Alle wichtigen juristischen Nachrichten – fortlaufend aktualisiert und zeitsparend im großen Überblick.

Juristische Nachrichten

Streit ums neue Wahlrecht: Trump ruft den Supreme Court an

LTO Nachrichten - 28.07.2026

In weniger als 100 Tagen wird in den USA ein neues Parlament gewählt. Trump will bis dahin verschärfte Wahlregeln durchsetzen und zieht dafür nun vor den Obersten US-Gerichtshof.

OLG Köln billigt Kollegenschelte unter Anwälten

beck-aktuell - 28.07.2026
OLG Köln billigt Kollegenschelte unter Anwälten fallback_fallback_quader_4.jpg timothy_heinle Di., 28.07.2026 - 15:10 Ein Rechtsanwalt warf einem Kollegen online vor, bei einer Abmahnung überhöhte Streitwerte anzusetzen. Die Beurteilung als "fragwürdig" – auch unter Nennung des Klarnamens – geht laut dem OLG Köln in Ordnung. Unlauterer Wettbewerb Berufsrecht der Rechtsanwälte und Notare

Statt einer großen müssen auch zwei kleine Taschen erlaubt sein

beck-aktuell - 28.07.2026
Statt einer großen müssen auch zwei kleine Taschen erlaubt sein handgepäck_flugzeug_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 15:01 Eine Airline darf Passagiere im Billigtarif nicht grundsätzlich auf ein einziges kleines Handgepäckstück beschränken. Das OLG Hamm sieht darin eine unangemessene Benachteiligung und untersagt die Praxis. Unlauterer Wettbewerb

Mediziner muss nach Plagiats-Verschwörung 210.000 Euro zahlen

beck-aktuell - 28.07.2026
Mediziner muss nach Plagiats-Verschwörung 210.000 Euro zahlen plagiat-cirquedesprit -adobe.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 14:46 Ein Mediziner investiert Tausende Euro in Ghostwriter, um einen Plagiatsvorwurf gegen einen Rechtsmediziner zu inszenieren - und muss jetzt viel Geld an sein Opfer zahlen, dafür aber nicht ins Gefängnis. Was steckt hinter dem verkorksten Racheplan? Strafrecht

Aufarbeitung nach CSD-Anschlag: Die Fußfessel speziell für Gefährder

LTO Nachrichten - 28.07.2026

Nach dem Bundesinnenminister macht auch der CSU-Landesgruppen-Chef den Vorschlag, Fußfesseln speziell für "Gefährder" einzuführen. Der Haken: "Gefährder" ist kein Rechtsbegriff. Außerdem haben Bund und Länder schon Regeln für Fußfesseln.

Union trägt SPD-Vorschlag nicht mit: "Konsequenter gegen Gefährder statt Grundgesetzänderung"

LTO Nachrichten - 28.07.2026

Nach dem Attentat auf den CSD unternimmt die SPD einen neuen Anlauf, das Diskriminierungsverbot in Art. 3 GG um das Merkmal "sexuelle Identität" zu ergänzen. Die nötige Mehrheit im Bundestag ist jedoch unwahrscheinlich, die Union will nicht.

Abhör-Vorwurf wird nicht weiter untersucht

beck-aktuell - 28.07.2026
Abhör-Vorwurf wird nicht weiter untersucht tesla_grünheide_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 13:27 Der Autobauer wirft einem Vertreter der IG Metall vor, er habe eine Betriebsratssitzung heimlich mitgeschnitten. Die Prüfung des Laptops ergibt keinen Beleg. Tesla will weitere Ermittlungen – und scheitert. Strafrecht

Brief-Übergabe sorgt für Aufregung

beck-aktuell - 28.07.2026
Brief-Übergabe sorgt für Aufregung block_28072026-dpa Marcus Brandt.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 13:22 Seit einem Jahr wird der Block-Prozess unter großem öffentlichem Interesse geführt. Nun müssen die Zuschauer mehrere Verhandlungstage vor der Tür bleiben. Zuvor sorgt ein Brief für Aufregung im Saal. Strafrecht

Er wollte nur erschrecken, nicht töten

beck-aktuell - 28.07.2026
Er wollte nur erschrecken, nicht töten mountainbike_wald_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 13:11 Ein Jäger ärgerte sich über die illegale Mountainbike-Fahrten durch ein Schutzgebiet. Er spannte Drähte über die Strecke und stand deswegen wochenlang vor Gericht. Nun gibt es eine Entscheidung des LG Heilbronn. Strafrecht

BGH billigt Anspruchsbündelung im Rundholz-Kartell

beck-aktuell - 28.07.2026
BGH billigt Anspruchsbündelung im Rundholz-Kartell rundholz_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 12:58 Ob das Land Baden-Württemberg Sägewerken Kartellschadensersatz schuldet, ist weiter offen - zentrale Feststellungen fehlen. Doch die Sammelklage des Inkasso-Dienstleisters erklärt der BGH für zulässig, anders als im LKW-Kartell ohne Einschränkungen. Kartellrecht, EG-Kartellrecht Berufsrecht der Rechtsanwälte und Notare Pia Lorenz

Urheberstreit bleibt beim Amtsgericht

beck-aktuell - 28.07.2026
Urheberstreit bleibt beim Amtsgericht amtsgericht-_3_.jpg nina_setzer Di., 28.07.2026 - 12:43 Ein Amtsgericht las eine reformierte Zuständigkeitsnorm wörtlich – und verwies einen Urheberrechtsstreit ans Landgericht. Das OLG Frankfurt a. M. hält dagegen: Ein neuer Gesetzeswortlaut ersetze keine saubere Gesetzesauslegung. Urheberrecht, Verlagsrecht Gerichtsverfassung und Zivilverfahren Zivilverfahren, FGG, Berufsrecht

BVerfG stärkt Arztvorbehalt bei Eigenbluttherapien

beck-aktuell - 28.07.2026
BVerfG stärkt Arztvorbehalt bei Eigenbluttherapien blutabnahme_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 11:58 Eine Heilpraktikerin wollte nichthomöopathische Eigenblutbehandlungen anbieten, das wurde ihr als Nicht-Ärztin untersagt. Das BVerfG hält den Arztvorbehalt für diese Art von Behandlungen für verfassungsgemäß und mit der Berufsfreiheit vereinbar. Staats- und Verfassungsrecht

Mit dem Hammer des Strafrechts

beck-aktuell - 28.07.2026
Mit dem Hammer des Strafrechts AdobeStock_Israelflagge.jpg michael_dollmann Di., 28.07.2026 - 11:42 Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. Dieses als Maslows Hammer bekannte psychologische Phänomen erfasst auch die Gesetzgebung. Europarecht, ausl. Recht, Völkerrecht Strafrecht

Bestenauslese

beck-aktuell - 28.07.2026
Bestenauslese doktorhutmitbuch.jpeg michael_dollmann Di., 28.07.2026 - 11:38 Das ist doch mal eine gute Nachricht vom VGH Mannheim (Beschl. v. 27.4.​2026 – 4 S 328/26): Nur weil das Examensergebnis und das der Promotion so so la la waren, heißt das nicht automatisch, dass man eine wissenschaftliche Karriere getrost abschenken kann. Öffentliches Recht sonst. besonderes Verwaltungsrecht Dr. Monika Spiekermann

LG Osnabrück zum Tierkauf: 710.000 Euro für ein Dressurpferd sind kein Wucher

LTO Nachrichten - 28.07.2026

Eine Händlerin, die Tiere für teils siebenstellige Summen an- und verkauft, ist alles, aber ganz sicher nicht unerfahren, hat das LG klargestellt. Auf ein Wuchergeschäft könne sie sich nicht berufen, nur weil ein Deal schlecht für sie ausging.

Trump ruft Supreme Court an

beck-aktuell - 28.07.2026
Trump ruft Supreme Court an supreme_court_2026 (1).jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 10:00 In weniger als 100 Tagen wird in den USA ein neues Parlament gewählt. Für Trump ist es höchste Zeit, die gewünschten verschärften Wahlregeln durchzusetzen – dafür zieht er nun vor den Obersten Gerichtshof der USA. Europarecht, ausl. Recht, Völkerrecht Staats- und Verfassungsrecht

USA sollen polnischen Ex-Justizminister ausliefern

beck-aktuell - 28.07.2026
USA sollen polnischen Ex-Justizminister ausliefern fallback_fallback_quader_18.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 09:53 Polen bittet die USA um die Auslieferung des früheren Justizministers Zbigniew Ziobro. Ihm werden 26 Straftaten vorgeworfen, darunter Veruntreuung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Europarecht, ausl. Recht, Völkerrecht

Ex-BVerfG-Präsident Papier will mehr Parteien im Bundestag sehen

beck-aktuell - 28.07.2026
Ex-BVerfG-Präsident Papier will mehr Parteien im Bundestag sehen bundestag_parlament_2026.jpg karla_wilken Di., 28.07.2026 - 09:37 Der frühere Präsident des BVerfG Hans-Jürgen Papier fordert, die Sperrklausel bei Bundestagswahlen von 5 auf 3% abzusenken. Seine Begründung: Mehr Parteien im Parlament würden die Demokratie stärken. Staats- und Verfassungsrecht

Die KI-fähige Kanzlei: Warum erfolgreiche KI-Nutzung vor allem eine organisatorische Aufgabe ist

Legal Tech Verzeichnis - 28.07.2026

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den juristischen Arbeitsalltag. Laut der Future Ready Lawyer Studie nutzen bereits 92 Prozent aller Kanzleien und Rechtsabteilungen mindestens ein KI-Tool in ihrem Arbeitsalltag. Sie experimentieren mit neuen Werkzeugen für Recherche, Vertragsgestaltung, Dokumentenprüfung und Wissensmanagement. Die Diskussion dreht sich dabei häufig um Technologie: Welche Lösungen setzen sich durch? Welche Anwendungsfälle versprechen den größten Nutzen? Wie viel Effizienz lässt sich gewinnen?

Doch die entscheidendere Frage lautet nicht, welche KI eingesetzt wird. Die entscheidendere Frage lautet, wie sich juristische Organisationen verändern müssen, um ihr Potenzial tatsächlich zu nutzen.

KI ist weit mehr als ein weiteres Legal-Tech-Werkzeug. Sie verändert die Art und Weise, wie juristische Arbeit organisiert wird, wie Expertise entsteht und wie zukünftige Generationen von Juristinnen und Juristen ausgebildet werden. Wer KI ausschließlich als Produktivitätsinstrument betrachtet, wird Verbesserungen erzielen. Wer sie als Anlass nimmt, die eigene Organisation weiterzuentwickeln, kann deutlich mehr erreichen.

Von individueller Expertise zu skalierbarem Wissen

Die juristische Praxis war lange Zeit stark von individueller Erfahrung geprägt. Wissen entstand durch Ausbildung, Mandatsarbeit und persönliche Expertise. Viele Entscheidungen basierten auf dem Erfahrungswissen einzelner Partnerinnen, Partner oder erfahrener Anwältinnen und Anwälte. KI stellt dieses Modell nicht infrage – sie erweitert es.

Denn viele juristische Fragestellungen folgen wiederkehrenden Mustern. Ähnliche Sachverhalte werden analysiert, vergleichbare Vertragsklauseln verhandelt und bekannte Risiken bewertet. KI schafft die Möglichkeit, dieses Wissen systematischer zu erfassen und organisationsweit verfügbar zu machen.

Damit verschiebt sich der Fokus von der individuellen Leistung auf die organisatorische Fähigkeit, Wissen nutzbar zu machen. Die erfolgreichsten Kanzleien werden künftig nicht nur über exzellente Juristinnen und Juristen verfügen. Sie werden in der Lage sein, deren Wissen strukturiert in Prozesse, Workflows und Arbeitsweisen einzubetten.

Warum Legal Operations wichtiger wird

Mit der Verbreitung von KI gewinnt die operative Gestaltung juristischer Arbeit an Bedeutung. Viele Kanzleien haben ihre Arbeitsweise historisch eher organisch entwickelt. Prozesse, Wissensmanagement und Zusammenarbeit standen häufig nicht im Mittelpunkt. In einer KI-gestützten Arbeitswelt wird genau das zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Erfolgreiche Organisationen werden ihre Abläufe bewusst gestalten: Wie entsteht Arbeit? Wie wird Wissen geteilt? Wo entstehen Reibungsverluste? Welche Aufgaben lassen sich standardisieren, ohne die Qualität zu beeinträchtigen? Der entscheidende Wettbewerbsvorteil wird nicht allein aus besserer Technologie entstehen, sondern aus besseren Betriebsmodellen.

Die Rolle des Anwalts verändert sich

Gleichzeitig verändert sich der Charakter juristischer Arbeit. KI kann bereits heute Recherche unterstützen, erste Entwürfe erstellen, Dokumente analysieren und Informationen strukturieren. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt menschlicher Arbeit.

Mandanten bezahlen Anwältinnen und Anwälte nicht für die Erstellung eines Dokuments. Sie bezahlen für Urteilsvermögen. Je mehr Routineaufgaben automatisiert werden, desto wichtiger werden Fähigkeiten wie strategisches Denken, Risikobewertung, Verhandlungsgeschick, Beratungskompetenz und die Fähigkeit, komplexe Situationen einzuordnen.

Die Zukunft gehört daher nicht Juristinnen und Juristen, die besonders schnell Informationen finden können. Sie gehört denjenigen, die Informationen richtig bewerten und daraus fundierte Entscheidungen ableiten.

Neue Anforderungen an Ausbildung und Talententwicklung

Diese Entwicklung hat unmittelbare Folgen für die Ausbildung der nächsten Generation. Traditionell lernten junge Juristinnen und Juristen durch Wiederholung. Sie recherchierten, prüften Dokumente und erstellten Entwürfe. Über die Jahre entwickelten sie dadurch ein tiefes Verständnis für Zusammenhänge, Muster und Risiken.

Wenn KI einen wachsenden Teil dieser Aufgaben übernimmt, müssen Kanzleien neue Wege finden, um genau diese Fähigkeiten aufzubauen. Künftig werden nicht nur juristische Fachkenntnisse gefragt sein, sondern auch kritisches Denken, analytische Stärke, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, mit KI-Systemen souverän umzugehen. AI Literacy wird zu einer Schlüsselkompetenz.

Juristinnen und Juristen müssen verstehen, wie KI-Ergebnisse entstehen, wie sie überprüft werden können und wo ihre Grenzen liegen. Die Fähigkeit, eine KI-Antwort kritisch zu hinterfragen, wird genauso wichtig sein wie die Fähigkeit, sie zu erzeugen.

Governance wird zum Erfolgsfaktor

Neben Prozessen und Kompetenzen gewinnt Governance an Bedeutung. Juristische Arbeit basiert auf Vertrauen. Mandanten erwarten nicht nur schnelle Antworten, sondern belastbare Antworten. Sie erwarten Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Vertraulichkeit und Verantwortlichkeit. Deshalb darf KI-Governance nicht als reine Compliance-Aufgabe verstanden werden. Sie wird zu einer strategischen Disziplin.

Organisationen benötigen klare Regeln für Qualitätskontrolle, Quellenvalidierung, Datenschutz, menschliche Aufsicht und Verantwortlichkeiten. Nicht die leistungsfähigste KI wird langfristig den Unterschied machen, sondern die Fähigkeit, KI verantwortungsvoll in professionelle Entscheidungsprozesse einzubinden.

Mehr als ein Technologieprojekt

Die Rechtsbranche befindet sich an einem Wendepunkt. Die Phase des Experimentierens geht allmählich in die Phase der organisatorischen Transformation über. Die Gewinner dieser Entwicklung werden nicht zwangsläufig diejenigen sein, die KI am schnellsten einführen. Erfolgreich werden jene Organisationen sein, die Technologie, Prozesse, Talente und Governance miteinander verbinden.

Denn die Zukunft juristischer KI ist letztlich keine Technologiegeschichte. Sie ist eine Geschichte darüber, wie Kanzleien Wissen skalieren, Talente entwickeln und professionelle Exzellenz in einer Welt sichern, in der Intelligenz jederzeit verfügbar geworden ist.

Autor: Dr. Yannek Wloch, Director Legal Engineering Libra by Wolters Kluwer. Er ist seit vielen Jahren im Bereich Legal Tech tätig. Stationen führten ihn zu Flightright, Chevalier, an die Bucerius Law School und schließlich zu Libra by Wolters Kluwer. Dort ist er als Director Legal Engineering tätig. Gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes promovierte er zum Einsatz von KI in der zivilprozessualen Streitbeilegung. Als Experte referiert er darüber, wie Künstliche Intelligenz den anwaltlichen Berufsalltag verändert.

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"Man kann nicht allen Gefährdern eine Fußfessel anlegen"

beck-aktuell - 27.07.2026
"Man kann nicht allen Gefährdern eine Fußfessel anlegen" Polizei-Absperrung.jpg maximilian_amos Mo., 27.07.2026 - 17:34 Nach dem Anschlag auf den CSD stellt sich erneut die Frage: Hätte man das verhindern können? Der Sicherheitsrechtler Markus Thiel spricht im Interview über den Umgang mit Gefährdern, Lücken im System und warum es keine absolute Sicherheit geben kann. sonst. besonderes Verwaltungsrecht Dr. Maximilian Amos