bewerten und daraus fundierte Entscheidungen ableiten.

Neue Anforderungen an Ausbildung und Talententwicklung

Diese Entwicklung hat unmittelbare Folgen für die Ausbildung der nächsten Generation. Traditionell lernten junge Juristinnen und Juristen durch Wiederholung. Sie recherchierten, prüften Dokumente und erstellten Entwürfe. Über die Jahre entwickelten sie dadurch ein tiefes Verständnis für Zusammenhänge, Muster und Risiken.

Wenn KI einen wachsenden Teil dieser Aufgaben übernimmt, müssen Kanzleien neue Wege finden, um genau diese Fähigkeiten aufzubauen. Künftig werden nicht nur juristische Fachkenntnisse gefragt sein, sondern auch kritisches Denken, analytische Stärke, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, mit KI-Systemen souverän umzugehen. AI Literacy wird zu einer Schlüsselkompetenz.

Juristinnen und Juristen müssen verstehen, wie KI-Ergebnisse entstehen, wie sie überprüft werden können und wo ihre Grenzen liegen. Die Fähigkeit, eine KI-Antwort kritisch zu hinterfragen, wird genauso wichtig sein wie die Fähigkeit, sie zu erzeugen.

Governance wird zum Erfolgsfaktor

Neben Prozessen und Kompetenzen gewinnt Governance an Bedeutung. Juristische Arbeit basiert auf Vertrauen. Mandanten erwarten nicht nur schnelle Antworten, sondern belastbare Antworten. Sie erwarten Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Vertraulichkeit und Verantwortlichkeit. Deshalb darf KI-Governance nicht als reine Compliance-Aufgabe verstanden werden. Sie wird zu einer strategischen Disziplin.

Organisationen benötigen klare Regeln für Qualitätskontrolle, Quellenvalidierung, Datenschutz, menschliche Aufsicht und Verantwortlichkeiten. Nicht die leistungsfähigste KI wird langfristig den Unterschied machen, sondern die Fähigkeit, KI verantwortungsvoll in professionelle Entscheidungsprozesse einzubinden.

Mehr als ein Technologieprojekt

Die Rechtsbranche befindet sich an einem Wendepunkt. Die Phase des Experimentierens geht allmählich in die Phase der organisatorischen Transformation über. Die Gewinner dieser Entwicklung werden nicht zwangsläufig diejenigen sein, die KI am schnellsten einführen. Erfolgreich werden jene Organisationen sein, die Technologie, Prozesse, Talente und Governance miteinander verbinden.

Denn die Zukunft juristischer KI ist letztlich keine Technologiegeschichte. Sie ist eine Geschichte darüber, wie Kanzleien Wissen skalieren, Talente entwickeln und professionelle Exzellenz in einer Welt sichern, in der Intelligenz jederzeit verfügbar geworden ist.

Autor: Dr. Yannek Wloch, Director Legal Engineering Libra by Wolters Kluwer. Er ist seit vielen Jahren im Bereich Legal Tech tätig. Stationen führten ihn zu Flightright, Chevalier, an die Bucerius Law School und schließlich zu Libra by Wolters Kluwer. Dort ist er als Director Legal Engineering tätig. Gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes promovierte er zum Einsatz von KI in der zivilprozessualen Streitbeilegung. Als Experte referiert er darüber, wie Künstliche Intelligenz den anwaltlichen Berufsalltag verändert.

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Praxisabend „KI in der Kanzlei“: Kollegialer Austausch mit LawX

27.07.2026

Kaum ein Thema beschäftigt Anwaltskanzleien und Notariate derzeit so sehr wie der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Erwartungen sind hoch: KI soll manuelle Routinen übernehmen, Abläufe beschleunigen und Teams angesichts des Fachkräftemangels entlasten.

Gleichzeitig bestehen viele offene Fragen. Wo schafft KI im Kanzleialltag bereits heute einen echten Mehrwert? Wo liegen ihre Grenzen? Welche technischen Voraussetzungen sind erforderlich? Und wie lässt sich ihr Einsatz datenschutz- und berufsrechtskonform gestalten?
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob KI für Kanzleien und Notariate relevant wird, sondern wie sie sinnvoll, sicher und mit echtem Nutzen für das gesamte Team eingesetzt werden kann.

Genau hier setzt die bundesweite Veranstaltungsreihe „KI in der Kanzlei“ an, zu der LawX einlädt. Die kostenfreien Praxisabende zeigen, worauf es bei der Einführung von KI tatsächlich ankommt – und was erfolgreiche Projekte von solchen unterscheidet, die im Arbeitsalltag kaum Wirkung entfalten.

Praxis statt abstrakter Zukunftsdebatte

Im Zentrum steht ein rund 60-minütiger Impulsvortrag. Er ordnet aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz ein und übersetzt sie in konkrete Fragestellungen für Anwaltskanzleien und Notariate.

Dabei geht es unter anderem um sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von KI im Büroalltag, ihre Bedeutung bei der Auswahl moderner Kanzleisoftware sowie die technischen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das gesamte Team von Beginn an profitieren und damit die Einführung von KI erfolgreich gelingen kann.

Referenten sind Dr. Norman Koschmieder, Geschäftsführer von LawX und Rechtsanwalt in Berlin, sowie Felix Engelhard, Sales Manager bei LawX und Rechtsanwalt in Düsseldorf.

Kollegialer Austausch im Mittelpunkt

Im Anschluss an den Impulsvortrag besteht ausreichend Raum für Fragen, Diskussionen und den offenen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Fingerfood und Getränke schaffen hierfür den passenden Rahmen.

Die Veranstaltungsreihe wird teilweise gemeinsam mit regionalen Anwalts- und Notarvereinen durchgeführt. Praxisabende fanden bereits in zahlreichen deutschen Städten statt.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Auf Wunsch kann eine Fortbildungsbescheinigung gemäß § 14 Abs. 6 BNotO beziehungsweise § 43a Abs. 8 BRAO ausgestellt werden.

Alle aktuellen Termine und die jeweilige Anmeldemöglichkeit finden Interessierte auf der Veranstaltungsseite von LawX.

Jetzt zum Praxisabend anmelden

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Rekordhoch bei Unternehmensinsolvenzen: Druck auf Kanzleien wächst und AI gewinnt an Bedeutung

24.07.2026

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleibt auf Rekordniveau. Nach aktuellen Halbjahreszahlen von Septeo CNEE wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 5.940 Insolvenzverfahren von Kapital- und Personengesellschaften registriert – rund fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereits 2025 war mit 11.350 eröffneten Unternehmensverfahren der höchste Wert seit der Finanzkrise erreicht worden und nach wie vor ist kein Ende in Sicht.

Für Insolvenzverwalter und Wirtschaftskanzleien geht das mit einer doppelten Belastung einher: Die Zahl und Komplexität der Verfahren steigen, gleichzeitig verschärft der anhaltende Fachkräftemangel die personellen Engpässe. Hinzukommt, dass innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Dokumenten und Buchhaltungsdaten ausgewertet, Termine und Fristen eingehalten und zahlreiche Beteiligte koordiniert werden müssen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen insbesondere AI-Lösungen zunehmend an Bedeutung. Sie automatisieren wiederkehrende, zeitintensive Aufgaben und entlasten juristische Fachkräfte. Künstliche Intelligenz kann Dokumente analysieren, relevante Informationen identifizieren und extrahieren, Vertragsbestände durchsuchen oder Schriftsätze vorbereiten. Dadurch verkürzen sich Bearbeitungszeiten, Fehlerquellen werden reduziert und Mitarbeiter sowie Juristinnen und Juristen gewinnen Zeit für die rechtliche Bewertung komplexer Sachverhalte.

Gerade in der Insolvenzverwaltung ist das Potenzial besonders groß. Insolvenzverfahren folgen vielfach standardisierten Abläufen, sind aber gleichzeitig durch umfangreiche Dokumentationen und hohe Anforderungen an Transparenz geprägt. Moderne Software unterstützt dabei, Prozesse effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit zwischen Insolvenzverwaltern, Kanzleien, Gerichten und weiteren Beteiligten zu verbessern.

AI geht dabei über die klassische Prozessautomatisierung hinaus. Intelligente Systeme bereiten Informationen für den jeweiligen Prozess auf, beschleunigen die Erfassung sowie Validierung und führen somit zu schnelleren Ergebnissen – stets unter der Kontrolle der Fachkräfte.

Angesichts dauerhaft hoher Insolvenzzahlen entwickeln sich Legal Tech und AI zunehmend von einem Effizienzwerkzeug zu einem strategischen Erfolgsfaktor, ohne den Kanzleien künftig nicht mehr wettbewerbsfähig sein können. Kanzleien, die ihre Prozesse digitalisieren und intelligente Software gezielt einsetzen, können steigende Fallzahlen auch bei begrenzten personellen Ressourcen besser bewältigen bei mindestens gleiche Qualität.

-> Mehr Informationern zum aktuellen Insolvenzgeschehen und den Auswirkungen finden Sie hier: Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 5 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2025

Autor: Jens Decieux, VP Strategy & Alliances und Syndikusrechtsanwalt bei Septeo CNEE

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Legal Tech Person of the Year Award

23.07.2026

Der Legal Tech Verband Deutschland verleiht erstmalig am 16. September auf der Legal Tech Night in Berlin den Legal Tech Person of the Year Award.

Bis zum 12. August können dazu Legal Tech Persönlichkeiten nominiert werden. Aus allen Vorschlägen wählt dann eine Jury aus Legal-Tech-Expert:innen, Praktiker:innen und Wegbereiter:innen der Branche den oder die Gewinner:in.

Gesucht wird die Person, die spürbar etwas bewegt hat: mit einer Technologie, einem Unternehmen, einer Idee, einem wissenschaftlichen Beitrag oder schlicht mit ihrem Einsatz für die Community. Gründer:in, Entwickler:in, Jurist:in, Wissenschaftler:in, laute Stimme oder stille Wegbereiterin, entscheidend ist die Wirkung, nicht der Titel.

-> Hier gehts zum Nominierungsformular

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Die Probabilistik-Lücke: Warum Legal-KI nicht versteht, was Sie meinen

23.07.2026

Der Druck wächst – aber versteht jemand die Technologie?

Rund 63 Prozent der deutschen Kanzleien setzen bereits KI-basierte Tools ein (Wolters Kluwer, Benchmark Bericht 2026). Anbieter überbieten sich: Recherche in Sekunden, Vertragsentwürfe auf Knopfdruck, Aktenanalyse im Schlaf. Mandanten kommen mit ihren KI-Entwürfen und wollen „nur noch“ ein „o.k.“.

Als Anthropic Ende Januar 2026 ein Legal-Plugin vorstellte, verloren etablierte Legal-Tech- und Daten-Anbieter Milliarden Dollar Marktwert – nicht Anthropic selbst, das gar nicht börsennotiert ist.

Die Botschaft ist klar: Alle wollen dasselbe – schneller, billiger, besser. Anbieter versprechen es, Mandanten erwarten es, Big Tech braucht es. Nur: Die Technologie funktioniert anders, als viele erwarten. Die meisten Nutzer verstehen nicht, wie. Und dieses Missverständnis ist kein Randproblem – es liegt im System – und zeigt sich schon bei den juristischen Workflows.

Juristische Workflows vs. KI-Einsatz / -Integration

Über deren typische Struktur herrscht weitgehend Einigkeit: Analyse, Recherche, Vergleiche, Drafting, Prüfung. Legal-Tech-Anbieter haben diese Kategorien längst übernommen – doch wie KI konkret zum Einsatz kommt, bleibt intransparent. Der Anbieter liefert das Tool – der Nutzer trägt das Risiko. Wer selbst Legal-Tools baut, erlebt diese Lücke von beiden Seiten: Als Jurist weiß man, wie komplex die eigenen Arbeitsabläufe tatsächlich sind. Als Entwickler weiß man, was die Technologie davon abbilden kann – und was nicht.

In der Praxis wollen Nutzer mit KI so arbeiten wie gewohnt – nur schneller und besser. Sie gehen davon aus, dass „die KI“ schon versteht, was sie meinen. Falsch.

Hinzukommt, dass viele Juristen ihre eigenen Arbeitsweisen kaum explizit beschreiben können. Denn: „es kommt ja drauf an“. Auch falsch. Zumindest teilweise.

Wahrscheinlich ≠ Richtig: Wie Sprachmodelle wirklich funktionieren

Sprachmodelle (GPTs von OpenAI, Anthropic Claude oder Google Gemini) haben kein Verständnis von „wahr“ oder „falsch“. Sie haben kein Bewusstsein, kein Ziel, kennen keine juristische Methodik. Was sie können: Text generieren, der wahrscheinlich zur Eingabe passt.

Das ist keine Schwäche einzelner Produkte – es ist das Funktionsprinzip. LLMs haben auf riesigen Textmengen gelernt, welche Wörter wahrscheinlich aufeinander folgen. Stellen Sie eine Rechtsfrage, erhalten Sie eine statistisch plausible Antwort – keine methodisch korrekt hergeleitete.

Ein Jurist subsumiert. Ein Sprachmodell interpoliert.

Das bedeutet nicht, dass die Antworten immer falsch sind – bei Standardfragen liefern LLMs oft brauchbare Ergebnisse. Doch je spezieller der Fall, je ungewöhnlicher die Konstellation, desto größer wird die Probabilistik-Lücke. Und dies auf drei Ebenen: Eingabe, Verarbeitung und Ergebnis.

Kontext ist König – aber wer strukturiert ihn?

„Kontext ist alles“ – je mehr relevante Informationen man liefert, desto besser das Ergebnis. Das stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Denn selbst wenn der Nutzer alle einzelfallrelevanten Informationen liefert – den Sachverhalt, die einschlägigen Normen, die relevante Rechtsprechung –, ist nicht gewährleistet, dass das Sprachmodell diese richtig „versteht“. Das Modell hat keinen Zugang zur juristischen Bedeutung der Eingabe. Es sieht Token (Textfragmente), berechnet Wahrscheinlichkeiten und generiert eine Fortsetzung.

Hinzu kommt: Der individuelle Kontext des Nutzers ist voller unstrukturierter, aber hochrelevanter Details. Organisatorische Besonderheiten, Compliance-Anforderungen, branchenspezifische Gepflogenheiten, Fallhistorie. All das müsste der Nutzer explizit machen – und selbst dann bleibt die Probabilistik-Lücke bestehen.

Wenn das Ungewöhnliche nivelliert wird

Besonders problematisch wird es bei kreativer juristischer Arbeit. Die ungewöhnliche Argumentation, der juristische Geistesblitz – genau das, was gute Anwälte auszeichnet, ist für Sprachmodelle schwer zu verarbeiten.

Warum? Weil das Ungewöhnliche per Definition unwahrscheinlich ist. Das Modell optimiert auf den statistischen Durchschnitt seiner Trainingsdaten. Eine kreative juristische Idee wird nivelliert, bevor sie formuliert ist – weil sie nicht in die gelernten Muster passt. Statistiker nennen das „regression to the mean“. Wer KI als Sparringspartner für innovative Rechtsarbeit nutzen will, sollte diese Grenze kennen. Das Modell hilft, den Mainstream zu formulieren – es führt selten auf neue Pfade.

Vier Konsequenzen für die Praxis

Legal-KI ist nicht nutzlos. Aber: der reflektierte Einsatz unterscheidet sich fundamental vom naiven.

Erstens: Probabilistik verstehen. Auf allen Ebenen – Verständnis des Inputs, Methodik der Bearbeitung und Generierung des Outputs – hat ein Sprachmodell ein „Verständnisproblem“. Dies führt zu interpolierten, aber methodisch falschen Ergebnissen (sog. Halluzinationen).

Zweitens: Kontextqualität vor Modellauswahl. Die Antwortqualität hängt weniger vom neuesten Modell ab als von der Datenqualität und Systemarchitektur.

Drittens: Die Verantwortung lässt sich nicht delegieren. Solange Anbieter das Nutzungsrisiko vertraglich auf den Kunden abwälzen, bleibt die Sorgfaltspflicht beim Nutzer. Die KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689) macht das explizit: Wer KI beruflich einsetzt, ist regelmäßig „Betreiber“ (Art. 3 Nr. 4), muss KI-Kompetenz nachweisen (Art. 4) und bestimmte KI-Erzeugnisse in einem Verfahren menschlicher Überprüfung unterziehen (Art. 50 Abs. 4 UAbs. 2).

Auch international wächst der Druck: UNESCO und EU-Kommission haben Ende 2025 Leitlinien für den KI-Einsatz in der Justiz veröffentlicht. Transparenz wird zur Pflicht – auch wenn sich diese Anforderungen bislang (nur) an Justizbehörden richten, nicht an Rechtsanwälte.

Viertens: Interdisziplinarität. Verantwortungsbewusster GenKI-Einsatz erfordert, dass Juristen Technologie und eigene Workflows besser verstehen – durch klassische Methodenlehre, verbunden mit Datenverständnis. Dann lässt sich KI punktgenau einsetzen – und die „Business Intelligence“ liefert der Jurist, nicht die KI.

Autor: Sven Hallwirth ist Syndikusrechtsanwalt bei der S-Management Services GmbH. Er entwickelt Legal-Tech-Tools und arbeitet an der Schnittstelle von juristischer Methodik und Technologie.

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Das neue BNotK-Rundschreiben: Rückenwind für die Cloud im Notariat

21.07.2026

Die IT vieler Notariate ist über Jahre gewachsen. Lokale Server, manuelle Datensicherungen und papierbasierte Abläufe prägen vielerorts den Büroalltag – und verursachen hohe Kosten.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an IT-Sicherheit, Datenschutz, Verfügbarkeit und digitales Arbeiten. Das neue Whitepaper von LawX, Betreiber eines KI-Betriebssystems für Notariate und Kanzleien, und acomm, IT-Dienstleister für Notariate in Bayern, zeigt, welche Folgen das Rundschreiben 1/2026 der Bundesnotarkammer für moderne Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen hat.

Lokal bedeutet nicht automatisch sicher

Der Server im eigenen Büro vermittelt Kontrolle. Sein Standort sagt jedoch wenig über die tatsächliche Sicherheit der IT aus.

Entscheidend ist, wie professionell die Infrastruktur betrieben wird: Werden Updates regelmäßig eingespielt? Gibt es aktives Monitoring? Sind Zugriffe sauber geregelt? Funktionieren Backups im Ernstfall tatsächlich?

Auch Datenschutzrisiken entstehen nicht nur in digitalen Systemen. In papierbasierten Umgebungen liegen Akten gegebenenfalls offen auf Schreibtischen oder sind für viele zugänglich. Wer wann auf welche Informationen zugegriffen hat, lässt sich häufig kaum nachvollziehen.

Eine konsequent geführte elektronische Akte kann hier ein höheres Schutzniveau schaffen. Rollenbasierte Berechtigungen, dokumentierte Zugriffe und die zentrale Verwaltung sensibler Informationen ermöglichen mehr Kontrolle.

Mehr Klarheit für Cloud-Lösungen

Mit dem Rundschreiben 1/2026 vom Februar 2026 schafft die Bundesnotarkammer wichtige Orientierung für Cloud-Dienste im Notariat.

Professionelle Cloud-Lösungen können grundsätzlich eingesetzt werden, wenn die berufsrechtlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen eingehalten werden. Das gilt auch für Microsoft 365 und die zugrunde liegende Azure-Cloud.

In der Praxis bieten sich hybride Modelle an: Anwendungen und Datenverarbeitung werden in einer professionellen Cloud-Infrastruktur betrieben, während die erforderlichen Datenbestände regelmäßig lokal in der Geschäftsstelle gespiegelt werden.

Das Whitepaper erläutert, wie sich diese Anforderungen umsetzen lassen und worauf Notariate bei der Auswahl von Cloud-Anbietern achten sollten – etwa Hosting in Deutschland, Sicherheitsstandards und vertragliche Verschwiegenheit.

Warum die Cloud im Vorteil sein kann

Professionell betriebene Cloud-Infrastrukturen können viele Risiken lokaler Systeme reduzieren.

Systeme werden kontinuierlich überwacht, Sicherheitsupdates zentral eingespielt und Daten redundant vorgehalten. Automatisierte Backups und klar definierte Wiederherstellungsprozesse ersetzen die Abhängigkeit von einzelnen Geräten und manuellen Routinen.

Grundlage für moderne Notariatssoftware

Cloud-Infrastrukturen verbessern nicht nur Sicherheit und Verfügbarkeit. Sie schaffen auch die Grundlage für die elektronische Akte, mobiles Arbeiten, vernetzte Anwendungen und KI-gestützte Prozesse.

LawX verfolgt deshalb einen hybriden Ansatz. Das KI-Betriebssystem läuft in einer professionellen Cloud und sichert die elektronische Nebenakte automatisiert lokal in der Geschäftsstelle.

Die Zukunft des Notariats liegt nicht in lokalen und papierbasierten Altstrukturen, sondern in professionell betriebenen Cloud- und Hybridmodellen.

Das vollständige Whitepaper „IT-Sicherheit im Notariat: Warum bestehende Setups jetzt auf den Prüfstand gehören“ steht kostenfrei zur Verfügung.

Jetzt Whitepaper lesen

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Legal Design: Das Fundament für die Kanzlei der Zukunft

20.07.2026

Man könnte auch sagen: Kanzleien, die bis heute immer noch keine klaren Abläufe und Standards festgelegt haben, sind heute weiter denn je davon entfernt, sich im Wettbewerb mit technikaffinen Kanzleien zu behaupten. Denn die heutige Technik bietet schier unendliche Möglichkeiten, das Kerngeschäft von Kanzleien noch einmal grundlegend zu gestalten. Ideal darauf abgestimmte Kommunikationsmaßnahmen befriedigen die heutige Serviceerwartung und bieten die Chance, sich als go to- Kanzlei zu etablieren.

Wenn Sie jetzt sagen: das haben wir alles nicht, die gute Nachricht vorneweg: es ist noch nicht zu spät, aber höchste Zeit!

Erfahren Sie hier, warum Legal Design der entscheidende Hebel ist, um Nutzerzentrierung und Effizienz in den Kanzleialltag zu bringen und warum ein Tool niemals eine fehlende Strategie ersetzt.

Der „Tool-First“-Fehler: Warum KI kein Pflaster für Chaos ist

In der aktuellen Legal Tech-Debatte dominiert ein gefährlicher Trugschluss: Viele Kanzleien glauben, dass der bloße Einkauf eines KI-Tools reicht, um strukturelle Defizite zu heilen. Doch eine KI auf einen unstrukturierten Prozess aufzusetzen, führt lediglich zu einem automatisierten, unstrukturierten Prozess.

Der häufigste Fehler in Kanzleien ist das Fehlen einer passenden Digitalisierungsstrategie. Digitalisierung bedeutet nicht, Papier durch PDFs zu ersetzen oder einen Chatbot auf die Website zu setzen. Es bedeutet, die Art und Weise, wie Recht geleistet wird, neu zu denken und auch, datenbasiert zu agieren. Wer sich zu schnell auf Softwarelösungen fixiert, übersieht, dass Software nur ein Werkzeug ist. Ohne standardisierte, verbindliche Abläufe, an die sich alle Beteiligten halten, bleibt jede Technologie eine teure Insellösung.

Der Mensch im Mittelpunkt: Legal Design als Strategie

Hier setzt die Methode des Legal Design an. Legal Design ist weit mehr als „Dokumente hübsch machen“. Es ist vielmehr ein interdisziplinäres Toolkit, das dabei hilft, Rechtsdienstleistungen konsequent aus der Perspektive des Nutzers zu betrachten – egal ob dieser Nutzer der Mandant oder der angestellte Associate ist. Im KI-Zeitalter ermöglicht Legal Design einer Kanzlei, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, indem es bei der Entwicklung des erhöhten Technikeinsatzes den handelnden Menschen in das Zentrum der Arbeitsabläufe rückt.

Anstatt Technik um der Technik willen einzuführen, fragt Legal Design: Was braucht der Mensch und die Organisation in dieser spezifischen Situation? Wie sieht der ideale Workflow aus, der Reibungsverluste minimiert? Welche Daten braucht wer und welches System an welcher Stelle des Mandats? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann über Technologie gesprochen werden. Eine moderne Kanzlei muss verstehen, dass ihre Mandats-Journey das Herzstück ihres Erfolgs ist. Damit ist der gesamte Ablauf eines Mandats von A-Z gemeint.

Die Mandats-Journey: Prozesse und Schnittstellen sichtbar machen

Eine der erfolgversprechendsten Methoden beginnt mit der Analyse der Mandats-Journey und nennt sich „Journey Mapping“. Dabei wird der gesamte Weg eines Mandanten – vom Erstkontakt über die Fallbearbeitung bis zur Rechnungsstellung – in seine einzelnen Abschnitte detailliert und visualisiert. Die Erarbeitung dieser Journey ist oft eine Offenbarung für Kanzleien, da sie häufig schmerzhaft ist, aber ehrlich aufzeigt, in welchem Abschnitt Informationen verloren gehen, wo unnötige Schleifen gedreht werden und wo der Mandant (oder der Anwalt) frustriert ist.

Im Rahmen des Journey Mapping werden sodann die Chancen entlang des Prozesses identifiziert. Es geht darum, „Pain Points“ in „Gain Points“ zu verwandeln. Erst wenn die Kanzlei versteht, wie der Bedarf in jeder einzelnen Phase tatsächlich aussieht, können Maßnahmen etabliert werden, die den Workflow nachhaltig optimieren. Erst hier wird definiert, ob und welches digitale Instrument an welcher Stelle wirklich Sinn ergibt. Denn in der Regel gibt es viele Stellen in Mandats-Journeys, an denen Technik nicht das Entscheidende ist. Mindestens genauso wichtig wie die Entwicklung intelligenter Digitalisierungsstrategien ist es, sich über die menschlichen Expertisen und Besonderheiten im Klaren zu werden. Denn nur das optimale Zusammenspiel aus Technik und Mensch wird künftig über das Fortbestehen von Kanzleien, die den echten Bedarf der Klienten bedienen, entscheiden.

Erst definieren, dann investieren

Der Ruf nach einem neuen Tool sollte also erst am Ende dieses Prozesses stehen. Erst wenn die Prozesse standardisiert und nutzerzentriert gestaltet sind, erfolgt die Auswahl der Technologie. Ein passgenaues Tool zu kaufen oder gar selbst zu designen, ist erst dann sinnvoll, wenn klar ist, welches Problem es lösen soll. Legal Design fungiert hier als Filter: Es verhindert Fehlinvestitionen in überflüssige Software und stellt sicher, dass die gewählten Lösungen nahtlos in den Arbeitsalltag integriert werden können.

Dabei spielt die Standardisierung eine Schlüsselrolle. Eine moderne Kanzlei braucht Abläufe, die nicht von der Tagesform einzelner Partner abhängen, sondern die als „Betriebssystem“ der Kanzlei funktionieren. Legal Design hilft dabei, diese Standards so zu gestalten, dass sie nicht als Korsett, sondern als Erleichterung wahrgenommen werden.

Kollaboration und die „One Voice“-Policy

Ein oft unterschätzter Nebeneffekt von Legal Design-Maßnahmen ist die dramatische Verbesserung der internen Kollaboration. Wenn Teams gemeinsam an Prozessen arbeiten und diese neu gestalten, entsteht ein neues Wir-Gefühl. Silos werden aufgebrochen, weil plötzlich jeder versteht, wie sein Beitrag zum Gesamterfolg des Mandats aussieht.

Gleichzeitig wird das Verständnis gefestigt, in Richtung der Mandanten mit einer Stimme zu sprechen. Eine konsistente, verständliche und nutzerfreundliche Kommunikation – sei es in Schriftsätzen, E-Mails oder Portalen – stärkt zudem die Marke der Kanzlei. Mandanten von heute erwarten keine unverständlichen Gutachten, sondern klare Handlungsempfehlungen und transparente Prozesse.

Fazit: Effizienz durch Design

Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Mandatsoptimierung, doch sie ist kein Selbstläufer. Der Einsatz von Legal Design ist weit mehr als ein Trend; es ist ein Prozessoptimierungsansatz, der einen echten Effizienzschub bewirkt und sich langfristig auszahlt.

Kanzleien, die Legal Design als Fundament ihrer Digitalisierungsstrategie nutzen, schaffen es, Technik sinnvoll einzusetzen, anstatt von ihr getrieben zu werden. Sie bauen Strukturen auf, die nicht nur für die KI, sondern vor allem für den Menschen funktionieren. Am Ende steht eine Kanzlei, die agiler, mandantenfreundlicher und profitabler arbeitet – weil sie verstanden hat, dass jede interne und externe Interaktion gestaltet werden kann, und damit sicher sein kann, den Mandantenbedarf optimal zu treffen.

Buch-Tipp: Journey Mapping sowie 28 andere erfolgreiche Legal Design Techniken gibt es übrigens auch im neuen Buch der Autorin „Das Legal Design Kit“. Erhältlich exklusiv auf legaldesign-institut.de

Autorin: Astrid Kohlmeier ist Gründerin von AK Legal Design, ausgebildete Rechtsanwältin und Designerin sowie international anerkannte Pionierin der LegalDesignMethode mit Sitz bei München. Sie berät Rechtsabteilungen, Kanzleien sowie Justiz- und Gesetzgebungsinstitutionen zu nutzerzentrierten, interaktiven Lösungen mit Schwerpunkt Innovation und digitale Transformation. Sie ist Mitglied und Dozentin der Executive Faculty des Bucerius Center, Mitbegründerin des Liquid Legal Institute e.V., leitet die „Studio“ Sektion des Legal Design Journal, ist internationale Keynote Speakerin und hat gerade den Praxis-Leitfaden „Das Legal Design Kit“ veröffentlicht.

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Europas Rechts-KI erweitert Content-Allianz

17.07.2026

Europas Rechts-KI wächst weiter: Zusätzlich zu den juristischen Inhalten des Verlags C.H.BECK können Rechtsexpert:innen zukünftig im Legal AI Workspace Beck-Noxtua auch Inhalte weiterer führender Fachverlage für die Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung nutzen. Dabei handelt sich um Inhalte von Deutscher Apotheker Verlag (DAV Mediengruppe), Deutscher Notarverlag, FCH, IBR / id-Verlag, Kohlhammer, KSV Medien, Nomos und Vahlen. Dieser Netzwerkansatz vereint renommierte Fachverlage und Wissensanbieter unter einem souveränen, rechtskonformen und spezifisch für den europäischen Rechtsraum entwickelten KI-Dach.

Europas Rechts-KI erweitert mit der Einbindung zusätzlicher Verlagspartner das inhaltliche Spektrum in Beck-Noxtua vom Baurecht über das Notar- und Kostenrecht, Medizin- und Pharmarecht bis hin zur Finanzmarktregulatorik sowie dem Kommunal- und Landesrecht. Dies stärkt Qualität, Abdeckung und europäische Souveränität des Angebots für Kanzleien, Rechtsabteilungen, Verwaltung und Justiz.

Gemeinsam mit führenden Rechtsverlagen aus ganz Europa baut Noxtua als substanzielle Grundlage für die Rechts-KI Europas größte juristische Datenbank mit mehr als 130 Millionen durchsuchbaren Dokumenten aus mehr als 250 Jahren europäischer Rechtstradition.

Zertifizierte souveräne Rechts-KI für Europa

Europas Rechts-KI kombiniert qualitätsgeprüfte juristische Inhalte mit einem eigens für juristische Aufgaben spezialisierten KI-System, wird sicher auf souveräner Infrastruktur europäischer Partner betrieben, sichert den Schutz des Berufsgeheimnisses nach §§ 43a, 43e BRAO und § 203 StGB, bietet DSGVO-Konformität und verfügt über zahlreiche sicherheitsrelevante Zertifizierungen (u. a. BSI C5, ISO/IEC 27018, ISO/IEC 42001, TISAX). Rechtsanwender:innen profitieren von speziell für ihre spezifischen Bedürfnisse entwickelten praxisnahen Features wie der Matrixanalyse, agentischen Workflows, Quelleneinbindung und spezialisierten Templates.

Europäische Wissensallianz mit souveräner KI-Technologie

Dr. Roland Klaes (Mitglied der Geschäftsführung des Verlags C.H.BECK): „Mit der Öffnung von Beck-Noxtua für weitere Verlage setzen wir die Idee einer europäischen Wissensallianz konsequent fort. Unser Ziel ist es, qualitätsgesicherte juristische Inhalte mit technologischer Exzellenz unter einem souveränen europäischen Dach zu vereinen. Wenn renommierte Fachverlage und spezialisierte KI‑Kompetenz zusammenkommen, entsteht ein Mehrwert, der weit über die Summe seiner Teile hinausgeht. Dieses einzigartige Zusammenspiel von Content und Technik schafft ein neues Qualitätsniveau für die juristische Arbeit im digitalen Zeitalter. Aktualität, Verlässlichkeit und digitale Souveränität bleiben dabei die Maßstäbe, an denen wir uns orientieren.“

Dr. Leif-Nissen Lundbæk (CEO & Co-Founder Noxtua): „Rechts-KI braucht vor allem exzellente Inhalte mit Substanz sowie höchste Ansprüche an Sicherheit und souveräne Infrastruktur. Die erweiterte Content-Allianz macht Beck-Noxtua noch stärker – Made in Europe, transparent und nachvollziehbar. Denn mit Noxtua als Europas Rechts-KI entwickeln wir nicht nur eine KI-Lösung, sondern stärken auch Europas digitale Souveränität, indem wir ein starkes Partnernetzwerk aufbauen und gleichzeitig innovative KI-Expertise mit jahrhundertealter Verlagstradition zu einer schlagkräftigen Kombination verbinden.“

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Wie sich juristische Dienstleistung als digitale Infrastruktur skalieren lässt – Interview mit Bork Morfaw

16.07.2026

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Interview mit Bork Morfaw, Rechtsanwalt und Gründer von nu:legal, zum Thema „Wie sich juristische Dienstleistung als digitale Infrastruktur skalieren lässt“. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:

1. Juristische Dienstleistungen werden durch KI skalierbar
KI ermöglicht es erstmals, juristische Expertise nicht nur über abrechenbare Stunden, sondern als digitale, skalierbare Infrastruktur bereitzustellen. Dadurch können deutlich mehr Mandanten mit demselben Personaleinsatz betreut werden.

2. Das Stundenmodell wird durch Festpreise ergänzt
Das klassische Stundenhonorar bleibt bestehen, wird aber zunehmend durch Festpreismodelle ergänzt. KI macht den Aufwand besser kalkulierbar und schafft damit die Grundlage für transparente und wirtschaftlich attraktive Pauschalpreise.

3. Der größte Mehrwert liegt in der Automatisierung des gesamten Arbeitsprozesses.
KI soll nicht nur juristische Texte erstellen, sondern den gesamten Workflow unterstützen – von der Informationsaufnahme über die Aufwandsschätzung bis hin zur Erstellung erster Entwürfe. So entstehen effizientere Arbeitsabläufe.

4. Anwälte werden nicht ersetzt, sondern ihre Rolle verändert sich
Standardisierte und repetitive Aufgaben werden zunehmend automatisiert. Juristinnen und Juristen konzentrieren sich künftig stärker auf komplexe Fragestellungen, strategische Beratung und die Qualitätskontrolle der KI-Ergebnisse.

5. Die Zukunft gehört digitalen Rechtsservices statt reiner Beratung nach Zeit
Kanzleien können ihr über Jahre aufgebautes Wissen in digitale Produkte und Services überführen. Wer juristische Expertise in skalierbare Prozesse übersetzt, schafft Wettbewerbsvorteile und neue Geschäftsmodelle.

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