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Machiavelli, Schopenhauer und Sloterdijk

Im nächsten Jahr werden wir den 500. Todestag von Niccolò Machiavelli (1449–1527) erleben, der sich als erster Denker liberale Gedanken über den Zusammenhang von Macht und Moral gemacht hat. Auch heute noch ist dieser Streit in jeder Hinsicht aktuell. Machiavelli plädiert dafür, dass derjenige, der die Macht in seiner Hand hat, sich in erster Linie Gedanken darüber machen muss, sie zu erhalten und dieses Motiv auch gegen moralische Argumente zu verteidigen.

Schopenhauer hat es schon früh auf den Punkt gebracht:

»Machiavellis Problem war die Auflösung der Frage, wie sich der Fürst unbedingt auf dem Thron erhalten könne trotz inneren und äußeren Feinden. Sein Problem war also keinesfalls das ethische, ob ein Fürst als Mensch dergleichen wollen solle oder nicht; sondern rein das politische, wie er, wenn er es will, es ausführen können. Hierzu nun gibt er die Auflösung, wie man eine Anweisung zum Schachspielen schreibt, bei der es doch töricht wäre, die Beantwortung der Frage zu vermissen, ob es moralisch rätlich sei, überhaupt Schach zu spielen. Dem Machiavelli die Immoralität seiner Schrift vorwerfen ist ebenso angebracht, als es wäre, einem Fechtmeister vorzuwerfen, dass er nicht seinen Unterricht mit einer moralischen Vorlesung gegen Mord und Totschlag eröffnet.«
(Die Welt als Wille und Vorstellung (1819)., Anhang: Kritik der Kantischen Philosophie, Sämtliche Werke Cotta/Insel 1976, Bd. I, Seite 559 ff. (691, FN I).

Ein Politiker kann sich entscheiden, Moral höher einzustufen als den Erhalt der Macht. Aber dann wird es schwer, seine Position zu halten. Und nicht selten stehen Politiker vor der tragischen Wahl, dass sie die moralischen Auswirkungen ihrer Entscheidungen nicht wirklich verlässlich beurteilen können. Machiavelli hat deshalb empfohlen, die Motive seiner Entscheidungen zu verdecken. Im berühmten Kap. XVIII des »Principe« heißt es: »Bei den Handlungen aller Menschen, insbesondere der Fürsten, welche keinen Richter über sich haben, sieht man immer nur auf ihr Ergebnis. … denn der Pöbel hält es stets mit dem Schein und dem Ausgang einer Sache«. Peter Sloterdijk hat in seinem jüngsten Buch »Der Fürst und seine Erben« Donald Trump mit Machiavellis Fürsten verglichen. Da hat er allerdings danebengegriffen, denn der US-Präsident versteckt seine Lügen und willkürlichen Entscheidungen in keiner Weise – und daran wird er letztlich scheitern.
https://www.suhrkamp.de/buch/peter-sloterdijk-der-fuerst-und-seine-erben....