Legal Tech Verzeichnis
Ex-Latham-Anwalt startet kostenlose Open Source KI „Mike“ als Herausforderer für Harvey und Legora
Der frühere Latham-&-Watkins-Anwalt Will Chen hat mit „Mike“ eine kostenlose Open-Source-Plattform für juristische KI vorgestellt, die etablierte Anbieter wie Harvey und Legora herausfordern soll.
Kostenlose Alternative zu milliardenschweren Legal KI Anbietern
„Mike“ positioniert sich als vollständig offene Alternative zu kommerziellen Legal KI Plattformen. Die Software bietet Funktionen für Vertragsprüfung, juristische Recherche, Dokumentenanalyse sowie automatisierte Entwurfs- und Bearbeitungsprozesse.
Laut Will Chen sei das Ziel gewesen, eine Lösung zu schaffen, die Kanzleien selbst hosten und mit eigenen KI-Modellen oder API-Schlüsseln betreiben können. Dadurch sollen sensible Mandantendaten nicht zwangsläufig an externe Anbieter übertragen werden müssen.
Chen erklärte im Interview mit Artificial Lawyer, dass sich innerhalb kurzer Zeit Juristen und Kanzleien aus aller Welt gemeldet hätten. Er beschrieb die Resonanz als deutlich größer als erwartet.
Entwicklung innerhalb weniger Wochen
Mehrere Berichte beschreiben „Mike“ als Projekt, das Chen innerhalb von rund zwei Wochen entwickelt habe. Die Plattform gewann innerhalb weniger Tage erhebliche Aufmerksamkeit in der Legal-Tech-Community und sammelte tausende Sterne auf GitHub.
Der Name „Mike“ gilt als Anspielung auf die Figur Mike Ross aus der Anwaltsserie „Suits“. „OSS“ steht für Open Source Software.
Wettbewerb im Markt für juristische KI verschärft sich
Der Start von „Mike“ erfolgt in einer Phase zunehmender Investitionen in juristische KI-Systeme. Anbieter wie Harvey, Legora, und Thomson Reuters bauen ihre Produkte derzeit massiv aus. Gleichzeitig testen Kanzleien weltweit generative KI für Vertragsarbeit, Wissensmanagement und juristische Recherche.
Chen positioniert „Mike“ dabei bewusst als Gegenmodell zu proprietären Plattformen. Gegenüber Legal Cheek sagte er, dass Open Source langfristig helfen könne, den Zugang zu juristischer KI breiter und kostengünstiger zu machen.
Open Source könnte Preisdruck erzeugen
Branchenbeobachter sehen in Projekten wie „Mike“ potenziellen Druck auf die Preisgestaltung etablierter Anbieter. Während große Legal KI Plattformen häufig hohe monatliche Gebühren pro Arbeitsplatz verlangen, steht „Mike“ kostenlos zur Verfügung. Allerdings benötigt es auch Hilfe bei der Installation und regelmäßigen Pflege von IT-Profis, denn Anwälte sind hier in der Regel überfordert.
Nur dann sind auch bei Open Source Lösungen dieselben Standards bei Sicherheit, Compliance und Support gegeben wie kommerzielle Enterprise-Produkte. Gerade internationale Großkanzleien legen weiterhin hohen Wert auf Datenschutz, Haftungssicherheit und professionelle Betreuung.
Diskussion über Risiken juristischer KI hält an
Parallel zur wachsenden Verbreitung juristischer KI hält die Debatte über Fehleranfälligkeit und Haftungsfragen an. Gerichte und Aufsichtsbehörden weisen weiterhin darauf hin, dass KI-generierte Inhalte durch Anwälte überprüft werden müssen.
Auch Chen betont in mehreren Interviews, dass „Mike“ juristische Arbeit unterstützen und nicht ersetzen kann. Die Entwicklung zeigt jedoch, wie schnell sich der Markt für Legal KI verändert und dass Open Source Modelle zunehmend als ernsthafte Alternative zu milliardenschweren Legal Tech Unternehmen wahrgenommen werden.
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Wolters Kluwer bringt sichere digitale Sitzungsverwaltung für Vorstände und Aufsichtsräte nach Deutschland
Wolters Kluwer Legal & Regulatory gibt die Einführung von Legisway Meetings in Deutschland bekannt. Legisway Meetings unterstützt Vorstände, Aufsichtsräte und Sekretariate bei der sicheren und strukturierten Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation von Sitzungen. Die Lösung ist abgestimmt auf die steigenden Anforderungen an Governance, Verantwortung und Compliance in deutschen Organisationen.
Legisway Meetings ist Teil der Legisway Suite, der Legal Management Plattform von Wolters Kluwer für Unternehmensrechtsabteilungen, unterstützt durch Expert AI.
Deutsche Führungsgremien agieren in einem zunehmend komplexen Umfeld. Dieses ist geprägt von verschärfter regulatorischer Aufsicht, gestiegener persönlicher Verantwortung für Entscheidungen sowie wachsenden Anforderungen an Datenschutz, Cybersicherheit und remote beziehungsweise hybride Zusammenarbeit. Unternehmen setzen daher verstärkt auf Automatisierung und digitale Werkzeuge, um papierbasierte Prozesse zu reduzieren, Transparenz zu erhöhen und Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten. Dies wirkt sich positiv auf Effizienz und Kosten aus.
Vor diesem Hintergrund ist die Qualität der Gremienprozesse zu einem zentralen Governance Thema geworden. Legisway Meetings unterstützt Führungsgremien dabei, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Lösung ermöglicht strukturierte, governance kritische Sitzungen und eine klare, nachvollziehbare Entscheidungsdokumentation.
„Führungsgremien in Deutschland stehen zunehmend unter Druck, gut begründete und sorgfältig dokumentierte Entscheidungen nachzuweisen“, sagt Sergio Liscia, Vice President Legal Software bei Wolters Kluwer Legal & Regulatory. „Legisway Meetings unterstützt eine strukturierte Gremienarbeit durch sichere Governance Prozesse und fundierte Entscheidungsfindung.“
Legisway Meetings nutzt die Expert AI Technologie von Wolters Kluwer zur Unterstützung ausgewählter Governance Aufgaben. Dazu zählen unter anderem die Erstellung von Sitzungsprotokollen und gezielten Zusammenfassungen. Verantwortung und Entscheidungshoheit verbleiben vollständig bei Gremium und Sekretariat.
Sicherheit und Datenschutz stehen im Mittelpunkt der Lösung. Legisway Meetings erfüllt unternehmensgerechte Sicherheitsstandards und nutzt europäisches Daten Hosting, das an den Erwartungen des deutschen Marktes ausgerichtet ist.
-> Weitere Informationen finden Sie unter www.wolterskluwer.com/de-de/solutions/legisway-meetings
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Anthropic greift mit „Claude for Legal“ nach dem Kernmarkt der Rechtsberatung
Anthropic hat mit Claude for Legal seinen bislang deutlichsten Vorstoß in den Rechtsmarkt unternommen. Das Angebot verbindet mehr als 20 neue MCP Konnektoren mit zwölf fachbezogenen Plugins für juristische Arbeitsfelder. Damit soll Claude nicht mehr nur ein allgemeiner KI Assistent sein, sondern eine Arbeitsumgebung für Kanzleien, Rechtsabteilungen, Legal Operations Teams und juristische Ausbildungsstätten.
Der Schritt ist strategisch erheblich. Bisher liefen viele juristische KI Anwendungen auf Modellen von großen Anbietern wie Anthropic oder OpenAI. Nun bewegt sich der Modellanbieter selbst in die Anwendungsebene hinein. Claude wird damit nicht nur Infrastruktur, sondern potentiell der Ort, an dem Vertragsprüfung, Recherche, E Discovery, Dokumentenmanagement, Transaktionsarbeit und interne Wissensbestände möglich sind.
Vom Plugin zur juristischen Arbeitsumgebung
Claude for Legal baut auf einem im Februar veröffentlichten Legal Plugin für Claude Cowork auf. Nach Angaben von Anthropic wurden Juristen seitdem zur aktivsten Nutzergruppe unter den Wissensarbeitern in Cowork. Diese Nachfrage dürfte den Ausbau beschleunigt haben.
Neu ist nicht nur der Umfang, sondern die komplette Architektur. MCP Konnektoren bringen Daten aus vorhandenen Systemen in Claude. Practice Area Plugins bündeln wiederkehrende juristische Arbeitsabläufe. Hinzu kommt ein offenes Ökosystem, in dem Kanzleien, Rechtsabteilungen und Anbieter eigene Skills, Playbooks und Arbeitsstandards einbinden können.
Die zwölf Plugins decken unter anderem Commercial Legal, Corporate Legal, Employment Legal, Privacy Legal, Product Legal, Regulatory Legal, AI Governance Legal, IP Legal und Litigation Legal ab. Hinzu kommen Angebote für Studenten der Rechtswissenschaft, Legal Clinics und ein Legal Builder Hub. Jedes Plugin beginnt mit einem Setup-Interview, das Playbooks, Eskalationswege, Risikokalibrierung und Kanzlei oder Unternehmensstil erfassen soll.
Die Claude for Legal Partnerliste
Die neuen Konnektoren reichen tief in die bestehende juristische Softwarelandschaft. Für Vertrags- und Dokumentenarbeit werden unter anderem Definely, DocuSign, Ironclad, iManage und NetDocuments genannt. Für Streitverfahren und eDiscovery kommen Relativity, Everlaw und Consilio hinzu. Im Transaktionsgeschäft bindet Anthropic unter anderem Box und Datasite ein.
Besonders bemerkenswert ist die Integration von Thomson Reuters. CoCounsel Legal ist auf Anthropic Technologie neu aufgebaut worden und kann nun wiederum aus Claude heraus aufgerufen werden. Damit entsteht ein zirkuläres Verhältnis: Das Basismodell trägt die Fachanwendung, während die Fachanwendung ihrerseits als Werkzeug in die Modellumgebung zurückkehrt.
Auch Harvey, Solve Intelligence, Legal Data Hunter, Midpage und Trellis sind Teil des Ökosystems. Legal Data Hunter wird mit einem Bestand von mehr als 31 Millionen Dokumenten aus mehr als 160 Jurisdiktionen beschrieben. Für Patentarbeit nennt Anthropic Solve Intelligence.
Microsoft Office als juristische Oberfläche
Anthropic positioniert Claude dort, wo Juristen ohnehin arbeiten: Word, Outlook, Excel und PowerPoint. Ein Redline in Word soll seinen Kontext in eine Begleitmail in Outlook, eine Closing Checklist in Excel oder eine Board Summary in PowerPoint mitnehmen können.
Das ist für Kanzleien und Rechtsabteilungen von erheblicher Bedeutung. Die KI verlässt damit die isolierte Chat-Oberfläche und rückt in den Dokumentenfluss selbst. In Word soll Claude Entwürfe redigieren, Klauseln mit Playbooks abgleichen, Änderungen nachverfolgen und Begründungen liefern. In Outlook soll Claude Anfragen triagieren, Antwortentwürfe erstellen und Wiedervorlagen anlegen. In Cowork sollen länger laufende Vorgänge wie Vertragsstapel, Produktfreigaben oder regulatorische Lageberichte bearbeitet werden.
Meinungen im Rechtsmarkt
Die große Frage wird lauten, ob Legal Tech Anbieter in Zukunft eigenständige Systeme bleiben oder zu spezialisierten Bausteinen der großen KI-Plattformen werden. Legal IT Insider beschreibt Claude for Legal als Orchestrierungsebene, über die Recherche, Dokumentenmanagement, Vertragsplattformen und spezialisierte KI Produkte aus einer Oberfläche heraus erreichbar werden.
Für etablierte Anbieter ist das ambivalent. Wer integriert wird, erhält Zugang zu einem wachsenden Arbeitskontext. Wer austauschbare Standardfunktionen anbietet, gerät unter Druck. LawSites erinnert daran, dass schon das erste Claude Legal Plugin im Februar die Aktien von RELX, Thomson Reuters und Wolters Kluwer belastet habe. Die jetzige Veröffentlichung sei erheblich breiter und betreffe nahezu jeden Bereich juristischer Software.
Winston Weinberg (CEO Harvey) sieht den Schritt als Bestätigung der eigenen Strategie und betont, man habe seit Jahren damit gerechnet, langfristig mit Modellanbietern zu konkurrieren. Joel Hron (CTO Thomson Reuters) legt den Akzent anders: Entscheidend sei nicht, wo Arbeit beginne, sondern ob das Ergebnis auf autoritativen Quellen beruhe, überprüfbar und verteidigungsfähig sei.
Patrick Prior (Geschäftsführer Legal Tech Verzeichnis) sagt: „Legal Tech Software die lediglich ein Wrapper für große KI Sprachmodelle ist, wird es schwer haben. In der KI Welt ist es schon oft vorgekommen, dass die großen Anbieter Lösungen von KI StartUps einfach übernommen haben und diese dann überflüssig werden liessen. Nach wie vor gilt auf dem deutschen Rechtsmarkt: Content is king. Sind entscheidende Inhalte hinter Paywalls, kommen auch Claude & Co. nicht an diese ran. Hier würden nur Kooperationen mit Verlagen helfen, es sieht aber aktuell nicht danach aus, als ob diese gewünscht sind, da eher auf eigene Systeme oder Kooperationen mit Legal Tech Anbietern gesetzt wird. Noch jedenfalls. Ein weiterer Punkt der Legal Tech Anbieter vor einer Aushebelung durch Claude & Co. schützt, ist der Weg von Palantir: Man muss seine Software so schnell wie möglich so tief wie möglich in die bestehende IT und Datenstruktur von Kanzleien und Rechtsabteilungen verankern, so dass man sich quasi unersetzbar macht.“
Access to Justice – Zugang zum Recht
Anthropic verbindet den kommerziellen Vorstoß mit einer Access to Justice Komponente. Genannt werden Partnerschaften mit Free Law Project, Justice Technology Association und weiteren Organisationen. Courtroom5 soll Menschen unterstützen, die ohne anwaltliche Vertretung vor Zivilgerichten auftreten. BoardWise richtet sich an lizenzierte Berufsangehörige in berufsrechtlichen Verfahren. Qualifizierte Legal Aid Organisationen, Public Defender und gemeinnützige Rechtsdienstleister sollen über Claude for Nonprofits vergünstigten Zugang erhalten.
Das ändert nichts daran, dass Claude for Legal zunächst ein Enterprise Produkt ist. Es zeigt aber, dass Anthropic den Rechtsmarkt nicht nur als Kanzlei und Konzernmarkt adressiert, sondern auch als politisch sensiblen Raum, in dem Effizienzversprechen stets mit Fragen nach Verantwortung, Kontrolle und Zugang verbunden sind.
Fazit
Claude for Legal ist weniger ein einzelnes Produkt als ein Positionswechsel. Anthropic will nicht mehr bloß Modelllieferant für juristische Anwendungen sein. Das Unternehmen will die Schicht kontrollieren, in der juristische Arbeit geplant, ausgeführt, dokumentiert und überprüft wird.
Für Juristen folgt daraus eine nüchterne Konsequenz: Die relevante Frage lautet nicht mehr, ob generative KI im Rechtsmarkt angekommen ist, sondern wer künftig die professionelle Kontrolle über Quellen, Daten, Workflows, Mandatsgeheimnisse und Qualitätsstandards behält.
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Juristisches Urteilsvermögen ist der USP der KI-Ära – Legal Engineers sind diejenigen, die es in Systeme überführen
KI ist im Rechtsbereich angekommen. In Kanzleien, Rechtsabteilungen, bei Legal-Tech-Anbietern – überall wird gebaut, pilotiert, ausgerollt. Und überall stellt sich dieselbe Frage, meist erst dann, wenn es zu spät ist: Wer versteht eigentlich beides gut genug, um das Richtige zu tun?
Die Antwort, die die Branche zunehmend gibt, lautet: Legal Engineers. Aber was damit gemeint ist, bleibt oft unscharf. Zu oft wird die Rolle beschrieben als Hybrid, als Übersetzer, als jemand der zwischen Juristen und Entwicklern vermittelt. Das ist nicht falsch – aber es greift zu kurz. Denn was gerade entsteht, ist keine Schnittmenge zweier bestehender Berufe. Es ist eine eigenständige Disziplin. Mit eigener Methodik, eigenem Qualitätsmaßstab, eigenem Risikobewusstsein.
Dieser Artikel beschreibt, was diese Disziplin ausmacht – und warum die Branche sie gerade jetzt ernst nehmen muss.
Erstens: Destillieren – juristisches Urteilsvermögen in Systeme überführen
Das Besondere an juristischer Arbeit ist nicht das Wissen um Normen, sondern vielmehr das Urteilsvermögen – die Fähigkeit, im Einzelfall zu bewerten, zu gewichten, zu entscheiden. Was ist marktüblich? Was ist vertretbar? Wo beginnt das Risiko, das einen Mandanten wirklich gefährdet – und welche Optionen gibt es, es zu begrenzen, ohne den Deal zu gefährden?
Genau dieses Urteilsvermögen ist der USP, den KI nicht ersetzen kann – aber den sie skalierbar machen kann. Vorausgesetzt, jemand überführt es sorgfältig in Systeme. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ein KI-System, das einen M&A-Kaufvertrag analysiert, muss zwischen deterministischen Kriterien – Tatbestandsvoraussetzungen, die stets vorliegen müssen – und wertender Einzelfallbetrachtung, die auf BGH-Rechtsprechung und Praxiserfahrung beruht, unterscheiden. Es muss wissen, welche Klauseln Marktstandard sind, welche Schutzmechanismen in welcher Branche anerkannt sind, welche Risikostufen operativ verwertbar sind.
Dieses Wissen ist nicht in Gesetzbüchern kodifiziert. Es entsteht durch Ausbildung, in der Praxis und dem tiefen Verständnis dafür, wie eine Practice Group tatsächlich denkt und arbeitet. Wer es nicht besitzt, kann es nicht in ein System überführen. Und wer es nur halb versteht, baut Systeme, die juristisch korrekt klingen – aber im Ernstfall versagen.
Legal Engineers sind diejenigen, die diesen Destillationsprozess leisten. Nicht als Befehlsempfänger, die Anforderungen von A nach B transportieren – sondern als diejenigen, die aktiv entscheiden: Was davon ist systemisch abbildbar? Was muss zwingend menschlich bleiben? Wo brauchen wir Human-in-the-Loop, weil Haftungsrisiken das autonome Handeln des Systems begrenzen?
Zweitens: Filtern – im Datenmeer das Relevante erkennen
KI-Systeme verarbeiten Daten. Aber Daten im juristischen Kontext sind selten sauber. Sie sind veraltet, widersprüchlich, überfrachtet – manchmal bewusst, etwa wenn eine Gegenseite im Vertragsverhandlungsprozess durch schiere Masse verwirrt. Die Fähigkeit, in diesem Rauschen schnell das Wesentliche zu destillieren, ist eine der zentralen Kompetenzen juristischer Arbeit. Und sie wird in einer KI-gestützten Welt noch kritischer.
Denn ein System, das auf veralteten oder falschen Daten trainiert wurde, liefert veraltete oder falsche Ergebnisse – formuliert mit einer sprachlichen Überzeugungskraft, die Fehler unsichtbar macht, und skaliert sie still in nachgelagerte Prozesse und künftige Fälle weiter. Legal Engineers müssen deshalb nicht nur verstehen, wie ein System gebaut wird. Sie müssen verstehen, mit welchen Daten es gefüttert wird, welche davon wann aussortiert werden müssen, und wie man Guardrails setzt, die False Negatives – also übersehene Risiken – auf ein haftungsrechtlich vertretbares Minimum reduzieren.
Das ist keine technische Frage allein. Es ist eine juristische Designentscheidung. Und sie sollte getroffen werden, bevor das System in Betrieb geht – nicht als nachträgliche Qualitätskontrolle.
Drittens: Vermitteln – Innovation trägt nur, wenn Menschen sie tragen
Das beste System nützt nichts, wenn die Menschen, die es nutzen sollen, es nicht verstehen, ihm nicht vertrauen oder es nicht wollen. Die Legal Market Economics-Studie des Bucerius Legal Innovation Hub (März 2026) zeigt: 65 % der Befragten aus Kanzleien und Rechtsabteilungen sehen fehlende Technologiekompetenz als zentrale Hürde – und Change Management wird zur eigentlichen Baustelle, je größer die Organisation. Legal-Tech-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass Adoption als Trainings- und Kommunikationsaufgabe systematisch unterschätzt wird.
Was hier zählt, ist die Fähigkeit, juristisch zu denken und gleichzeitig in der Sprache der Praxis zu erklären, was ein System tut – und was nicht. Wenn ein KI-System eine Haftungsklausel als „marktüblich“ bewertet, ohne dass das zugrunde liegende Modell jemals mit aktueller M&A-Transaktionspraxis aus der relevanten Branche gefüttert wurde – wer trägt die Verantwortung, wenn diese Einschätzung falsch ist? Wenn ein System eine Risikoeinstufung liefert, die sprachlich überzeugend klingt, aber keine nachvollziehbare Grundlage hat, ist das Problem nicht der Output. Es entscheidet sich schon in der Prompterstellung, worauf das System seine Einschätzung stützen wird. Genau das ist die Aufgabe des Legal Engineers: Fehler vorhersehen und verhindern, bevor sie unbemerkt in Entscheidungen einfließen.
Innovation ist nur so stark und so präsent wie die Offenheit der Menschen, die sie in eine Organisation hineintragen. Legal Engineers schaffen diese Offenheit durch Klarheit und die Fähigkeit, Komplexität so herunterzubrechen, dass sie handlungsfähig macht statt lähmt.
Viertens: Verantworten – Compliance und Risiko als Designprinzip
KI ist überall. Das ist keine Übertreibung mehr – es ist der Befund, mit dem juristische Teams heute täglich konfrontiert sind. Und mit dieser Allgegenwart kommen Fragen, die bisher selten explizit gestellt wurden: Welche Risiken birgt der Einsatz dieser Technologie? Welche Haftungsszenarien entstehen, wenn ein KI-System eine falsche Einschätzung liefert, die ein Anwalt ungeprüft übernimmt? Welche regulatorischen Anforderungen gelten – und wer stellt sicher, dass sie eingehalten werden?
Juristische Arbeit hat immer mit Sprache, Regeln und Logik zu tun. Genau deshalb ist sie besonders anfällig für die spezifischen Schwächen generativer KI: Halluzinationen, Kontextverlust, scheinbar plausible, aber inhaltlich falsche Ausgaben. Wer verlässliche Ergebnisse liefern will – und muss, denn juristische Arbeit ist Haftungsarbeit – braucht Prozesse, die standhalten. Nicht als Bremse, sondern als Fundament.
Dass 47 % der Befragten in der Legal Market Economics-Studie des Bucerius Legal Innovation Hub (März 2026) Compliance-Anforderungen als zentrale Hürde beim KI-Einsatz nennen, liegt primär daran, dass im Rechtsbereich Trial-and-Error strukturell nicht tolerierbar ist und ein Risikobewusstsein von Anfang an mitgedacht und verankert werden muss und nicht erst über eine nachgelagerte Prüfung erfolgen darf.
Legal Engineers sind diejenigen, die Compliance nicht als nachgelagerte Prüfung verstehen, sondern als Designprinzip. Die die richtigen Weichen stellen, bevor ein System ausgerollt wird. Die wissen, wo ein Prozess zwingend menschliche Kontrolle braucht – und wo er sie nicht braucht, weil das System sauber gebaut und sauber begrenzt wurde.
Eine Disziplin entsteht – und sie wird gebraucht
Legal Engineering existiert heute in vielen Varianten. Bei Technologieanbietern, die juristische Produkte bauen. In Kanzleien, die ihre eigene Digitalisierung vorantreiben und Mandanten dabei begleiten. In Legal Departments, die KI nicht nur einsetzen, sondern zunehmend als Governance-Instanz für den unternehmensweiten Einsatz autonomer Systeme fungieren. Die Bandbreite ist groß – aber der Kern ist überall derselbe: destillieren, filtern, vermitteln, verantworten.
Was fehlt, ist die institutionelle Anerkennung dieser Disziplin. Ausbildungswege sind nicht etabliert, Karrierepfade oft unklar, Vergütungsmodelle noch nicht auf die Doppelqualifikation ausgerichtet, die diese Rolle wirklich erfordert. Das sind keine Kleinigkeiten – es sind strukturelle Signale dafür, dass die Branche noch nicht verstanden hat, was hier gerade entsteht.
Dabei ist die Dringlichkeit real. Je autonomer KI-Systeme werden, desto mehr kommt es darauf an, dass die Menschen, die sie konzipieren und verantworten, das juristische Urteilsvermögen wirklich besitzen – nicht als Zusatzqualifikation, sondern als Kern ihrer Arbeit.
Wer heute die Systemprompts, Workflows und Guardrails für den eigenen Einsatz von Legal-AI-Tools entwickelt, entscheidet darüber, ob diese Tools echten juristischen Mehrwert liefern – oder juristische Arbeit mit neuen Risiken belasten, ohne sie wirklich zu entlasten. Die Einführung neuer Tools und Prozesse kostet Zeit, Energie und Überzeugungsarbeit. Das lohnt sich nur, wenn es strategisch, ganzheitlich und kollaborativ angegangen wird. Wer das gut macht, schreibt die Standards von morgen.
Juristisches Urteilsvermögen ist der USP der KI-Ära. Aber es sitzt in Köpfen – nicht in Systemen. Es muss aktiv herausgearbeitet, neu eingebettet und vermittelt werden – in Prozesse und Teams, die den Anforderungen einer KI-gestützten Rechtspraxis wirklich gewachsen sind. Die Mandanten fragen längst nicht mehr, ob ihre Kanzlei KI einsetzt, sondern ob sie es richtig macht.
Autorin: Claudia Jandek ist Volljuristin und beschäftigt sich seit 2022 ganzheitlich mit dem Einsatz von KI im Rechtsmarkt – von der Tool-Evaluation und Use-Case-Entwicklung über Prompt Engineering bis zur Vermittlung juristischer KI-Kompetenz.
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Neue Berufsbilder an der Schnittstelle von Jura und Technologie
Unternehmen investieren verstärkt in Legal Tech, generative KI-Modelle halten Einzug in den juristischen Arbeitsalltag, und der regulatorische Rahmen erhöht den Bedarf an Fachleuten, die technische Entwicklungen rechtlich einordnen und verantwortungsvoll steuern können. Neben klassischen Juristinnen- und Juristenstellen entstehen somit neue spezialisierte Rollen.
Legal Engineer und Legal Tech Engineer
Als Legal Engineer bezeichnet man Fachleute, die juristische Anforderungen in technische Lösungen übersetzen. Zu den typischen Tätigkeitsfeldern gehören die Konzeption und Implementierung von Contract-Lifecycle-Management-Systemen, die Automatisierung dokumentenbasierter Prozesse, die Konfiguration von No-Code- und Low-Code-Werkzeugen sowie die Evaluation und das Training von KI-Modellen für juristische Anwendungen. Eine Anwaltszulassung ist für diese Rolle nicht erforderlich, wohl aber ein belastbares Verständnis juristischer Logiken, Vertragsstrukturen und Compliance-Anforderungen.
Der Begriff Legal Tech Engineer wird häufig synonym verwendet, betont jedoch stärker den technischen Umsetzungsaspekt. Typische Qualifikationsanforderungen umfassen unter anderem ein Verständnis für API-Schnittstellen und Erfahrung mit Low-Code-Plattformen wie zum Beispiel Microsoft Power Automate oder Zapier.
Legal Operations Manager und Legal Technologist
Der Legal Operations Manager ist eine Rolle, die aus dem US-amerikanischen Rechtsmarkt in den deutschsprachigen Raum übertragen wurde. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Steuerung und Optimierung des operativen Betriebs einer Rechtsabteilung. Dazu gehören die Auswahl und Verwaltung von Legal Tech Lösungen, das Controlling externer Rechtskosten, die Einführung von KPI-Systemen für juristische Leistungen sowie das Projektmanagement bei Digitalisierungsvorhaben. In Großunternehmen ist die Position häufig direkt dem General Counsel unterstellt und arbeitet eng mit IT- und Finanzabteilung zusammen.
Davon zu unterscheiden ist der Legal Technologist, dessen Rolle stärker auf die Einführung und Begleitung konkreter Softwarelösungen ausgerichtet ist. Legal Technologists evaluieren neue Tools, koordinieren Rollouts, schulen Nutzerinnen und Nutzer und pflegen den technischen Tool-Stack einer Rechtsabteilung. Das Profil ist besonders in mittelgroßen Rechtsabteilungen gefragt, die ihren Digitalisierungsgrad erhöhen wollen, ohne eigene Softwareentwicklung zu betreiben.
KI Spezialist und Legal AI Engineer
Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI-Modelle hat sich eine weitere Spezialisierungsrichtung herausgebildet. Legal AI Spezialistinnen und -Spezialisten verantworten den Aufbau und die Pflege KI-gestützter juristischer Workflows, die Entwicklung von Prompting-Strategien für Anwendungsfälle wie Vertragsanalyse oder Due Diligence, die systematische Evaluation von Modelloutputs sowie die Erstellung von Governance-Dokumentation.
Der EU AI Act macht diese Funktion in vielen Organisationen zur regulatorischen Notwendigkeit. Für Systeme, die juristische Entscheidungen vorbereiten oder unterstützen, gelten verbindliche Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht. Legal AI Spezialistinnen und -Spezialisten stellen sicher, dass KI-gestützte Prozesse diesen Anforderungen entsprechen, und fungieren als Schnittstelle zwischen technischer Umsetzung, rechtlicher Bewertung und Compliance.
Legal Engineering als externe Leistung
Nicht jede Organisation verfügt über die Kapazität, spezialisierte Legal Engineering Stellen dauerhaft zu besetzen. Für diesen Bedarf hat sich das Modell des Legal Engineering on Demand etabliert. Es beschreibt die projektbasierte Bereitstellung von Legal Engineering-Expertise durch externe Dienstleister. Diese stellen Kanzleien und Rechtsabteilungen auf Projektbasis Legal Engineers zur Verfügung, die einen konkreten Automatisierungsbedarf analysieren, eine Lösung konzipieren, implementieren und schließlich an das interne Team übergeben.
Das Modell folgt dem etablierten Muster spezialisierter IT-Beratung und überträgt es auf den juristischen Bereich. Für mittlere und kleinere Organisationen, die Digitalisierungsbedarf haben, aber keine dauerhafte Fachstelle einrichten wollen, bietet es einen niedrigschwelligen Einstieg in Legal Engineering.
In welchen Unternehmen diese Rollen vorkommen
Die Nachfrage nach den beschriebenen Profilen konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Organisationstypen. Große Wirtschaftskanzleien haben eigene Legal Engineering Teams aufgebaut, um mandatsbezogene Automatisierungen abzuwickeln und Legal Tech Produkte für Mandanten zu entwickeln. Konzerne und international tätige Mittelständler besetzen Legal Operations- und Legal Technologist-Stellen in ihren Inhouse-Rechtsabteilungen. Legal Tech Softwareanbieter schließlich beschäftigen Legal Engineers in der Produktentwicklung, um sicherzustellen, dass ihre Lösungen juristische Anforderungen korrekt abbilden.
Wie man den Einstieg in diese Berufsfelder findet
Spezialisierte Studiengänge und Weiterbildungsformate reagieren auf diesen Bedarf, schließen die Lücke jedoch bislang nur teilweise. Viele finden den Berufseinstieg als Quereinsteiger mit juristischem oder technischem Ausbildungshintergrund. Wichtig sind vor allem eine Affinität für Technologien, ein Verständnis für effiziente Prozesse, Projektmanagement-Skills und eine Aufgeschlossenheit für innovative und disruptive Ideen.
Wer den Einstieg in diese oder ähnliche Berufe finden möchte, kann sich zunächst gezielt mit aktuellen Stellenausschreibungen auseinandersetzen. Häufig fokussieren diese auf Soft Skills, die sich in unterschiedlichen Kontexten aneignen lassen. Nur selten wird erwartet, dass Bewerberinnen und Bewerber programmieren können. Auch die möglicherweise noch unbekannten, technischeren Aspekte sollten Interessierte nicht von einer Bewerbung abschrecken. In einigen Unternehmen werden sie in der Onboarding-Phase vermittelt. In viele Themenbereiche können sich Interessierte zudem eigenständig einarbeiten.
Viele dieser neuen Berufsbilder sind noch im Entstehen. Darin liegt eine Chance. Perfekte Lebensläufe und lückenlose Anforderungs-Checks gibt es hier selten. Viel wichtiger als jede einzelne Qualifikation ist die Bereitschaft, dazuzulernen, Verantwortung zu übernehmen und sich in unbekannte Themen vorzutasten. Wer wartet, bis er jedes Stichwort einer Stellenanzeige abhaken kann, verpasst oft den richtigen Moment. Wer sich grundsätzlich für Technologie begeistert, juristische Zusammenhänge versteht und Lust auf Veränderung hat, bringt bereits eine starke Basis mit. Den Rest lernt man Schritt für Schritt im Alltag. Statt also lange zu zögern, kann der entscheidende Unterschied darin liegen, es einfach auszuprobieren.
Autorin Noha Klose ist Legal Engineer bei der KREMER LEGAL TECH & OPERATIONS GmbH (KLTO). KLTO unterstützt Rechts-, Compliance- und Datenschutzabteilungen sowie Kanzleien dabei, juristische Prozesse durch den gezielten Einsatz von Technologie effizienter und zukunftssicher zu gestalten. Noha Klose ist zudem Head of People im Legal Tech Lab Cologne.
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Das neue Online-Verfahren in Japan und Deutschland
Die deutsche und die japanische Rechtstradition sind eng miteinander verbunden, insbesondere durch die starke Rezeption des deutschen Rechts im Japan der Meiji-Zeit. Japanische Gesetze orientierten sich maßgeblich an deutschen Vorbildern, was bis heute zu strukturellen Ähnlichkeiten führt. Aktuell gibt es in Japan und Deutschland ähnliche Digitalisierungsinitiativen im Zivilprozess – nahezu zeitgleich wird ein Online-Verfahren eingeführt, das im Details jedoch Unterschiede aufweist.
Zivilgerichtliches Online-Verfahren (ZOV) in Deutschland
Das neue zivilgerichtliche Online-Verfahren (§§ 1121 ff. ZPO) basiert wesentlich auf der Nutzung sogenannter digitaler Eingabesysteme. Als technische Weiterentwicklung „klassischer“ Formulare zeichnen sich digitale Eingabesysteme durch dynamische, interaktive, modulare und iterativ anpassbare Masken aus. In diesen Systemen können komplexe Logiken eingebaut werden. Klagen, Anträge und sonstige Prozesserklärungen können strukturiert elektronisch erstellt und bei Gericht eingereicht werden.
Die digitalen Eingabesysteme werden bundeseinheitlich bereitgestellt; zugleich können die Länder eigene Systeme entwickeln, sofern sie kompatibel sind. Insbesondere zielt das Verfahren darauf ab, standardisierbare Massenverfahren effizienter, barrierefrei und vollständig digital abzuwickeln. Das Online-Verfahren ist bereits an den Amtsgerichten Mannheim und Nürtingen, Nürnberg, Schöneberg, Bremen, Hamburg (Mitte), Frankfurt am Main und Leipzig pilotiert.
Zugleich wurde mit dem Gesetz zur Entwicklung und Erprobung eines Online-Verfahrens in der Zivilgerichtsbarkeit der rechtliche Rahmen geschaffen, um Prozesse über eine Kommunikationsplattform zu führen. Eine solche Plattform befindet sich derzeit in der Entwicklung.
Quelle: https://service.justiz.de/geld-einklagen/formular/gericht-pruefen/klagende-person/vertrag
Die Online-Plattform MINTS in Japan
Das neue japanische Online-Zivilverfahren „MINTS“ (Minji Saiban IT System) verfolgt einen ähnlichen Digitalisierungsansatz, weist jedoch einige verfahrensspezifische Besonderheiten auf. „MINTS“ ermöglicht die elektronische Einreichung von Klagen und Schriftsätzen sowie die digitale Kommunikation zwischen Gericht und Verfahrensbeteiligten über eine zentrale Plattform, die eng in die gerichtlichen Arbeitsabläufe integriert ist. Ziel ist es, den gesamten Zivilprozess – von der Klageerhebung bis zum Urteil – online abzuwickeln. Dabei wird besonderer Wert auf Benutzerfreundlichkeit und eine schrittweise Einführung digitaler Elemente gelegt, etwa durch die Kombination von synchronen und asynchronen Kommunikationsformen.
Im Unterschied zum stärker formalisierten deutschen Ansatz sind die Eingabesysteme im japanischen Verfahren weniger strikt strukturiert. Dies erlaubt eine flexiblere Handhabung, stellt aber zugleich höhere Anforderungen an die individuelle Verfahrensgestaltung. Insgesamt dient auch MINTS der Beschleunigung und Effizienzsteigerung zivilgerichtlicher Verfahren.
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=yuylKel6BnY (dort finden sich aktuell zwölf Erklärvideos zu MINTS)
Autor: Dr. Christian Schlicht, Richter am Landgericht
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Die Illusion der Legal KI: Warum das Modell oft gar nicht der Unterschied ist
Legal KI erlebt einen beispiellosen Hype: Milliardenbewertungen, aggressive Preisstrukturen und ein Markt, der sich schneller entwickelt als viele ihn verstehen. Doch hinter der Dynamik steht eine unbequeme Frage: Wofür zahlen Kanzleien und Rechtsabteilungen eigentlich mehrere hundert Euro pro Nutzer und Monat?
Erst kürzlich hat der Legal KI Anbieter Legora eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen US Dollar verkündet und damit eine Bewertung von über 5 Milliarden erreicht. Der amerikanische Konkurrent Harvey liegt bereits bei rund 11 Milliarden. Entsprechend groß ist in vielen Kanzleien die Sorge, den Anschluss zu verpassen, und entsprechend weitreichend sind die Investitionsentscheidungen, die unter Unsicherheit getroffen werden. Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zwischen den Lösungen in der praktischen Anwendung oft überraschend schwer greifbar.
Die Antwort liegt dabei oft dort, wo viele nicht hinschauen: weniger im Modell selbst, sondern darin, wie diese Systeme in konkrete juristische Arbeitsprozesse eingebettet werden, und ob überhaupt klar ist, welches Problem sie lösen sollen.
Der Unterschied liegt selten im Modell
Spezialisierte Legal KI Lösungen kosten oft mehrere hundert Euro pro Nutzer und Monat. Die meisten Anbieter, darunter Harvey, Legora oder Libra, entwickeln jedoch keine eigenen KI-Modelle, sondern bauen auf sogenannten Foundation Models auf, also vortrainierten Basismodellen wie ChatGPT oder Claude. Der direkte Zugang zu diesen Modellen beginnt dagegen bei deutlich niedrigeren monatlichen Kosten.
Viele Juristen werden an dieser Stelle einwenden, dass ChatGPT, Claude und vergleichbare Modelle weder DSGVO-konform noch berufsrechtlich zulässig sind. Doch auch dafür gibt es Lösungen: Anbieter wie Logicc oder Langdock stellen diese Modelle in einer sicheren, unternehmensgeeigneten Infrastruktur bereit, und das zu einem Bruchteil der Kosten spezialisierter Lösungen.
Der Preisunterschied lässt sich daher nicht allein mit dem Modell erklären. Wenn spezialisierte Legal KI Mehrwert schafft, dann entsteht dieser vor allem oberhalb des Modells: in der Art, wie Kontext aufbereitet, Datenquellen angebunden und Ergebnisse in juristische Arbeitsabläufe übersetzt werden.
Der Denkfehler: Tools statt Probleme
In vielen Organisationen beginnt die Auseinandersetzung mit KI mit der Frage, welches Tool eingeführt werden sollte. Die entscheidendere Frage wird seltener gestellt: Welche Probleme sollen überhaupt gelöst werden? Ohne diese Vorarbeit wird jede Tool-Entscheidung letztlich zu einer teuren Wette. Dabei wird übersehen, dass es nicht die eine beste Lösung gibt, sondern dass ihr Wert vom jeweiligen Einsatz abhängt.
Drei Arten von Lösungen
Der Markt lässt sich vereinfacht in drei Kategorien einteilen, die jeweils eine klare Nischenführerschaft beanspruchen. Erstens: Analyse-Plattformen wie Legora oder Harvey. Ihre Stärke liegt in der strukturierten Auswertung großer Datenmengen, insbesondere in komplexen Mandaten. Zwar bieten sie auch zahlreiche weitere Funktionen, etwa die Prüfung von Verträgen anhand von Playbooks – diese sind jedoch nicht das, was sie vom Markt abhebt. Zweitens: Recherche-Plattformen wie Noxtua oder Libra, die durch den Zugriff auf kuratierte juristische Inhalte der Verlage C.H. Beck oder Dr. Otto Schmidt bei der Recherche und juristischen Einordnung die Nase vorn haben. Drittens: Basis-Modelle wie ChatGPT oder Claude, die über Plattformen wie Logicc oder Langdock in einer sicheren Umgebung nutzbar gemacht werden und bei Kosten und Flexibilität kaum zu schlagen sind.
Wer regelmäßig große Datenräume in M&A-Transaktionen auswertet oder umfangreiche Ermittlungsakten strukturieren muss, kommt an Plattformen wie Legora oder Harvey kaum vorbei. Wer hingegen vor allem juristische Recherche betreibt, profitiert eher von Lösungen wie Noxtua oder Libra. Und für standardisierte Aufgaben wie das Zusammenfassen von Dokumenten, die sprachliche Überarbeitung eines Schriftsatzes oder die Mandantenkommunikation reichen ChatGPT oder Claude oft bereits aus. In der Praxis kommt häufig eine Kombination dieser Lösungen zum Einsatz.
Wo der Mehrwert wirklich entsteht
Entscheidend ist nicht nur, welches Modell genutzt wird, sondern wie es in juristische Arbeit übersetzt wird. Leistungsfähige Systeme zerlegen Inhalte, ordnen sie rechtlich relevanten Fragestellungen zu und führen die Ergebnisse strukturiert zusammen.
Ein 200-seitiger Unternehmenskaufvertrag wird etwa nicht als Ganzes analysiert, sondern in einzelne Klauseln aufgeteilt, gezielt auf Risiken oder Abweichungen geprüft und anschließend in einer Übersicht verdichtet. Dabei können relevante Informationen aus internen Dokumenten oder externen Datenbanken eingebunden werden, statt sich allein auf das allgemeine Wissen des Modells zu verlassen. Wenn Analyse, Recherche oder Textüberarbeitung zudem direkt in Word oder Outlook stattfinden, sinkt die Hürde für die tägliche Nutzung erheblich. Nicht das Modell allein macht den Unterschied, sondern die Systemarchitektur, die es für juristische Arbeit nutzbar macht.
Warum der Vorsprung schrumpft
Der Vorteil spezialisierter Legal KI liegt heute vor allem in der Anwendungsschicht: in der Aufbereitung von Kontext, der Strukturierung juristischer Inhalte und der Einbettung in bestehende Workflows. Genau dieser Vorsprung ist jedoch nicht statisch.
Mit der rasanten Weiterentwicklung der Foundation Models verschiebt sich die Grenze dessen, was ohne spezialisierte Anwendungsschicht möglich ist. Größere Kontextfenster und bessere Reasoning-Fähigkeiten erlauben es zunehmend, komplexe Dokumente direkt zu verarbeiten. Gleichzeitig verlieren Integrationen an Exklusivität: Funktionen wie die Einbindung in Word oder Outlook werden mit Lösungen wie Microsoft Copilot oder neuen Add-ins von Claude zunehmend zum Standard.
Braucht es überhaupt Legal KI?
Für sehr datenintensive Anwendungen oder spezialisierte Recherchen bleibt Legal KI relevant. Für die allermeisten alltäglichen Aufgaben reicht jedoch ein Foundation Model wie ChatGPT oder Claude, sofern es in einer berufsrechtskonformen Umgebung genutzt wird.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, welches Tool eingesetzt wird. Sondern ob die zugrunde liegenden Prozesse überhaupt verstanden und klar definiert sind. Denn nur wer weiß, welches Problem er löst, kann beurteilen, ob eine spezialisierte Lösung ihren Preis tatsächlich rechtfertigt.
Wer seine Prozesse nicht versteht, zahlt für einen Ferrari – und fährt ihn am Ende nur im ersten Gang.
Autor: Florian Weiser ist Partner der Technologieberatung KlareProzesse, mit der er gemeinsam mit seinem Team mehr als 60 Kanzleien und Rechtsabteilungen begleitet. Als Informatiker arbeitet er an der Schnittstelle von Technologie und juristischer Praxis und befasst sich mit der Frage, wie sich Künstliche Intelligenz sinnvoll in bestehende Arbeitsprozesse integrieren lässt.
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Diese Faktoren lassen Kanzleien erfolgreich wirtschaften
Der STAR-Bericht 2025 der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) zeichnet ein aktuelles Bild der Wirtschaftlichkeit deutscher Rechtsanwaltskanzleien. Die Zusammenhänge zwischen Kanzleigröße, Umsatz, Kostenstruktur und Mandatsaufkommen zeigen, welche fünf Faktoren die Wirtschaftlichkeit einer Kanzlei am meisten beeinflussen.
1. Kanzleistruktur: Einzelkanzleien dominieren Einzelkanzleien sind weiterhin das Rückgrat des Marktes. Gleichzeitig gilt, dass mit der Größe einer Kanzlei der Umsatz deutlich steigt. Kurz gesagt: Mehr Berufsträger bedeuten mehr Erlöse, sodass große Einheiten wirtschaftlich klar im Vorteil sind.
2. Kostenstruktur: Personal treibt die KostenIn den Kanzleien liegt der Personalkostenanteil bei rund 52 Prozent des Umsatzes. Einzelkanzleien tragen in Relation gesehen höhere Sachkosten. Insgesamt ist die Kostenstruktur stabil, auch wenn das Personal den größten Anteil ausmacht.
3. Mandate: Wachstum durch Größe und Erfahrung Ältere Kanzleien bearbeiten im Schnitt deutlich mehr Mandate (544 vs. 217) als jüngere. Die Größe und Dauer der Marktpräsenz zahlen direkt auf das Mandatsvolumen ein.
4. Standort: Mehr Umsatz, nicht automatisch mehr Gewinn Kanzleien in Großstädten erwirtschaften höhere Umsätze, haben aber auch höhere Kosten. Da jedoch nicht der Umsatz allein entscheidend ist, sondern der Überschuss, können auch ländliche Standorte hier mithalten.
5. Rechtsgebiete: Klare wirtschaftliche Unterschiede Wirtschaftsnahe Rechtsgebiete generieren mehr Mandate und höhere Erträge; das Handels- und Gesellschaftsrecht ist besonders profitabel – das Sozialrecht fällt dahinter zurück. Folglich sind das Mandatsvolumen und die Rentabilität ungleich verteilt.
FazitDer STAR-Bericht 2025 zeigt, dass Einzelkanzleien zahlenmäßig dominieren, der Umsatz mit der Kanzleigröße und Mitarbeiterzahl steigt und Personalkosten der zentrale Kostenfaktor sind. Zudem wächst das Mandatsaufkommen mit dem Alter und der Größe einer Kanzlei und zwischen den verschiedenen Rechtsgebieten bestehen messbare Unterschiede beim Mandatsvolumen und der Rentabilität.
Mehr dazu unter > STAR 2025 im Überblick: Welche Faktoren Kanzleien wirtschaftlich erfolgreich machen
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Das Legal Tech Verzeichnis Magazin 01/26 „Die moderne Kanzlei“
Die Ausgabe 01/2026 des Legal Tech Verzeichnis Magazins hat den Schwerpunkt „Die moderne Kanzlei“ mit Fachartikeln von Stephanie Beyrich (Rechtsanwältin), Daina Böther-Schultze (McDermott Will & Schulte), Conrad Pollack (Actaport), Tobias Voßberg (Fachanwalt), Mark Schneider (Beck-Noxtua), Dr. Franka Becker (PyleHound), Sven Hallwirth (S-Management Services), Annika Niemann (JUN Legal), Florian Riedel (Septeo, ex. stp.one), Allan Böhner (Rechtsanwalt), Björn Frommer (JUNE), Astrid Kohlmeier (AK Legal Design), Dr. Florian Skupin (Bucerius Law School), Robin Schmeisser (Fabasoft Contracts), Schweitzer Zukunftsforum, Larissa Schmitz, Patrick Wenzek (Regulint), Anna-Janina Stöhr (Digital Justice Summit) und Martin Kurtz von MaraDocs im Legal Tech Steckbrief.
Mit einem Vorwort vom ehem. Bundesjustizminister Dr. Marco Buschmann und Christian M. Theissen (White & Case).
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8. Schweitzer Zukunftsforum – Legal Tech
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in Kanzleien spürbar: Sie automatisiert Routineaufgaben, unterstützt bei Recherche und Dokumentenerstellung und schafft Freiräume für hochwertige Beratung. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Welche Lösungen sind wirklich praxistauglich – und wie gelingt ihr sicherer Einsatz? Antworten liefert das 8. Schweitzer Zukunftsforum Legal Tech am 16. und 17. Juni 2026.
Ihre Vorteile auf einen Blick:
- Klarer Überblick über den aktuellen Stand von KI in der Branche
- Praxiserprobte Tools und Workflows für den direkten Einsatz
- Best Practices für den effektiven und sicheren Umgang mit generativer KI
- Mehr Effizienz durch Automatisierung – mehr Zeit für Beratung
- Einblick in zukünftige Entwicklungen und strategische Chancen
Wer KI richtig einsetzt, steigert nicht nur Effizienz, sondern auch die Qualität der Beratung. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen.
Melden Sie sich jetzt an: Schweitzer Zukunftsforum – Legal Tech
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ZDF WISO Beitrag: Werden Anwälte bald durch KI ersetzt?
Ein aktueller Beitrag des ZDF WISO Magazins mit dem Titel „Trübe Aussichten für Anwälte – werden sie bald von der KI ersetzt?“ zeigt, wie künstliche Intelligenz die Arbeit von Anwältinnen und Anwälten verändern könnte. Im Mittelpunkt stehen zwei Juristen: Flora aus der Mietrechtsberatung und Ali aus dem Baurecht. Beide lassen ihren Berufsalltag von einer KI analysieren und bekommen eine Einschätzung dazu, welche Teile ihrer Arbeit künftig von KI übernommen werden könnten.
Werden Anwälte bald durch KI ersetzt?
Laut WISO wird nicht der ganze Beruf des Anwalts ersetzt, aber viele Standardaufgaben könnten stark automatisiert werden. Dazu zählen vor allem Schreiben, Recherchieren, Sortieren von Informationen, Entwürfe von Schriftsätzen und einfache rechtliche Einordnungen. Gerade in Bereichen mit vielen wiederkehrenden Fällen kann KI viel Zeit sparen.
Gleichzeitig macht der Beitrag aber auch deutlich, dass KI klare Grenzen hat. Sie kann Fehler machen, Urteile halluzinieren, veraltete Informationen verwenden oder falsche Quellen nennen. Deshalb bleibt juristische Verantwortung beim Menschen. Vor allem bei komplexen Fällen, Gesprächen mit Mandanten, Verhandlungen, Gerichtsterminen oder schwierigen Einzelfallentscheidungen bleibt der Anwalt unverzichtbar.
Als praktische Lösung zeigt der Beitrag, dass Anwälte KI nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug nutzen sollten. Genannt werden zum Beispiel Vorlagen, digitale Fragebögen, Unterstützung bei Standardtexten und interne Systeme, die mit eigenen Mustern arbeiten. Wichtig ist dabei, klein anzufangen, echte Anwendungsfälle zu testen und auf Datenschutz sowie Kontrolle zu achten.
Fazit
Aus dem WISO Beitrag lässt sich ableiten, dass Anwälte künftig stärker mit KI arbeiten müssen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Wer KI sinnvoll einsetzt, kann Routinearbeit beschleunigen und mehr Zeit für Beratung, Strategie und schwierige Fälle gewinnen. Wer sie gar nicht nutzt, könnte auf Dauer langsamer und teurer wirken. Der Beitrag kommt aber nicht zu dem Ergebnis, dass Anwälte überflüssig werden. Vielmehr zeigt es, dass sich ihr Beruf verändern wird: weg von mehr Standardarbeit, hin zu mehr Prüfung, Verantwortung, Taktik und menschlicher Beratung. Die Zeit wird zeigen, inwieweit WISO hier Recht behält.
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Leegle erweitert Advisory Board und gewinnt Ex-Minister Christian Lindner als Investor
Das Münchner Legaltech Unternehmen Leegle erweitert sein Advisory Board um Christian Lindner. Parallel beteiligt sich Lindner als Investor an einer Pre Seed Finanzierungsrunde im sechsstelligen Bereich. Die genaue Höhe des Investments wurde nicht veröffentlicht. Neben Lindner gehören auch Peter Mertens und Leon Szeli dem Beratungsgremium an. Auch der CDTM Venture Fund ist investiert.
Ex-Finanzminister Lindner soll das Gründerteam künftig insbesondere bei Strategie, Geschäftsentwicklung und Vertrieb unterstützen. Seine Rolle geht damit über ein rein finanzielles Engagement hinaus. Gründerin Anne Greul betont den operativen Mehrwert seiner Beratung. Lindner selbst begründet sein Engagement mit der wachsenden regulatorischen Komplexität für Unternehmen und erklärt: „Unternehmen brauchen dringend bessere Tools, um mit der Komplexität umzugehen.“
Fokus auf regulatorische Risiken und operative Umsetzung
Leegle entwickelt eine KI basierte Plattform für Regulatory Compliance. Die Lösung analysiert nach Unternehmensangaben rund 200.000 Regularien, aktualisiert diese täglich und verknüpft regulatorische Anforderungen automatisiert mit konkreten Produktmerkmalen. Unternehmen können so bestehende Compliance Risiken bewerten, neue gesetzliche Anforderungen überwachen und länderspezifische Vorgaben bei Marktexpansion frühzeitig identifizieren.
Adressiert werden insbesondere Unternehmen mit komplexen Produktportfolios und hoher regulatorischer Exponierung. Zu den bereits genannten Kunden zählen Obi, Sennheiser und WMF. Das Geschäftsmodell basiert auf wiederkehrenden Lizenzumsätzen über ein Abonnementmodell, ergänzt um optionale Erweiterungsmodule.
Vom Web3 Pivot zum Compliance Anbieter
Das Unternehmen entstand 2024 aus einem strategischen Neustart des früheren Web3 Projekts Moonblock. Die Gründer Anne Greul, Patrick Tu und Sebastian Wagner hatten zuvor eine Plattform für NFT Kampagnen entwickelt und nach veränderten Marktbedingungen das Geschäftsmodell auf KI gestützte Compliance Lösungen ausgerichtet. Diese Transformation bildet heute die Basis für die Positionierung von Leegle im wachsenden Markt für regulatorische Technologie.
Signalwirkung für Governance und Wachstum
Mit Lindners Einstieg verbindet Leegle nicht nur Kapital, sondern zusätzliche Glaubwürdigkeit in Governance Fragen und strategische Unterstützung für weiteres Wachstum. Das Unternehmen positioniert sich damit stärker an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Regulierung und Enterprise Software.
Für Lindner ist das Engagement Teil eines breiteren wirtschaftlichen Portfolios nach seinem Rückzug aus der Politik. Leegle zählt nach seinen Angaben zu seinen ersten Beteiligungen in der Start up Szene.
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StruKI: Justizministerium Baden-Württemberg entwickelt KI-Werkzeug zur Aktenstrukturierung
Das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg entwickelt ein KI-Werkzeug zur Aktenstrukturierung, genannt StruKI. Konkret handelt es sich um eine Assistenzanwendung, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Justizverfahrensakten zusammenfasst und strukturiert. Dazu heisst es in der Presseerklärung des Ministeriums:
Die Arbeit der Richter und Staatsanwälte wird maßgeblich durch das Lesen und Auswerten von Akten bestimmt, was einen sehr großen Anteil ihrer Arbeitszeit in Anspruch nimmt. StruKI wird Akteninhalte übersichtlich aufbereiten, um einen besseren und schnelleren Zugriff auf die wesentlichen Informationen zu ermöglichen. Dies soll nicht nur die Arbeit der Justizangehörigen erleichtern, sondern auch die Dauer vieler Verfahren verkürzen und somit letztendlich den Bürgern zugutekommen.
Dazu die Ministerin der Justiz und für Migration Marion Gentges: „Mit StruKI möchten wir den Justizangehörigen ein effektives Instrument zur Verfügung stellen, um ihre Arbeit zu optimieren und die Verfahrensführung zu beschleunigen. Dann können sie sich noch besser auf ihre Kernkompetenzen fokussieren: den persönlichen Kontakt mit den Rechtssuchenden, die Kommunikation mit den Verfahrensbeteiligten und die fundierte juristische Entscheidungsfindung.“
Das Projekt ist Teil der Digitalisierungsinitiative für die Justiz und wird mit Entwicklern der IBM Deutschland GmbH, der CODEFY GmbH sowie der Materna Information & Communications SE durchgeführt. Bund und Länder haben Baden-Württemberg mit der Projektdurchführung beauftragt; die Projektinitiative stammt ebenfalls aus Baden-Württemberg.
StruKI soll perspektivisch in allen Gerichtsbarkeiten eingesetzt werden, das heißt bei Zivil- und Strafgerichten, Verwaltungsgerichten, Sozialgerichten, Finanzgerichten und Arbeitsgerichten in Bund und Ländern. Auch die Staatsanwaltschaften werden StruKI nutzen können.
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FutureLaw 2026 – Effizienz, Compliance und die Zukunft der Rechtsberatung
Die Legal-Tech-Landschaft in der DACH-Region ist grundlegend gereift. Im Jahr 2026 hat sich die Diskussion eindeutig von dem spekulativen Hype rund um künstliche Intelligenz hin zu strikter regulatorischer Compliance, Datensouveränität und kompromissloser Prozessoptimierung verlagert. Kanzleien und Rechtsabteilungen von Unternehmen experimentieren nicht länger nur mit generativer KI, sondern integrieren sie aktiv in eine hochregulierte operative Realität, die durch die umfassenden digitalen Governance-Rahmenwerke der Europäischen Union geprägt ist. Legal Tech gilt nicht mehr als „Nice-to-have“-Luxus, sondern als grundlegende Infrastruktur moderner juristischer Praxis.
Die schrittweise Umsetzung des EU-KI-Gesetzes (European Union AI Act) hat ein neues Paradigma für den Einsatz von Legal Tech geschaffen. Nachdem die Verpflichtungen für General-Purpose-AI-Modelle (GPAI) im August 2025 in Kraft getreten sind, liegt der Fokus im Jahr 2026 klar auf dem umfassenden Hochrisiko-Regelwerk für Systeme, die in kritischer Infrastruktur und regulierten Produkten eingebettet sind. Für deutsche Rechtspraktiker erfordert dies einen äußerst sorgfältigen Ansatz bei der Beschaffung von Software. Legal-Tech-Lösungen müssen nicht nur Effizienzgewinne bieten, sondern auch transparente Datenherkunft, belastbare Dokumentation und nachweisbare Einhaltung strenger europäischer Datenschutzstandards gewährleisten. Infolgedessen hat der Markt eine massive Konsolidierung hin zu einheitlichen Cloud-Ökosystemen erlebt. Es wird prognostiziert, dass Fallmanagement-Lösungen im Jahr 2026 einen dominanten Anteil von 41 % am globalen Legal-Tech-Markt halten und als sicheres, regelkonformes zentrales Nervensystem digitalisierter Rechtsprozesse fungieren.
In dieser Ära erhöhter Rechenschaftspflicht hat sich das Management von KI-Halluzinationen von einer theoretischen Krise zu einer täglichen operativen Notwendigkeit entwickelt. Rechtsabteilungen verlangen Systeme, die überprüfbare Wahrheit und logische Konsistenz integrieren. Gleichzeitig erlebt die Branche einen Realitätscheck in Bezug auf „agentische KI“. Während die Marketingversprechen im Jahr 2025 weitreichend waren, differenziert der Markt 2026 strikt zwischen echten autonomen Agenten und bloßen Workflow-Hüllen und verlangt robuste Aufsichtsarchitekturen, um die Kommunikation dieser neuen digitalen Arbeitskräfte zu erfassen und dauerhaft nachzuverfolgen.
EU Regulatory Framework Compliance Imperative 2026 Legal Tech Adaptation EU-KI-Verordnung (GPAI-Bestimmungen) Verpflichtende Transparenz und Zusammenfassungen der Trainingsdaten für Basismodelle. Verlagerung hin zu Anbieter-Ökosystemen, die prüfbare Datenherkunft und erklärbare KI-Ergebnisse bereitstellen. DSGVO & Datensouveränität Strikte Verbote grenzüberschreitender Übertragung sensibler Rechtsdaten in ungesicherte Umgebungen. Einführung von On-Premises Small Language Models (SLMs) und souveränen Cloud-Bereitstellungen. Hochrisiko-KI-Kategorisierung Kontinuierliche Risikobewertungen für KI-Tools, die in gerichtlichen oder kritischen unternehmerischen Entscheidungsprozessen eingesetzt werden. Integration von „Human-in-the-Loop“-Kontrollpunkten (HITL) in automatisierte Workflows zur Dokumentenprüfung.Um diese komplexe Schnittstelle zwischen Technologie und Regulierung zu beherrschen, müssen europäische Rechtspraktiker auf Jurisdiktionen blicken, die digitale Governance erfolgreich vorangetrieben haben. Die Veranstaltung FutureLaw 2026, die am 14.–15. Mai im Hafen von Tallinn stattfindet, dient als Zentrum dieser zentralen Diskussionen. Estonia, weltweit anerkannt als Vorreiter digitaler Governance und Heimat des x-Road-Interoperabilitätsframeworks, bietet den idealen Rahmen, um sichere und skalierbare Innovationen im Legal-Tech-Bereich zu beleuchten.
Die Konferenz wird mit Eröffnungsbeiträgen führender Legal-Tech-Persönlichkeiten eröffnet, darunter auch Deutschlands Stefan C. Schicker, was die unmittelbare Relevanz der Agenda für den DACH-Markt unterstreicht. FutureLaw 2026 adressiert die Compliance-Herausforderungen direkt mit Hauptbühnen-Panels wie „Regulating the Regulators“, in denen analysiert wird, wie Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden sich an KI-gestützte Rechtsdienstleistungen anpassen. Teilnehmer profitieren zudem von den Einsichten von Paul Nemitz, einem „Godfather of GDPR“, sowie von Charles Paré, ehemaliger Chief Legal & Integrity Officer des World Economic Forum, die erörtern werden, wie Vertrauen im Zeitalter automatisierter Entscheidungen wiederhergestellt werden kann.
Für Praktiker mit Fokus auf Effizienz und Risikomanagement bietet die Konferenz hochgradig technische Workshops. „Contract Intelligence – Training AI on Your Own Clauses“ zeigt, wie Modelle sicher mit proprietären Daten feinjustiert werden können, während die Session „Federated Legal Intelligence“ untersucht, wie Rechtsteams grenzüberschreitend an KI-Trainings zusammenarbeiten können, ohne sensible Rohdaten jemals zu teilen. Durch den Austausch mit globalen Experten wie Pēteris Zilgalvis, Richter am Gericht der Europäischen Union, erhalten Teilnehmer ein fundiertes Verständnis dafür, wie Technologie und Rechtsprechung im Rahmen europäischen Rechts zusammengedacht werden müssen. FutureLaw 2026 ist damit ein strategisches Muss für jede Kanzlei, die sich einer sicheren, regelkonformen und effizienten juristischen Praxis in der DACH-Region und darüber hinaus verpflichtet sieht.
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Freshfields und Anthropic schließen globale KI-Allianz
Die internationale Wirtschaftskanzlei Freshfields und das KI-Unternehmen Anthropic haben eine mehrjährige strategische Partnerschaft angekündigt, die auf die gemeinsame Entwicklung KI-gestützter juristischer Arbeitsabläufe und den globalen Einsatz von Anthropics Claude-Modellen innerhalb der Kanzlei abzielt. Die Zusammenarbeit umfasst sowohl operative Nutzung als auch Co-Entwicklung neuer „agentic“ Legal Workflows und markiert einen der bislang weitreichendsten KI-Deployments im internationalen Kanzleimarkt.
Im Zentrum der Vereinbarung steht ein konzernweiter Rollout der Claude-Produktfamilie über sämtliche 33 Freshfields-Standorte hinweg. Die Modelle werden über Freshfields’ proprietäre generative KI-Plattform in einer gesicherten und verantwortungsvoll kontrollierten Umgebung bereitgestellt. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen wurde der Zugang bereits 5.700 Mitarbeitenden eröffnet, über alle Praxisgruppen und Business-Services-Funktionen hinweg. Innerhalb der ersten sechs Wochen soll die tägliche Nutzung bereits breite interne Adoption gezeigt haben.
Co-Entwicklung agentischer Workflows im Fokus
Die Partnerschaft geht deutlich über ein klassisches Software-Beschaffungsmodell hinaus. Freshfields und Anthropic wollen gemeinsam neue KI-native juristische Prozesse entwerfen und produktisieren. Geplant ist, dass Teams beider Unternehmen zusammen Workflows entwickeln, die aktuelle und künftige Fähigkeiten von Claude nutzen, insbesondere für komplexe, wiederkehrende und wissensintensive juristische Aufgaben. Dazu gehören auch neuartige agentische Workflows, also KI-Systeme, die mehrstufige Aufgabenketten teilautonom unterstützen können.
Ein zentrales Element ist dabei auch die operative Zusammenarbeit mit Anthropics eigener Rechtsabteilung. Freshfields soll nicht nur intern Claude einsetzen, sondern gemeinsam mit dem Legal Team von Anthropic neue Prozesse definieren und diese zugleich in der Beratung von Anthropic selbst anwenden. Die Partnerschaft hat damit einen bidirektionalen Charakter: Freshfields wird Nutzer, Entwicklungspartner und zugleich externer Rechtsberater innerhalb desselben Innovationsmodells.
Nach Angaben aus der Veröffentlichung nutzt Freshfields Claude bereits täglich in der Mandatsarbeit. Einsatzfelder umfassen u.a. juristische Recherche und Wissensmanagement, Dokumentenanalyse und Prüfung, Unterstützung bei Due-Diligence-Prozessen, vertragsbezogene Arbeitsabläufe, Workflow-Automatisierung in Business Services sowie produktivitätssteigernde Assistenz in mandatsbezogenen Prozessen. Diese Nutzung soll nun im Rahmen der neuen Vereinbarung systematisch ausgebaut und um neue Workflow-Kategorien erweitert werden.
Globaler Rollout unter Sicherheits- und Governance-Rahmen
Die Unternehmen betonen dabei ausdrücklich einen verantwortungsvollen Implementierungsansatz. Der Einsatz erfolge in einem sicheren und verantwortungsvollen Rahmen. Das deutet auf Governance-, Sicherheits- und Kontrollmechanismen hin, die insbesondere im regulierten juristischen Umfeld zentral sind. Auch dies wird als Bestandteil des globalen Deployments hervorgehoben.
Bemerkenswert ist auch der Umfang des Deployments: 33 Büros global und 5.700 Mitarbeitende machen das Projekt zu einer ungewöhnlich großen Einführung von Frontier-Modellen in einer Kanzleiumgebung. Die Vereinbarung wird ausdrücklich als mehrjährig beschrieben, was auf einen langfristigen Ausbau statt eines Pilotprojekts hinweist.
Signalwirkung für den Legal Tech Markt
Strategisch ist die Partnerschaft für beide Seiten bedeutsam. Für Freshfields bedeutet sie eine beschleunigte Transformation hin zu KI-native Legal Services. Anders als punktuelle Tool-Nutzung zielt das Modell auf tief integrierte Prozessveränderungen.
Für Anthropic stellt die Kooperation einen hochkarätigen Enterprise- und Legal-Sektor-Anwendungsfall dar, in dem Claude nicht nur als Assistenzsystem, sondern als Infrastruktur für professionelle Workflows positioniert wird.
Für den Legal Tech Markt signalisiert die Kooperation einen Übergang von experimenteller KI-Nutzung zu großskaliger institutioneller Implementierung in internationalen Kanzleistrukturen. Die Ankündigung reiht sich damit in einen breiteren Trend ein, bei dem führende Kanzleien über reine Nutzung generativer KI hinaus beginnen, gemeinsam mit Modellanbietern domänenspezifische Systeme zu entwickeln. Neu an diesem Fall ist jedoch die explizite Co-Build-Komponente, also nicht nur Deployment, sondern gemeinsame Produkt- und Workflow-Innovation zu entwickeln.
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Hogan Lovells tritt Global Legal Tech Alliance bei
Die globale Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells ist einem Netzwerk von mehr als fünfzehn internationaler Kanzleien beigetreten, um die Global Legal Tech Alliance zu gründen – eine länderübergreifende Initiative, die Kanzleien stärker in die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien in der juristischen Praxis einbindet.
Die Allianz schließt eine Marktlücke: Obwohl Kanzleien in verschiedenen Rechtsordnungen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Einführung von KI und Rechtstechnologie stehen, fehlte bislang eine strukturierte, von Kanzleien geführte Plattform, um diese gemeinsam anzugehen. Die Global Legal Tech Alliance will dies durch gemeinsame Standards, kollaborative Entwicklungen von Lösungen für komplexe juristische Workflows sowie durch gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote über die Global Legal Tech Alliance Academy ändern.
Über die Global Legal Tech Alliance Academy erhalten die Mitgliedskanzleien Zugang zu gemeinsamen Trainingsressourcen und Entwicklungsprogrammen für Juristen aller Karrierestufen. Das Global Legal Tech Alliance Forum bietet eine Plattform für den regelmäßigen fachlichen Austausch zu neuen Technologien und Legal Operations, während das Global Legal Tech Alliance Strategic Forum Führungskräfte zusammenbringt, um einen langfristigen Dialog über die Entwicklung von Legal Tech und deren Auswirkungen auf die Branche zu führen.
Die Allianz basiert auf der Grundidee, dass Kanzleien Innovationen in diesem Sektor maßgeblich vorantreiben können – sie verfügen über hochwertige Daten, ein tiefes Verständnis rechtlicher Fragestellungen und verpflichten sich zu hohen ethischen Standards. Ziel ist es, Mandanten die bestmögliche, technologiegestützte Rechtsberatung zu bieten.
Sebastian Lach, Partner bei Hogan Lovells und Co-CEO von ELTEMATE, ergänzt: „Unsere Mandanten erwarten mehr als exzellente Rechtsberatung – sie erwarten auch intelligente, skalierbare Technologien. Die Global Legal Tech Alliance ermöglicht es uns, Innovationen schneller denn je in die Praxis umzusetzen und zugleich ein einzigartiges Lernökosystem zu schaffen, in dem sich Juristen weiterentwickeln können. Mit dem Beitritt zur Global Legal Tech Alliance wird Hogan Lovells Teil eines globalen Netzwerks führender Kanzleien, die die Zukunft juristischer Dienstleistungen durch Technologie, Zusammenarbeit, Innovation und geteilte Expertise aktiv mitgestalten.“
Mark W. Brennan, Global Managing Partner für Digitalisierung, kommentiert: „Legal Tech steht im Zentrum unserer Leistungserbringung für Mandanten. Kanzleien verfügen über die Expertise, die Daten und die professionellen Standards, um hier eine führende Rolle einzunehmen. Wir sollten diese Werkzeuge und Best Practices aktiv gestalten, um Mandantenservice und Effizienz zu optimieren.“
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Anthropic greift mit „Claude for Word“ den Legal Tech Markt an
Der nächste relevante Vorstoß in den Legal Tech Markt kommt nicht von einem klassischen Spezialanbieter, sondern von einem Modellentwickler. Anthropic hat mit „Claude for Word“ ein Word-Add-in in die Beta gebracht, das gezielt auf dokumentenintensive Arbeitsprozesse ausgerichtet ist. Der entscheidende Unterschied zu bisherigen KI-Anwendungen liegt im Einsatzort: Die Assistenz findet nicht mehr außerhalb des Dokuments statt, sondern direkt innerhalb der Arbeitsumgebung, in der Juristen täglich Verträge, Schriftsätze und Stellungnahmen bearbeiten.
Damit adressiert Anthropic einen zentralen Schwachpunkt vieler bisheriger KI-Anwendungen im Rechtsbereich: den Medienbruch zwischen Textverarbeitung und KI-gestützter Analyse. Statt Inhalte zu exportieren und in externe Tools zu überführen, bleibt der gesamte Prozess im Dokument verankert.
Redlining als strategischer Hebel
Besonders relevant für juristische Praxis ist die Integration in bestehende Word-Workflows. „Claude for Word“ ist darauf ausgelegt, Änderungen direkt im Modus „Track Changes“ vorzunehmen. Anpassungen erscheinen somit als nachvollziehbare Redlines, die wie gewohnt geprüft, akzeptiert oder verworfen werden können.
Diese Funktionalität ist nicht trivial. Während viele generative KI-Systeme Textvorschläge liefern, scheitert ihre praktische Nutzbarkeit häufig an der fehlenden Integration in etablierte Review-Prozesse. Ein System, das Änderungen unmittelbar als redaktionell nachvollziehbare Eingriffe im Dokument abbildet, fügt sich hingegen nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe ein.
Ergänzend kann die Anwendung Kommentare analysieren, mehrteilige Dokumente kontextübergreifend bearbeiten und strukturelle Elemente wie Formatierungen oder Nummerierungen erhalten. Gerade bei umfangreichen Vertragswerken ist dies ein wesentlicher Faktor für die Praxistauglichkeit.
Angriff auf zwei Märkte gleichzeitig
Mit diesem Ansatz positioniert sich Anthropic strategisch gleich gegen zwei etablierte Marktsegmente:
Zum einen tritt das Unternehmen in direkte Konkurrenz zu den KI-Angeboten innerhalb der Microsoft-Produktwelt. Da Microsoft Word im juristischen Umfeld de facto Standard ist, wird jede tief integrierte KI-Erweiterung automatisch zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor.
Zum anderen geraten spezialisierte Legal-Tech-Anbieter unter Druck. Viele dieser Lösungen differenzieren sich über Funktionen wie Vertragsanalyse, Redlining oder Kommentarmanagement. Wenn ein generalistisches KI-System diese Kernfunktionen zunehmend direkt im Standardarbeitswerkzeug abbildet, verschiebt sich die Wettbewerbslogik.
Allerdings bedeutet das nicht automatisch eine Verdrängung spezialisierter Anbieter. Vielmehr entsteht ein Spannungsfeld zwischen breiter integrierten, generischen Lösungen und hochspezialisierten Tools mit tiefer juristischer Funktionalität.
Produktivitätsgewinn mit klaren Grenzen
Die bislang bekannten Funktionen sprechen vor allem für eine deutliche Effizienzsteigerung bei standardisierten Aufgaben: Zusammenfassungen, erste Vertragsanalysen, sprachliche Optimierungen oder das Abarbeiten von Kommentaren lassen sich erheblich beschleunigen. Gleichzeitig bleiben strukturelle Grenzen bestehen. Komplexe juristische Bewertungen, strategische Verhandlungsentscheidungen oder die Anwendung spezifischer Kanzlei-Playbooks lassen sich nicht ohne Weiteres automatisieren. Auch Fragen der inhaltlichen Verlässlichkeit und der rechtlichen Einordnung bleiben kritisch.
Anthropic selbst weist darauf hin, dass alle Änderungen überprüft werden sollten und menschliche Aufsicht erforderlich bleibt. In der Praxis positioniert sich das System damit eher als Assistenzwerkzeug denn als autonome Entscheidungsinstanz.
Integration als Plattformstrategie
„Claude for Word“ ist zudem Teil einer größeren Entwicklung. Anthropic arbeitet daran, seine Modelle in zentrale Arbeitsumgebungen zu integrieren, darunter auch Anwendungen wie Excel oder PowerPoint sowie unternehmensweite Datenquellen. Für den Rechtsmarkt ist diese Entwicklung besonders relevant, da juristische Arbeit selten isoliert erfolgt. Verträge stehen im Kontext von E-Mail-Kommunikation, internen Abstimmungen, Präsentationen und strukturierten Daten. Eine KI, die diese Informationsquellen miteinander verknüpfen kann, gewinnt erheblich an praktischer Relevanz. Die strategische Stoßrichtung ist damit klar: Nicht einzelne Funktionen sollen dominieren, sondern die Position innerhalb des gesamten Arbeitsprozesses.
Neue Anforderungen an Governance und Compliance
Mit der tieferen Integration in juristische Workflows steigen zugleich die Anforderungen an Datenschutz, Vertraulichkeit und Compliance. Der Einsatz von KI im Dokument selbst wirft unmittelbare Fragen zur Verarbeitung sensibler Mandatsinformationen auf. Hinzu kommen haftungsrechtliche und prozessuale Aspekte. In verschiedenen Rechtsordnungen wird bereits diskutiert, inwieweit Interaktionen mit KI-Systemen dokumentations- und potenziell verwertbar sind. Für Kanzleien bedeutet das, dass der Einsatz solcher Tools nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und rechtlich abgesichert werden muss. Entsprechend gewinnt die Implementierung klarer Richtlinien, Prüfprozesse und Zugriffskontrollen an Bedeutung.
Fazit: Der Wettbewerb verschiebt sich ins Dokument
Mit „Claude for Word“ greift Anthropic nicht einfach ein weiteres Segment des Legal Tech Markts an, sondern positioniert sich an einem zentralen Punkt juristischer Wertschöpfung: der Bearbeitung des Dokuments selbst. Die eigentliche Innovation liegt weniger in einzelnen Funktionen als in der Integration in bestehende Arbeitsabläufe. Genau darin könnte sich langfristig ein entscheidender Wettbewerbsvorteil entwickeln.
Für Kanzleien stellt sich damit eine strategische Frage: Welche Rolle sollen generalistische, tief integrierte KI-Systeme künftig im eigenen Workflow spielen und wie lassen sie sich mit spezialisierten Legal Tech Lösungen sinnvoll kombinieren?
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Kommentar: Zwei Wochen Beck-Noxtua im Praxisvergleich mit Libra
Vor etwa zwei Jahren habe ich angefangen, mit ChatGPT zu arbeiten. Erst sporadisch, dann regelmäßig. Die Ergebnisse waren oft überraschend brauchbar, aber schnell wurde klar, dass ein amerikanischer Chatbot und der anwaltliche Berufsalltag mit seinen Vertraulichkeitsanforderungen nicht ohne Weiteres zusammenpassen. Ich habe das Thema eine Weile auf Abstand gehalten, bis nach und nach Tools auf den Markt kamen, die genau dieses Problem lösen wollten.
Seit etwa sechs Monaten arbeite ich täglich mit Libra, und was mich dabei am meisten beschäftigt, ist weniger das einzelne Tool als die Richtung, in die sich das alles bewegt. Die rechtliche Prüfung, die solche Werkzeuge heute liefern, ist in vielen Fällen schon erstaunlich präzise. Wenn man das weiterdenkt, verschiebt sich möglicherweise, was die eigentliche anwaltliche Leistung ausmacht. Vielleicht weniger das theoretische Wissen, das abrufbar wird, und mehr das, was sich nicht automatisieren lässt: der Umgang mit Mandanten, die Einschätzung einer Situation, die Organisation der eigenen Kanzlei.
Aber das ist die große Perspektive. Konkret wollte ich wissen, wie sich Beck-Noxtua im Kanzleialltag schlägt, und habe es zwei Wochen lang parallel zu Libra getestet. Mein Fazit fällt eindeutiger aus als erwartet.
Diktierfunktion: Im Anwaltsalltag kein Nice-to-have
Eine im Tool integrierte Diktierfunktion hat aktuell nur Libra. Ich spreche Sachverhalte ein, lasse direkt daraus umfassende Drafts generieren, arbeite die nach. Das spart enorm viel Zeit. Wer viel diktiert, und das tun die meisten Anwälte, merkt schnell, wie sehr dieses Feature den Workflow verändert. Bei Beck-Noxtua fehlt das.
Dokumentenanalyse: Wo es wirklich drauf ankommt
Bei Libra werden profilbezogen alle Chatverläufe und darin hochgeladene Dokumente gespeichert, man hat also von jedem Browser aus jederzeit Zugriff. Beck-Noxtua speichert leider nur browserbezogen.
Gravierender ist aber ein anderer Punkt: In Beck-Noxtua fehlt bei der Analyse eingespeister Dokumente, also etwa Testamenten, Schriftsätzen oder gerichtlichen Verfügungen, die Markierung der analysierten Stellen im angehängten Dokument. Libra hingegen markiert die relevante Passage direkt.
Das klingt nach einem Detailunterschied, ist aber in der Praxis erheblich. Bei einem Erbrechtsfall hatte Noxtua eine Passage in den eingereichten Dokumenten überhaupt nicht erfasst und lieferte entsprechend eine eklatante Fehleinschätzung. Libra hatte sie gefunden. Umgekehrt war Noxtua bei der Analyse eines komplexen Scheidungsfolgenvertrags inhaltlich durchaus brauchbar. Die Zuverlässigkeit schwankt also, und genau das macht es schwierig, dem Tool in zeitkritischen Situationen zu vertrauen.
Sprachliche Qualität
Libra hat beim sprachlichen Output aktuell klar die Nase vorn. Es lässt mich das Sprachmodell für den Output wählen, ich kann also je nach Aufgabe zwischen aktuellen Versionen von ChatGPT und Claude wechseln, wobei ich hier Claude mittlerweile am häufigsten nutze. Noxtua arbeitet mit einem eigenen Modell, man hat also keine Auswahl. Die Texte klingen für mich zuweilen etwas hölzern. Das war bei Libra vor einigen Monaten auch noch so, ist aber seit der Implementierung von ChatGPT und Claude dort viel besser. Für Anwälte, die KI-generierte Entwürfe nur noch nacharbeiten statt komplett umschreiben wollen, ist das ein relevanter Unterschied.
Der klare Vorteil von Noxtua: Die Beck-Datenbank
Natürlich muss man fair bleiben. Die Verknüpfung mit der Beck-Datenbank, die an Qualität und Quantität sicherlich ihresgleichen sucht, ist ein echter Pluspunkt. Wer in seinem Arbeitsalltag auf tiefgehende Datenbankrecherche großen Wert legt, findet bei Noxtua hier vielleicht die bessere Anbindung. Libra arbeitet aktuell mit Otto Schmidt und Wolters Kluwer, was für meine Praxis ausreicht, aber je nach Rechtsgebiet anders aussehen kann.
Fazit
Libra ist für meinen Arbeitsalltag aktuell klar das bessere Werkzeug. Mich überzeugt die Diktierfunktion, der sprachliche Output, der sich weniger sperrig anfühlt und weniger Nacharbeit braucht, und die Dokumentenverknüpfung, die mir zeigt, worauf eine Einschätzung beruht. Die Otto-Schmidt-Anbindung reicht für das, was ich brauche.
Das heißt nicht, dass Beck-Noxtua schlecht ist. Die Datenbankanbindung ist ein starkes Argument, und es ist gut, dass es Wettbewerb auf diesem Markt gibt. Aber für den täglichen Einsatz in einer Kanzlei, die viel mit Schriftsätzen, Dokumentenanalyse und Mandantenkommunikation arbeitet, hat Libra aktuell die Nase vorn.
Ich bin gespannt, wie sich beide Tools weiterentwickeln. Der Markt bewegt sich schnell, und was heute gilt, kann in sechs Monaten anders aussehen.
Kommentator: Florian Branitzki ist Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht sowie Partner einer Kanzlei in Karlsruhe. Er setzt KI-Tools seit über einem Jahr in der täglichen Mandatsarbeit ein und ist Vorstand im Anwaltsverein Karlsruhe.
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Online-Verfahren für Zivilklagen startet: Digitalisierung der Amtsgerichte in der Erprobung
In Deutschland wird seit April 2026 ein neues Online-Verfahren für Zivilklagen vor Amtsgerichten praktisch erprobt. Ziel ist es, den Zugang zur Justiz einfacher, schneller und kostengünstiger zu gestalten.
Das Verfahren startet zunächst an acht ausgewählten Amtsgerichten (unter anderem in Nürnberg, Hamburg-Mitte, Frankfurt am Main und Leipzig); weitere Standorte sollen folgen.
Inhaltlich ist das Verfahren vorerst auf Geldforderungen bis zu 10.000 Euro beschränkt. Es handelt sich nicht nur um eine Digitalisierung bestehender Abläufe, sondern um eine eigenständige Verfahrensart mit speziellen Regeln und reduzierten Gerichtsgebühren.
Klagen werden über ein digitales Eingabesystem vollständig online eingereicht und bearbeitet. Das Verfahren ist sowohl für Bürger als auch für Rechtsanwälte zugänglich.
Ein zentrales Merkmal ist die stärker strukturierte und digital gesteuerte Verfahrensführung. In vielen Fällen soll keine mündliche Verhandlung stattfinden; falls erforderlich, kann diese per Video durchgeführt werden.
Die Erprobung dient dazu, praktische Erfahrungen zu sammeln und das Verfahren technisch sowie rechtlich weiterzuentwickeln. Grundlage ist eine gesetzliche Regelung aus dem Jahr 2025, die ausdrücklich Testphasen ermöglicht.
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Openlaw sammelt 3,3 Millionen USD ein: Angriff auf Europas Bürokratie
Das Münchner Legal Tech Start-up Openlaw hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 3,3 Millionen US-Dollar eingesammelt. Ziel des jungen Unternehmens ist es, die bislang oft langwierigen und komplexen Prozesse rund um Firmengründungen und notarielle Dienstleistungen in Europa grundlegend zu digitalisieren und deutlich zu beschleunigen.
Gegründet wurde Openlaw im Jahr 2024. Das Unternehmen tritt im deutschen Markt vor allem unter der Marke beglaubigt.de auf und positioniert sich als Plattform für digitale Rechts- und Notarinfrastruktur. Mit seinem Ansatz will das Start-up bürokratische Abläufe radikal vereinfachen und damit insbesondere Unternehmensgründungen effizienter gestalten.
Nach eigenen Angaben soll sich die Dauer von Gründungsprozessen durch die Digitalisierung von bislang mehreren Wochen auf nur noch wenige Tage verkürzen lassen.
Die Finanzierung wird von verschiedenen Investoren getragen, darunter auch prominente Geldgeber wie YouTube-Mitgründer Jawed Karim. Insgesamt entspricht die eingesammelte Summe knapp drei Millionen Euro.
Mit dem frischen Kapital plant Openlaw, seine Technologie weiter auszubauen und die Expansion voranzutreiben. Im Fokus steht dabei die Entwicklung einer europaweit skalierbaren Infrastruktur, die rechtliche und notarielle Prozesse digital abbildet und standardisiert.
Foto oben: Felix Gerlach (links) und Alexander Sporenberg (rechts), die Gründer von Openlaw.
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