Aktuelle Nachrichten
525/26 | Entschließung des Bundesrates: Biotechnologie fördern und den deutschen Wirtschaftsstandort stärken | 11. September 2026
474/1/26 | Entwurf eines Gesetzes zur Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes | 11. September 2026
385/1/26 | Entschließung des Bundesrates "Konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention - kritische Bestandsaufnahme des § 177 StGB" | 11. September 2026
525/26 | Entschließung des Bundesrates: Biotechnologie fördern und den deutschen Wirtschaftsstandort stärken | 19. September 2026
480/26 | Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht | 26. September 2026
Verordnung für Bürokratierückbau und Vereinfachungen in der Seeschifffahrt
V. v. 07.09.2026 BGBl. 2026 I Nr. 257
ändert
- Besondere Gebührenverordnung Wasserstraßen und Schifffahrt (WSBGebV)
- Maritime-Medizin-Verordnung (MariMedV)
- Seeleute-Befähigungsverordnung (See-BV)
- See-Berufsausbildungsverordnung (See-BAV)
- Verordnung über die Geschäftsordnung des Ausschusses für medizinische Ausstattung in der Seeschifffahrt (GO-MEDASV)
- Schiffsbesetzungsverordnung (SchBesV)
Verordnung zur Änderung der Wertpapierinstituts-Prüfungsberichtsverordnung und der Schwarmfinanzierungsdienstleister-Prüfungsverordnung zur Berücksichtigung der Vorgaben der Verordnung (EU) 2022/2554 im Rahmen von Prüfungen
V. v. 26.08.2026 BGBl. 2026 I Nr. 256
ändert
- Wertpapierinstituts-Prüfungsberichtsverordnung (WpIPrüfbV)
- Schwarmfinanzierungsdienstleister-Prüfungsverordnung (SchwarmfdPV)
Wofür Kanzleien einstellen: 455 Stellenanzeigen aus vier Wochen
Wer wissen will, welche Arbeit in einer Kanzlei anfällt, kann die Kanzleien selbst fragen. Die Antwort steht in ihren Stellenanzeigen. Ich habe die Anzeigen aus vier Wochen bundesweit ausgewertet, mit denen Rechtsanwalts- und Notarkanzleien ihr nichtanwaltliches Personal suchen: 455 Stellen aus 396 Kanzleien, jede im Volltext abgerufen und nach denselben Mustern durchsucht. Anwalts- und Fachanwaltsstellen sind nicht erfasst; was hier steht, ist die Arbeit vor dem Berufsträger. Das Ergebnis: Gesucht wird zuerst jemand, der Fristen hält und Schriftsätze fertigt. Kostenrechnung, Vollstreckung und Aktenführung folgen dicht dahinter. Die Beratung von Mandanten durch die gesuchte Person kommt praktisch nicht vor.
Eine Stellenanzeige ist eine der wenigen Beschreibungen, die eine Kanzlei von ihrer eigenen Arbeit nach außen gibt, gerichtet an Fremde und so genau, dass sich die richtige Person bewirbt. Wer viele davon nebeneinanderlegt, sieht, wofür eine Branche Personal sucht.
Für diesen Beitrag habe ich die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit über ihre offene Schnittstelle abgefragt, für die vier Wochen bis zum 2. September 2026, mit den Suchbegriffen Rechtsanwaltsfachangestellte, Notarfachangestellte, Kanzleiorganisation, Anwaltssekretariat, Kanzleimanagement und Rechtsanwaltskanzlei Sachbearbeitung. Anzeigen von Arbeitgebern, die keine Kanzlei sind, habe ich ausgeschlossen: Sozialverbände, Versicherungen, Kammern, Gerichte und Personaldienstleister suchen denselben Beruf. Übrig blieben 455 Stellen aus 396 Kanzleien in 234 Orten, 447 davon mit lesbarem Volltext; auf diese 447 beziehen sich alle Anteile. Von jeder habe ich den Volltext abgerufen und maschinell nach neun wiederkehrenden Aufgaben und vier Tätigkeiten mit Ermessen durchsucht; die Suchmuster liegen offen. 302 Anzeigen, also 68 Prozent, nennen mindestens eine der neun Aufgaben ausdrücklich, die übrigen beschreiben die Stelle allgemein.
Was in den Anzeigen steht
Alle Anteile beziehen sich auf dieselben 447 Anzeigen; eine Anzeige kann in mehreren Zeilen vorkommen, die Werte addieren sich deshalb nicht auf hundert.
Die häufigste Nennung ist die Frist: 145 Anzeigen verlangen Fristenkontrolle oder Wiedervorlage ausdrücklich, in den Worten der Kanzleien „Fristenüberwachung und Kalenderführung“, „Termin- und Fristenüberwachung“, „Selbstständige Fristen- und Terminüberwachung“. Danach folgen Schriftsätze nach Diktat oder Vorlage, dann nahezu gleichauf die Kostenrechnung nach RVG, das Mahnwesen mit der Zwangsvollstreckung und die Aktenführung. Diesen fünf Aufgaben ist eines gemeinsam: feste Regeln und Wiederkehr in vielen Akten. Genau dafür stellen Kanzleien zuerst ein.
Auffällig ist der letzte Platz unter den neun wiederkehrenden Aufgaben. Das besondere elektronische Anwaltspostfach und den elektronischen Rechtsverkehr nennen 31 von 447 Anzeigen ausdrücklich, obwohl Rechtsanwälte vorbereitende Schriftsätze seit dem 1. Januar 2022 als elektronisches Dokument einreichen müssen. Eine Lesart: Der elektronische Weg gilt als selbstverständlich und steht, wo er vorkommt, im Nebensatz, „einschließlich elektronischen Rechtsverkehrs“. Das Suchmuster erfasst nur die ausgeschriebene Nennung; die 31 sind eine Untergrenze.
Wo jemand entscheiden muss
Vier der dreizehn Kategorien verlangen Ermessen: die eigenverantwortliche Sachbearbeitung, anspruchsvolle Zuarbeit wie Entwürfe und Recherche, die Vor- und Nachbereitung von Gerichtsterminen und die Beratung von Mandanten. Die eigenverantwortliche Sachbearbeitung nennen 43 Anzeigen, weit weniger als jede der neun wiederkehrenden Aufgaben, in den Worten der Kanzleien „Eigenständige Bearbeitung des Mahn- und Rechtsverkehrs“, „Selbständige Bearbeitung des gesamten Kostenwesens“, „eigenverantwortliche Aktenführung“. Gezählt ist nur, wer die Eigenverantwortung an eine Aufgabe bindet; die Floskel von der eigenverantwortlichen Arbeitsweise im Anforderungsteil zählt nicht. Entwürfe und Recherche nennen 24 Anzeigen, die Vor- und Nachbereitung von Gerichtsterminen acht, die Beratung von Mandanten zwei, und beide Treffer meinen beim Nachlesen die Koordination von Beratungsgesprächen und die Zuarbeit zu einer steuerlichen Beratung. Die Kanzleien suchen jemanden, der Vorgänge führt, nicht jemanden, der berät.
Das heißt nicht, dass die Beratung unwichtig wäre. Es heißt, dass sie beim Berufsträger bleibt, und für ihn schreibt keine dieser Anzeigen aus. Die Person am Schreibtisch soll zuerst die Frist halten und die Akte führen.
Die Grenze zwischen Routine und Entscheidung verläuft dabei mitten durch die einzelnen Aufgaben. Die Frist zeigt es: Den Fristablauf aus dem Zustellungsdatum berechnen, die Vorfrist notieren, den Kalendereintrag gegen die Akte prüfen, das läuft nach festen Regeln und ist in jeder Akte gleich. Ob ein Ereignis überhaupt eine Frist auslöst und welche, und ob der Anwalt heute noch entscheiden muss, ist die Frage dahinter. Die Anzeigen suchen für den Regelteil eine Person, die den Berufsträger rechtzeitig vor die Entscheidung stellt.
Was die Berufsbezeichnungen verraten
Die Bundesagentur führt zu jeder Anzeige eine amtliche Berufsbezeichnung. Von den 282 Anzeigen, deren Arbeitgebername selbst eine Kanzlei ausweist, tragen neun von zehn einen der drei Ausbildungsberufe: 57 Prozent Rechtsanwaltsfachangestellte, 21 Prozent die kombinierte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, 14 Prozent Notarfachangestellte. Funktionsbezeichnungen kommen als Suchbegriffe praktisch nicht vor: vier Anzeigen unter Kanzleiorganisation, keine unter Kanzleimanagement und Anwaltssekretariat. Kanzleien schreiben den Ausbildungsberuf aus, nicht die Rolle, und in jeder fünften Anzeige gleich beide Berufe zusammen. Der Beruf ist zugleich nicht auf Kanzleien beschränkt: Unter den Treffern für Rechtsanwaltsfachangestellte standen Sozialverbände mit eigener Rechtsberatung, Versicherungen, Rechtsanwaltskammern, Gerichte und Personaldienstleister, die für Kanzleien suchen; sie sind hier herausgerechnet.
Was das für Kanzleien bedeutet
Die Anzeigen sagen nichts darüber, wie lange etwas dauert. Was sie sagen, ist, wofür eingestellt wird: zuerst für die wiederkehrende Arbeit mit Haftungsfolge, also Fristen, Schriftsätze, Kostenrechnung, Vollstreckung. Drei Fragen ergeben sich aus den Zahlen, für Kanzleien beim Blick auf den eigenen Schreibtisch:
Wer hält die Fristen, und wer übernimmt sie, wenn diese Person ausfällt?
Welche Schritte zwischen Posteingang und Fristaustrag sind so beschrieben, dass eine zweite Person sie übernehmen kann?
Wie viel Zeit bleibt für den Mandanten, wenn Fristen, Schriftsätze und Kostenrechnungen zuerst bedient werden müssen?
Die Antworten sagen mehr über eine Kanzlei als jede Stellenanzeige. Die Anzeigen sagen, wo man hinsehen muss.
Methodik und Grenzen
Quelle ist die Jobsuche-Schnittstelle der Bundesagentur für Arbeit, Zeitraum die 28 Tage bis zum 2. September 2026, ohne Zeitarbeit und private Arbeitsvermittlung, Dubletten über die Referenznummer entfernt. Der Zeitraum beträgt genau 28 Tage, weil die Schnittstelle nur 0, 1, 7, 14 und 28 Tage kennt. Zwei der sechs Suchbegriffe tragen die Erhebung: 337 Anzeigen kamen über Rechtsanwaltsfachangestellte, 114 über Notarfachangestellte, vier über Kanzleiorganisation, die übrigen drei Begriffe lieferten nichts. Erfasst sind nur Anzeigen, deren Arbeitgebername oder amtliche Berufsbezeichnung eine Fachangestellten-Stelle in einer Kanzlei ausweist. 171 Treffer von Arbeitgebern, die keine Kanzlei sind, und 129 Treffer mit anderem Zuschnitt, darunter Anwalts- und Fachanwaltsstellen sowie kaufmännische Stellen ohne Kanzleibezug, sind nicht Teil der Erhebung. Von jeder Anzeige wurde der Volltext abgerufen und maschinell mit festen Suchmustern durchsucht, keine Lektüre von Hand. Jedes Muster verlangt Kontext, damit Floskeln nicht zählen: „unbefristeter Arbeitsvertrag“ ist keine Frist, „wir beraten Mandanten im Arbeitsrecht“ beschreibt die Kanzlei und nicht die Stelle. Grenzfälle bleiben, etwa wenn eine Kanzlei „die umfassende Betreuung der Mandanten“ als Haltung beschreibt und das als Mandantenkontakt zählt; die Erhebungsdatei enthält deshalb für jede Kategorie das Suchmuster und bis zu sechs Beispieltreffer im Wortlaut. Eine Vergleichsmessung zehn Tage zuvor mit 443 Anzeigen und einer strengeren Ausschlussregel ergab dieselben beiden Spitzenplätze; die größte Abweichung einer Kategorie betrug vier Prozentpunkte. Eine Anzeige beschreibt den gesuchten Zuschnitt, nicht die tatsächliche Zeitverwendung; ein Nebensatz zählt wie eine Hauptaufgabe. Erfasst ist nur, was auf der Jobbörse der Bundesagentur steht; Kanzleien, die ausschließlich auf der eigenen Seite ausschreiben, fehlen. Ein Regionalschnitt ist nicht Teil dieser Erhebung. Die vollständige Erhebungsdatei mit Suchbegriffen, Suchmustern, Zahlen, Berufsverteilung und Beispieltreffern liegt der Redaktion vor und wird Lesern auf Anfrage zur Verfügung gestellt.
Autor: Ilia Isakov entwickelt und betreibt Automatisierungsstrecken für mittelständische Unternehmen und Kanzleien bei fudaut.. Für diesen Beitrag hat er die Stellenangebote von Kanzleien aus vier Wochen im Spätsommer 2026 über die offene Schnittstelle der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.
Der Beitrag Wofür Kanzleien einstellen: 455 Stellenanzeigen aus vier Wochen erschien zuerst auf .
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Ein Feuerwehrmann teilte in diversen Gruppen Memes, die den Nationalsozialismus verharmlosen. Ob das seinen Rauswurf rechtfertigt, hängt davon ab, ob er gegen die Verfassungstreuepflicht verstößt. Dann wären auch private Chats verwertbar.
