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OpenAI verstärkt Offensive im Legal Tech Bereich mit Ironclad Gründer

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OpenAI baut seine Aktivitäten im Legal Tech Bereich weiter aus und hat Jason Boehmig, Mitgründer der Vertragsmanagement Plattform Ironclad, als Verantwortlichen für den neuen Geschäftsbereich Legal verpflichtet. Damit verstärkt das Unternehmen seine Ambitionen im schnell wachsenden Markt für KI-gestützte Rechtslösungen und positioniert sich zunehmend im Wettbewerb mit anderen Technologieanbietern, die bereits spezialisierte Angebote für Kanzleien und Unternehmensrechtsabteilungen entwickelt haben.

Erfahrener Legal Tech Unternehmer wechselt zu OpenAI

Boehmig gründete Ironclad im Jahr 2014 gemeinsam mit Cai Wangwilt. Zuvor war er als Wirtschaftsanwalt bei Fenwick & West tätig. Unter seiner Führung entwickelte sich Ironclad zu einem der bekanntesten Anbieter für digitales Vertragsmanagement.

Zum Beginn seiner neuen Tätigkeit betonte Boehmig, dass sich die Rechtsbranche in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befinde. Kanzleien würden ihre Organisationen für die kommenden Jahrzehnte neu ausrichten, während General Counsel und Legal Operations Teams verstärkt die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz prüfen. Gleichzeitig wachse das Engagement von Anwaltskammern, Pro Bono Organisationen und Legal Tech Unternehmen für einen verantwortungsvollen Einsatz der Technologie.

Eigene Lösungen für juristische Anwendungsfälle erwartet

Die Verpflichtung von Boehmig gilt als deutliches Signal für den Ausbau von OpenAIs Aktivitäten im Rechtsmarkt. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Unternehmen künftig spezialisierte KI-Lösungen für juristische Arbeitsabläufe entwickeln wird. Diskutiert wird unter anderem eine mögliche Produktlinie unter dem Namen „Codex for Legal“ (wir berichteten darüber neulich), die Rechtsabteilungen und Kanzleien bei Recherche, Dokumentenprüfung und weiteren juristischen Prozessen unterstützen könnte.

Wettbewerb im Rechtsmarkt gewinnt an Dynamik

Der Markt für KI im juristischen Umfeld entwickelt sich derzeit mit hoher Geschwindigkeit. Kanzleien, Rechtsabteilungen und Verlage investieren zunehmend in entsprechende Technologien, während große Technologiekonzerne ihre Angebote immer mehr auch auf juristische Anwendungsfälle ausrichten (siehe dazu auch Anthropic greift mit „Claude for Legal“ nach dem Kernmarkt der Rechtsberatung). Die Verpflichtung von Jason Boehmig unterstreicht, dass OpenAI in diesem Marktsegment künftig eine deutlich stärkere Rolle einnehmen möchte.

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Agentic First: Warum wir eine Kanzlei vom Request bis zum Produkt neu bauen

04.06.2026

Wenn heute über Künstliche Intelligenz in der Rechtsbranche gesprochen wird, geht es fast immer um dasselbe: Wie bringen wir ein neues Werkzeug in eine bestehende Kanzlei? Welches Tool kaufen wir ein, welchen Workflow ergänzen wir, wo sparen wir ein paar Stunden? Das sind legitime Fragen, aber es sind die Fragen einer Welt, die KI als Zusatz begreift. Als etwas, das man oben aufsetzt, nachdem die eigentliche Maschine längst gebaut ist.

Wir bei Compound Law haben uns von Anfang an eine andere Frage gestellt: Wie würde eine Kanzlei aussehen, wenn man sie heute, mit den Werkzeugen von heute, von Grund auf neu denken würde? Nicht eine Kanzlei mit KI, sondern eine Kanzlei, deren Betriebssystem von der ersten Zeile an agentisch gedacht ist. Wir nennen dieses Prinzip Agentic First. Es ist kein Feature und kein Marketingbegriff, sondern die Art, wie bei uns juristische Arbeit entsteht.

Was „Agentic First“ wirklich bedeutet

Agentic First heißt für uns: Jeder Schritt unserer Arbeit ist von vornherein so gestaltet, dass KI-Agenten ihn ausführen, vorbereiten oder verbessern können, und der Mensch genau dort eingreift, wo seine Urteilskraft den größten Unterschied macht. Wir automatisieren nicht einzelne Aufgaben in einem ansonsten klassischen Kanzleibetrieb. Wir bauen den Betrieb selbst als ein System aus Menschen und Agenten, die ineinandergreifen.

Der Unterschied ist fundamental. Wer KI nachträglich in alte Prozesse einbaut, bekommt eine etwas schnellere Version des Alten. Wer von vornherein agentisch denkt, kann Dinge tun, die im alten Modell nicht vorgesehen waren: Wissen aus jedem Mandat strukturiert in das nächste tragen, wiederkehrende Muster nicht nur erkennen, sondern in eigene Werkzeuge gießen. Die Architektur entscheidet, was möglich ist, nicht das einzelne Tool.

Die Architektur: vom Eingang bis zum Output

Am greifbarsten wird das, wenn man unserem Weg folgt, den eine Mandantenanfrage bei uns nimmt.

Eingang. Jede Anfrage, ob Vertrag, Compliance-Frage oder arbeitsrechtliches Thema, läuft bei uns in eine strukturierte Aufnahme. Schon hier ordnet das System ein: Worum geht es, welche Dokumente hängen dran, welcher Kontext aus der bisherigen Zusammenarbeit ist relevant? Wir starten nicht bei null, sondern mit dem gesammelten Wissen über das Unternehmen, seine Branche und seine bisherigen Fälle.

Bearbeitung. Aus der Aufnahme heraus arbeiten Agenten die Anfrage vor: Sie recherchieren, ziehen einschlägige Normen und Präzedenzfälle heran, erstellen erste Entwürfe, prüfen Vertragsklauseln gegen unsere Standards. Was entsteht, ist kein fertiges Mandantenergebnis, sondern eine hochwertige Vorlage, auf der unsere Anwältinnen und Anwälte aufsetzen.

Loops. Hier liegt der eigentliche Kern. Zwischen Mensch und System läuft eine Schleife: Die juristische Prüfung korrigiert, schärft, verwirft, ergänzt, und jede dieser Korrekturen fließt zurück. Das Ergebnis wird nicht nur besser, das System lernt, warum es besser wird. Eine Klausel, die ein erfahrener General Counsel anders formuliert, ein Argument, das in der Recherche fehlte, ein Risiko, das übersehen wurde: All das wird nicht einmalig behoben, sondern in die Architektur zurückgespielt. Beim nächsten ähnlichen Fall ist es bereits Teil der Vorlage.

Automatisierung. Aus diesen Schleifen kristallisiert sich mit der Zeit heraus, was sich wirklich wiederholt, und genau das automatisieren wir, nicht spekulativ, sondern beweisgestützt durch bereits bearbeitete Fälle. Standardvorgänge, die früher jeden Anwalt Zeit kosteten, werden zu verlässlichen, geprüften Bausteinen. Die freigewordene Zeit fließt dorthin, wo sie zählt: in die schwierigen, strategischen, unternehmenskritischen Fragen.

Output und zurück. Das geprüfte Ergebnis geht an den Mandanten. Aber der Kreis schließt sich nicht beim Versand. Was wir gelernt haben, pushen wir zurück ins System: in die Vorlagen, in die Automatisierungen, in das Kontextwissen über den Mandanten. Jeder Fall macht den nächsten besser. Eine klassische Kanzlei wird mit jedem Mandat erfahrener in den Köpfen einzelner Anwälte. Wir werden mit jedem Mandat besser als Organisation.

Warum wir das können

Eine solche Architektur baut man nicht nebenbei. Sie verlangt, dass juristische Exzellenz und technologische Tiefe gleichberechtigt am selben Tisch sitzen, nicht als Dienstleister und Auftraggeber, sondern als Gründerteam.

Marko und Mohit bringen genau diese technologische DNA mit. Beide gehörten zur Frühphase von Trade Republic, einem der prägendsten europäischen Fintechs der letzten Jahre: Marko als erster Product Hire, Mohit als erster Engineering Lead. Sie wissen, wie man aus einer Idee ein Produkt baut, das Millionen Menschen verlässlich nutzen, und wie man Systeme entwirft, die mit dem Unternehmen skalieren, statt es zu bremsen. Komplexe, regulierte Prozesse in robuste Architektur zu übersetzen, das ist exakt das, was eine Kanzlei braucht, die mehr sein will als die Summe ihrer Stunden.

Auf der juristischen Seite steht die Erfahrung aus beiden Welten, die unsere Mandanten verbindet: erst die Schule einer der führenden deutschen Wirtschaftskanzleien, Gleiss Lutz, dann fünf Jahre als General Counsel in einem wachsenden Scale-up. Diese Doppelperspektive, die Präzision der Großkanzlei und der Pragmatismus der internen Rechtsabteilung, prägt, wie wir Recht denken. Wir kennen die kompromisslose Anforderung an Qualität und den Alltag eines Unternehmens, das nicht auf ein Gutachten warten kann, sondern Antworten braucht, um weiterzubauen.

Diese Mischung ist kein Zufall, sondern Voraussetzung. Ohne tiefes Tech-Verständnis bleibt KI in der Kanzlei ein eingekauftes Tool, das niemand wirklich beherrscht. Ohne tiefe juristische Erfahrung wird Automatisierung gefährlich. Wir bauen beides in dieselbe Organisation und denken die Kanzlei deshalb agentisch, statt sie nur digital zu lackieren.

Vom Service zum Produkt

Der vielleicht spannendste Effekt dieser Architektur zeigt sich dort, wo Beratung aufhört, ein einmaliger Service zu sein, und anfängt, ein Produkt zu werden.

Ein Beispiel aus unserer Arbeit mit einem Mandanten aus der Solarbranche. Wie viele schnell wachsende Unternehmen stand er vor einer Aufgabe, die einzeln juristisch nicht schwierig, in der Masse aber kaum beherrschbar war: das Management einer Vielzahl gleichgelagerter Ansprüche, Claim Management im besten Sinne. Jeder Fall folgte demselben Muster und verlangte dieselbe Sorgfalt; in Summe band das enorme Ressourcen.

Eine klassische Kanzlei hätte diese Fälle abgerechnet, Stunde um Stunde, Fall um Fall. Wir haben stattdessen genau das getan, wofür unsere Architektur gemacht ist: das wiederkehrende Muster erkannt, in den Loops geschärft und daraus ein maßgeschneidertes Werkzeug gebaut, das die Fälle strukturiert verarbeitet, und das wir dem Mandanten über ein Dashboard direkt zur Verfügung stellen. Er sieht nicht mehr nur unser Ergebnis, sondern den Stand jedes Vorgangs, kann steuern und behält den Überblick. Aus einer Dienstleistung ist eine Lösung geworden, die im Unternehmen lebt.

Das ist die logische Konsequenz von Agentic First: Wer juristische Arbeit als System begreift, kann aus Service an der richtigen Stelle ein Produkt machen: eine Komplettlösung aus Beratung und Werkzeug. Für den Mandanten heißt das schnellere Bearbeitung, mehr Transparenz und Kosten, die nicht mit jedem Fall linear weiterwachsen.

Was sich nicht ändert: die Qualität

Ein Punkt ist uns dabei wichtig: Die Technologie ist bei uns kein Produkt für den Mandanten und kein Selbstzweck, sondern ein interner Hebel. Jedes Ergebnis, das unser Haus verlässt, ist von erfahrenen Anwältinnen und Anwälten, von General Counsels, geprüft. Die Architektur macht uns schneller, günstiger und skalierbarer; das Qualitätsversprechen bleibt unangetastet.

Genau das trägt unsere Positionierung als externe Rechtsabteilung für wachsende Unternehmen: integriert statt punktuell, mit festen Ansprechpartnern, einer Antwortzeit von einer Stunde und transparenten Festpreisen, die sich an den Kosten eines internen Legal Counsels orientieren, nicht an klassischen Kanzleistundensätzen.

Ein Ausblick

Die Rechtsbranche steht an einem Wendepunkt. Die spannende Frage ist nicht mehr, ob KI die juristische Arbeit verändert, sondern wie tief man bereit ist, die eigene Organisation dafür neu zu denken. Man kann KI als schnelleres Pferd benutzen. Oder man kann das Auto bauen.

Wir haben uns für Letzteres entschieden, nicht aus Technikbegeisterung, sondern weil wir überzeugt sind, dass wachsende Unternehmen eine Rechtsberatung verdienen, die mit ihnen Schritt hält: schnell, integriert, verlässlich und mit jedem Fall ein Stück besser. Agentic First ist für uns kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Und wir bauen jeden Tag daran weiter.

Autor: Julian Jantze ist Gründer von Compound Law, einer AI-First-Kanzlei für wachsende Unternehmen. Als ehemaliger General Counsel von Zenjob begleitete er das Unternehmen durch Finanzierungsrunden, internationale Expansion und die Transformation zur SE. Bei Compound Law verbindet er Kanzlei- und Inhouse-Erfahrung mit dem Ziel, Rechtsberatung durch Technologie neu zu denken.

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ChatGPT wird genutzt, doch oft ohne Plan. Zeit für Struktur im juristischen Einsatz.

03.06.2026

ChatGPT ist in Kanzleien längst angekommen. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie. Orientierung bietet die seit 2023 etablierte Webinar-Reihe „ChatGPT für Juristen“ der Fachseminare von Fürstenberg, an der bereits über 1.700 Teilnehmende mitgewirkt haben.

Rechtsanwalt und Legal Tech Experte Tom Brägelmann arbeitet im Live-Webinar direkt in ChatGPT – ohne vorbereitete Demos, ohne KI-Show. Inhalte entstehen in Echtzeit und werden realistisch eingeordnet.

Das Webinar zeigt unter anderem:

  • welche Anwendungsfälle sich im Kanzlei- und Rechtsabteilungsalltag bewährt haben
  • wie juristische Prompts sinnvoll aufgebaut werden
  • wie KI-Tools in bestehende Arbeitsprozesse eingebunden werden können
  • welche Rolle Microsoft Copilot und fortgeschrittenes Prompt Engineering spielen
  • wo die Grenzen aktueller KI-Chatbots liegen

Das Format besteht aus zwei Live-Modulen à jeweils 2 ½ Stunden im Wochenabstand. Nach dem zweiten Modul und einem kurzen Abschlusstest erhalten Teilnehmende ein Zertifikat zum Legal Prompt Engineer.

Termine (Live-Webinar):25. Juni 2026 (Modul I)
02. Juli 2026 (Modul II)

-> Live dabei sein: Hier weitere Details zum Webinar

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Harvey integriert KI-Modelle von Mistral in seine Plattform

03.06.2026

Der Legal KI Anbieter Harvey hat eine Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral bekannt gegeben. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden die Modelle der Mistral-Familie künftig auf der Harvey-Plattform verfügbar sein. Damit erweitert Harvey sein Multi-Model-Angebot um einen weiteren führenden Anbieter für Künstliche Intelligenz.

Mistral hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Akteur im KI-Markt etabliert und gilt insbesondere als Vorreiter bei der Entwicklung sogenannter Open-Weight-Modelle. Diese ermöglichen Unternehmen mehr Transparenz darüber, wie moderne KI-Systeme entwickelt und bewertet werden. Die Modelle zeichnen sich laut Harvey durch hohe Leistungsfähigkeit, effiziente Ausführung, die Verarbeitung sehr großer Kontextfenster sowie starke Mehrsprachigkeitsfunktionen aus, Eigenschaften, die insbesondere für juristische Teams mit umfangreichen Dokumentensammlungen, verschiedenen Rechtsordnungen und mehreren Sprachen relevant sind.

Harvey verfolgt einen Multi-Model-Ansatz und kombiniert verschiedene Foundation-Modelle auf einer Plattform. Aufgaben werden dabei automatisch an das jeweils am besten geeignete Modell weitergeleitet. Durch die Integration von Mistral will das Unternehmen seinen Kunden mehr Auswahl bieten und die Flexibilität sowie Ausfallsicherheit seiner KI-Infrastruktur weiter stärken.

Die Ankündigung folgt auf die Eröffnung eines Harvey-Büros in Paris und unterstreicht die verstärkten Investitionen des Unternehmens in Frankreich und Europa. Nach Angaben von Harvey wächst in der Region die Nachfrage nach KI-Lösungen, die lokale Anforderungen und Modellpräferenzen berücksichtigen.

In den kommenden Monaten wollen Harvey und Mistral gemeinsam neue Möglichkeiten entwickeln, um die globale Rechtsbranche mit erweiterten KI-Funktionen zu unterstützen. Die Mistral-Modelle stehen ab sofort im Rahmen eines Early-Access-Programms für berechtigte Harvey-Kunden in der Europäischen Union zur Verfügung. Interessierte Unternehmen können den Zugang über ihren Harvey-Ansprechpartner beantragen. Die allgemeine Verfügbarkeit in den USA und Australien soll zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

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Größte Erhebung zum Legal Tech Markt geht in die nächste Runde – Jetzt mitmachen!

03.06.2026

Die Rechtsbranche beschäftigt sich mit vielen Fragen: Welche Legal Tech KI Tools setzen sich gegen Claude & ChatGPT durch? Wie viele lizenzierte Tools werden eigentlich wirklich genutzt? Rechnen Kanzleien heute anders ab, weil sie KI nutzen?

Legal Tech Monitor 2026

Der Legal Tech Monitor ist die größte Erhebung zum Legal Tech Markt in Deutschland und soll dabei helfen Antworten zu geben. Für die Umfrage zum Legal Tech Monitor 2026 sollen dabei so viele Meinungen wie möglich gesammelt werden aus den Bereichen Kanzlei, Rechtsabteilung, Legal Tech Anbieter, Investoren und Politik.

Dieses Mal stehen besonders im Fokus:

  • Neue Abrechnungsmodelle in Kanzleien durch KI
  • Substituierbarkeit von spezialisierten juristischen Tools und generellen KI-Anwendungen (z.B. Claude, ChatGPT)
  • Adoption-Quoten: Wer nutzt eigentlich wirklich, was lizenziert ist?
  • EU- vs. US-Anbieter
  • Vibe Coding in Kanzleien und bei Legal Tech Anbietern
  • Fremdbesitzverbot: Verschiebt sich die Stimmung?

Ein Sneak Peek der Studie wird am Legal Tech Day (17.09.2026) in Berlin präsentiert, die vollständige Studie erscheint Ende 2026.

-> Jetzt hier an der Umfrage teilnehmen: Legal Tech Monitor

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Versteckte Haftungsfalle: Warum Fristenmanagement zur Chefsache werden sollte

02.06.2026

Fakt ist: Viele Verträge geraten nach ihrer Unterzeichnung aus dem Fokus. In der Regel laufen sie im operativen Business-Alltag mit, bis Fristen verstreichen oder Verlängerungsklauseln greifen. Warum aber passiert das so häufig und warum wird nicht früher erkannt, welches Risiko damit verbunden ist?

Fristen gehen nicht verloren – sie werden nicht gesteuert

Einer der Gründe ist die Tatsache, dass in vielen Unternehmen das Fristenmanagement noch immer administrativ verankert ist. Kündigungsfristen, Verlängerungsoptionen oder Eskalationsmechanismen sind dann zwar vertraglich geregelt, aber organisatorisch nicht sauber verankert. Infolgedessen sind die Verantwortlichkeiten oft unklar, bleiben Vertragsdaten in PDFs verborgen und liegen Fristen in persönlichen Kalendern einzelner Mitarbeiter. Diese Struktur funktioniert nur solange, wie wenige Verträge verwaltet werden müssen. Mit wachsendem Vertragsbestand entsteht jedoch ein erhebliches Kontroll- und Haftungsrisiko. Versäumte Fristen werden dann intern oft als persönliches Fehlverhalten bewertet und nicht als strukturelle Schwierigkeit. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein Governance-Problem, da die Vertragsdaten nicht systematisch erfasst, überwacht oder ausgewertet werden.

Dabei sind vertragliche Fristen keine banalen Formalien – sie steuern vielmehr wirtschaftliche Prozesse. Verpasste Kündigungsmöglichkeiten, automatische Verlängerungen oder ungenutzte Anpassungsoptionen können daher zu unmittelbaren finanziellen Belastungen führen.

Wer keine Übersicht hat, handelt zu spät

Besonders kritisch wird es, wenn belastbare Informationen zu den Inhalten der Verträge fehlen, etwa welche Verträge in den nächsten Monaten auslaufen, ob Verlängerungen anstehen oder welche Kündigungsfenster es gibt. Noch immer lassen sich diese Fragen in vielen Unternehmen nur mit einem erheblichen manuellen Aufwand beantworten. Man kann sagen, das Fristenmanagement ist reaktiv und wird seiner Steuerungsfunktion nicht gerecht. Das führt dazu, dass Risiken erst dann sichtbar werden, wenn sie bereits eingetreten sind. Umso wichtiger ist es, klare Regeln einzuführen, sprich zu definieren, welche Fristen relevant sind, wer die Verantwortung trägt und welche Maßnahmen erforderlich sind. Erst auf einer solchen Grundlage lassen sich Verträge optimal im Sinne des Unternehmens nutzen. Helfen können hierbei moderne Contract Lifecycle Management Lösungen, denn sie schaffen Transparenz über Fristen, Zuständigkeiten und Handlungsbedarfe – und ermöglichen frühzeitige Entscheidungen. Dann muss niemand mehr befürchten, eine Frist zu übersehen.

-> Mehr Informationen zum Fristenmanagement unter:
Die Überraschung bei der Verlängerung – warum Fristenmanagement kein Nebenproblem ist

Autor: Alexander Henning, Vice President Marketing & Growth Septeo CNEE

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Claude für deutsches Recht: Ein experimentelles KI-Werkzeug für juristische Arbeitsabläufe

01.06.2026

Mit dem GitHub-Repository Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht existiert eine der umfangreichsten frei zugänglichen Sammlungen von KI-„Skills“ und Plugins für deutsches Recht. Das Projekt wurde von dem Rechtsanwalt und Legal Tech Pionier Tom Braegelmann veröffentlicht und versteht sich ausdrücklich als technisches Experiment. Der Ersteller weist darauf hin, dass es sich weder um Rechtsberatung noch um rechtlich geprüfte Software handelt. Vielmehr soll die Sammlung zeigen, wie moderne Sprachmodelle wie Claude für juristische Arbeitsprozesse konfiguriert und strukturiert werden können.

Der Hintergrund des Projekts liegt in einer Entwicklung, die viele Juristinnen und Juristen derzeit beobachten: Allgemeine KI-Systeme liefern zwar oft erstaunliche Ergebnisse, verfügen jedoch nicht automatisch über die Arbeitsmethodik, die in der juristischen Praxis erforderlich ist. Das Repository versucht deshalb, juristische Arbeitsweisen, Prüfungslogiken, Dokumentationsstandards und fachliche Routinen in wiederverwendbare Module zu übersetzen. Die Idee besteht nicht darin, dass die KI „das Recht kennt“, sondern dass sie bei bestimmten Aufgaben nach vorgegebenen juristischen Mustern arbeitet.

Was sich hinter dem Begriff „Skill“ verbirgt

Technisch basiert das Projekt auf dem Konzept der sogenannten Skills oder Plugins für Claude. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um spezialisierte Arbeitsanweisungen, die einem Sprachmodell zusätzliche Rollen, Abläufe und Fachlogiken vorgeben. Statt einer allgemeinen Anfrage wie „Prüfe diesen Arbeitsvertrag“ erhält das Modell dadurch eine strukturierte Vorgehensweise mit festgelegten Prüfschritten, typischen Risikofeldern, Rückfragen und Dokumentationsanforderungen.

Für Juristinnen und Juristen lässt sich das am ehesten mit einer digitalen Arbeitshilfe vergleichen, die bestimmte Denk- und Prüfungsschemata vorgibt. Der Mehrwert liegt weniger in der juristischen Substanz selbst als in der Standardisierung von Arbeitsabläufen. Die KI soll dadurch konsistenter arbeiten und typische Prüfungsschritte nicht übersehen.

Abdeckung zahlreicher Rechtsgebiete

Auffällig ist die große thematische Breite des Repositories. Die Sammlung umfasst zahlreiche Bereiche des deutschen Rechts, darunter Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Datenschutzrecht, Insolvenzrecht, Prozessrecht, Energierecht und weitere Fachgebiete. Für einzelne Rechtsgebiete existieren eigene Verzeichnisse mit spezifischen Anweisungen, Beispielen und Konfigurationen.

Besonders interessant ist dabei der Ansatz, nicht nur abstrakte Rechtsfragen zu behandeln, sondern konkrete Arbeitsprozesse aus Kanzleien und Rechtsabteilungen abzubilden. Viele der enthaltenen Skills orientieren sich an tatsächlichen Mandats- oder Beratungssituationen. Dadurch entsteht weniger eine juristische Wissensdatenbank als vielmehr eine Sammlung digitalisierter Arbeitsmethoden.

Von der Vertragsprüfung bis zur Mandatsvorbereitung

Die praktischen Einsatzmöglichkeiten reichen von der Analyse von Verträgen über die Vorbereitung von Schriftsätzen bis hin zur Strukturierung umfangreicher Aktenbestände. Ein Anwalt könnte beispielsweise Dokumente hochladen und die KI mit einem spezialisierten Skill auffordern, bestimmte Risiken zu identifizieren, offene Fragen herauszuarbeiten oder eine erste Sachverhaltsaufbereitung vorzunehmen.

Dabei wird die KI nicht als Ersatz für juristische Arbeit verstanden. Vielmehr dient sie als Assistenzsystem, das Vorarbeiten leisten, Dokumente strukturieren oder Standardaufgaben beschleunigen kann. Die fachliche Verantwortung verbleibt ausdrücklich bei den Anwältinnen und Anwälten. Diese Grundhaltung entspricht auch den Hinweisen im Repository selbst sowie den Grundsätzen vergleichbarer Legal KI Projekte.

Orientierung an modernen Legal KI Plattformen

Inhaltlich orientiert sich das Projekt erkennbar an internationalen Entwicklungen im Bereich Legal AI. Insbesondere das von Anthropic veröffentlichte Referenzprojekt „Claude for Legal“ verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Dort werden juristische Arbeitsabläufe in spezialisierte Agenten, Skills und Workflows übersetzt. Das deutsche Repository adaptiert diese Grundidee für die Anforderungen des deutschen Rechts und der deutschen Rechtspraxis.

Dadurch entsteht eine Art deutschsprachige Experimentierplattform für den Einsatz generativer KI in Kanzleien, Rechtsabteilungen und juristischen Ausbildungsumgebungen. Statt einzelne Prompts auszutauschen, werden komplette Arbeitsabläufe modelliert.

Einblicke in die Zukunft juristischer Arbeit

Besonders bemerkenswert ist, dass das Repository nicht nur einzelne juristische Aufgaben adressiert, sondern versucht, komplette Workflows abzubilden. Moderne KI-Systeme entwickeln sich zunehmend von reinen Chatbots zu sogenannten Agentensystemen. Diese können mehrere Arbeitsschritte nacheinander durchführen, Dokumente analysieren, Informationen strukturieren und Ergebnisse nach vorgegebenen Standards aufbereiten.

Genau hier liegt der eigentliche Erkenntniswert des Projekts. Es zeigt weniger, wie eine KI heute Rechtsberatung ersetzt, sondern wie juristische Arbeitsprozesse künftig technisch modelliert werden könnten. Für Kanzleien und Rechtsabteilungen bietet die Sammlung deshalb vor allem einen Blick auf mögliche Organisationsformen künftiger KI-gestützter Arbeitsabläufe.

Datenschutz, Berufsrecht und regulatorische Grenzen

Das Repository geht ausdrücklich auf die rechtlichen Risiken eines solchen Einsatzes ein. Im README File wird hervorgehoben, dass Fragen des Mandatsgeheimnisses, der DSGVO, möglicher Datentransfers in die USA, der anwaltlichen Verschwiegenheitspflichten sowie der europäischen KI-Regulierung eigenständig geprüft werden müssen. Der Autor betont, dass keine rechtliche Prüfung der enthaltenen Inhalte erfolgt ist und jede Nutzung auf eigene Verantwortung geschieht.

Gerade für deutsche Kanzleien ist dieser Hinweis zentral. Die technische Machbarkeit eines KI-Workflows bedeutet nicht automatisch dessen berufs- oder datenschutzrechtliche Zulässigkeit. Das Projekt liefert deshalb eher technische Blaupausen als unmittelbar produktionsreife Lösungen.

Fazit

„Claude für deutsches Recht“ ist kein juristisches Expertensystem und keine digitale Rechtsberatung. Es handelt sich vielmehr um eine umfangreiche Open-Source-Sammlung von KI-Workflows, Skills und Arbeitsmethoden für die deutsche Rechtspraxis. Der eigentliche Wert des Projekts liegt weniger in einzelnen Antworten einer KI als in der Frage, wie juristische Arbeitsabläufe strukturiert, standardisiert und teilweise automatisiert werden können.

Für Juristinnen und Juristen ohne technischen Hintergrund bietet das Repository einen seltenen Einblick in die aktuelle Entwicklung von Legal AI. Es zeigt anschaulich, wie moderne Sprachmodelle durch spezialisierte Anweisungen und Workflows näher an reale juristische Arbeitsweisen herangeführt werden können. Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass die fachliche Verantwortung weiterhin beim Menschen bleibt. Die KI liefert Entwürfe, Analysen und Strukturierungshilfen, die juristische Bewertung und Verantwortung verbleiben aber bei der Anwältin, dem Anwalt oder der Rechtsabteilung.

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Von der Pyramide zur modifizierten Rechtsmarkt-Rakete

01.06.2026

Wie sieht der (digitalisierte) Rechtsmarkt der Zukunft aus? Die neue Studie „Legal Market Economics“ des Bucerius Legal Innovation Hub liefert Antworten. Der Beitrag stellt die für die moderne Rechtsorganisationen wesentlichen Erkenntnisse vor.

Die 44-seitige Studie „Legal Market Economics” analysiert mit einem Mixed-Methods-Ansatz die Leistungsfähigkeit des deutschen Rechtsmarkts. Für die Studie wurden unter anderem 610 Mitarbeitende aus Rechtsorganisationen (Kanzleien und Rechtsabteilungen) sowie Studierende befragt sowie Interviews mit HR-Verantwortlichen aus Rechtsorganisationen geführt.

1. Leistungsgap auf dem Rechtsmarkt

Mittels Legal Data Science weist die Studie nach, dass die Komplexität von Recht kontinuierlich zunimmt. So ist der Normumfang an deutschem Bundesrecht in den letzten zehn Jahren um mehr als 20% gestiegen. Gleichzeitig fehlt es an juristischem Nachwuchs: Das Funnel-Modell des juristischen Nachwuchses zeigt einen künftigen Rückgang von Nachwuchsjuristen. Gleichzeitig steht der Anwaltsmarkt vor einer Ruhestandswelle: Rund 17,5 % der Rechtsanwält:innen werden bis 2029 das ruhestandsfähige Alter erreichen. Folge dessen ist ein Leistungsgap auf dem Rechtsmarkt.

Mögliche Auswege aus dem Leistungsgap liegen insbesondere in einer Erhöhung der Effizienz der juristischen Leistungserbringung durch Arbeitsteilung und Technologie. Das Leistungsgap trifft dabei vor allem die Breite der Gesellschaft – können große Rechtsorganisationen ihre Organisationsstrukturen umstellen und profitieren mittelständische Kanzleien von einem Zuwachs an hochwertigen Bewerbungen, gestaltet sich insbesondere die Besetzung wirtschaftlich weniger attraktiver oder ländlicher gelegener Positionen zunehmend schwieriger.

2. Künstliche Intelligenz als Differenzierungs-Booster auf dem Rechtsmarkt

Die Verfügbarkeit von KI-Anwendungen führt zu einem Differenzierungsbooster auf dem Rechtsmarkt. Wirtschaftskanzleien überdenken Geschäfts- und Pricingmodelle und passen in der Folge ihre Organisationsstruktur und Rollenprofile an. Die ursprünglich pyramidenartige Organisationsstruktur auf dem Rechtsmarkt hat sich zu einer – nunmehr KI-modifizierten – Rechtsmarkt-Rakete entwickelt.

Wirtschaftskanzleien werden dabei leaner und dynamischer. Die Basis ist eine prozessorientierte Business-Plattform und ein agiles Business Professional Team. Schmaler wird indes der Senioritätsstreckenkanal für klassische Berufsträger: Legal Connectors (interdisziplinäre Rollenprofile auf dem Rechtsmarkt, z.B. Legal Engineers oder Legal Innovation Manager) und Technologie sind die Booster und unterstützen Berufsträger bei der Leistungserbringung. Damit ändert sich auch das juristische Hiring: Weg vom Gießkannenprinzip wird es spezifischer und erlaubt weniger Verluste auf dem Weg in die Partnerschaft. Bei „Qualität statt Quantität“ wird Personalbindung zunehmend bedeutender.

3. Wachsende Bedeutung von Legal Connectors

Legal Connectors stellen mit ihrem interdisziplinären Rollenzuschnitt und im Wege von Arbeitsteilung die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Rechtsorganisationen sicher. Die Studienergebnisse zeigen, dass insbesondere größere Rechtsorganisationen Legal Connectors beschäftigen – letztlich auch eine Finanzfrage. In großen Kanzleien sind insbesondere Legal Tech Specialists und Softwareentwickler:innen gefragt, wobei Legal Data Analysts und Legal Change Manager verstärkt in das Hiring-Radar geraten. Insbesondere Letztere zeigen eindrucksvoll, dass KI-Adaption nicht nur Tech-, sondern auch Organisations- und Kulturthema in Kanzleien ist. Wermutstropfen sind ein Stück weit die eigene Einbindung und Karriereperspektiven von Legal Connectors. Wenn Interviewergebnisse zeigen, dass Legal Connectors zwar häufig Träger des so wichtigen Schnittstellenwissens sind, sich auf dem Peak (!) ihrer Karriere aktuell allerdings auf einem Gehaltsniveau wie First Year Associates befinden, müssen sich Rechtsorganisationen die Frage stellen, welche Karrierepfade für Legal Connectors bestehen und wie eine langfristige Bindung an die eigene Rechtsorganisation erfolgen kann.

4. Vom Schutzschild zum Navigator – Rollen von Rechtsabteilungen ändern sich

Früher war die Rechtsabteilung anlassbezogener Schutzschild mit Jurist:innen als Engpass. Durch KI-automatisierte Routineprozesse im Hintergrund ändert sich die Rolle: Inhouse-Jurist:innen sind die Navigatoren in unsicheren Zeiten, die dank technischer Monitoring- und Risikosysteme frühzeitig strategisch eingreifen können. Für Kanzleien stellt sich damit verbunden die Frage, welche Tätigkeiten zukünftig zunehmend inhouse erledigt werden und welche Auswirkungen dies auf das eigene Geschäft hat.

5. Mindset- und Marktspezifika der Rechtsbranche als Adaptions-Herausforderung

Nach den Studienergebnissen liegen die größten (inhaltlichen) Herausforderungen von Technologie im Rechtskontext in der Qualität von Tools, fehlender Technologiekompetenz sowie Compliance-Anforderungen.

Damit verbunden sind vier strukturelle Hürden des Rechtsmarkts bei der erfolgreichen KI-Adaption: nicht dürfen, nicht wissen, nicht müssen und nicht wollen. Hinsichtlich „Nicht dürfen“ ist der Rechtsbereich berufsrechtlich besonders sensibel und erschwert daher Trial-and-Error-Mechanismen. Regulatory Sandboxes könnten hier ein Instrument innovativer Regulierungsausgestaltung und regulatorischen Lernens sein. Der Bereich „Nicht wissen“ geht eng einher mit fehlender Technologiekompetenz – für 65 % der Mitarbeitenden in Kanzleien und Rechtsabteilungen stellt fehlende Technologiekompetenz eine zentrale Hürde dar. „Nicht müssen“ beschreibt ein Phänomen, dass kleine Einheiten noch keine unmittelbaren Effekte Künstlicher Intelligenz auf ihre Pricing-Strukturen sehen – die Frage ist nur: Wie lange bleibt dies noch so? „Nicht wollen“ ist indes ein Change-Management-Thema. Hier gilt es, Sorgen, Nöte und Ängste im Zusammenhang mit dem Thema KI und möglichen Verschiebungen der eigenen Rollenprofile zu adressieren, was Führungsaufgabe ist.

6. Verfestigung einer Zweiklassengesellschaft auf dem Rechtsmarkt

Schließlich zeigen die Studienergebnisse, dass KI im Rechtsbereich die Zweiklassengesellschaft auf dem Rechtsmarkt verfestigt. Große Kanzleien nutzen KI-Tools signifikant intensiver als kleinere. Ferner haben große Kanzleien zu einem signifikant höheren Anteil eine KI-Strategie für ihre Rechtsorganisation und nutzen – wenngleich ebenfalls noch auf einem geringen Niveau – KPIs zur Messung des KI-Einsatzes. Schließlich profitieren große Kanzleien durch Legal Connectors von interdisziplinären Teams und Inhouse-Lösungen, während kleinere Einheiten auf die Implementierung günstiger Off-the-Shelf Produkte angewiesen sind.

-> STUDIEN-DOWNLOAD: Die vollständige Studie „Legal Market Economics“ kann unter buceri.us/legal-market-economics kostenfrei heruntergeladen werden.

Autor: Dr. Florian Skupin, M.A. ist Executive Director Legal Technology an der Bucerius Law School, leitet den Bucerius Legal Innovation Hub und ist zugelassener Rechtsanwalt. Er verantwortet die Studie „Legal Market Economics“.

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Brasilianische Anwälte wegen Manipulation von KI System eines Gerichts zu Geldstrafe verurteilt

29.05.2026

Ein Arbeitsgericht in Brasilien hat zwei Anwälte zu einer Geldstrafe von rund 84.000 brasilianischen Real (ca. 14.000 EUR) verurteilt, nachdem sie versucht hatten, ein KI System eines Gerichts innerhalb eines Gerichtsverfahrens zu beeinflussen. Nach Angaben des Gerichts wurden Eingaben so formuliert, dass die KI die Position ihrer Mandanten bevorzugt darstellen sollte.

Das betroffene Gericht nutzt KI zur Unterstützung bei der Analyse von Dokumenten, Zusammenfassungen und weiteren Verfahrensschritten. Die Anwälte sollen dabei Anweisungen in eingereichte Texte eingebettet haben, die das Verhalten des Systems gezielt steuern sollten. Solche Angriffe werden als „Prompt Injection“ bezeichnet. Dabei werden versteckte oder scheinbar legitime Anweisungen in Inhalte eingebaut, um die Ausgabe eines KI Sprachmodells zu manipulieren. Dies kann z.B. mit der Verwendung von weisser Schrift auf weissem Hintergrund kaschiert werden.

Manipulation wurde durch menschliche Kontrolle entdeckt

Bemerkenswert ist, dass die Manipulation nicht automatisch erkannt wurde. Laut einem Bericht bemerkte der zuständige Richter Unstimmigkeiten in den Ergebnissen der KI, untersuchte die Ursache und führte diese auf die eingereichten Dokumente zurück. Die Entdeckung erfolgte damit ausschließlich durch menschliche Aufmerksamkeit und nicht durch technische Schutzmechanismen.

Die genaue Formulierung der eingebetteten Anweisungen wurde bislang nicht veröffentlicht. Das Vorgehen entspricht jedoch bekannten Angriffstechniken, bei denen KI Modelle dazu gebracht werden sollen, bestehende Anweisungen zu ignorieren und bestimmte Inhalte stärker zu gewichten oder bevorzugt darzustellen.

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Kirkland & Ellis investiert 500 Millionen Dollar in eigene KI Plattform

29.05.2026

Die US Wirtschaftskanzlei Kirkland & Ellis plant Investitionen von insgesamt 500 Millionen US-Dollar in den Aufbau einer eigenen KI Plattform. Allein 2026 sollen mehr als 100 Millionen US-Dollar in das Projekt fließen. Die Investitionen erstrecken sich über die kommenden drei bis vier Jahre und kommen zusätzlich zu den bestehenden Ausgaben für externe KI Lösungen hinzu.

Mit dem Vorhaben verfolgt die weltweit umsatzstärkste Kanzlei das Ziel, sich technologisch von Wettbewerbern abzuheben. Statt ausschließlich auf am Markt verfügbare KI Anwendungen zu setzen, entwickelt Kirkland & Ellis eine eigene Plattform, die das Wissen und die Arbeitsweise der Kanzlei dauerhaft abbilden soll.

Wissen der Partner wird zum digitalen Wettbewerbsvorteil

Laut Chairman Jon Ballis basiert die Plattform auf den Erfahrungen von rund 250 Anwältinnen und Anwälten der Kanzlei, darunter 100 Partner. Mehr als 180 Ingenieure, Datenwissenschaftler und Technologieexperten arbeiten an der Entwicklung. Externe Technologieunternehmen unterstützen zwar beim Aufbau, die Rechte an der Technologie sollen jedoch vollständig bei Kirkland & Ellis verbleiben.

Ballis erklärte, dass allgemein verfügbare KI Werkzeuge zwar das Leistungsniveau für alle erhöhen, die Kanzlei jedoch mehr leisten müsse, da Mandanten sie nicht für durchschnittliche Ergebnisse beauftragen würden. Ziel sei es, das kollektive Wissen der Organisation systematisch verfügbar zu machen und in Mandaten einzusetzen.

KI soll komplette Mandate unterstützen

Die geplante Plattform soll nicht nur einzelne Aufgaben automatisieren, sondern ganze Mandate unterstützen. Anders als bisher, wo Anwälte verschiedene Spezialanwendungen für einzelne Arbeitsschritte nutzen, soll die neue Lösung auf dem internen Wissen der Kanzlei aufbauen und dieses durchgängig verfügbar machen. Name und Technologiepartner der Plattform sollen in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden.

Finanziert wird das Projekt direkt aus den Einnahmen der Kanzlei. Kurzfristig reduziert dies die Gewinnanteile der Equity Partner. Angesichts eines Jahresumsatzes von 10,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr verfügt Kirkland & Ellis jedoch über die finanziellen Mittel für eine Investition dieser Größenordnung.

KI verändert das Geschäftsmodell von Kanzleien

Die Initiative steht exemplarisch für die zunehmende Transformation der Rechtsbranche durch Künstliche Intelligenz. Viele internationale Kanzleien schließen derzeit Partnerschaften mit KI Anbietern, um juristische Arbeitsprozesse zu automatisieren. Auch andere führende Kanzleien arbeiten bereits an spezialisierten Lösungen für den Rechtsmarkt.

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Clarius Group startet KI-Plattform „Clair“

28.05.2026

Die Clarius Group stellt ihre neu entwickelte KI-Plattform „Clair“ vor. Die Technologie kombiniert Rechtsberatung, Prozessautomatisierung, KI-Agenten und strukturierte Datenmodelle in einer einheitlichen Infrastruktur. Sie ermöglicht damit die vollständige Steuerung juristischer Prozesse in einer Umgebung.

Anwältinnen und Anwälte bleiben dabei – auf Wunsch – jederzeit eingebunden. Sie übernehmen weiterhin die rechtliche Verantwortung und die Haftung, wenn eine Prüfung erfolgt. Kunden können den Grad der Automatisierung und die Einbindung von Künstlicher Intelligenz flexibel konfigurieren und selbst entscheiden, in welchem Umfang Prozesse automatisiert, überwacht oder vollständig durch Expertinnen und Experten bearbeitet werden. Die Automatisierung standardisierter Aufgaben schafft Freiräume für anspruchsvolle rechtliche Bewertungen und Haftungsthemen; hier bleibt die menschliche Expertise zentraler Bestandteil der Leistung.

Durch die neue KI-Plattform können Rechtsabteilungen ihre gesamten internen Prozesse organisieren und gleichzeitig Beratungsleistungen abrufen. Der flexible Ansatz, welcher den Nutzern Entscheidungsfreiraum lässt, ermöglicht es, diese noch intelligenter, effizienter und individueller zu erbringen – optimal kombiniert mit dem Fachwissen der Clarius-Expertinnen und -Experten. Die Clarius Group unterstreicht damit ihren Anspruch als einer der Innovationstreiber im Legal Consulting und Legal Tech.

Dr. Georg Berger, CEO der Clarius Group: „Die technologische Revolution der Beratung ist in vollem Gange. Erfolgreich werden die Anbieter sein, die KI und menschliche Expertise sinnvoll verbinden. Deshalb haben wir die neue Plattform konsequent „AI first“ entwickelt und setzen gleichzeitig weiterhin auf das Fachwissen unserer Rechtsanwälte und Consultants. Unsere Mandanten entscheiden selbst, wieviel Automatisierung sie nutzen möchten. Und sie profitieren von klar kalkulierbaren Kosten. „Clair“ steht für eine neue Generation der Rechtsberatung. Mit der neuen Technologie sind wir hervorragend darauf vorbereitet, unseren Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortzusetzen.“

Mit der Einführung von „Clair“ erweitert die Clarius Group auch ihr Preismodell: Künftig können Mandanten Leistungen nicht mehr nur nach Zeitaufwand oder Mitarbeiterzahl, sondern auch ergebnisbasiert abrechnen. Pauschalverträge und feste Servicegebühren sorgen für mehr Planungssicherheit und Transparenz. Möglich wird dies durch den hohen Automatisierungsgrad der Plattform.

Die Technologie deckt alle wesentlichen Aufgaben einer Rechtsabteilung ab – von Datenschutz und Arbeitssicherheit über Vertrags- und Forderungsmanagement bis zu Litigation. „Clair“ bildet dabei sämtliche Rechtsvorgänge zentral ab – von der Datenerfassung über die Bearbeitung bis zur Auswertung. Die Plattform liest und strukturiert Verträge automatisiert, extrahiert relevante Informationen und leitet daraus Aufgaben sowie Handlungsempfehlungen ab. Ein zentrales Dashboard schafft Transparenz über Prozesse und Bearbeitungsstände.

Durch die Integration von KI-basierten Agenten und Chatbots können Dienstleistungen mit „Clair“ schneller und zielgerichteter erbracht werden. KI-Agenten agieren wie gleichberechtigte Nutzer, überwacht von den Clarius-Expertinnen und -Experten. Die Eigenentwicklung der Plattform gewährleistet zugleich ein hohes Maß an Datensicherheit.

Zum Start wird die KI-Plattform im Bereich Legal Consulting eingesetzt. In einem nächsten Schritt wird „Clair“ auch auf Finance-Operations-Prozesse ausgeweitet.

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Ex-Freshfields Jurist startet Legal Tech Plattform für deutsche KMU: 1,3 Mio. Euro Finanzierung für nu:legal

28.05.2026

Viele deutsche Unternehmen stehen bei Rechtsfragen vor derselben Wahl: langsame und teure Kanzleiprozesse oder generative KI, der sie bei sensiblen Themen nicht vollständig vertrauen. Gleichzeitig wächst der regulatorische Aufwand. Deutsche KMU verbringen inzwischen durchschnittlich rund 32 Stunden pro Monat mit rechtlichen und Compliance-bezogenen Aufgaben, ein Aufwand, der die deutsche Wirtschaft laut KfW jedes Jahr rund 61 Milliarden Euro kostet. Genau hier setzt das Legal-Tech-Startup nu:legal an.

Das Unternehmen startet heute die öffentliche Beta seiner Plattform auf nulegal.eu und gibt eine Gesamtfinanzierung in Höhe von 1,3 Millionen Euro bekannt. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Caesar Ventures. Zu den Investoren zählen außerdem Unternehmer:innen, KI-Operatoren, weitere VC-Investoren sowie Partner von Freshfields und anderen führenden europäischen Kanzleien.

„nu:legal baut keine weitere Insellösung, sondern eine integrierte Plattform für moderne juristische Dienstleistungen. Das Unternehmen verbindet die Erfahrung eines ehemaligen Freshfields-Teams mit KI-gestützter Technologie und anwaltlicher Prüfung, und könnte damit Rechtsprozesse im Mittelstand nachhaltig verändern“, sagt Carolin Gabor, Managing Partner bei Caesar Ventures.

Zum Marktstart konzentriert sich nu:legal auf Arbeitsrecht und Datenschutz, zwei der größten operativen rechtlichen und regulatorischen Herausforderungen für deutsche KMU. Weitere Bereiche wie Wirtschaftsverträge, sollen in den kommenden Monaten folgen. Unternehmen sollen so Prozesse wie Arbeitsverträge, Kündigungen, Datenschutzerklärungen oder Auftragsverarbeitungsverträge künftig deutlich effizienter abwickeln können. Die Technologie von nu:legal übernimmt dabei standardisierte Routineaufgaben. Wo fachliche Einschätzung und Verantwortung gefragt sind, prüfen spezialisierte Anwält:innen die Ergebnisse zusätzlich. „Viele Unternehmen nutzen bereits KI-Systeme für rechtliche Fragestellungen. Für sensible juristische Aufgaben bleiben generische Modelle jedoch oft unzuverlässig, insbesondere dann, wenn sie mit großer Selbstsicherheit falsche Antworten liefern. Für Unternehmen entsteht dadurch ein reales Risiko“, sagt Bork Morfaw, Gründer und CEO von nu:legal. „Und genau diese Lücke wollen wir schließen.“

Vom Freshfields-Juristen zum Legal-Tech-Gründer

Gegründet wurde nulegal.eu von Bork Morfaw, einem ehemaligen Juristen bei Freshfields, einer der führenden internationalen Wirtschaftskanzleien Europas. Dort arbeitete er an Legal-Tech- und GenAI- Projekten für internationale Großunternehmen und beobachtete, wie insbesondere Gründer, HR- Teams und mittelständische Unternehmen immer wieder an denselben strukturellen Problemen scheiterten: hohe Kosten, langsame Prozesse und fehlender Zugang zu pragmatischer Rechtsunterstützung. Anfang 2025 verließ Morfaw die Kanzlei, um sich vollständig auf den Aufbau von nu:legal zu konzentrieren.

Technologie für Rechtsarbeit statt generischer KI

nu:legal versteht sich bewusst weder als klassische Kanzlei noch als reines KI-Tool. Die Plattform wurde speziell für den deutschen Markt entwickelt und arbeitet eng mit erfahrenen Anwält:innen und Kanzleien zusammen. Gemeinsam entwickeln sie juristische Workflows, Vorlagen und digitale Dienstleistungen. Jeder Workflow entsteht in Zusammenarbeit mit Fachanwält:innen mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung und wird kontinuierlich anhand von Praxiserfahrungen weiterentwickelt.

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„Modern“ sein ist out!

27.05.2026

Als Anwältin oder Anwalt soll man heute nicht nur kompetent, seriös und sachlich sein, sondern auch technikaffin und innovativ, zugleich traditionsbewusst, kreativ und selbstverständlich „modern“. Na, danke vielmals! Aber was bedeutet „modern“ überhaupt? Und bin ich die Einzige, die findet, dass dieser Begriff irgendwie überstrapaziert wird?

Modern? What the heck…

Der Begriff „modern“ ist doch selbst schon retro. Bereits um das Jahr 1500 fand er Verwendung, wenn man meiner KI glauben darf. Was gestern modern war, ist heute bestenfalls nicht mehr up to date, schlimmstenfalls total out. Was ist also heute noch modern?

KI und Legal Tech? Virtuelle Kanzleiräume, ein eigener Podcast, der Instagram-Account oder YouTube-Kanal für die Kanzlei? No Front, aber nichts davon wirkt auf mich besonders innovativ. Legal Tech, weit verstanden, ist älter als ich – juristische Datenbanken gibt es seit den 70ern. Effizienz, Prozessoptimierung, Zeitersparnis durch Legal Tech? Alles bekannt. Wo sind die News? KI, letztlich ja ein Subset von Legal Tech, ist für mich persönlich schlicht eine Notwendigkeit. Anwaltspodcasts gibt es wie Sand am Meer, der erste YouTube-Kanal für Anwälte existiert seit 2009. Instagram? Hat inzwischen fast jeder. Wer wirklich zukunftsorientiert denkt, nutzt längst Mastodon, Bluesky oder Loops und löscht am besten den eigenen X-Account. Aber das ist ein anderes Thema.

Zeitgeist? Zielgruppe!

Modern sein heißt für mich nicht, „hip“ oder „fancy“ zu sein, sondern sich mit dem auseinanderzusetzen, was ist – und einen Blick auf das zu riskieren, was morgen sein könnte. Es bedeutet auch: Bedürfnisse der Mandanten erkennen und verstehen. Ob Kolleginnen und Kollegen oder Richterinnen und Richter mich für modern halten, darf mir aus ökonomischer Sicht – gelinde gesagt – schnuppe sein.

Anwält:innen sind immer auch Unternehmer:innen. Wer beruflich erfolgreich sein will, kennt besser die Bedürfnisse seiner Zielgruppe. Und eben diese können sich ganz erheblich unterscheiden, je nachdem, auf welchem Rechtsgebiet ich berate, ob ich eher Verbraucher oder Unternehmer berate oder je nach Themen-Nische, die ich mir gesucht habe. Während einige Mandanten sicher Wert auf einfachen, digitalen Zugang zur Kanzlei legen, ist anderen vielleicht transparente Kommunikation oder eine schnelle und effiziente Bearbeitung von Anliegen besonders wichtig.
Menschlichkeit zunehmend im Trend

Andere wiederum bevorzugen anwaltliche Berater und Beraterinnen, die besonders gut zuhören können oder die sich authentisch und nahbar zeigen und so auf ganz besondere Weise Vertrauen herstellen, Hürden oder Ängste abbauen. Und ja: Manche Menschen haben Angst vor dem Besuch beim Anwalt. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten mir, dass bei ihrer Mandantschaft eines voll im Trend liegt: individuelle und von Menschlichkeit geprägte persönliche Beratung. Wundert mich nicht im Geringsten, denn gerade in einer Zeit, in der KI kleine Rechtsfragen – mal mehr, mal weniger richtig – beantwortet, suchen Menschen vor allem eines: Menschen. Je technisierter und automatisierter unsere Welt sich entwickelt, desto größer wird der Bedarf an Persönlichkeiten, die Klartext sprechen, Entscheidungen treffen, Haltung zeigen und am Ende auch Verantwortung übernehmen.

Die Anforderungen an anwaltliche Beratung verändern sich, neue Kompetenzen werden zunehmend wichtiger und zwar in allen Bereichen, die sich nicht automatisieren lassen. Die Freiräume, die uns KI ermöglicht, sollten wir mit dem besetzen, was KI uns nicht abnehmen kann: die menschlichen Faktoren, die für gute Rechtsberatung einfach unerlässlich sind. Daher ist der moderne Anwalt, die moderne Anwältin aus meiner Sicht vor allem: flexibel.

Flexibilität: Total in!

Flexibilität in der Arbeitsweise, in der Mandantenbetreuung, in der Personalführung. Zeit, die durch KI im automatisierbaren Bereich eingespart wird, kann in andere Bereiche, beispielsweise in die Erreichbarkeit, Mandantenbetreuung und Verbesserung der Kommunikation investiert werden. Denn sind wir mal ehrlich: „Sie hören von uns, wenn es etwas Neues gibt und das kann auch erst in ein paar Monaten der Fall sein. Bitte melden Sie sich bis dahin nicht.“ oder „Nein, Herr XY ist leider nicht zu sprechen“ wirkt nicht sehr trendy. Da kann man auch gleich wieder Abschriften ohne weitere Erklärung mit dem Zusatz „erhalten Sie zu Ihrer Kenntnis das Schreiben …“ faxen.

Moderne Kanzleien wissen auch um den arbeitgeberseitig umkämpften Arbeitsmarkt, erkennen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden und investieren mehr in das Kanzleipersonal. Sie passen sich durch flexible Arbeitszeitmodelle, hybride Arbeitsformen oder – superfancy – eigene Weiterbildung in Sachen Personalführung an. Mitarbeiterführung, die auf Wertschätzung, Kommunikation und Förderung basiert, ist in vielen Kanzleien noch immer alles andere als „State of the Art“. Dabei wäre es doch ziemlich modern, sich mit Mitarbeiterförderung, Zufriedenheit und interner Kommunikation auseinanderzusetzen. Wie wäre es beispielsweise mal mit einem Kommunikationstraining für die Menschen in der ersten Reihe? Die Angestellten, die mit den Mandantinnen und Mandaten täglich interagieren?

Mega-Trend: Kritisches Hinterfragen und Haltung zeigen

Und dann wäre da noch ein generelles Thema: kritisches Hinterfragen. Weg mit dem „haben wir schon immer so gemacht“ und her mit dem „wo kann ich was optimieren“? Hierbei Mitarbeitende wertschätzend mit einzubeziehen, ist sicher nicht die schlechteste Idee. Die Aufgeschlossenheit, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen, Zusammenarbeit neu zu denken und sich auf das zu besinnen, was Mandant:innen wirklich brauchen, sich noch mehr als Dienstleister zu verstehen, steht allen gut zu Gesicht.

Ein Punkt, den ich persönlich für sehr zukunftsorientiert halte: Verantwortung für unseren Rechtsstaat übernehmen. In einer Zeit, in der sich Richter:innen und Anwält:innen immer wieder Bedrohungen ausgesetzt sehen, sich der eigenen bedeutsamen Funktion als Organ der Rechtspflege bewusst zu sein, kommt meines Erachtens nie aus der Mode. Es steht außer Frage, dass wir Vertrauensprobleme haben. Das Vertrauen in Institutionen und den Rechtsstaat ist angekratzt. Anwältinnen und Anwälte sollten sich daran beteiligen, dieses Vertrauen wieder aufzubauen und zu stärken. Das können wir auf vielfältige Weise: indem wir erklären, für den Rechtsstaat werben und sachlich kommunizieren, Angriffen auf den Rechtsstaat entgegentreten. Anders gesagt: Haltung zeigen. Haltung ist nie „retro“ oder „vintage“. Haltung und Würde bleiben zeitlos elegant.

Autorin: Stephanie Beyrich ist Rechtsanwältin, Podcasterin und Speakerin, die für die Themen juristischer Nachwuchs, Demokratie und Rechtsstaat brennt. Von Ihrer Community wird sie liebevoll „Orkan der Rechtspflege“ genannt.

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Künstliche Intelligenz in der Rechtsbranche – Interview mit Kilian Springer

26.05.2026

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Gastgeber Dr. Daniel Halft (AnwaltsCampus) spricht mit Kilian Springer zum Thema „Künstliche Intelligenz in der Rechtsbranche“. Kilian Springer ist KI-Experte, Head of Legal bei Distart, Buchautor („KI in der Rechtspraxis“) und Dozent. Neben dem Einsatz von großen Sprachmodellen in der Rechtsbranche wird speziell auch über KI-Agenten diskutiert. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:

1. KI-Agenten sind die nächste Entwicklungsstufe nach Chatbots
Der zentrale Unterschied zu klassischen Chatbots besteht darin, dass KI-Agenten nicht nur Antworten generieren, sondern eigenständig handeln können. Sie erhalten Werkzeuge („Tools“) wie Kalenderzugriff, E-Mail-Zugriff oder Dokumentenmanagement und erledigen Aufgaben autonom. Die Rolle des Menschen verschiebt sich dabei vom Ausführenden zum Koordinator und Qualitätskontrolleur.

2. Der Rechtsmarkt ist technisch noch nicht ausreichend vorbereitet
Obwohl KI enorme Fortschritte macht, hinkt die juristische Praxis hinterher. Viele Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen zwar einzelne Tools wie ChatGPT oder Copilot, verfügen aber häufig weder über eine klare KI-Strategie noch über standardisierte Prozesse oder Verantwortlichkeiten für Einführung und Weiterentwicklung. Besonders problematisch sind uneinheitliche Datenstrukturen und fehlende Digitalisierungsvorarbeit.

3. KI wird juristische Arbeit verändern, aber nicht ersetzen
Die Gesprächspartner gehen nicht davon aus, dass Anwälte durch KI arbeitslos werden. Stattdessen verschiebt sich der Fokus stärker auf menschliche Beratung, Vertrauen, strategische Entscheidungen und komplexe juristische Bewertungen. Standardisierte Routinearbeiten — etwa Vertragsentwürfe, Recherche oder Dokumentenvorbereitung — werden zunehmend automatisiert.

4. Die größten Herausforderungen sind Organisation und Kompetenzaufbau
Das Hauptproblem ist weniger die Technologie selbst als die fehlende Zeit und Expertise in Kanzleien („too busy to care“). Erfolgreicher KI-Einsatz erfordert Lernbereitschaft, praktische Erfahrung und neue Rollen wie Legal Operations oder Legal Engineering. Gleichzeitig betonen die Sprecher, dass Juristen selbst aktiv verstehen müssen, wie KI funktioniert, um Ergebnisse kontrollieren und verantworten zu können.

5. Agentische KI wird sehr kurzfristig marktrelevant werden
Beide Gesprächspartner erwarten, dass innerhalb der nächsten 12 Monate erste ernstzunehmende agentische Lösungen speziell für den Legal-Bereich entstehen. Jura gilt als besonders geeignet für KI-Agenten, weil der Kern juristischer Arbeit stark textbasiert ist: Lesen, Analysieren, Strukturieren und Erstellen von Dokumenten. Der Markt befindet sich nach ihrer Einschätzung unmittelbar vor einem größeren Umbruch.

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Codex for Legal – OpenAI könnte gezielt in den Legal Tech Markt vorstoßen

24.05.2026

OpenAI arbeitet offenbar an einer juristischen Spezialversion seines auf Basis von ChatGPT arbeitenden KI-Systems Codex. Das berichtet das britische Fachmedium Artificial Lawyer unter Berufung auf mehrere Quellen aus dem Legal Tech Umfeld. Demnach könnte das Produkt unter dem Namen „Codex for Legal“ erscheinen und gezielt für Kanzleien und Rechtsabteilungen entwickelt werden.

Laut dem Bericht plant OpenAI dafür gezielte Einstellungen aus der Legal Tech Branche. Artificial Lawyer sieht darin einen strategischen Schritt hin zu stärker vertikalisierten KI-Produkten für einzelne Industrien. Der Ansatz würde OpenAI direkter in Konkurrenz zu spezialisierten Legal Tech Anbietern sowie zu Anthropic bringen, das bereits mit „Claude for Legal“ Lösungen für juristische Anwendungen positioniert.

Codex for Legal

Im Mittelpunkt der Einschätzungen steht die Annahme, dass „Codex for Legal“ nicht nur klassische Rechercheaufgaben übernehmen soll. Vielmehr könnte das System auf komplexe juristische Workflows ausgerichtet werden, etwa Dokumentenanalyse, Vertragsprüfung oder die Integration in bestehende Kanzlei-Software. Artificial Lawyer verweist dabei auf die zuletzt erweiterten Funktionen des Codex-Ökosystems von OpenAI, das zunehmend als umfassende Agentenplattform verstanden werde. Der Legal Tech Bereich wäre hier auch nur ein Feld neben anderen, wie z.B. Vertrieb oder Finance, für die spezielle Lösungen entwickelt werden.

Der Bericht betont zugleich, dass bislang keine offizielle Produktankündigung von OpenAI vorliegt. Die Informationen beruhen auf Insiderangaben, Personalbewegungen und Marktbeobachtungen. Entsprechend handelt es sich derzeit um Hinweise auf eine mögliche strategische Entwicklung, nicht um ein bestätigtes Produkt.

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Intelligenz braucht Architektur: Warum KI in Kanzleien ohne Fundament scheitert

21.05.2026

Die Phase der bloßen Neugier auf Künstliche Intelligenz ist längst vorbei. Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Im rasanten Wettlauf der großen Sprachmodelle von Anthropic, OpenAI und Google verändert sich mit jedem Update, welches Tool gerade die Nase vorn hat. Und doch stellen sich viele Kanzleien im Alltag eine unbequeme Frage: Warum bekommen wir trotz all der neuen Möglichkeiten nicht die Ergebnisse, die wir uns erhofft haben?

Seien wir ehrlich: KI kann Bemerkenswertes leisten. Sie kann rund um die Uhr arbeiten, repetitive Aufgaben übernehmen und Freiraum schaffen für die eigentliche juristische Arbeit. Aber der Glaube, KI allein sei der Hebel für die Transformation zur modernen Kanzlei, ist eine Illusion. KI entwickelt keine Kanzleiprozesse. Sie spiegelt sie lediglich und legt deren Inkonsistenzen offen. Wer chaotische Abläufe mit KI automatisiert, bekommt am Ende nur poliertes Chaos zurück. Schneller und überzeugender als jeder Mensch, aber eben immer noch Chaos.

Bevor es um Tools geht, geht es um Klarheit

Die richtige Frage lautet nicht: „Welches KI-Tool ist das beste?“ Die richtige Frage lautet: „Wo liegen die Engpässe in unseren Abläufen und wie lösen wir sie?“ Denn in den meisten Kanzleien kann niemand einen einzigen Prozess von Anfang bis Ende beschreiben, ohne dass jemand sagt: „Das machen wir je nach Fall unterschiedlich.“ Genau da liegt das Problem. Nicht bei der Software, sondern bei der fehlenden Struktur darunter.

Hier verändert sich aktuell ein ganzes Berufsbild. Wer eine Kanzlei zukunftsfähig aufstellen will, wird vom klassischen Kanzleimanager zunehmend zum Prozessgestalter. Das bedeutet, Abläufe bewusst zu entwerfen und Systeme intelligent zu verbinden. Für diesen Wandel braucht es keine langwierigen, sechsstelligen IT-Projekte. Dafür ist die technologische Entwicklung viel zu rasant. Was es stattdessen braucht, ist eine Infrastruktur, die mitwächst.

Nicht smartere KI. Smartere Infrastruktur.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Software-Lösungen in Kanzleien enorm gestiegen. Deutlich mehr als zehn verschiedene Anwendungen sind in der Praxis keine Seltenheit. Das Problem: Diese Fragmentierung treibt die wahren Kosten. Die Systeme sprechen nicht miteinander, Datenbestände variieren und der ständige Wechsel zwischen den Programmen kostet Fokus und Zeit.

Wenn KI-Tools für juristische Textarbeit auf diese lückenhaften Daten treffen, verpufft ihr Potenzial. Denn guter, vollständiger Kontext aus der Akte ist der wichtigste Faktor für gute KI-Ergebnisse.

Was es braucht, ist ein Fundament. Eine zentrale Plattform, die alle Werkzeuge synchronisiert und Abläufe systemübergreifend steuert. Wir bei Actaport sehen die Kanzleisoftware genau in dieser Rolle. Aber dafür muss sie sich verändern. Eine Kanzleisoftware darf kein starres Korsett mehr sein, das für einen Anwendungsfall gebaut wurde und von allen gleich benutzt werden muss. Sie muss zum technologisch offenen Dreh- und Angelpunkt werden, der sich den individuellen Abläufen der Kanzlei anpasst. Nicht umgekehrt. Die Daten sind in der Kanzleisoftware bereits vorhanden. Wenn man sie verbinden kann, entsteht echte Wirkung. Aber wie man verbindet, ist nicht nur eine technische Frage. Es ist eine fundamentale Entscheidung: Wie will ich meine Kanzlei aufbauen?

Eine konsequent offene Architektur per REST-API ist dafür die Grundvoraussetzung. Sie schützt vor Vendor-Lock-in und ermöglicht es Kanzleien, ihre eigenen Prozesse zu designen und unabhängig zu bleiben. Wenn die Kanzleisoftware nahtlos mit No-Code-Plattformen wie n8n oder Zapier kommuniziert, fließen Daten exakt dorthin, wo sie gebraucht werden. Die Kanzlei kann wechseln, erweitern oder anpassen, ohne von vorne anfangen zu müssen.

Das unterschätzte Potenzial: Automatisierung in drei Stufen

Während sich der aktuelle Hype fast ausschließlich auf KI für das Legal Drafting konzentriert, bleiben zwei riesige Felder unbeachtet: das Kanzleimanagement und das Backoffice. Die stillen Momentum-Killer, die niemand auf dem Radar hat, weil sie so selbstverständlich geworden sind. Hier liegt das größte Potenzial für echte Automatisierung.

Wir empfehlen, einfach zu starten. Aus über 1.000 Projekten mit Anwaltskanzleien haben sich bei Actaport drei klassische Stufen ergeben: die einfache Automatisierung, Prozessorchestrierung und KI-gestützte Workflows.

Stufe 1, einfache Automatisierung: Eine neue Akte wird angelegt; im Hintergrund wird automatisch die passende RVG-Gebühr hinterlegt. Kein Skript, kein Entwickler nötig. Es funktioniert ab Tag eins und verhindert manuelle Fehlerquellen.

Stufe 2, Orchestrierung: Der Workflow wird intelligenter. Bei der Aktenanlage erkennt das System das Rechtsgebiet, baut selbstständig die passende Ordnerstruktur auf, generiert ein Erstdokument mit den Mandantendaten und weist dem zuständigen Anwalt eine Aufgabe zu, sobald alles bereit ist. Mehrere Systeme, eine übergreifende Logik.

Stufe 3, KI-gestützte Workflows: Erst jetzt kommt die KI ins Spiel. Aber eingebettet. Ein KI-Agent analysiert die neu eingereichten Mandantendokumente anhand vordefinierter Prompts, fasst den Sachverhalt zusammen und legt das Ergebnis strukturiert in der Akte ab. Die KI arbeitet nicht isoliert, sondern innerhalb der Architektur, die in Stufe 1 und 2 geschaffen wurde. Genau das macht den Unterschied.

Eine aktuelle Studie von Anthropic, dem Unternehmen hinter der KI Claude, unterstreicht diese Denkrichtung. Auf die Frage, was sich über 80.000 Befragte von KI wünschen, nannten 19 Prozent „Professional Excellence“ als wichtigstes Ziel. Routine abgeben, um sich auf wertschöpfende Arbeit zu konzentrieren. Genau das ermöglichen diese drei Stufen. Wenn das Fundament stimmt.

Jenseits der Illusion

Die Transformation einer Kanzlei ist kein reines Technikproblem. Es ist ein Strukturproblem. Kanzleien, die KI als eigenständige Fähigkeit betrachten statt als Baustein eines strukturierten Systems, werden von den Resultaten enttäuscht bleiben. Diejenigen, die in klare Prozesse, saubere Daten und eine offene Software-Infrastruktur investieren, werden das wahre Potenzial dieser neuen Ära heben. Intelligenz ohne Architektur ist bloßes Rauschen.

Brauchen wir die Kanzleisoftware im Zeitalter der KI also überhaupt noch? Ja, mehr denn je. Als offenes, digitales Betriebssystem der Kanzlei. Wir freuen uns auf den Austausch.

Autor: Conrad Pollack ist im Bereich Growth bei Actaport tätig. Zudem beschäftigt er sich mit der Prozessoptimierung und dem Change-Management in Anwaltskanzleien.

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Zero Legacy: Warum meine digitale Kanzleigründung beim Senken der Einstiegshürden begann

20.05.2026

„Ich finde und behebe rechtliche Bugs im System. Ich kombiniere juristische Exzellenz mit technologischer Präzision, um die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant radikal zu vereinfachen.“

Mit dieser Vision startete ich Anfang des Jahres die debug Rechtsanwälte GmbH. Doch wer glaubt, eine digitale Kanzlei zu gründen bedeute nur, die richtige Software zu abonnieren, irrt gewaltig. Der Weg vom ersten Entwurf des Businessplans bis zum produktiven Start im zweiten Monat war für mich eine Reise durch administrative Hürden, tiefgreifende Compliance-Abwägungen und vor allem die Erkenntnis: Technologische Brillanz ist wertlos, wenn sie zur Hürde für den Rechtszugang wird.

Der gescheiterte Funnel: Legal Design Thinking in der harten Praxis

Mein Ansatz für das Verkehrsrecht war anfangs stark von technischer Euphorie geprägt. In der Vorbereitungsphase nutzte ich Claude Code, um einen eigenen, visuell ansprechenden Mandatierungs-Funnel zu bauen. Mein Anspruch war hoch: Ich wollte von Beginn an alle Daten strukturiert erfassen, um den perfekten digitalen Onboarding-Prozess zu haben. Ich dachte, die visuelle Aufbereitung allein sei schon der entscheidende Vorteil.

Doch im Austausch mit Sachverständigen wurde mir ein kritischer Denkfehler bewusst. Es ging nicht um die technische Schönheit meines Tools, sondern um die Einstiegshürde für den Geschädigten. Jede zusätzliche Abfrage und jede Komplexität vor Ort am Fahrzeug birgt das Risiko, dass der Unfallgeschädigte den Prozess abbricht. Das ist fatal, denn gerade im Verkehrsrecht ist juristischer Beistand bitter nötig. Die Versicherungen kürzen massiv, oft sogar beim Gutachterhonorar. Werden die Hürden zu hoch, verzichten Geschädigte aus Überforderung auf ihre Rechte, obwohl sie kaum in der Lage sind, diese gegenüber den Versicherungen alleine durchzusetzen.

Ich hörte von den Gutachtern immer wieder: „Das dauert zu lange, das sind zu viele Hürden. Wir müssen es den Leuten einfacher machen.“ Die Konsequenz für mich war klar: Ich habe meinen „perfekten“ Funnel radikal entschlackt. Echtes Legal Tech bedeutet hier, den Widerstand zu minimieren, damit der Weg zum Recht überhaupt angetreten wird.

Kommunikation ohne Barrieren: WhatsApp und der Schnitt der Gesellschaft

Dieser Fokus auf niedrige Schwellen prägt auch meine Kommunikation. Ich nutze WhatsApp. Das ist eine Entscheidung, die in der Anwaltschaft oft skeptisch gesehen wird, aber für mich eine Frage der Realität ist. Mandanten im Verkehrsrecht sind ein Querschnitt der Gesellschaft. Und dieser Querschnitt ist nun einmal bei WhatsApp unterwegs.

Besonders wertvoll ist dieser Kanal bei Sprachbarrieren. Ich habe bereits mehrfach erlebt, dass eine telefonische Verständigung kaum möglich war und auch E-Mails an ihre Grenzen stießen. Über WhatsApp konnten diese Mandanten die Nachrichten in ihrer eigenen Geschwindigkeit übersetzen oder Sprachnachrichten nutzen. Sogar die Übersetzung von Nachrichten direkt im Chat ermöglichte uns eine schnelle und präzise Kommunikation. Es war genial zu sehen, wie ein einfaches Tool plötzlich den Zugang zum Recht für Menschen öffnete, die sonst vielleicht an der Sprachbarriere gescheitert wären.

Gleichzeitig dient WhatsApp als B2B-Beziehungsschutz: Kurze Status-Updates beruhigen den Mandanten und verhindern, dass dieser genervt beim Gutachter anruft und dort wertvolle Zeit blockiert. Natürlich war dies kein „Schuss aus der Hüfte“. Ich habe viel Zeit investiert, um die berufsrechtlichen Anforderungen (§ 203 StGB, DSGVO) zu prüfen und eine wasserdichte Compliance-Architektur aufzubauen. Ich kann jedem nur dazu raten: Selbst wenn Sie sich im Datenschutz und Berufsrecht gut auskennen, ziehen Sie für solche Entscheidungen einen Dritten zurate. Ich habe mir ganz bewusst die objektive Meinung einer spezialisierten Kollegin eingeholt, denn gerade bei so kritischen Themen ist ein neutraler Blick von außen durch nichts zu ersetzen. Transparente Aufklärung und aktive Einwilligung sind das Fundament, auf dem dieser pragmatische Weg steht.

Build vs. Buy: Datenarchitektur als Investment

Um diese Flexibilität zu bewahren, habe ich mich gegen Anwaltssoftware von der Stange entschieden. Die meisten Systeme sind starre Monolithe, die in Textfeldern denken. Ich brauchte jedoch eine relationale Datenstruktur. Deshalb konfiguriere ich mein System auf Basis offener Plattformen selbst. Ich arbeite mit frei definierbaren Properties: Jede Versicherung, jede Kürzungsquote und jede Werkstatt wird als trackbarer Datenpunkt erfasst.

Dieses mühsame Strukturieren von Daten ab Tag eins ist meine Versicherung für die Zukunft. Nur so kann ich später KI-Prognosen erstellen, die über vage Schätzungen hinausgehen. Ich baue kein digitales Archiv, sondern ein Data-Warehouse, das mir zeigt, wie das Regulierungsverhalten einer Versicherung in Echtzeit aussieht.

Skalierung neu gedacht: Systeme statt Sachbearbeiter

Wenn die Einstiegshürden gesenkt sind und die Datenstruktur steht, stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Wachstum. Genau deshalb war die Entscheidung, direkt als GmbH zu gründen, von Anfang an so zentral für mich. Ich wollte ein Vehikel schaffen, das auf Wachstum ausgelegt ist, ohne später im laufenden Betrieb durch komplexe Umfirmierungen ausgebremst zu werden.

Doch Skalierung bedeutet für mich nicht, dem klassischen Kanzlei-Reflex zu verfallen. In traditionellen Kanzleien bedeuten mehr Mandate fast automatisch die Einstellung von mehr Associates oder Assistenzkräften. Man wirft gewissermaßen Personal auf ein Prozessproblem. Mein Ansatz ist ein anderer: Bevor ich einen Menschen für eine repetitive administrative Aufgabe einstelle, baue ich einen automatisierten Workflow oder nutze KI-Tools (wie beispielsweise BRYTER). Das Ziel ist es, die klassische Datenerfassung und Standardkommunikation vollständig an die Systeme auszulagern.

Wenn ich in Zukunft mein Team erweitere, suche ich keine reinen Akten-Abarbeiter. Ich suche juristische Fachkräfte, die Lust auf Prozess-Logik und Systemarchitektur haben. Mitarbeiter:innen, die nicht nur das Gesetz anwenden, sondern unsere internen Abläufe verstehen und weiterentwickeln wollen. Die Software übernimmt das juristische Fließband, der Mensch die empathische Mandantenführung und die strategische Rechtsdurchsetzung. Das verändert nicht nur die Kostenstruktur der Kanzlei enorm, sondern macht den Beruf für uns alle wieder kreativer und erfüllender.

Fazit: Der „Debug“-Modus als Dauerzustand

Die ersten Monate meiner Gründung haben mir gezeigt: Perfekt ist es nie. Man muss bereit sein, Konzepte über Bord zu werfen, Feedback von den Beteiligten ernst zu nehmen und flexibel zu bleiben. Der Schritt in die GmbH-Gründung und die Entscheidung für ein eigenes System waren mit großem Respekt und auch der Angst vor Fehlern verbunden. Aber es war der richtige Weg, um agil auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren zu können.

Letztlich ist das auch die Essenz hinter meinem Kanzleinamen: to debug bedeutet in der Softwareentwicklung, Fehler im System präzise zu finden und nachhaltig zu lösen. Genau das tue ich für die rechtlichen Probleme meiner Mandanten, indem ich Jura und Technologie zu einem reibungslosen Workflow verschmelze. Und dieser Prozess des „Debugging“ hört nie auf – er ist der Kern meiner täglichen Arbeit.

Autorin: Melissa Nagel, LL.M., ist Rechtsanwältin und Gründerin der debug Rechtsanwälte GmbH in Köln. Zuvor war sie seit 2021 als Rechtsanwältin für verschiedene mittelständische Kanzleien mit Verbraucherfokus tätig. Heute verbindet sie juristische Expertise mit tiefem technischem Prozessverständnis und ist spezialisiert auf prozessgesteuerte Rechtsberatung unter anderem im Verkehrsrecht. Sie ist zudem Vorstandsmitglied im Legal Tech Lab Cologne e.V.

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Wolters Kluwer integriert Libra und Kleos für nahtlose, KI-gestützte juristische Workflows

20.05.2026

Wolters Kluwer Legal & Regulatory hat die Integration von Libra, dem Legal AI Workspace des Unternehmens, mit Kleos, seiner cloudbasierten KanzleimanagementLösung für Anwaltskanzleien, bekannt gegeben. Die Integration unterstützt nahtlose juristische Workflows und ermöglicht es Juristinnen und Juristen, einfacher von Recherche und Analyse zur täglichen Mandats und Fallbearbeitung überzugehen, indem Kanzleimanagement und KIgestützte Funktionen kombiniert werden.

Die Einführung erfolgt zunächst in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Durch die Verbindung von Kleos und Libra vereint Wolters Kluwer KIgestützte Funktionen, operatives Kanzleimanagement und Recherche in einem integrierten Arbeitsumfeld zusammen. Aufgaben, die bislang einen Wechsel zwischen verschiedenen Systemen erforderten, können nun innerhalb eines durchgängigen Workflows erledigt werden. Dies reduziert manuelle Übergaben und Fragmentierung und Medienbrüche .

Martin O’Malley, CEO von Wolters Kluwer Legal & Regulatory, sagte: „Juristische Arbeit findet nicht in isolierten Schritten oder einzelnen Tools statt. Durch die Integration von Kleos und Libra richten wir Technologie stärker daran aus, wie Juristinnen und Juristen tatsächlich arbeiten: entlang von Fällen, Mandaten und Fristen, während. Recherche und Umsetzung bleiben eng miteinander verbunden, während KI dabei unterstützt, zusätzlichenMehrwert für unsere Kunden zu schaffen.“

Von der Recherche zur Fallbearbeitung – ohne Unterbrechung

Durch die Integration können in Libra erzeugte Ergebnisse, etwa Rechercheergebnisse, Analysen oder Entwürfe, direkt in die Mandats und Fallstrukturen von Kleos übernommen werden. Dadurch können Juristinnen und Juristen Erkenntnisse aus der Recherche unmittelbar in ihrer operativen Arbeit nutzen, ohne doppelte Arbeit oder erneute Dateneingaben.

Zusätzlich können Anwenderinnen und Anwender direkt aus ihren LibraWorkflows auf ihre in Kleos gespeicherten Dokumente zugreifen. Infolge der Integration wird auch die juristische Recherche Teil des laufenden Workflows, ermöglicht durch die Contentintegration von Libra, statt eines vorgelagerten, getrennten Arbeitsschritts.

Die Integration soll konsistentere Prozesse unterstützen und Expertinnen und Experten dabei helfen, den fachlichen Kontext über den gesamten Arbeitsprozess hinweg zu bewahren – von der Analyse eines Sachverhalts bis zur Umsetzung.

KI-Unterstützung auf Basis professioneller Kontrolle

Libra by Wolters Kluwer ist ein integrierter Legal AI Workspace, der Recherche, Analyse und Texterstellung in einer gemeinsamen Umgebung unterstützt.

Die KI-Funktionen sind darauf ausgerichtet, professionelle Entscheidungsfindung zu unterstützen, mit klarem Fokus auf Transparenz, Governance und den Einsatz autoritativer, von Expertinnen und Experten erstellter Inhalte.

Kleos ist die führende europäische cloudbasierte Kanzleimanagement-Technologie, die von über 30.000 Juristinnen und Juristen genutzt wird, um eine differenzierte Mandantenbetreuung zu bieten und wirtschaftlich erfolgreiche, zukunftsfähige Kanzleien aufzubauen.

Mit der Integration von Kleos und Libra unternimmt Wolters Kluwer einen praktischen Schritt zur Reduzierung der Komplexität juristischer Arbeit und unterstützt reibungslosere Workflows, bessere Kontinuität sowie eine engere Verzahnung von Recherche, Kanzleimanagement und Umsetzung.

Wolters Kluwer Legal & Regulatory unterstützt Expertinnen und Experten in Recht und Compliance dabei, Produktivität und Arbeitsqualität zu steigern, Risiken zu minimieren und komplexe Aufgaben sicher und überzeugt zu lösen. Die spezialisierten Lösungen vereinen tiefes Fachwissen mit modernster Technologie, Analysen und Services, um bessere Ergebnisse für Kundinnen und Kunden zu erzielen.

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Berliner Legal Tech Firma LawX sammelt 7,5 Millionen Euro

19.05.2026

Der Rechtsmarkt steht vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Die steigende Nachfrage nach juristischer Beratung trifft auf einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkräften im administrativen Bereich. Was häufig übersehen wird: Etwa die Hälfte der Kanzleitätigkeiten sind administrativer Natur – bei gleichzeitig ineffizienten, oft noch aus den 1990er-Jahren stammenden Software-Systemen.

Kanzleien und Notariate verlieren täglich viele Stunden ihrer wertvollen Arbeitszeit durch manuelle Abläufe bei Aktenanlage, Kontakt- und Kalendermanagement, Dokumentenverwaltung und Abrechnung. Gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf weiter, wodurch der Druck auf bestehende Strukturen kontinuierlich steigt.

Diese Entwicklung verschärft sich aktuell, da es bislang an ganzheitlichen, KI-gestützten Systemen fehlt. Während bereits existierende KI-Lösungen vor allem Anwältinnen und Anwälte bei der Recherche und der juristischen Textarbeit unterstützen, bleibt die operative Organisation im Backoffice weitgehend manuell.

Genau hier entsteht mit KI ein neuer Markt: Moderne Betriebssysteme, welche insbesondere die operativen Prozesse von Kanzleien intelligent strukturieren und Teams entlasten.

Das Berliner Unternehmen LawX positioniert sich in diesem Umfeld als innovativer Anbieter eines KI-gestützten Betriebssystems für operative Kanzleiprozesse. Als ganzheitliche Plattform integriert LawX zentrale Abläufe wie Aktenführung, Workflows, Kontakt- und Kalendermanagement, Dokumentenverarbeitung und Abrechnung in einem System. Dabei werden wiederkehrende administrative Tätigkeiten automatisiert.

„Der Rechtsmarkt rutscht in eine strukturelle Krise, weil zentrale Prozesse weiterhin manuell organisiert sind und gleichzeitig die personellen Ressourcen fehlen“, sagt Dr. Norman Koschmieder, Gründer und CEO von LawX. „Wir bauen die technologische Infrastruktur, um diese Prozesse erstmals durchgängig zu automatisieren und damit die Arbeitsfähigkeit von Kanzleien langfristig zu sichern.“

LawX wurde von einem Team gegründet, das juristische Erfahrung aus führenden Wirtschaftskanzleien wie Hengeler Mueller und McDermott Will & Schulte mit Skalierungskompetenz aus der Berliner Tech-Szene verbindet. Das Unternehmen hat bislang über sieben Millionen Euro Kapital aufgenommen. Die aktuelle Seed-Runde wird von Motive Partners angeführt, weitere Investoren sind unter anderem WENVEST Capital, xdeck und SIVentures. Neben institutionellen Investoren beteiligen sich auch bekannte Angel-Investoren aus der Tech- und Legal-Szene, darunter der Flink-Gründer Christoph Cordes sowie der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Ralph Müller.

Im nächsten Schritt plant LawX, seine Produktpalette ab diesem Sommer auf Anwaltskanzleien auszuweiten. Rund 75 Prozent der Notare sind Anwaltsnotare, d.h. sie haben zusätzlich eine Zulassung als Rechtsanwalt, wodurch sich ein direkter Zugang zum Kanzleimarkt ergibt. Zahlreiche Kanzleien haben sich bereits für die Warteliste registriert. Das neue Kapital soll insbesondere in die dahingehende Produktentwicklung, Pflege des Bestandsystems sowie den Ausbau von Vertrieb und Kundenbetreuung fließen.

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KI in der Kanzlei – was Associates wirklich brauchen

19.05.2026

Als Partner einer Großkanzlei ist für mich absehbar, wie der Einsatz von KI zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen wird. Ich sehe es in meinem eigenen Team. Ich höre es von Kolleginnen und Kollegen anderer Kanzleien. Ich beobachte es in Gesprächen mit Mandanten, die selbst KI einsetzen – oder es versuchen.

Und ich sehe zwei Welten. Komplett unterschiedlich. Obwohl alle dieselbe Technologie nutzen. Denn die KI ist nicht entscheidend – es werden die Associates und ihre Einbindung und Schulung sein.

Szenario 1: Die Enttäuschung

Der Associate wurde nie richtig eingearbeitet. Er kennt den Mandanten vom Namen her, vielleicht noch die Branche. Aber was der Mandant wirklich erreichen will? Welche Strategie dahintersteckt? Welches Arbeitsergebnis am Ende stehen soll? Keine Ahnung.

Er hat auch nie gelernt, wie man mit Mandanten kommuniziert. Wie man komplexe Sachverhalte strukturiert. Wie man priorisiert, wenn alles gleichzeitig brennt.

Jetzt soll er KI nutzen. Also tippt er irgendeinen Prompt ein. „Schreib mir ein Gutachten zu XY.“ Oder: „Fasse diesen Vertrag zusammen.“

Die KI liefert. Der Associate kopiert. Schickt ab.

Die Partnerin liest es. Korrigiert die Hälfte. Schreibt den Rest um. Ärgert sich über die verlorene Zeit.

Ihre Schlussfolgerung: „KI bringt ja gar nichts. Alles nur Hype. Hab ich doch gleich gesagt.“

Und dann erzählt sie das beim nächsten Partnerlunch. Und alle nicken. Weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Szenario 2: Die Begeisterung

Der Associate wurde bewusst ins Team eingebaut. Er kennt den Mandanten. War bei Gesprächen dabei. Versteht, was der Mandant erreichen will – geschäftlich, nicht nur rechtlich. Er weiß, welches Arbeitsergebnis erwartet wird und warum.

Er hat gelernt, wie man kommuniziert. Wie man strukturiert. Wie man mitdenkt statt nur abarbeitet.

Jetzt nutzt er KI. Aber anders.

Er gibt der KI Kontext. Erklärt, was er braucht. Formuliert präzise Prompts, weil er weiß, was am Ende rauskommen soll.

Die KI liefert einen ersten Entwurf. Der Associate liest ihn kritisch. Prüft die Argumente. Ergänzt, was fehlt. Streicht, was nicht passt. Verbessert den Output.

Das Ergebnis: besser und schneller als ohne KI.

Er berichtet der Partnerin begeistert. Die liest das Ergebnis. Ist überrascht. Denkt sich: „Wow. Das bringt uns wirklich weiter.“

Und dann erzählt sie das beim nächsten Partnerlunch. Und alle werden hellhörig.

Dieselbe Technologie. Zwei Welten.

Das ist keine Übertreibung. Das ist Alltag. Ich sehe beide Szenarien. Manchmal in derselben Kanzlei. Manchmal im selben Team.

Der Unterschied ist nicht die KI. Der Unterschied ist der Mensch davor. KI ist ein Verstärker. Nicht mehr, nicht weniger. Bei gut trainierten Associates verstärkt sie Kompetenz und Effizienz. Sie beschleunigt gute Arbeit. Bei schlecht trainierten Associates verstärkt sie Oberflächlichkeit und Kontextlosigkeit. Sie macht schlechte Arbeit sichtbarer.

Oder, um es mathematisch auszudrücken: Null mal irgendwas ist immer noch null.

Das Missverständnis

Viele Kanzleien glauben, KI sei ein Shortcut. Man kauft ein Tool, rollt es aus, macht vielleicht noch ein zweistündiges Training – und dann läuft das. „So’n Zeug wie ChatGPT oder das andere, hier, Maurice oder so“ – ich höre solche Sätze öfter, als mir lieb ist.

Die Erwartung: Die Technologie macht die Arbeit. Die Associates müssen nur noch prompten.
Die Realität: Die Technologie macht gar nichts von alleine. Sie braucht jemanden, der weiß, was er will.

Der Kontext geben kann. Der Ergebnisse einordnen kann. Der kritisch prüft statt blind kopiert. Wer glaubt, man kann KI einführen und sich die Ausbildung sparen – viel Spaß. Die Enttäuschung kommt. Garantiert.

Was gute KI-Nutzung voraussetzt

Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht, was Associates brauchen, um KI sinnvoll zu nutzen. Es sind keine technischen Skills. Es sind die Basics, die schon immer wichtig waren:

1. Mandantenverständnis

Wer den Mandanten nicht kennt, kann der KI keinen Kontext geben. Und ohne Kontext liefert jede KI generischen Output. Der Associate muss wissen: Was will der Mandant erreichen? Welche Risiken sind relevant? Welche Sprache spricht er?

2. Strategisches Denken

KI kann Texte produzieren. Aber sie kann nicht entscheiden, welcher Ansatz der richtige ist. Das muss der Mensch. Wer nie gelernt hat, strategisch zu denken, wird auch mit KI keine strategisch guten Ergebnisse liefern.

3. Kritische Prüfung

KI halluziniert. KI macht Fehler. KI produziert manchmal überzeugend klingenden Unsinn. Wer das nicht erkennt, weil ihm das fachliche Fundament fehlt, wird Fehler durchwinken. Und die landen dann beim Mandanten.

4. Kommunikationsfähigkeit

Das beste KI-Ergebnis nützt nichts, wenn der Associate es nicht in eine Form bringen kann, die für den Mandanten verständlich und für die Partnerin verwertbar ist. Kommunikation bleibt Handwerk – mit oder ohne KI.

Partnerinnen und Partner sind gefordert

Wenn die Associates mit KI Mist abliefern, ist die KI nicht das Problem. Es sind die Partnerinnen und Partner. Sie müssen sich fragen: Haben wir sie richtig ausgebildet? Kennen sie die Mandanten? Verstehen sie die Strategie? Haben sie gelernt, kritisch zu prüfen?

Wenn die Antwort „nein“ ist, dann ist das Tool nicht schuld. Dann hat die Kanzlei ein Ausbildungsproblem, das durch KI nur sichtbarer wird. KI ersetzt keine Führung. Sie ersetzt kein Training. Sie ersetzt keine Einarbeitung. Sie multipliziert nur, was schon da ist.

Was die Associates leisten müssen

Vor allem die Erkenntnis: KI macht euch nicht klüger. Sie macht euch schneller. Das ist ein wichtiger Unterschied. Schneller zu sein ist gut – wenn ihr wisst, was ihr tut. Wenn ihr den Mandanten versteht. Wenn ihr die Ergebnisse einordnen könnt. Wenn ihr kritisch prüft.

Schneller zu sein ist gefährlich – wenn ihr keine Ahnung habt, was eigentlich rauskommen soll. Dann produziert ihr nur schneller Müll.

Klüger werdet ihr nicht durch bessere Prompts. Klüger werdet ihr durch Arbeit am Mandanten. Durch Feedback. Durch Erfahrung. Durch die Bereitschaft, zu lernen. KI ist ein Werkzeug. Nicht mehr. Behandelt sie auch so.

Die eigentliche Frage

Die Frage ist nicht: Bringt KI etwas? Die Frage ist: Bringt ihr etwas mit, das KI verstärken kann? Kontext. Strategie. Urteilsvermögen. Kommunikation.

Wer das mitbringt, wird KI lieben. Weil sie die eigene Arbeit besser und schneller macht. Wer das nicht mitbringt, wird KI hassen. Weil sie die eigenen Schwächen gnadenlos offenlegt.

Die Technologie ist neutral. Der Unterschied seid ihr.

Autor: Dennis Hillemann ist Partner bei ADVANT Beiten am Standort Hamburg. Er berät Unternehmen und Steuerberater in komplexen verwaltungsrechtlichen Verfahren – aktuell insbesondere bei der Rückforderung von Corona-Überbrückungshilfen, wo er mit seinem Team mehrere hundert Mandanten vertritt. Dennis beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Kanzleien KI sinnvoll einsetzen können, und teilt seine Erfahrungen regelmäßig auf LinkedIn. Sein Fokus liegt dabei weniger auf der Technologie selbst als auf der Frage, was gute juristische Arbeit ausmacht – mit oder ohne KI.

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